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Broder in Wien PDF Print E-mail
Written by Tarafa Baghajati   
Sunday, 25 February 2007


Eine FPÖ Aussendung (siehe unten) greift mich im Zusammenhang mit meinem
Diskussionsbeitrag bei einem Auftritt des Autors Henryk M. Broder in einer
Wiener Bücherei unqualifiziert persönlich an, wozu ich wie folgt Stellung
nehme. Mit Herrn Broder ist eine inhaltliche Auseinandersetzung wichtig. Diese ist leider in fast allen medialen Beiträgen zu seinem Besuch in Wien ausgeblieben.


Um keine Missverständnisse im Raum zu lassen, lege ich zunächst meinen
Originaltext an die Bücherei Wien zur Information offen:

**************************************************

„unten übermitteln wir Ihnen unsere Stellungnahme zur einseitigen
Einladungspolitik der WeltStadt Wien zu Ihrer Information. Natürlich steht
Ihnen gerade als Bücherei zu einzuladen wen immer Sie möchten und wir
möchten uns hier in keinster Weise einmischen.
Gleichzeitig wäre wichtig bei
solcher Veranstaltung eine einseitige und noch dazu hetzerische Darbietung
zu vermeiden. Wir hoffen, dass die Bücherei Wien durch geeignete Moderation
und harte Infragestellung der islamfeindlichen Thesen von Herrn Broder
entgegen wirkt.

Tarafa Baghajati, Wien, 23.02.2007

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ,
http://www.islaminitiative.at
und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
 www.enar-eu.org/en/

****************************************************

Dankenswerter Weise wurde mir von der Abteilungsleitung der Städtischen
Bücherei das Angebot gemacht, mit Herrn Broder nach seiner Lesung zu
diskutieren. Dies habe ich selbstverständlich gerne angenommen. Dass die FPÖ
es als „Skandal“ bezeichnet, wenn hier den Betroffenen die Möglichkeit
gegeben wurde, ihre Stellungnahme zu den Thesen von Herrn Broder abzugeben,
ist der wahre Skandal.

Denn wir halten es für selbstverständlich, dass bei Themen, die Minderheiten
betreffen, auch die Betroffenen als Teil der Gesellschaft in geeigneter Form
zu Wort kommen. Dafür möchten wir uns bei der Wiener Bücherei ausdrücklich
bedanken. Nun ganz stichwortartig die Hauptpunkte aus meinem „Kurzreferat“:

- Begrüßung und Dank an die Leiterin der Bücherei, dass sie die Situation
der Asylwerber in Österreich und Europa (Thema der letzten Lesung) in ihrem
Eingangsstatement solidarisch erwähnt hat, auch Dank an Herrn Broder für das
Thematisieren der Situation der afghanischen Asylwerber in Deutschland und
volle Übereinstimmung mit seinen Worten diesbezüglich.

- Kurzvorstellung: Lebe in Wien inzwischen länger als in meiner Geburtsstadt
Damaskus und daher ein Wiener mit Migrationshintergrund (Anmerkung: Herr
Broder hat den Begriff Migrationshintergrund bei seiner Lesung einige Male
ins Lächerliche gezogen).


- Humor, Überspitzung Polemik und Ironie können zweifelsohne ein Mittel und
Ausdruck gesellschaftspolitischer Kritik sein. Satire kann aufklärerisch
aber auch hetzerisch wirken. Manche Passagen von Herrn Broder habe ich
lustig und aufklärerisch gefunden, was die pauschalierende Haltung zu Islam
und Muslimen betrifft, waren die meisten Aussagen hetzerisch.

- Die Existenz der Islamfeindlichkeit bzw. Islamophobie zu leugnen ist auch
von einem Polemiker nicht akzeptabel. Die offene und klare Haltung der IKG -
Israelitische Kultusgemeinde, samt unmissverständlichen Worte des Herrn
Präsidenten Muzikant während dem hetzerischen Wahlkampf der FPÖ wurde von
mir erwähnt und nochmals ausdrücklich begrüßt.

- Die These von Herrn Broder „alle Terroristen sind Muslime, somit muss es
mit der Religion irgendwie zu tun haben“ ist nicht nur völlig falsch,
sondern auch gefährlich. Mit der gleichen Argumentation könnte eine
Verbindung zwischen Irakkrieg und Christentum oder eine Verbindung zwischen
dem Verhalten des israelischen Militärs in den besetzten Gebieten mit
Judentum hergestellt werden, somit wäre ein Weg in Richtung „Religionskrieg“
geöffnet. Dagegen treten wir mit aller Vehemenz auf.

- Die Konstruktion von Stereotypen wird von Herrn Broder durchgehend
gefördert, auch gesellschaftspolitisch problematisch und schädigend.

- In Österreich haben die österreichischen Muslime einen Weg der
Partizipation beschritten. Alle, teilweise berechtigten Kritikpunkte von
Herrn Broder wurden auch im offiziellen Rahmen wie zuletzt bei der
Europäischen Imame-Konferenz im April 2006 behandelt und thematisiert. Einen
Ausdruck der Schlusserklärung habe ich Herrn Broder übergeben.

Nach der Diskussion habe ich Herrn Broder ein Dossier überreicht mit den
rassistischen, menschenverachtenden und islamfeindlichen Schriften, die wir
nach der Veröffentlichung unserer kritischen Stellungnahme betreffend
einseitiger Einladungspolitik der Organisation WeltStadt Wien und unseres
Appells an ihren Präsidenten, Dr. Johannes Hahn, Bundesminister für
Wissenschaft und Forschung, „der Sensibilität der Thematik Rechnung zu
tragen und offensichtlicher Verhetzung entgegenzuwirken.“ erhalten haben.
Dabei machte ich den Hinweis, dass die Absender sich mit den Thesen von
Herrn Broder offensichtlich identifizieren, ja auch als „seine Verteidiger“
auftreten. Das Gespräch mit Herrn Broder war wie erwartet hart und kritisch,
jedoch äußerst nett und angenehm. Er hat sich bei mir für das Kommen und für
das Kurzreferat bedankt und den Wunsch geäußert, mal „auf einen Cafe“
gemeinsam zu gehen um weiterzudiskutieren. Sehr gerne würde ich das Gespräch
jeder Zeit fortsetzen.

Dass die FPÖ sich jetzt als „Hüterin“ Herrn Broders aufstellt, passt
offenbar in ihr Weltbild. Muslime als Prügelknaben zu missbrauchen ist bei
ihnen schließlich nichts Neues. Dass Muslime „daham“ sind und so natürlich
mitreden, wenn gegen sie polemisiert wird, können sie sich wohl schwer
gewöhnen. Abschließend ein besonderer Dank an die Städtische Bücherei.

Bei allfälligen Fragen stehe ich gerne zur Verfügung

Tarafa Baghajati

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ,
http://www.islaminitiative.at
und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
 www.enar-eu.org/en/


**************** E N D E *******************

 
Aussendung der FPÖ zur Information:

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Jenewein: Skandalöse Interventionen durch Mitarbeiter der MA 13 bei Lesung
von Buchautor Henryk Broder!
Mit der Androhung von Disziplinarmaßnahmen sollte die Leiterin
der städtischen Bücherei in der Hütteldorfer Straße "gefügig"
gemacht werden!

Wien, 22-02-2007 (fpd) - Als Sittenbild roter Allmachtsphantasien
und Skandal bezeichnete heute der Landesparteisekretär der Wiener
FPÖ, Hans-Jörg Jenewein, die Vorgänge rund um eine Lesung des
bekannten Buchautors Henryk Broder in einer Städtischen Bücherei am
22.Februar. Broders Buch "Hurra, wir kapitulieren!" war offenbar für
manche Vertreter der Einbürgerungspartei SPÖ derart provokativ, dass
man mit massiven Druck aus der MA 13 erzwingen wollte, die Lesung
Broders zu einer Podiumsdiskussion umzuwandeln. Bereits Stunden vor
der Veranstaltung forderte der allseits bekannte Islam-Aktivist
Tarafa Baghajati gemeinsam mit Broder am Podium zu sitzen, was dieser
jedoch ablehnte.

Die Vorgehensweise der MA 13 in diesem Bereich zeige einmal mehr,
dass innerhalb der Wiener SPÖ offenbar bewusst daran gearbeitet
werde, jene Stimmen unserer Gesellschaft mundtot zu machen, die nicht
in den allgemeinen Gesang der "Multi-Kulti-Träumer" einstimmen
möchten. Dass jedoch nicht einmal vor Interventionen und angedrohten
Disziplinarmaßnahmen Halt gemacht werde, offenbare das wahre Ausmaß
dieser gefährlichen Entwicklung.

Vizebürgermeisterin Grete Laska ist dringend aufgerufen ihre
Mitarbeiter innerhalb der MA 13 zur Ordnung zu rufen und sich in
aller Form für diesen Nötigungsversuch bei der Leiterin der Bücherei
zu entschuldigen. So ein Vorgehen ist einer westlichen Weltstadt
unwürdig und auch Herrn Baghajati sei eindringlich auf dem Weg
mitgegeben, dass es in unserer Gesellschaft eine Frage von Anstand
und Benehmen sei, auf Co-Referate - so wie er es im Anschluß an die
Lesung getan hat - zu verzichten, und die primitivsten Regeln einer
entsprechenden Diskussion einzuhalten, so Jenewein abschließend.
(Schluß)

Rückfragehinweis:
   Klub der Freiheitlichen
   Pressestelle
   Tel.: (01) 4000 / 81 798

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OTS0109    2007-02-22/11:38

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