Politik

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SP-Al-Rawi: FPÖ steht nur mehr für Hetze und Rassismus

FPÖ 'bläst' zur virtuellen Jagd auf religiöse Symbole und Einrichtungen

Wien (OTS) - "Ist die FPÖ mittlerweile von allen guten Geistern verlassen? Die Hetze gegen Religionen hat ein absolut untragbares Ausmaß erreicht!", kommentierte der Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi am Mittwoch das Online-Spiel "Moschee ba-ba" der FPÖ Steiermark. "In diesem 'Spiel' geht es darum, Minarette und Moscheen aus der Skyline von Graz verschwinden zu lassen und den 'Ruf der roten Muezzine' zu stoppen. Vom Spielaufbau her handelt es sich um einen Shooter, also ein Spiel, wo es darum geht, in kürzester Zeit möglichst viele Ziele abzuschießen und zu zerstören. Das ist einfach unglaublich - die FPÖ 'bläst' zur virtuellen Jagd auf religiöse Symbole und Einrichtungen. Wie tief will diese Partei noch sinken? Ich fordere die Verantwortlichen auf, dieses 'Spiel' umgehend zu entfernen!", so Al-Rawi.****

Mittlerweile sei der Islam das Feindbild Nr. 1 der FPÖ: "Erst gestern hat der FPÖ-Generalsekretär Vilimsky gegen den 'radikalen Islamismus' gewettert. In den 1990er Jahren hat die FPÖ pauschal gegen Ausländer gehetzt und vor der 'Überfremdung' gewarnt. Nun beschuldigt sie Muslime der Unterstützung des Terrorismus, verunglimpft Religionen und malt das Schreckgespenst einer islamischen 'Transformation' des Landes an die Wand. Da wird ein Feindbild konstruiert, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen und politisches Kleingeld daraus zu schlagen. Diese Vorgangsweise und ihre Auswirkungen sind aus den dunkelsten Zeiten der jüngeren europäischen Geschichte bereits hinlänglich bekannt."

Abschließend unterstrich Al-Rawi: "Bei der FPÖ sind die Dämme gebrochen: Sie baut ihren Wahlkampf alleine auf Hetze und Rassismus auf! Die Wiener SPÖ dagegen steht für das friedliche Zusammenleben in der Stadt. Alle demokratischen und zivilgesellschaftlichen Kräfte sind dazu aufgerufen, mit uns dieser inhumanen Geisteshaltung entgegenzutreten! Gemeinsam werden wir der FPÖ am 10. Oktober eine klare Abfuhr erteilen und ein klares Zeichen gegen jegliche form von Rassismus, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus setzen!" (Schluss)

Berichte über WIIEB auf Türkisch und Arabisch

http://www.aktuelavrupa.at/news/874.html

Ana Sayfa : Güncel : Viyana'da Islam

Viyana'da Islam

Viyana Islam Institütü (WIEB - Wiener Islamische Institut für Erwachsenenbildung) baslatmis oldugu "Viyana'da Islam" adli proje simdiden çok dikkat çekti. 2008 yilinda kurulan dernek 2009 yilinda çalismalarini artirdi. Projenin hedefiyse Müslüman vatandaslari din hakkinda daha iyi bilgilendirmek. Islam'in tarihini, geçmisini, ve içeriklerini tekrar bilgilendirmek, açiklamak. Dernek yönetmenleri ise Tarafa Baghaje, Gülmihri Aytac. Dernek baskani Gernot Galib Stanfeld Müslümanlara karsi olan irkçiligi yenmek oldugunu da belirtti. Böylece birbirimizden çok sey ögrenebilecegimizi ve hedeflerinin biride Müslümanlar farkli dinler arasindaki bilgi alis-verisi oldugunu söyledi. Volkhochschule'nin (VHS) Kooperasyonuyla baslatilan proje 19. Marttan itibaren VHS 6.,Damböchg. 4 faaliyete geçti, her hafta farkli bir konuyla ilgilenecegi ve herkese acik oldugu belirtildi. Instütüt baskani Gernot Galib Stanfel sunlari söyledi: "çok sayida kisinin Islam hakkinda bilgilerinin olmadigi, bilgileri olmus olsaydi Islam'a daha farkli açidan degerlendirilir ve bakilirdi. Fakat burada yasayan Müslümanlarinda bu konuda kendilerini yasadiklari sehir üzerinde daha fazla bilgilenmeleri gerekiyor. Bu yüzden bu projeyi baslattik, artik birbirimizden bir seyler ögrenmenin zamani geldigini düsünüyorum" dedi.

Eda Ünal / Viyana

Weitere Informationen:

www.wiieb.at
Gernot Galib Stanfel, Obmann WIIEB
Mail: office [at] wiieb.at

Tarafa Baghajati, Obmann-Stellvertreter WIIEB
Mail: baghajati [at] aon.at


معهد إسلامي لتعليم الكبار في النمسا

تأسس في العاصمة النمساوية فيينا أول معهد إسلامي لتعليم الكبار، والذي يطمح القائمون عليه إلى أن يكون جسرا للتعارف بين المسلمين وغير المسلمين داخل المجتمع النمساوي.
ويقدم المعهد الإسلامي الفييناوي لتعليم الكبار خدمات تثقيفية للمسلمين وغير المسلمين، ويبدأ نشاطاته بمشروع يحمل عنوان "الإسلام في فيينا".

وتشير إدارة المعهد، الذي يترأسه النمساوي المسلم جرنوت غالب شتانفل، إلى أن أنشطة المعهد ودوراته التدريبية والتثقيفية تمهد الطريق أمام الراغبين في التعرف على الإسلام من أهله مباشرة بصورة صحيحة ووفق معايير تؤهل المتحدث بتوصيل المعلومة للمتلقي بدقة وبأقصر الطرق.

ويقول طرفه بغجاتي، وهو نائب رئيس المعهد: "إن الأقلية المسلمة في النمسا في حاجة إلى وجود مثل هذه المؤسسات المتخصصة، التي تساعد المسلمين على التواصل مع المجتمع الكبير الذي يعيشون فيه، مستندين في ذلك على إدراك ووعي بما لهم من حقوق وبما عليهم من واجبات.. فهدفنا أن يصبح المواطن النمسا جزءا من نسيج المجتمع النمساوي، ومحافظا على هويته وموروثه الثقافي في نفس الوقت".

ويبدأ المعهد الإسلامي الفييناوي لتعليم الكبار أول نشاطاته التثقيفية بسلسلة من المحاضرات والندوات يديرها عدد من المتخصصين المسلمين، إضافة إلى دورات تدريبية بأسعار مناسبة، ضمن مشروع يحمل عنوان "الإسلام في فيينا"، ويشتمل على أوجه متنوعة في مجال الثقافة الإسلامية، مثل العلاقة بين الإسلام والديانات الأخرى، وأوجه التقابل والاختلاف بين السنة والشيعة. إضافة إلى التعرف على الصوفية في الإسلام، والإسلام في الأدب النمساوي، والعلاقة بين الإسلام والغرب. كما يتضمن المشروع زيارات خارجية للمساجد.

ويشير أحدث إحصاء غير رسمي إلى ان عدد مسلمي النمسا يربو على 500 ألف شخص، من بين ما يزيد على 8 ملايين نسمة هم إجمالي عدد سكان البلاد.
ويوجد بالنمسا مسجد واحد يحمل الشكل التقليدي، وهو المركز الإسلامي العام في العاصمة فيينا، كما تنتشر مئات المصليات التابعة للمؤسسات والمنتديات العربية والإسلامية.

مهندس/ طرفه عدنان بغجاتي
نائب رئيس المعهد الإسلامي الفييناوي لتعليم الكبار
رئيس مبادرة المسلمين والمسلمات النمساويين http://www.islaminitiative.at
عضو مجلس إدارة منتدى "من أجل أوروبا متعددة ثقافيا" Platform for Intercultural Europe PIE
عضو المجلس الاستشاري للشبكة الأوروبية لمناهضة العنصرية
ENAR - European Network against Racism www.enar-eu.org
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البريد الإلكتروني : baghajati [at] aon.at

IGGiÖ zum Terminus "religiös motivierte Handlungen"

Terminus "religiös motivierte Handlungen" im Zusammenhang mit Gewalt oder schwerer Nötigung irreführend und kontraproduktiv

So nachvollziehbar der Wunsch nach Reformen im Strafrecht nach einem umstrittenen Totschlagurteil auch sein mag, so unglücklich formuliert scheint der Begriff "religiös motivierte Handlungen".

Denn diese Wortwahl ist irreführend und kontraproduktiv. Taten wie Zwangsheirat, Ehrenmord oder weibliche Genitalverstümmelung sind auf keinen Fall religiös zu legitimieren. Ganz im Gegenteil liegt gerade in der religiösen Argumentation und der scharfen, aus den islamischen Quellen begründeten Verurteilung von Gewalt an Frauen ein wichtiger Weg, solche Erscheinungen möglichst zu  verhindern.

Die Religion ist hier also nicht das Problem, sondern vielmehr ein Teil der Lösung. Dass dies auch in der Praxis positiv umgesetzt werden kann, zeigen zum Beispiel die jüngsten Erfolge im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung (FGM)̧an denen auch österreichische Muslime beteiligt sind. Die europäischen Imamekonferenzen, die in Österreich mit nachhaltigem Erfolg stattfanden, haben die Verantwortung gerade seitens religiöser Multiplikatorinnen und Multiplikatoren unterstrichen, gegen Gewalt an Frauen einzutreten.

Da eine Zuschreibung als "religiös motiviert" bewusstseinsbildende Prozesse zur Überwindung geradezu blockieren kann, ist von dieser Bezeichnung abzusehen. International hat sich der Terminus "harmful traditional practices (HTP)" eingebürgert. Der Ausdruck "traditionsbedingte Gewalt"  ist nicht nur treffend, sondern hat auch die Bildung von Allianzen zur Wahrung von Frauenrechten befördert. Diese sind schließlich ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das aktiv gerade in einer pluralistischen Gesellschaft von möglichst allen mitgetragen werden soll.

Wien, am 03.02.2010

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreichi
Mitglied des Obersten Rates und Mitgründerin der Initiative muslimsicher ÖsterreicherInnen

Juden und Muslime: 60 Jahre Entfremdung

Es wäre an der Zeit, dass Juden und Muslime an ihre positive Geschichte wieder anzuknüpfen beginnen

Spätestens seit der zweiten Intifada im Herbst 2000 ist der Hauptfeind Israels in den besetzten Gebieten die national-religiöse Hamas. Den zweiten Libanonkrieg 2006 führte Israel gegen die islamisch schiitische Hizbullah, die im Jahr 2000 den Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon erzwungen hatte. Und in jüngster Zeit hat Israel erstmals einen nichtarabischen Staat zum Hauptfeind gekürt, die islamische Republik Iran.

Der erste Palästinenseraufstand 1987 bis 1991 im Westjordanland und Gazastreifen stand noch unter der Führung linksnationalistischer Gruppen, der erste Libanonkrieg ab 1982 wurde hauptsächlich noch gegen die PLO und die prosyrische Amal geführt und bis in die 70er Jahre hinein war das sozialistische Ägypten Israels größter Feindesstaat, später dann die von säkularen Bathregimen geführten Länder Syrien und Irak.

Es ist offensichtlich, der Untergang der Sowjetunion und der unaufhaltsame Niedergang des linken Panarabismus führte auf arabischer Seite zu einer Islamisierung des Konfliktes. Auf der israelischen Seite der Barrikade geht diese Entwicklung einher mit einem Niedergang des an der Arbeiterbewegung orientierten aschkenasischen Zionismus. Dieser hat die Besiedelung und Eroberung Palästinas zwar auch mit einem national-religiösem Narrativ aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert legitimiert, das da besagt, es gäbe eine ungebrochene 2000jährige Stammesgeschichte einer jüdischen Ethnie, die die einzig wahre Besitzerin des Landes ist. Doch die nun erstarkende religiöse Rechte und der an Kraft gewinnende politische Messianismus führen diesen religiösen Diskurs bis ins Extrem.

Ein ahistorischer Blick auf den Konflikt läßt einen heute daher rasch zu dem Trugschluß kommen, daß es sich hierbei um einen Religionskrieg handelt, um einen Kampf zwischen Juden und Muslimen. Dieser Gedanke hat an Attraktivität gewonnen, seitdem in der internationalen Politik der „Kalte Krieg“ von der These vom „Kampf der Kulturen“ abgelöst worden ist. In den „clash of civilizations“ läßt sich ein jüdisch-muslimischer Krieg nämlich wunderbar einordnen.

Tatsächlich hat sich die Auseinandersetzung um Israel-Palästina keineswegs verändert. Es handelt sich nach wie vor um einen nationalen politischen Konflikt um Land und Wohnrecht, um einen der letzten Kolonialkonflikte der Weltgeschichte. Die Interessen und Forderungen der Konfliktparteien sind unverändert, lediglich die religiöse Rhetorik ist relativ neu. Dieses Jahr wird, je nach Sichtweise, an 60 Jahre Medinat Israel bzw. an 60 Jahre Nakba gedacht. Dieses Gedenkjahr sollte aber auch dazu genützt werden, um sich in Erinnerung zu rufen, dass das Verhältnis der ältesten und der jüngsten der drei monotheistischen Religionen über viele Jahrhunderte lang sehr gut war. Erinnert sei an dieser Stelle exemplarisch an die muslimisch-jüdische Herrschaft über Spanien, an die vielen jüdischen Minister der Khalifen bis zur Herrschaft von König Ghazi im Irak und der Regierung von Saad Zaglool in Ägypten oder an das gute Zusammenleben, wie es die Kairoer Geniza belegt, der Fund von 200.000 jüdischen Manuskripten in einer Synagoge des 11. Jahrhunderts.

Um den Kulturkämpfern auf beiden Seiten den Wind aus den Segeln zu nehmen, muss auch hervor gestrichen werden, dass es kaum eine religiöse Feindschaft zwischen Juden und Muslimen geben kann. Judentum und Islam sind theologisch einander viel näher als jeweils zum Christentum. Der Islam hat niemals das Judentum zum „Feind Gottes“ weil „Mörder Gottes“ erklärt. Der Koran hält hingegen zeitlos fest: „Und unter Moses Volk gibt es Leute, welche zu der Wahrheit leiten und ihr gemäß gerecht handeln.“ [7:159] Heute oftmals als antijüdisch interpretierte Passagen des Korans beziehen sich nicht auf theologische Grundsätze oder gar auf alle Menschen jüdischen Glaubens, sondern ausschließlich auf die Politik bestimmter jüdischer Gruppen zur Zeit des Propheten.

Es wäre an der Zeit, dass Juden und Muslime an ihre positive Geschichte wieder anzuknüpfen beginnen. Insbesondere die jüdischen und muslimischen Gemeinden Europas könnten hier Pionierarbeit leisten. Als religiöse Minderheiten sind sie oftmals mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Es bleibt umstritten, ob es möglich ist Antisemitismus und Islamfeindlichkeit miteinander zu vergleichen. Fakt ist allerdings, dass Parallelitäten unverkennbar sind und dass beide Gruppen mitunter rassistischen Ausgrenzungen ausgesetzt sind. Der lange Schatten des Nahostkonfliktes und die sich selbst erfüllende These vom Kulturkampf hat eine Situation geschaffen, die nahelegt, dass man nur entweder gegen Antisemitismus oder gegen Islamfeindlichkeit sein kann, nicht gegen beides zugleich. Es muss den Communities gelingen, sich dieser unsinnigen Dynamik zu entziehen. Hier können gerade Österreichs Juden und Muslime richtungweisend werden.

Bei alldem darf sich Europa nicht saturiert zurücklehnen und dabei zusehen, wie sich „die Muslime und die Juden die Köpfe einschlagen“. Denn die Ursache für dieses Missverhältnis liegt auch in der christlich-europäischen Politik und Geschichte. (derStandard.at, 26.10.2010)

Tarafa Baghajati,  (Wien, Mai 2008 / publiziert Jänner 2010 in derstandard.at)

Tarafa Baghajati
ist Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen,
Vorstandsmitglied “Platform for Intercultural Europe PIE” und
Mitglied des Ehrenbeirats des European Network against Racism (ENAR)

Schärfste Verurteilung des Anschlags auf koptische Gläubige in Ägypten

Aussendung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich verurteilt das Attentat auf koptische Gläubige in der ägyptischen Kleinstadt Nag' Hammadi aufs schärfste. Sieben Menschen, sechs Kopten und ein muslimischer Wachmann der Kirche, sind  den blindlings in die Menge abgefeuerten Schüssen zum Opfer gefallen.

Gleichzeitig möchten wir insbesondere den Kopten in Österreich unser aufrichtiges Mitgefühl und Beileid aussprechen. Es ist eine schöne Geste, dass nun schon seit etlichen Jahren auch muslimische Vertreter zum orthodoxen Weihnachtsfest der Kopten eingeladen werden. Diesen Geist gegenseitiger Anerkennung und Respekts suchen wir als Gläubige unterschiedlicher Bekenntnisse zu leben.

Umso deutlicher müssen die Worte in Richtung all jener ausfallen, die Hass und Zwietracht zu stiften suchen. Wenn das Schüren negativer Emotionen dann in blanke Gewalt umschlägt, wird sichtbar, wie gefährlich eine solche Saat der Feindschaft und der Intoleranz ist.

Als Muslime empfinden wir es als Frevel an den eigenen Glaubenswahrheiten das friedliche Zusammenleben der Religionen zu verletzen. Es ist zutiefst betrüblich und Besorgnis erregend, wie gerade zu religiösen Feiertagen mörderische Aggression unschuldige Opfer in den Tod reißt. Diese Feiertage sollten vielmehr auch das Verbindende der Religionen zu Bewusstsein bringen, gerade in ihrer sozialen Verantwortung.

Wien, am 7. Jänner 2010

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Mitglied des Obersten Rates
Tel. 06991 2381075 oder 01 2595449
E-mail: baghajati [at] aon.at

Die Geschichte vom Moslem, der Weihnachten verbieten wollte

Yussuf Al-Qaradawi ist so einflussreich wie umstritten. Der populäre muslimische Gelehrte hat Terroranschläge wie die von New York, Madrid oder London verurteilt, aber gleichzeitig palästinensische Selbstmordattentate gegen Israelis als Akt der Selbstverteidigung gebilligt. In der weiblichen Genitalverstümmelung sieht er keinen islamischen Brauch, sondern ein »Werk des Teufels«. In einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) erklärte er zum Beispiel den Genuss geringer Mengen von Alkohol für statthaft – und wurde dafür von Predigerkollegen gescholten. Seine wöchentliche TV-Show auf Al-Dschasira erreicht Millionen in der arabischen Welt, wird aber, so hört man es aus dem Sender, im Hause selbst von nicht wenigen mit großer Skepsis beurteilt.

Bettina Gräf vom Zentrum Moderner Orient in Berlin beschreibt den schillernden Prediger als »moralisch-konservativ und missionarisch, aber nicht dogmatisch«. Als sicher kann wohl gelten, dass Al-Qaradawi erzkonservativ ist, in einer Art, die man auch bei Katholiken findet (z. B. Ablehnung der Homosexualität).

Aber will Al-Qaradawi jetzt Weihnachten verbieten? Kurz vor dem Fest tauchte bei 'Spiegel Online' eine entsprechende Meldung auf, die durch die deutschsprachigen Medien irrlichterte und bei der 'Welt' zum Beispiel als »Hetze gegen Christentum« landete. 

Einmal mehr kann das Eigenleben bewundert werden, das Meldungen dieser Art mit atemberaubender Geschwindigkeit entwickeln. Tarafa Baghajati von der Initiative muslimischer ÖsterreichInnen hat das in einer Rundmail gut beschrieben. Nach Rücksprache mit dem Autor möchte ich hier seine Mail veröffentlichen:p>

Jürgen Stryjak


Eingehend ist festzuhalten, dass jeder jeden kritisieren kann und soll. Das ist in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit. Muslimische Persönlichkeiten sind davon natürlich nicht ausgenommen. Allerdings sollte eine kritische Meldung, insbesondere wenn sie von Qualitätsmedien kolportiert wird, auf überprüften Quellen basieren. Insbesondere was Islam und Muslime betrifft,  gehören falsche Übersetzungen und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zu den beliebtesten Instrumenten, um Muslime und ihre Religion zu diffamieren. Der Übersetzungsdienst MEMRI ist in diesem Zusammenhang bereits auffällig geworden und kann nicht als seriöse und objektive Quelle angesehen werden. Darauf hat Brian Whitaker bereits im August 2002 in seinem im 'Guardian' veröffentlichten Artikel Selective MEMRI aufmerksam gemacht.

Ausgerechnet zur besinnlichen Weihnachtszeit haben nun zahlreiche Medien die Meldung verbreitet, dass der islamische Gelehrte Yussuf Al-Qaradawi ein Verbot des Weihnachtsfestes fordere. Ursprungsquelle dieser Zeitungsente ist der Übersetzungsdienst MEMRI. 'Die Welt' beispielsweise schreibt: »Der einflussreiche islamische Gelehrte Yussuf al-Qaradawi hetzt gegen die Christen. In der islamischen Welt müsse das Weihnachtsfest verboten werden, fordert der 83-Jährige in einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten. Die Hassrede des Predigers ist in einem Video auf YouTube zu sehen.«

APA, Standard, ORF und viele andere Medien haben ungefähr den gleichen Inhalt wiedergegeben. ('Der Standard' hat sich inzwischen korrigiert. - J.S.) 'Der Spiegel' titelte mit »Heiligabend-Attacke«, BILD wusste von einem »Angriff auf Heiligabend« zu berichten. Wer die Originalrede auf Arabisch hört, findet allerdings keinerlei Hinweis darauf, dass Qaradawi Christen das Weihnachtsfest verbieten möchte. Scheich Qaradawi kritisiert in seiner Predigt die lokalen muslimischen Geschäftsleute, die »die Geburt Jesu, Friede sei mit ihm, genannt Christmas zelebrieren [...] mit ihren vier bis fünf Meter hohen Weihnachtsbäumen« nur um des Kommerzes willen (»nur für den Gewinn, für Geld«). Dies sei für Muslime unstatthaft und unpassend (»ein Fest einer Religion zu feiern, die nicht die Eure ist, währenddessen andernorts der Bau von Minaretten Muslimen verboten wird.«). Der Zusammenhang von Minarettverbot in der Schweiz und der Kritik an der Verbreitung von kommerziellem Weihnachtskitsch in der muslimischen Gesellschaft, erschließt sich auch mir nicht recht. Von einer »Hassrede« kann allerdings keine Rede sein, irgendwelche verbale Attacken gegen Christen fehlen gänzlich. Qaradawis Kritik ähnelt der Kritik an Halloween oder Santa Claus (im Gegensatz zum Christkind), wie sie bei uns immer wieder laut werden. Interessant ist, dass in der MEMRI-Wiedergabe das Lob Jesus mit den Worten »Friede sei mit ihm« durch Qaradawi zur Gänze fehlt, warum wohl?

Beim Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' ist einem Redakteur die Phantasie gänzlich durchgegangen. Dort heißt es: »Und auch jenseits von Weihnachten sähe der einflussreiche Prediger die Rechte der Christen gern beschnitten: 'Kirchen dürfen keine Kreuze mehr tragen. Kirchenglocken dürfen auch nicht mehr läuten', forderte er weiter.« Das ist eine reine Erfindung und findet sich nicht in der MEMRI-Übersetzung und schon gar nicht in der Originalrede.

Es ist äußerst bedauerlich immer wieder feststellen zu müssen, dass negative Schlagzeilen zum Islam sich von Medium zu Medium wie ein Lauffeuer verbreiten, ohne dass die vielen beteiligten verantwortlichen Redakteure auf die Idee kommen würden, ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen. Stattdessen wird die Geschichte auch noch ausgeschmückt und angereichert. Es gibt auch im deutschsprachigen Raum genügend arabischkundige Menschen und Experten ohne ideologische Mission, für die es ein leichtes wäre, derartige Meldungen zu verifizieren bzw. zu falsifizieren.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass ich Scheich Qaradawis Ansicht nicht teile. Der Islam wird durch ein paar Weihnachtsbäume nicht gefährdet. Im Gegenteil; die Länder mit muslimischer Mehrheitsgesellschaft können bei aller berechtigten Kritik an der Kommerzialisierung religiöser Anlässe stolz darauf sein, dass christliche Feste sich in ihrem Straßenbild widerspiegeln. Das Fernsehprogramm vieler arabischer Sender liefert ein spezielles Weihnachtsprogramm. Es ist ein Zeichen dafür, dass religiöse Gruppen nicht nur friedlich nebeneinander existieren können, sondern darüber hinaus auch in der Lage sind, ein harmonisches Miteinander zu finden. So überflüssig die »Islamisierungsdebatte« in Europa ist; so unnötig wäre es vice versa eine »Christianisierungsdebatte« in der muslimischen Welt vom Zaun zu brechen.

In diesem Sinne besinnliche Feiertage und ein schönes neues Jahr 2010, aber auch ein schönes Jahr 1431 nach Islamischem Kalender, das am 18. 12. 2009 begann.

Tarafa Baghajati, Wien 26. 12. 2009


الشيخ القرضاوي وعيد الميلاد المجيد
فتاوى القرضاوي والإعلام الغربي   

اعتادت كثير من وسائل الإعلام الغربية، بقصد أو بغير قصد، النقل عن الإسلام وما يتعلق به من فتاوى وأحداث عن طريق مصادر غير مسلمة؛ بل وغير عربية، وهو ما يجعل أصل النص المنقول عنه محرفا، كطبيعة النقل بين اللغات، وخارجا عن نطاقه المقصود به على لسان المفتي أو الواعظ، وعن علماء الدين بصفة عامة.

هذا الأمر ليس بجديد وليس بمستغرب، إذا نظرنا إليه في نطاقه المتمثل في الحالة التي عليها التعامل مع المسلمين في هذه الأيام، وخاصة في الغرب، من أفواه وأقلام تتربص جائعة لأي كلمة أو ربما هفوة تصدر من هنا أو هناك، كي يكيلوا للإسلام والمسلمين، محاولين التدليل على نظرتهم غير الصحيحة للإسلام، بل ونشر هذه الصورة في أوساط العامة. وهو ما ينتج معه بلا شك معلومات مغلوطة عن الإسلام، تنعكس سلبا على رؤية المواطن العادي لكل ما يتعلق بالإسلام؛ حتى صار البعض يرى في المآذن خطرا داهما يحيق بثقافته ويمحو هويته، فيما يرى البعض الآخر في الحجاب صورة من صور الامتهان للمرأة ووضعها في منزلة أقل من الرجل، إلى غير ذلك من الصور النمطية التي يعاني منها المسلمون في الغرب، ويحاول أهل العلم والدراية بأحوال الأقليات المسلمة التصدي لها بالحوار والانفتاح على الآخر، وهو ما أتى ثماره بالفعل في كثير من المجتمعات الغربية التي يمثل المسلمون جزء أصيل من نسيجها، وخاصة في النمسا التي يحظى مسلموها بقدر يحسدون عليه من التعايش والاعتراف الرسمي من الدولة بالإسلام.

وربما كان آخر حالات الفهم والنقل الخاطئين لمقولة صدرت عن أحد علماء المسلمين، جاء مواكبا لاحتفال طائفة من المسيحيين في العالمين الغربي والعربي بأعياد الميلاد المجيدة.
فقد تداولت وسائل الإعلام الغربية كلمات نقلتها عن الشيخ الدكتور يوسف القرضاوي في خطبة ألقاها يوم الجمعة 25 ديسمبر 2009  بمسجد عمر بن الخطاب بالعاصمة القطرية الدوحة.

ويتكرر الخطأ المعتاد من وسائل الإعلام الغربية، التي تستقي معلومات من طريق غير مباشر، وخاصة من المنظمة المشبوهة "ميمري" MEMRI، المعروف عنها الاصطياد في الماء العكر، معرضة النص الأصلي للتحوير والخطأ في الترجمة والنقل، مما أخرج كلمات الشيخ عن سياقها؛ حيث نشرت تلك المصادر الإعلامية أن الشيخ القرضاوي طالب بحظر أي مظاهر للاحتفال بأعياد الميلاد في الدول الإسلامية.

وتلقفت وسائل الإعلام الناطقة بالألمانية نفس نص الخبر غير الصحيح، وانتشر كالنار في الهشيم، إلى أن وصل الأمر بأحد وسائل الإعلام "صحيفة بيلد Bild الألمانية" أن صدرت الخبر بعنوان أكثر إثارة واستفزازا، وهو "هجوم عشية عيد الميلاد".

ولكن من يستمع إلى النص الأصلي باللغة العربية كما قاله الشيخ القرضاوي في خطبته لن يجد للتحرش بالمسيحيين أو إثارة مشاعرهم أي أثر أو دليل؛ خاصة وأن هذا الأسلوب في الدعوة يتعارض مع منهج الشيخ القرضاوي، والغالبية العامة لعلماء المسلمين.

فالشيخ القرضاوي انتقد في خطبته المسلمين الذي يهرولون إلى الاحتفال بـ"الكريسماس" وتبدو مظاهر الاحتفال في محال يملكها مسلمون، مشيرا إلى أن أشجار أعياد الميلاد تتطاول بارتفاع أربعة وخمسة أمتار (فقط لدواعي التجارة)، في الوقت الذي تقرر فيه دول أوروبية منع بناء المآذن.الطريف أن وسائل الإعلام الغربية التي نقلت كلمات غير صحيحة عن الشيخ القرضاوي، أغفلت تماما أنه كلما ذكر اسم المسيح، كان يقول عليه السلام، كما يفعل جميع المسلمين عند ذكر أي من الأنبياء. فلماذا تغفل وسائل الإعلام الثناء على المسيح كما ذكر القرضاوي، هل ذلك كان لغاية في نفس ناقل الخبر؟

بل إن مجلة دير شبيجل الألمانية ذهبت إلى أبعد من ذلك في النقل عن الشيخ؛ حيث أطلق محرر الخبر العنان لخياله، قائلا إن الشيخ القرضاوي دعا أيضا إلى منع بناء الصليب فوق منارات الكنائس وكذلك منع الأجراس.

وبلا شك فإن ذلك محض خيال كاتب، لم يكلف نفسه عناء تحري الحقيقة أو الاستعانة بمترجم أو متخصص لينقل له النص كما ورد على لسان الشيخ.

فمما يؤسف له أن كل ما هو سلبي يلصق جورا بالإسلام، يجد طريقه كالنار في الهشيم بوسائل الإعلام، دون أن يكلف مسئولو التحرير أنفسهم عناء البحث عن الحقيقة وتأدية واجبهم الإعلامي على الوجه المطلوب، بما يتسق مع شرف المهنة. خاصة وأنه أصبح من السهل في جميع الدول الناطقة بالألمانية أن يكون هناك متخصصون في اللغة العربية يمكن الاستعانة بهم لإزالة لبس أو غموض في فهم نص باللغة العربية، بما يقطع الطريق على محاولات التحريف في الأخبار.

ورغم أني لست هنا في مقام المدافع عما نسب خطأ إلى الشيخ القرضاوي، ولكن بتصفح يسير لموقعه الإلكتروني سيجد القارئ كما وفيرا من الفتاوى الخاصة بتعامل المسلمين مع أصحاب الديانات الأخرى، وخاصة المسيحية. بل إن هناك فتوى خاصة تحض على تهنئة المسيحيين بأعيادهم، ويقول نصها: "إنني أجيز تهنئة النصارى وغيرهم بأعيادهم، وأجيز ذلك إذا كانوا مسالمين للمسلمين، وخصوصا من كان بينه وبين المسلم صلة خاصة، كالأقارب والجيران في المسكن، والزملاء في الدراسة، والرفقاء في العمل ونحوها، وهو من البر الذي لم ينهنا الله عنه. بل يحبه كما يحب الإقساط إليهم {إِنَّ اللَّهَ يُحِبُّ الْمُقْسِطِينَ} [الممتحنة:8]. ولا سيّما إذا كانوا هم يهنئون المسلمون بأعيادهم، والله تعالى يقول: {وَإِذَا حُيِّيْتُم بِتَحِيَّةٍ فَحَيُّواْ بِأَحْسَنَ مِنْهَا أَوْ رُدُّوهَا} (النساء:86).

يجب أن نراعي هنا مقاصد الشارع الحكيم، وننظر إلى النصوص الجزئية في ضوء المقاصد الكلية، ونربط النصوص بعضها ببعض، وها هو القرآن يقول:{لا يَنْهَاكُمُ اللَّهُ عَنِ الَّذِينَ لَمْ يُقَاتِلُوكُمْ فِي الدِّينِ وَلَمْ يُخْرِجُوكُمْ مِنْ دِيَارِكُمْ أَنْ تَبَرُّوهُمْ وَتُقْسِطُوا إِلَيْهِمْ إِنَّ اللَّهَ يُحِبُّ الْمُقْسِطِينَ} [الممتحنة:8]. فهذا هو الأصل، وهو الدستور". 
http://www.qaradawi.net/site/topics/article.asp?cu_no=2&item_no=5687&version=1&template_id=130&parent_id=17

وأختم برأيي الشخصي في مسألة انتشار مظاهر أعياد الميلاد في شوارع العالم الإسلامي؛ حيث أعتقد أن الاستفادة تجاريا من الأعياد الدينية هو مؤشر طيب، كما أن تخصيص برامج خاصة عن أعياد الميلاد في وسائل الإعلام العربية والإسلامية مؤشر على إمكانية التعايش بين الجماعات الدينية المختلفة في جو من الوئام والمودة، بل إنه أيضا مؤشر على القدرة على إيجاد حالة من الانسجام والتناغم بما لا يدع مجالا لإطلاق نقاشات عن الأسلمة في أوروبا أو في المقابل نقاشات عن التنصير في العالم الإسلامي.

فلا مجال لإبداء التخوف في البلاد الإسلامية من بعض شجيرات عيد الميلاد؛ بل علنا نفتخر بكون ذلك مظهر من مظاهر ابتهاج كل طرف بالمظاهر الاحتفالية للمناسبات الدينية للطرف الآخر. تماما مثلما نرى مظاهر إقبال غير المسلمين في دول مثل مصر، على شراء حلوى المولد النبوي الشريف.

وكمسلم مقيم في الغرب لا أنسى أن أثني على الموقف الواضح الذي أعلنته الكنائس المسيحية في الغرب بشأن الاستفتاء على منع بناء المآذن في سويسرا؛ حيث تبنت الكنائس موقفا مشرفا أعلنت فيه قلقها، بل ورفضها لمثل هذه الإجراءات التي تصب زيتا على نار، يأمل الجميع أن تخمد إلى الأبد.

وبناء على ذلك أتقدم بخالص التهاني والتبريكات للمسيحيين بجميع طوائفهم في الغرب والشرق بأعياد الميلاد المجيدة، وبمناسبة العام الميلادي الجديد، وأيضا بمناسبة العام الهجري الجديد.

الكاتب

مهندس/ طرفه عدنان بغجاتي
رئيس مبادرة المسلمين والمسلمات النمساويين http://www.islaminitiative.at
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Replik auf einem Presseinterview* mit Prof. Tilman Nagel

Zur Grenze zwischen Religionskritik und Islamfeindlichkeit, zwischen Meinungsfreiheit und Verhetzung!

Kommentar von TARAFA BAGHAJATI: Replik auf einem Presseinterview* mit Prof. Tilman Nagel http://diepresse.com/home/panorama/religion/521871/index.do vom 15.11.2009

wurde leider aufgrund der Minaretten-Debatte nicht mehr veröffentlicht, daher die Veröffentlichung auf diesem Wege:

„Islamophobie zulassen“ war ein Interview mit Tilman Nagel am 16.11.2009 in der PRESSE betitelt, Spätestens nach den aufgedeckten wüsten Islambeschimpfungen (wie „Muslime vergewaltigen Kinder wegen ihrer Religion…“) in FPÖ-„Seminaren“, die angeblich zum Islam informieren, bedarf ein solcher Standpunkt der Analyse. Auch das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung mit 57,5% für ein Verbot des Baus von Minaretten ist ein weiterer aktueller Anlass, sich mit der Materie zu beschäftigen.

Bei der Argumentation von Herrn Nagel liegt ein fundamentales Missverständnis vor. Zwischen Religionskritik und Islamfeindlichkeit findet eine unzulässige Vermischung statt. Religionskritik soll und muss erlaubt sein. Der Koran selbst zitiert wiederholt Argumente der Religionsgegner und setzt sich mit ihnen auseinander. Auch Kritik am Religionsverständnis mancher Muslime, an deren sozialem Verhalten etc. muss in einer Demokratie selbstverständlich möglich sein. Islamfeindlichkeit ist ein gesellschaftspolitisches Phänomen, das mit dem dünnen und durchsichtigen Deckmäntelchen der „Religionskritik“ sich vorhandener Vorurteile, Verallgemeinerungen und pseudowissenschaftlicher Theorien bedient, diese rechtfertigt  und somit die Diskriminierung von Musliminnen und Muslime zu legitimieren sucht. Damit droht  ein Keil in die Gesellschaft getrieben zu werden, der einzelne Gruppen gegeneinander ausspielt. Es wird versucht, ein „WIR“ Gefühl einer Mehrheitsgesellschaft über die Abgrenzung zur muslimischen Minderheit zu konstruieren. Dieses WIR braucht Muslime nur als angeblichen Fremdkörper, um sich so selbst zu definieren. Damit widerspricht ein solches WIR dem Wesen von Demokratie und Humanismus.

Es wäre ein Irrtum dieses Phänomen auf die FPÖ zu reduzieren, die in der Tat die einzige Partei ist, die die Unverschämtheit besitzt, diese Strategie als Teil ihres politischen Programms nach außen zu deklarieren. Persönlichkeiten der anderen politischen Parteien Schwarz, Grün und Rot haben diese verbale aber gefährliche Waffe hin und wieder herangezogen und mit ihr hantiert.

Islamfeindlichkeit ist ein kalkuliertes, durchstudiertes und politisch vorbereitetes Programm, das auf vorhandenen Ressentiments aufbaut. Darum ist der Begriff „Islamophobie“ viel weniger treffend und diskussionswürdig. Denn in einer Phobie liegt etwas Irrrationales, nicht Steuerbares, ja Ungewolltes, Unbewusstes bis hin zu krankhaftem Verhalten. Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft und Politik zu bekämpfen ist nicht nur die Aufgabe der Muslime, genauso wie es eine Selbstverständlichkeit ist, dass der Kampf gegen Antisemitismus nicht nur den Juden überlassen werden darf. Dies ist eine zivilgesellschaftliche Pflicht im Sinne des Allgemeinwohls und des sozialen Friedens im Land und in Europa.

Wenn Professor Nagel den Islam pauschal als toleranzfremd, überheblich gegenüber Andersdenkenden und kriegerisch darstellt, dann ist es dies natürlich seine Freiheit. Niemand verlangt hier ein Redeverbot seiner „Religionskritik“. Das Nachplappern in Wahlreden und daraus zum Beispiel „Daham statt Islam“ zu konstruieren ist dagegen Islamfeindlichkeit und Minderheitenhetze. Was möglich sein muss ist aber auch, diesen Thesen argumentativ und wissenschaftlich entgegen zu wirken. Toleranz insbesondere gegenüber anderen Religionen ist dem Islam und der islamischen Geschichte nichts Fremdes. Nicht von ungefähr fanden gerade die verfolgten religiösen Minderheiten in Europa, insbesondere die christlichen Protestanten und Juden in verschiedenen Epochen Schutz bei Muslimen. Die Buntheit der christlichen Gemeinden bis heute in Syrien, Jordanien, Libanon und Palästina sucht in Europa ihresgleichen. Die Behauptung von Nagel, dass die Toleranz des Islam ausschließlich auf Buchreligionen beschränkt ist/war, ist von einem Islamkenner schlicht befremdend. Muslime haben über Jahrhunderte mit den diversesten Religionen und Weltanschauungen sowohl als Regierende als auch als Bürger unter einer nicht muslimischen Herrschaft gelebt. Die Verse im Koran, die von Kampfhandlungen sprechen, gehen immer von einer Ausnahmesituation und nicht von der Regel aus, gewünscht und erstrebenswert ist der Weg des Friedens. Das Wort Krieg - „Harb“ kommt im Koran ausschließlich im negativen Zusammenhang vor und nie als „heilig“. Das Problem bei Islamfeindlichkeit bleibt, dass mit Schüren von irrationalen Ängsten und Hochkochen von Emotionen eine rein argumentative Herangehensweise in der Hitze der Debatte kaum möglich wird.

Das immer wieder gerne vorgebrachte Argument, dass auch das Christentum, ja sogar  Jesus in Europa verspottet werden, ist problematisch und nicht auf den Islam übertragbar. Denn Minderheitenschutz ist eine Säule der Demokratie. Die gleiche Verspottung der katholischen Kirche könnte hierzulande durchaus als Pressefreiheit gelten. Aber in einem Land, wo Katholiken eine Minderheit sind, wäre es eine glatte Verhetzung gegen Minderheiten.

Mit dem Schweizer Volksbegehren wurde möglicher Weise ein neues Kapitel eröffnet, das nicht nur die Schweiz betrifft. Das Thema Islamfeindlichkeit wird uns leider vermutlich noch lange begleiten.

Stellungnahme zum Besuch des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak in Österreich

Sehr geehrte Damen und Herren,

Unten die Stellungnahme zum Besuch des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak zu Ihrer Information. Gegen den Gaza Krieg haben sich damals  90 Organisationen zur "Plattform gegen den Gaza-Krieg" zusammengefunden, um ihre Soldarität mit dem palästinensichen Volk auszudrücken. Unten finden Sie zur Erinnerung die Erklärung vom Jänner 2009 mit den unterzeichnenden Organisationen. Aus Zeitgründen war es uns nicht möglich, dass hier alle damaligen UnterzeichnerInnen offiziell unterzeichnen. Aus den zahlreichen Reaktionen während der letzten Tage sind wir überzeugt, dass diesmal alle und noch mehr noch einmal unterstützen würden.

Stellungnahme zum Besuch des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak in Österreich

Wir haben vom Besuch des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak in Österreich erfahren.

Als Repräsentanten von für Frieden und Völkerverständigung tätiger Nicht-Regierungs-Organisationen möchten wir unsere Besorgnis hiermit zum Ausdruck bringen.

Wir erwarten von Minister Darabos,  aber auch allen anderen österreichischen Politikern, dass sie dem israelischen Minister unmissverständlich die Haltung Österreichs in Bezug auf Nahost zum Ausdruck bringen.

Insbesondere ist die Verurteilung der israelischen Besatzungs- und Vertreibungspolitik durch Österreich zu vermitteln. Jene Politik, die erst vor wenigen Tagen ziemlich unmissverständlich auch durch die EU-Außenminister verurteilt worden ist.

Jedenfalls verletzt diese Politik (völkerrechtswidrige Siedlungspolitik, völkerrechtswidrige Annektierung besetzter arabischer Gebiete wie Ost-Jerusalem und der syrischen Golanhöhen, fortgesetzter Bau des sog. Sicherheitszaunes gegen ein klares Gutachten des Internationalen Gerichtshofes etc.) seit Jahrzehnten fundamentale Bestimmungen des Völkerrechtes. Auch in der erwähnten Erklärung der EU-Außenminister wird eindeutig betont, dass diese Verletzungen internationalen Rechts durch Israel die primäre Ursache für das Scheitern des Nah-Ost-Friedensprozesses darstellt. Ehud Barak ist also Repräsentant einer Regierung, welche konsequent und aggressiv internationales Recht verletzt. Wir erwarten als besorgte österreichische Staatsbürger von unsere Regierung, dass sie die Gelegenheit dieses Besuches auf jeden Fall nützt, um Minister Barak auf diese Umstände hinzuweisen.

Nicht unerwähnt möchten wir lassen, dass Ehud Barak darüber hinaus als Verteidigungsminister in ganz besonderer Weise verantwortlich für die völkerrechtswidrigen Handlungen Israels ist. Er ist als einer der verantwortlichen Befehlshaber der israelischen Armee unmittelbar, direkt und unserer Ansicht auch persönlich für die zahlreichen Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Zuge der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen zwischen 27.12.2008 und 18.1.2009 verantwortlich.  Die vom prominenten südafrikanischen Richter und Rechtsprofessor Richard Goldstone im Auftrag des UN-Menschenrechtsbeirates durchgeführte Untersuchung erhebt eine Vielzahl konkreter Vorwürfe gegen die israelische Armee aber auch gegen die gesamte Kriegsführung. Damit steht die unmittelbare und persönliche Verantwortung der verantwortlichen israelischen Politiker, somit in besonderer Weise auch des Verteidigungsministers, zur Debatte. Die Aussagekraft des Goldstone-Berichtes wird unserer Meinung nach auch nicht dadurch geschmälert, dass Israel die Zusammenarbeit mit dieser Kommission kategorisch abgelehnt und dann auch deren Ergebnisse zurückgewiesen hat. Im Gegenteil, der Verdacht liegt doch nahe, dass Israel eine neutrale und objektive Untersuchung durch internationale Experten aus Angst, konkreter Kriegsverbrechen überführt zu werden, verhindert hat. Wir erwarten daher auch in diesem Zusammenhang von unserer Regierung, dass Sie diese Verbrechen auf das Schärfste verurteilen und Minister Barak eindringlich auffordern, sich einer internationalen Untersuchung der Vorkommnisse während des Gaza-Überfalles zu stellen.

In diesem Zusammenhang sei noch darauf verwiesen, dass es bereits seit einiger Zeit eine internationale Kampagne gegen führende israelische Offiziere gibt, welche in einigen Fällen sogar dazu geführt hat, dass manche Besuche in europäischen Staaten abgesagt worden sind. Auch die Tatsache, dass die israelische Armee allen aktiven und ehemaligen Angehörigen automatischen Rechtsschutz für den Fall von Anklagen wegen Kriegsverbrechen garantiert und dies erst jüngst wieder bekräftigt hat, gibt doch auch einen Hinweis darauf, dass selbst die israelische Armee nicht mehr an die „Reinheit ihrer Waffen“ glaubt. Dazu liegen inzwischen auch schon zu viele konkrete Aussagen von Soldaten vor, die ihre eigene Armee beschuldigen, systematische Kriegsverbrechen zu begehen.


 GAZA: Erklärung der unterzeichnenden Organisationen, 08.01.2009

Die unterzeichnenden Organisationen und Vereine verurteilen auf das schärfste das mörderische Vorgehen der israelischen Armee gegen die wehrlose Bevölkerung von Gaza. Vor den Augen der Welt werden Zivilisten kaltblütig bombardiert – Zivilisten, die seit über 18 Monaten durch die Abriegelung von Gaza förmlich ausgehungert worden waren und deren katastrophale humanitäre Situation eigentlich eines Aufschreis der Weltöffentlichkeit bedurft hätte. Bereits nach den ersten Stunden der Angriffe ist eine Opferbilanz von mehr als 195 Toten zu beklagen. Hinter jedem dieser Toten steht ein menschliches Schicksal und trauernde verzweifelte Hinterbliebene. Zahlreiche Frauen und Kinder sind unter den Getöteten.

Ungezählt sind die Verletzten, die in den besonders von der israelischen Blockade betroffenen Spitälern kaum die erforderliche medizinische Hilfe finden können. Auch das Töten von Beamten und Polizisten ist ein Kriegsverbrechen, auch wenn sie Uniformierte sind. Diese sind keine bewaffneten Kämpfer, sondern Angehörige des Verwaltungsapparats.

Wir fordern die Weltgemeinschaft auf, allen voran die arabischen Staaten, die EU, die UNO sowie den neuen US Präsidenten Barak Obama, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um dieses Blutbad umgehend zu beenden. Das Gedenkjahr 2008 ist noch nicht zu Ende, und solche Kriegsverbrechen dürfen nicht schweigend zur Kenntnis genommen werden. Der sich ankündigende israelische Wahlkampf darf nicht über die Leichen der Palästinenser geführt werden. Der Krieg gegen den Libanon 2006 hat gezeigt, dass militärische Großoffensiven in keiner Weise einem Friedensprozess förderlich sind. Österreich als Mitglied des Weltsicherheitsrates kommt hier eine besondere Rolle zu. Wir fordern die österreichische Regierung auf diese Verantwortung zu übernehmen. Die bisherige „nicht bindende Erklärung“ ist in keiner Weise ausreichend. Das Töten von hunderten Menschen ist ein Massaker gegen die Bevölkerung in Gaza und muss daher eindeutig verurteilt werden.

Wir rufen gleichfalls die europäische und die österreichische Zivilgesellschaft und die Politik auf, ihre Solidarität mit der leidenden palästinensischen Bevölkerung deutlich auszudrücken. Wir appellieren an die Medien eine sachliche Berichterstattung zu führen. Die schrecklichen Bilder, die in diversen internationalen Sendern ausgestrahlt werden, sind aus journalistischer Informationspflicht zu zeigen. Die vorbildliche Initiative „Licht ins Dunkel“ bitten wir mit einem Teil der gesamelten Spenden den Spitälern in Gaza zu helfen.

Schließlich appellieren wir an die palästinensischen Organisationen, den Versöhnungsprozess voranzutreiben und zu vertiefen, um die Einheit des palästinensischen Volkes zu bestärken.

Wien, 27.12.2008, aktualisiert am 29.12.2008

Unterzeichnerliste:

Wien, Stand 08.01.2009, 15:00 Uhr
1.      Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
2.      Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
3.      Islamische Föderation Wien IFW
4.      ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
5.      Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
6.      Dachverband der Bosniaken in Österreich
7.      Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für die schiitischen Vereine
8.      UETD Union of European Turkish Democrats
9.      Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich) 
10.    Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
11.    Frauen in Schwarz (Wien)
12.    Muslimische Jugend Österreich MJÖ
13.    Österreichisch-Arabische Union
14.    Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
15.    Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
16.    Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
17.    Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
18.    Liga Kultur
19.    Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
20.    ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
21.    Ägyptische Gemeinde in Österreich
22.    Ägyptischer Klub
23.    Ahwazische Kommunikation
24.    Al’Ahli Fanklub
25.    Arabische Organisation für Menschenrechte
26.    Arabischer Kulturverein
27.    Balkanclub
28.    Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
29.    Bildungs- Beratungs- und Kulturzentrum für Migranten
30.    Bildungs Förderung (MEKTEB)
31.    Bündnis Mosaik
32.    CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
33.    Center for Social and Political Studies
34.    CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
35.    EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
36.    Eurostudent
37.    Forum Muslimischer Frauen Österreich
38.    Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
39.    Hania Verein für Frauen und Kinder
40.    Im Glashaus - Kunst&Kulturpräsentation
41.    Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
42.    Irakhilfswerk
43.    Irakische Gemeinde in Österreich
44.    Islamic Supreme Council of Iraq, Vienna Office
45.    Islamische Institut Österreich
46.    Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“
47.    Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
48.    Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
49.    ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
50.    JUWA Jugend Föderation Österreich
51.    JUWEL - Jugendwerk zum Licht
52.    KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein  
53.    Kulturverein Al-Andalus
54.    Kuturverein Kanafani
55.    Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
56.    Linkswende
57.    Menschenfreunde International
58.    Moschee Ahl ul beit Salzburg
59.    Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
60.    Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
61.    Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
62.    Muslimischer Akademikerbund
63.    Muslimischer Lehrerverein
64.    ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
65.    Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
66.    Österreichische Islamische Föderation
67.    Österreichisch-Türkischer Kulturverein für Freundschaft und Solidarität von Sizir u. Umgebung
68.    Österreich-Syrisches Ärztekomitee
69.    Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
70.    Palästina Forum
71.    Palästinensische Gemeinde in Österreich
72.    Plattform Islam
73.    RAMADAN Internetmedium, Wien
74.    SIGN KULTUR und JUGEND Verein
75.    SOLMIT Solidarisches Miteinender
76.    Sudanesischer Kulturverein
77.    The colourful world of children
78.    TULPE Verein für interkulturelle Orientierung
79.    Union albanischer Muslime in Österreich
80.    Verband der Ägypter in Österreich
81.    Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
82.    Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
83.    Verein für Arabische Frauen
84.    Verein für Executives Training von WirtschaftsstudentInnen Aktivitäten-FETA
85.    Verein Palästinensische Frauen in Europa
86.    Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
87.    Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
88.    Voneinander Lernen
89.    WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz
90.    Wiener Friedensbewegung
91.    Mevlana Platform in Österreich
92.    Fünfhaus Jugend Kultur ve Sport Verein

Fast schlimmer als Strache - Kommentar über Fekter & Rudas

Die Politik zeigt kein Interesse, das Schubladendenken aufzugeben.

Im Innenministerium nimmt ein „Nationaler Aktionsplan für Integration“ Gestalt an. Unter „Ziele im Handlungsfeld Rechtsstaat und Werte“ ist gleich im ersten Punkt auch die Mehrheitsgesellschaft angesprochen, wenn es um die Kommunikation der Grundsätze der österreichischen Rechtsordnung sowie der in der Verfassung kodifizierten Werte geht. Alles andere wäre wohl auch fahrlässige Blindheit gegenüber alarmierenden Ergebnissen der aktuellen österreichischen Wertestudie, die als Warnung verstanden werden muss, dass der demokratische Grundkonsens gefährdet ist. Innerhalb von zehn Jahren hat sich etwa die Bejahung des Wertes von Meinungsfreiheit von 63 Prozent auf nur mehr 31 Prozent mehr als halbiert. 

In der Öffentlichkeit freilich platziert die Innenministerin, Maria Fekter, populistische Sager, in denen sie die Bedrohung von Demokratie und Rechtsstaat einmal mehr bei den Muslimen sieht. Es ist ja auch so simpel, mit Schlagworten wie Scharia zu operieren. Natürlich weiß sie es besser. Wie die katholische Kirche ein kanonisches Recht hat, so gibt es auch im Islam Aussagen zur religiösen Praxis, die zum Beispiel auf den Vollzug des Gebetes, Regeln zum Fasten oder zur sozial religiösen Pflichtabgabe eingehen – das ist Scharia. In einem säkularen Staat ist das Verhältnis klar geregelt. Oder käme jemand auf die Idee, die katholische Kirche wegen ihrer Aussagen zur Unauflöslichkeit der Ehe als staatsgefährdend anzugreifen?

Aber Fekter kann darauf setzen, dass die Mehrheit mit Scharia Körperstrafen assoziiert. Oder Zwangsheirat und Ehrenmord. Dass Scharia eben nicht mit Strafrecht oder frauenfeindlichen Traditionen gleichzusetzen ist, sondern Muslime auch theologisch die Gesetze eines Landes, in dem sie ihre Religion frei praktizieren können, zu respektieren haben, würde Angstmache ja den Boden entziehen...

Rudas plötzlich für Verbot

Eine ähnliche Strategie, mittels scharfer Abgrenzung das eigene Wir-Gefühl zu stärken, scheint auch Laura Rudas zu verfolgen. Waren die Codewörter „Scharia“ und „Fundamentalisten“ durch die Innenministerin bereits besetzt, verlegt sie sich eben auf das Kopftuch, dessen Verbot sie sich auf einmal vorstellen kann. Sie sollte es eigentlich besser wissen. Hatte sie nicht selbst bei Veranstaltungen der Muslimischen Jugend kopftuchtragende Frauen noch in ihrem Weg von Empowerment und Partizipation bestärkt? Ihnen Mut gemacht, dass Chancengleichheit und Antidiskriminierungsgesetze alte Vorurteile schließlich überwinden würden?

Die derzeit zu beobachtenden Tendenzen von Effekthascherei sind fast schlimmer als die alte rechts-rechte Sündenbockpolitik nach dem Muster Strache. Damit wird das Glaubwürdigkeitsproblem der Politik nicht gelöst, sondern verschärft. Denn dieses Ablenken von den wirklichen Herausforderungen muss wie eine einlullende Verdummung der Wähler herüberkommen. Anstatt selbstbewusst hart erarbeitete Erkenntnisse einer Integrationspolitik zu kommunizieren, wird auf Emotionalität gesetzt. Geradezu zynisch, wenn sich Laura Rudas dabei sogar auf „Aufklärung“ beruft, die – eh klar – vom muslimischen Kopftuch bedroht wäre.

Vernunft und Aufklärung tun wirklich not. Doch auf muslimischer Seite macht sich langsam Resignation breit. Die Ernsthaftigkeit eines Dialogs muss in Zweifel gezogen werden, wenn statt Partizipation doch nur wieder das Rechtfertigungseck zur hundertsten Wertedebatte winkt. Langsam aber wird auch klar, warum die Feindbilder so schwer aufzubrechen sind: Soll da nicht die eigene Leere kaschiert werden? Kein Interesse also, Schubladendenken und selektive Wahrnehmung aufzugeben.

 

Wir sind alle gefordert: Replik auf Ednan Aslan „Die Migranten sind gefordert“

Die Behauptung von Ednan Aslan, „dass bei der Diskussion um Integration eigentlich sehr oft die Muslime gemeint sind“, hat was an sich. Und dass „Deutsch und eine gute Ausbildung eine große Voraussetzung sind, aber am Ende allein nicht genügen“, ist angesichts fehlender Chancengleichheit in der Realität Fakt. Die große Herausforderung für uns ist jene, dass der Großteil der Muslime den Aufstieg in die Mittelschicht schaffen muss, aus der Armutsspirale herauskommen und die Sozialsegregation überwinden muss.

Die Versachlichung der Diskussion ist immens wichtig, um der Populismusfalle zu entrinnen. Doch Rationalität allein ist keine Lösung, weil die emotionale Ebene nicht außer Acht gelassen werden kann. Die Menschen vor Ort sind an einer funktionierenden Nachbarschaft interessiert. Am Einhalten der Hausordnung, gegenwärtig in Punkten wie Mülltrennung, Einhalten von Ruhezeiten und der Sauberkeit der Hausanlage. Das Miteinander am Spielplatz und nicht das Verdrängen von Kindern durch Gruppen ist Mietern wichtig. Eine abgehobene Wertedebatte spielt dabei eine Nebenrolle. Menschen vor Ort wollen miteinander reden und kommunizieren und sich freundlich grüßen. Dabei ist ihnen ein Piercing, Bauchleiberl oder Kopftuch völlig egal. Sie wollen ein ordentliches Umfeld, saubere und sichere Umgebung und eine lebenswerte Stadt.

Die Behauptung, dass die Politik nach dem Motto „Wir kämpfen für eure Rechte, bleibt, wo ihr seid!“ agiert, ist eine falsche Wahrnehmung. Wir investieren in Wien seit Jahren in Deutschkurse und haben das Gratiskindergartenjahr für heuer eingeführt. Die Stadt hat die Vielfalt als Chance erkannt und eine Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten geschaffen. In Bezirken mit erhöhtem Migrationsanteil wie rund um den Brunnenmarkt wurde in die Infrastruktur investiert und in die Revitalisierung der Wohnhäuser Geld gesteckt. Für die Beseitigung von Nachbarschaftskonflikten wurde die Gebietsbetreuung ausgeweitet und die Schaffung von Ordnungsberatern und Mediatoren beschlossen. Mit 220.000 Gemeindewohnungen sorgen wir für einen funktionierenden sozialen Wohnbau auf hohem Niveau. 90% aller neuen Wohnbauten sind gefördert, und 60% aller Wiener wohnen in einem geförderten Wohnbau.

Das renommierte Beratungsunternehmen Mercer untersuchte 215 Großstädte anhand von 39 Kriterien. Diese bilden weite Bereiche der städtischen Lebensqualität – von politischer und ökonomischer Stabilität, Sicherheit, Sauberkeit, Daseinsvorsorge bis hin zum Wohnungsmarkt – ab. Die neueste Ausgabe dieser Studie zeichnet Wien als lebenswerteste Stadt der Welt aus, womit Zürich als Seriensieger der letzten sieben Jahre vom Thron gestoßen wurde.

Querschnittsmaterie

Ein ungewöhnlich hohes Maß an interner Stabilität, gesellschaftlichem Zusammenhalt, guten Krankenhäusern, medizinischer Versorgung, Wasserqualität, Abfallbeseitigung und Abwasserentsorgung waren nur einige Punkte, warum Wien diesen Rang bekommen hat. Wieso junge Menschen, die hier aufgewachsen sind und in die Schule gegangen sind und die deutsche Sprache sehr gut beherrschen, jeden Tag ein Stück Freude an der Gesellschaft verlieren, wie Ednan Aslan behauptet, ist angesichts solcher Daten nicht nachvollziehbar.

Integration ist gewiss eine Querschnittsmaterie, die sicher ein eigenes Ressort bzw. Staatssekretariat braucht. Hier hoffe ich, dass Aslan seine sehr guten Kontakte zur ÖVP benützt, um sie von der Notwendigkeit eines solchen Schrittes zu überzeugen. Wir machen Politik für die Menschen und möchten uns der Sorgen der Wiener annehmen und deren Probleme lösen. Wir bekennen uns zu einer pluralistischen Gesellschaft und sind für eine lebenswerte Stadt, in der Regeln und Ordnung gelten. Wir sind aber auch gegen jede Form von Verhetzung und Ausgrenzung. Und wir gehen auch auf die Bedürfnisse von Minderheiten ein. Wir wollen aber, dass die Menschen uns wegen unserer Politik und der Leistungen als Ganzes wählen.

Denn Sozialleistungen, funktionierende Schulen, Gesundheitsversorgung und leistbares Wohnen kommen allen Menschen zugute. Und wir verlassen uns nicht bei unseren Wahlerfolgen auf Bittgebete oder Huldigungen, wie es Aslan behauptet. Denn selbst Huldigungen, Bittgebete, das Vertrauen der Menschen und schließlich ihre Stimme bei Wahlen zu bekommen muss man sich zuerst einmal erarbeiten und letztendlich verdienen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2009)

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