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IGGiÖ zum Terminus "religiös motivierte Handlungen" PDF Print E-mail
Written by Carla Amina Baghajati   
Wednesday, 03 February 2010

Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich zum Terminus "religiös
motivierte Handlungen"


Terminus "religiös motivierte Handlungen" im Zusammenhang mit Gewalt
oder schwerer Nötigung irreführend und kontraproduktiv

So nachvollziehbar der Wunsch nach Reformen im Strafrecht nach einem
umstrittenen Totschlagurteil auch sein mag, so unglücklich formuliert
scheint der Begriff "religiös motivierte Handlungen".

Denn diese Wortwahl ist irreführend und kontraproduktiv. Taten wie
Zwangsheirat, Ehrenmord oder weibliche Genitalverstümmelung sind auf
keinen Fall religiös zu legitimieren. Ganz im Gegenteil liegt gerade in
der religiösen Argumentation und der scharfen, aus den islamischen
Quellen begründeten Verurteilung von Gewalt an Frauen ein wichtiger Weg,
solche Erscheinungen möglichst zu  verhindern.

Die Religion ist hier also nicht das Problem, sondern vielmehr ein Teil
der Lösung. Dass dies auch in der Praxis positiv umgesetzt werden kann,
zeigen zum Beispiel die jüngsten Erfolge im Kampf gegen die weibliche
Genitalverstümmelung (FGM)̧an denen auch österreichische Muslime
beteiligt sind. Die europäischen Imamekonferenzen, die in Österreich mit
nachhaltigem Erfolg stattfanden, haben die Verantwortung gerade seitens
religiöser Multiplikatorinnen und Multiplikatoren unterstrichen, gegen
Gewalt an Frauen einzutreten.

Da eine Zuschreibung als "religiös motiviert" bewusstseinsbildende
Prozesse zur Überwindung geradezu blockieren kann, ist von dieser
Bezeichnung abzusehen. International hat sich der Terminus "harmful
traditional practices (HTP)" eingebürgert. Der Ausdruck
"traditionsbedingte Gewalt"  ist nicht nur treffend, sondern hat auch
die Bildung von Allianzen zur Wahrung von Frauenrechten befördert. Diese
sind schließlich ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das aktiv gerade
in einer pluralistischen Gesellschaft von möglichst allen mitgetragen
werden soll.

Wien, am  03.02.2010

Rückfragehinweis:
Carla Amina Baghajati

Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Mitglied des Obersten Rates und Mitgründerin der Initiative
muslimsicher ÖsterreicherInnen



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