"Musliminnen am Wort" - Deklaration muslimischer Frauen

Diese Homepage wurde mit einem neuem CMS aufgesetzt und befindet sich daher in Arbeit ...

Autor:

Musliminnen am Wort:

Gegen jede Verbotspolitik auf unseren Köpfen!

Für unser Selbstbestimmungsrecht!

Und die volle Teilhabe an einer pluralen Gesellschaft!

Österreich war über viele Jahrzehnte auf der Basis des Islamgesetzes von 1912 bzw. der IGGÖ seit 1979 ein Vorbild für eine erfolgreiche Politik im Umgang mit der muslimischen Bevölkerung. Dieser bewährte Stil droht dem gegen­wärtigen politischen Diskurs zum Opfer zu fallen. Diese Abkehr vom bewährten Kurs ist ein demokratiepolitisch falsches Signal.

Mit dieser Deklaration von Musliminnen aus allen Teilen der Bevölkerung melden wir uns zu Wort, um vor den negativen gesamtgesell­schaft­li­chen Folgen für das Zusammenleben in Österreich und dem Verlust von Ansehen in Europa und international zu warnen.

Den Beginn der Menschenrechtserklärung von 1948 stellen wir unserer Deklaration voran:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Geschwisterlichkeit begegnen.“

Aufgrund der Analyse des derzeitigen Diskurses halten wir fest:

  • Unsere Köpfe sind keine Werbefläche! Schluss mit Projektio­nen islamfeindlicher Tendenzen auf das Kopftuch!
  • Was das Kopftuch für eine Frau ausdrückt, bestimmt die Trägerin selbst!
  • Muslimische Identität soll für Frauen nicht auf das Kopftuch­tragen zugespitzt bzw. beschränkt werden!

Wir wenden uns gegen in Umlauf befindliche Narrative und definieren uns selbst:

  • Wir muslimische Schülerinnen und Studentinnen sind Zukunfts­trägerinnen!
  • Wir muslimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen fördern den sozialen Zusammenhalt!
  • Wir muslimische Mütter rücken das Kindeswohl in den Mittel­punkt!
  • Wir Lehrerinnen und Moscheepädagoginnen stärken Mädchen in ihrer Persönlichkeit!

Wir fordern von der Politik:

  • Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen:
    • Keine Verbotspolitik auf unseren Köpfen!
    • Kein Eingriff in die Religionsfreiheit!
    • Keine Diskriminierung durch eine Lex Islamica mit expliziten Verboten für Musliminnen!
    • „Schutzverständnis“ darf weder zu Bevormundung, noch zu Entmündigung führen!
       
  • Respekt vor dem Kindeswohl:
    • Anerkennung der Erziehungsarbeit muslimischer Eltern und Kooperation mit ihnen statt pauschaler Verunglimpfung!
    • Fokus auf den gesamtgesellschaftlichen Handlungsbedarf im Sinne des Kindeswohls (Herausforderungen wie etwa Gewalt in der Familie, Verwahrlosung, Sucht oder Scheidungswaisen) und die daraus folgende politische Verantwortung in der Bereitstel­lung dringend notwendiger Ressourcen für Hilfsangebote!
    • Chancengleichheit für Kinder und Schutz vor abwertendem oder gar übergriffigem Verhalten ihnen gegenüber; Beachtung der Kinderrechte (Kinderrechtskonvention von 1992, bes. Art. 14)!
       
  • Übernahme von politischer Verantwortung für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt:
    • Entgegenwirken bei Feindbilddenken und Polarisierung!
    • Schutz vor jeglicher Diskriminierung!
    • Ausschöpfung der bestehenden Rechtslage im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes!
       
  • Frauenpolitik, die Musliminnen auf gleicher Augenhöhe einbezieht:
    • Mit uns reden, statt über uns!
    • Anerkennung der persönlichen Entscheidung, das Kopftuch zu tragen oder nicht zu tragen!
    • Schluss mit negativen Zuschreibungen und Unterstellungen, um letztlich Diskriminierung zu rechtfertigen!
       
  • Integration von Musliminnen in den Arbeitsmarkt:
    • Fokus auf die Qualifikation von Frauen und nicht auf das Kopf­tuch oder den fremdländisch klingenden Namen!
    • Vorbildwirkung des Staates als Arbeitgeber in der Umsetzung der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie (in Österreich ab 1. Juli 2004 implementiert)!
    • Empowerment im Bildungsbereich muss den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt – gerade bei höheren Bildungsabschlüssen –  mit­einschließen!

Wir fordern innerhalb der muslimischen Community:

  • Verwirklichung der Beschlüsse der Imamekonferenzen  von 2003, 2006 und 2010:
    • Mehr Teilhabe und Mitsprache von Frauen in der Organisation und Führung muslimischer Vereine und Institutionen!
    • Die Rolle der Frauen als Bildungsträgerinnen stärken und diese in den innermuslimischen Diskurs vermehrt einbeziehen!
    • Die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie!
    • Aktives Eintreten gegen Benachteiligung von Frauen und bei Gewalt gegen Frauen!
       
  • Stärkung von Männern, die sich für Frauenrechte einsetzen!
     
  • Keine Ablenkung von den aktuellen vielfältigen politischen Herausforderungen und dem entsprechenden Handlungsbe­darf durch das Kopftuchthema!
     
  • Frauen allein kommunizieren über das Tragen des Kopf­tuchs!

Erläuternde Bemerkungen
 

  1. Analyse

    Die oben genannten Forderungen entspringen einer Analyse des derzeitigen Diskurses:

  • Es wird mehr über uns muslimische Frauen als mit uns geredet.
     
  • Wir haben es satt, als Opfer hingestellt und bemitleidet zu werden. Egal ob wir Kopftuch tragen oder nicht erleben wir im derzeitigen gesellschaftlichen Klima Druck. Wir sehen uns als selbstständige Akteurinnen und verwahren uns gegen selbsternannte „Befreier“ und „Beschützer“. Besonders zynisch empfinden wir es, wenn man uns, sobald wir Diskriminierungserfahrungen öffentlich machen, auch noch unterstellt, uns in der „Opferrolle verstecken zu wollen“.
     
  • Die immer wiederkehrenden Kopftuchdebatten lenken von den eigentlichen gesell­schaft­li­chen Problemen ab und werden somit politisch instrumentalisiert. Polarisierung droht.
     
  • Aus frauenpolitischer Sicht warnen wir eindringlich davor, dass durch die Fokussie­rung auf das Kopftuch unterstellt wird, nur bei „den anderen, den Muslimen“ würden patriarchale Zustände vorherrschen. Jedoch sind gesamtgesellschaftlich Verbesserun­gen auf dem Weg zu allgemeiner Chancengleichheit und Geschlechter­gerechtigkeit immer noch notwendig, wie auch das Frauenvolksbegehren zeigt.
     
  • Verbotspolitik steht im Widerspruch zum Prinzip der Mündigkeit und der Emanzipa­tion von Frauen. Es ist auffällig, dass die Forderung eines Kopftuchverbotes in der Politik am lautesten von Männern erhoben wird. Die angebliche „Befreiung“ der Frauen mündet im Falle von Kleidervorschriften wieder in der Bevormundung. Somit unterscheidet sich jemand, der zum Kopftuch zwingen will, nicht von jemandem, der es verbieten will. Bei der Entscheidung steht Selbstbestimmung im Vordergrund und diese ist zu respektieren.
     
  • Musliminnen werden einerseits als „Integrationsmotor“ beschrieben (z.B. Studie von Zulehner, 2013) mit der Betonung, dass sie als role models traditionelle patriarchale Rollenbilder aufbrechen. Genau das leben wir auch. Andererseits schafft die Verbots­politik Sanktionen, die sich pauschal gegen alle muslimischen Frauen richten.
     
  • In Zeiten brüchiger eigener Identitäten haben manche politischen Gruppen leichtes Spiel, ihr Selbstbild über die Abgrenzung von anderen scheinbar zu festigen und zunehmende Risse in der Gesamtgesellschaft zu überdecken. Das Kopftuch scheint sich dazu in seiner öffentlichen Sichtbarkeit als Projektionsfläche gut anzubieten.
     
  • Eine angeblich bedrohliche Andersartigkeit der Kopftuchträgerinnnen wird konstru­iert. Das verstellt den Blick darauf, dass sich eine Kopftuchträgerin in ihren Anliegen nicht von anderen Frauen unterscheiden muss: Etwa in ihrem Streben nach einer geschlechtergerechten Gesellschaft, in der die volle Chancengleichheit von Männern und Frauen gewahrt ist.
     
  1. Forderungen

Diese konstruierte „bedrohliche Andersartigkeit“ bedarf der Dekonstruktion!

Ob wir nun Kopftuch tragen oder nicht, lehnen wir grundsätzlich islamfeindliche Projektionen auf dieses Kleidungsstück ab. Die Sichtbarkeit des Kopftuchs ist gegeben. Aber wir wehren uns entschieden dagegen, dass auf unseren Köpfen Politik betrieben und gesellschaftlicher Zwiespalt geschürt wird. Wir lassen uns nicht zur Litfaßsäule von Botschaften machen, die wir ablehnen. Wir fordern:

Unsere Köpfe sind keine Werbefläche – Schluss mit Projektionen auf das Kopftuch!

  • Die muslimische Identität soll sich für Frauen nicht auf das Kopftuch­tragen zuspitzen!
    Viele muslimische Frauen tragen kein Kopftuch. Wir Musliminnen lassen uns nicht gegenei­nander ausspielen oder gar spalten, sondern sind solidarisch miteinander.  Ob eine Frau ein Kopftuch trägt oder nicht, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, ob sie eine „gute Musli­min“ ist. Genauso wenig erlaubt es eine Schlussfolgerung, ob sie „konservativ“ oder „liberal“ ist. Eine Deutungshoheit über die Religiosität einer Frau kommt keinem Menschen zu. Auch hier sind die Gründe sehr individuell. Eine Rechtfertigung für das Nicht-Kopftuchtragen entfällt!
     
  • Was das Kopftuch für sie ausdrückt, bestimmt die Trägerin selbst!
    Die Definitionshoheit über das Kopftuch liegt bei der Trägerin selbst. So vielfältig die Arten des Kopftuchtragens sind, so unterschiedlich können auch die Motivationsgründe und die individuellen Sinnzuschreibungen sein.

    Gemeinsam ist Frauen, die sich für diese Kopfbedeckung entschieden haben, der religiös-spirituelle Zugang in ihrer Lebensgestaltung. Darüber hinaus haben sie viele individuelle Gründe. Eine Rechtfertigung für das Kopftuchtragen entfällt!
     

  • Schluss mit der Zuschreibung, das Kopftuch sei „fremd“!
    Der Islam ist seit 1912 eine in Österreich anerkannte Religion. Österreich ist Heimat - für Musliminnen mit Staatsbürgerschaft, viele von ihnen bereits hier geboren und aufgewachsen, wie für jene, die hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben.
     
  • Schluss mit der Verdächtigung, das Kopftuch sei ein „Zeichen der Abgrenzung“!
    Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft und treten – sei es im Berufsleben oder im Alltag – für das Allgemeinwohl ein. Wie sich eine Frau kleidet, ist allein ihre Entscheidung. Unabhängig von ihrem Kleidungsstil verdient sie die gleiche Achtung und den gleichen Zugang zu Ressourcen. Wir stehen für den sozialen Zusammenhalt. Frauensolidarität mit dem gemein­samen Ziel der Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen und alle benachteiligten Gruppen ist uns ein entschiedenes Anliegen.
     
  • Schluss mit der Unterstellung, das Kopftuch sei ein „politisches Symbol“ oder gar ein Zeichen des „politischen Islam“
    Wir haben untereinander vielfältige politische Anschauungen. Von einem Kopftuch kann man noch lange nicht auf die politische Orientierung der Trägerin schließen. Unsere politische Teilhabe – etwa in Ausübung des Wahlrechtes – bezieht sich vor allem auf die Zukunft unse­res Lebensmittelpunktes Österreich. Wir stehen auf dem Boden des demokratischen säkularen Rechtsstaates. In der österreichischen Ausprägung eines Kooperationsmodells zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaf­ten sehen wir die Religionsfreiheit und die persönliche Freiheit jeder einzelnen Person gewahrt. Wir sehen uns als Verteidigerinnen dieses Modells und sind uns darin mit vielen Frauen anderer Religionsgemeinschaften einig.
     
  • Schluss mit der Behauptung, das Kopftuch sei das „Symbol der Unterdrückung“!
    Als Musliminnen treten wir selbstbewusst für unsere Rechte ein. In unserem Islamverständnis sind Frauen und Männer mit der gleichen Verantwortlichkeit ausgestattet. Patriarchale Bevormundung egal welcher Couleur lehnen wir ab.
     
  • Schluss mit der Sexualisierung des Kopftuchs!
    Wir sind überzeugt, dass Männer sich allen Frauen gegenüber respektvoll zu verhalten haben, unabhängig von ihrem Kleidungsstil. Es ist eine unzulässige Umkehr des Verhältnisses Täter - Opfer will man Frauen, gegen die Männer übergriffig werden, aufgrund ihres Kleidungsstils die Schuld für den männlichen Übergriff zuschieben. Frauen sind Subjekte und keine Objekte!
     
  • Schluss mit der pauschalen Abwertung der religiösen Kopfbedeckung!
    Durch das Bündel an ideologischen Zuschreibungen wird das Kopftuch als Kleidungsstück „verdächtig“ gemacht und damit zugleich die Trägerin selbst. Sie wird dann beschuldigt, die mit dem Kopftuch verbundenen negativen Assoziationen bewusst mitzutragen oder sich dafür missbrauchen zu lassen. Dies wiederum führt dazu, Diskriminierung gegen Kopftuchträgerin­nen zu rechtfertigen, angeblich um die „eigenen Werte“ zu verteidigen. Dadurch entstehen Gräben, wo keine sein müssten. Es geht auch nicht, von außen das muslimische Kopftuch an sich als „diskriminierend“ hinstellen zu wollen, um damit Verbotsforderungen einen liberalen Anstrich zu geben.
     
  1. Das eigene Rollenverständnis

    Selbstverständnis und Außensicht klaffen in der Wahrnehmung muslimischer Frauen dras­tisch auseinander. Daher ist es uns ein Anliegen, zentrale Aspekte unseres sozialen Rollenver­ständnisses selbst zu erklären:

  • Wir muslimische Schülerinnen und Studentinnen sind Zukunftsträgerinnen!
    Entsprechend unseren Interessen besuchen wir verschiedenste Schulen und Universitäten, um in der Gesellschaft und im Berufsleben unseren gleichberechtigten Platz einzunehmen:
     
    • Mit allen unseren Potenzialen gestalten wir Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft mit.
    • Wir sind vollständig integriert, partizipieren auf allen Ebenen der Gesellschaft und erwarten uns Chancengleichheit. Als vollwertiger Teil der Gesellschaft wollen wir als solcher wahrgenommen werden.
    • Wir erleben uns selbst als Brückenbauerinnen in vielfältiger Hinsicht, denn wir bringen entsprechende Kompetenzen mit. Als eine davon ist unsere Mehrsprachigkeit ein Gewinn für die Gesellschaft.
       
  • Wir muslimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen fördern den sozialen Zusammenhalt!
    Wir sehen uns als wichtige Akteurinnen nicht nur für die Prosperität Österreichs, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt:
     
    • Denn wir leben am Arbeitsplatz jene Diversität, die Österreich immer geprägt hat und zunehmend prägt. Dabei
      wird deutlich, dass in dieser Diversität eine Stärke für den Betrieb liegt, und dass in einem guten Team alle auf gleicher Augenhöhe kooperieren.
    • Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es oft sehr schwierig ist, einen Arbeitsplatz zu finden. Dabei haben es Trägerinnen eines muslimisch klingenden Namens nicht leicht, für Kopftuchträgerinnen ist es noch weitaus schwieriger.
    • Haben wir erst einmal die Gelegenheit erhalten zu arbeiten, wird schnell klar, wo unsere Stärken liegen, u.a.: in unserer vielfältigen Kulturerfahrung, die es uns leicht macht, auf andere Menschen zuzugehen; wir sehen keinen Widerspruch zwischen Glauben und Karriere, keinen Widerspruch zwischen Leistung und Weiblichkeit, keine Grenzen zwischen Spiritua­lität und z.B. einer Managementfunktion.
    • Wir erleben die gleichen Herausforderungen wie andere berufstätige Frauen, vor allem wenn sie Familie haben: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Frage der Kinderbetreuung. Gleichzeitig wollen wir als Vorbilder innerhalb der eigenen Com­munity wirken und dies nutzen, um einen positiven gesellschaftlichen Wandel in Richtung voller Geschlechtergerechtigkeit mitzutragen.
       
  • Wir muslimische Mütter rücken das Kindeswohl in den Mittelpunkt!
    Als Mütter – ob mit oder ohne Kopftuch – ist uns bei unserer Erziehung folgendes wichtig:
    ​​​​​​​
    • Liebe und Zuneigung - gegenüber Buben oder Mädchen - sind Basis unserer Eltern­schaft.
    • Unsere Töchter und Söhne sollen sich zu selbstbestimmten Frauen und Männern entwickeln können, die mit Optimismus und Tatendrang durchs Leben gehen und dabei ihr Glück und ihre Erfül­lung finden.
    • Unsere Töchter und Söhne erziehen wir zu selbstbestimmten Persönlichkeiten, welche die Gleich­wer­tigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter leben.
    • Wir zeigen unseren Kindern, dass gute Charaktereigenschaften wie Fähigkeit zu Empathie, Mut, Geduld, Hilfsbereitschaft und Fleiß allgemeine menschliche Tugenden sind und nicht geschlechtsspezifisch zu definieren sind.
    • Wir geben unseren Kindern notwendige Freiräume für ihre spirituellen und individuel­len Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstfindung.
    • Wir sind gegen jede Art von Zwang. Unser verfassungsmäßig garantiertes Erziehungs­recht legen wir so aus, unsere Kinder darin zu unterstützen, mit zunehmender Reife eigene mündige Entscheidungen treffen zu können und diese dann auch vor sich und anderen zu vertreten. Damit liegt die Entscheidung über das Kopftuchtragen bei den Mädchen selbst.
    • Wir sehen die UN-Kinderrechtskonvention (1992) mit ihren wesentlichen Prinzipien als für unser erzieherisches Handeln verbindlich an. Diese Prinzipien können wir auch aus unserem religiösen Verständnis ableiten: Das Recht auf Gleichbehandlung, der Vorrang des Kindeswohls, das Recht auf Leben und Entwicklung und nicht zuletzt die Achtung vor der Meinung des Kindes.
    • In unserer Werteerziehung zeigen wir die Vereinbarkeit einer Identität als muslimisch und zugleich österreichisch-europäisch auf.
       
  • Wir Lehrerinnen und Moscheepädagoginnen stärken Mädchen in ihrer Persönlichkeit!
    ​​​​​​​Als Lehrerinnen an österreichischen Schulen oder Theologinnen und Moscheepädagoginnen (Muallimat) vermitteln wir folgende Prinzipien:
     
    • Das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit ist aus den muslimischen Quellen abzulei­ten.
    • Wir laden ein, über bestehende Widersprüche zwischen Religion und Tradition zu reflektieren.
    • Wir zeigen auf, wie schädliche Traditionen (harmful traditions) auch aus einer islami­schen Argumentation heraus überwunden werden können.
    • Auch wir diskutieren männliche und weibliche Rollenbilder und wie sich diese gesellschaft­lich in Richtung Geschlechtergerechtigkeit verändern können. Gleichzeitig machen wir jungen Menschen Mut, ihre eigene Rolle und ihren eigenen Weg in der Gesell­schaft zu suchen und zu finden.
    • Wir geben jungen Menschen eine spirituelle Verankerung, indem wir Selbstvertrauen in eine Verbindung mit Gottvertrauen stellen.
    • Wir zeigen auf, dass die Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten mit unserem Islam vereinbar sind, ja aufgrund kundiger Auslegung dessen Geist entsprechen.

Die Deklaration wurde mit der Initiative „Musliminnen am Wort“ im Mai 2018 unter der Projektleitung von Carla Amina Baghajati und Zeynep Elibol ins Leben gerufen. Zum Zeitpunkt der öffentlichen Präsentation am 12. März 2019 hatte sie bereits tausende Unterzeichnerinnen.

Rückfragehinweis:

baghajati [at] derislam.at

zeynep.elibol [at] derislam.at

Datum:
Dienstag, 12 März, 2019
Schlagworte
Share