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Anti-FGM Gelehrtenkonferenz in Addis Ababa: FGM ist mit den Grundlehren des Islam unvereinbar und deshalb Sünde

Islamische Gelehrte Ostafrikas öffnen ihre Moscheen für Targets Goldenes Buch

(Hamburg/Addis Abeba, 21.04.2009) Diese von den Hamburgern Rüdiger Nehberg und Annette Weber (TARGET e.V.) ersehnte Verkündung der Botschaft des Goldenen Buches wurde am 17. April beim Freitagsgebet in der Sheikh-Shogolle-Moschee von Addis Abeba vor Hunderten von Gläubigen Wirklichkeit. Sie bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Wege zur Beendigung des seit fünftausend Jahren existierenden Verbrechens und verspricht neue Hoffnung für Millionen von Mädchen in Somalia, Sudan, Dschibuti, Äthiopien und Somaliland.

Diese Botschaft ist das Ergebnis einer zweitägigen Konferenz mit islamischen Gelehrten, die von Rüdiger Nehberg und Annette Weber (TARGET e.V.) sowie Sheikh Ahmedin vom Obersten Rat für Islamische Angelegenheiten Äthiopiens am 15. und 16. April in Addis Abeba veranstaltet wurde. Zu Beginn der Konferenz sprach der deutsche Botschafter Dr. Claas Dieter Knoop. Nach zunächst kontroversen Diskussionen beschlossen die 120 islamischen Geistlichen aus Ostafrika einstimmig, sich kraft der Religion und mit Hilfe des Goldenen Buches für die Abschaffung des Brauchs in ihren Ländern einzusetzen.

Dieses von Target herausgebrachte Werk enthält Kernaussagen der bedeutendsten Islamgelehrten der Welt gegen die Weibliche Genitalverstümmelung. Es soll in alle Moscheen der 35 betroffenen Länder verteilt werden und den Imamen als Grundlage für ihre Predigten dienen. In der Sheikh-Shogolle-Moschee in Addis Abeba wurde das Buch vor Hunderten von Gläubigen in der wichtigen Freitagspredigt am 17. April erstmals öffentlich vorgestellt. Nehberg und Weber: "Uns hat die Begeisterung überwältigt, mit der das Goldene Buch angenommen wurde." - "Schicken Sie uns vorerst 10.000 Bücher, wir werden sie in jede Moschee tragen", sagten die Gesandten aus dem Sudan. Äthiopien orderte 45.000 Exemplare.

In der Konferenz kam es zu hitzigen Diskussionen und starken Emotionen. Vertreter aus Äthiopien und Sudan wollten den Brauch in abgeschwächter Form, der sogenannten. Sunna-Beschneidung beibehalten. "Sunna" meint die Abtrennung von Teilen der Klitoris mit der Begründung, dass dies die Frau ehre. Zwanzig betroffene Mädchen trugen in einer beeindruckenden Zeremonie ein großes Transparent mit dem Rechtsgutachten der ehrwürdigen Al-Azhar zu Kairo in den Saal: "Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Verbrechen, das gegen höchste Werte des Islam verstößt." Ein elfjähriges Mädchen vom Volk der Afar erzählte offen von ihren grausamen Erinnerungen. Eine Frau schilderte vor der Versammlung von den Qualen der Empfängnis und Geburt. Hochkarätige Referenten aus Theologie und Medizin, Filmbeiträge mit Statements höchster Rechtsgelehrter wie dem Großmufti Ägyptens, Prof. Dr. Ali Gom’a, und Sheikh Prof. Dr. Yusuf al-Qaradawi aus Katar, konnten letztendlich die Zweifler überzeugen, sämtliche Formen der Genitalverstümmelung an Mädchen zu verdammen. "Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien ist "Haram" (Sünde). Sie muss verboten und gestoppt werden – besser heute als morgen", verkündete Imam Tarafa Baghajati aus Wien am Ende des zweiten Konferenztages. Der Österreicher kämpft seit drei Jahren an der Seite von Target.

"Das ist ein Durchbruch. Für die Menschen hier ist es wichtig zu erfahren, dass sie kein Gebot des Islam brechen, wenn sie den Brauch beenden", sagte der deutsche Botschafter bei einem abschließendem Empfang für die Konferenzgäste in seiner Residenz.

In Äthiopien und seinen Nachbarländern wird vor allem die schlimmste Form der Verstümmelung praktiziert - die "Pharaonische Verstümmelung". Dabei werden Klitoris und Schamlippen mit Werkzeugen wie Rasierklingen, Dosendeckeln, Glasscherben und ohne Betäubung abgeschnitten und die Scheide zugenäht. Noch immer sind davon in manchen Regionen mehr als 95% der Frauen betroffen. "Die Menstruation ist ein Problem. Die Heirat ein neues. Die Geburten ein weiteres. Das Leid ist unbeschreiblich", berichtete die Äthiopierin Ebadi Mohamed (31) den Delegierten. Als Beschnittene hatte sie ihren Sohn nur per Kaiserschnitt zur Welt bringen können. Diesen "Luxus" haben Frauen auf dem Lande nicht. „Bei Frauen, die kein Krankenhaus in der Nähe haben, ersticken die Kinder im Leib“, berichtete sie. Der Gynäkologe Prof. Dr. Yusuf Lukman (Uniklinik Addis Abeba) erklärte vor der Versammlung: "Die Mädchenbeschneidung hinterlässt schwere lebenslange körperliche und seelische Schäden und beraubt sie ihrer Würde."

Fatwa aus Agypten: Frauen als Standesbeamte

Frauen können Eheverträge für das Brautpaar niederschreiben

Der Großmufti aus Ägypten Scheich Ali Gumaa hat in einer Fatwa dargelegt, dass der bisher auf Männer begrenzte Beruf eines "Maathun" von Frauen ausgeübt werden darf. Der Beruf umfasst das "Schließen von Eheverträgen". Aufgrund der Niederschrift dieser Verträge werden diese gerichtlich (zivilrechtlich) anerkannt. Diese Fatwa könnte ein Durchbruch in frauenrechtlichen Angelegenheiten bedeuten, da das Thema bereits vor einigen Jahren diskutiert wurde, allerdings noch ohne Ergebnis. Der Großmufti Scheich Ali Gumaa ist jedenfalls dafür ekannt sich für Frauenrechte einzusetzen, so zum Beispiel beim vielfach tabuisierten Thema FGM , der weiblichen Genitalverstümmelung, als deren entschiedener Gegner er auftritt.

Der theologische Beweis wurde von einem bekannten Großmufti aus der hanefitischen Rechtschule erbracht, jener Schule, der die meisten MuslimInnen in Österreich (de facto alle Türken und Bosnier) angehören. Beispiele aus der Sunna und ein wichtiges Zitat aus dem Koran wurden seitens des Großmufti in der Beweisführung vorgebracht. Eine schlüssige und allgemein nachvollziehbare Darlegung aus den Quellen ist bedeutsam, um der Fatwa Gewicht zu verleihen.

Die Fatwa wurde erlassen, nachdem die Rechtsabsolventin Amal Afifi sich für eine entsprechende Stelle bewarb und zuerst nicht aufgenommen wurde. Unterstützung bekam der Mufti von diversen anderen Gelehrten. Kritik kam jedoch von einem Professor der Azhar Universität namens Dr. Abdulfattah Idris, der aber nur unter Bezug auf die Tradition argumentierte und die theologische Gegenargumentation schuldig blieb.

Für Österreich ist das Thema nicht von Bedeutung, da der Beruf als solcher nicht ausgeübt wird. Allerdings ist die Signalwirkung einer solchen Fatwa nicht zu unterschätzen. Hier wird doch ein wichtiges Zeichen für Chancengleichheit von Frauen gesetzt.

Nachzulesen ist die Meldung in den oben genannten Homepages der ägyptischen Zeitung "Al Masri Alyaum/ Ägypten heute"). Link zur arabischen Quelle:

http://www.moheet.com/show_news.aspx?nid=84527&pg=1

http://www.moheet.com/show_news.aspx?nid=80879&pg=1

Tarafa Baghajati
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at
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