Glaube & Kultur

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Islamische Gefangenenseelsorge: Vertrag zwischen IGGiÖ und Justizministerium wurde unterzeichnet

Die Bundesministerin für Justiz Dr. Claudia Bandion Ortner und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Anas Schakfeh unterzeichneten am 26.01.2010 gemeinsam einen Vertrag über die künftige Zusammenarbeit im Bereich der Gefangenenseelsorge.  Dabei betonte die Justizministerin die große Bedeutung, die einer seelsorgerischen Betreuung auf dem Weg zur Resozialisierung zukomme. Den stellvertretend für das Team anwesenden Gefangenenseelsorgern Mustafa Yasin und DI Tarafa Baghajati und vor allem dem Leiter Dr. Muhammad Hassan sprach sie ihre Anerkennung aus. Präsident Schakfeh zeigte sich erfreut, dass nach vielen Jahren, in denen ehrenamtliche muslimische Seelsorger und Seelsorgerinnen ausgezeichnete Arbeit leisteten, nun ein wichtiger Schritt zur weiteren Institutionalisierung erreicht werden konnte.

Künftige Vorhaben wie der Ausbau der Fortbildung, eine genauere Dokumentation und damit auch Evaluierung und bedarfsgerechte Versorgung wurden skizziert. Zurzeit werden in rund zehn Gefängnissen regelmäßige Besuche der muslimischen Seelsorge angeboten. In den Justizanstalten Stein und Josefstadt gibt es bereits eigene Räumlichkeiten für das gemeinschaftliche Gebet. Viele Insassen nehmen das Angebot zu Orientierung
und innerem Wandel gerne an.

Rückfragehinweis:

Mag. Paul Hefelle, Pressesprecher im Bundesministerium für Justiz, Tel. 01/521 52/2873, paul.hefelle [at] bmj.gv.at

DI Tarafa Baghajati, Islamische Gefangenenseelsorge; Tel. 0664 521 5080

Verfassungsreform der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Mit Blick auf die Verfassungsreform brachte Präsident Schakfeh die Situation in seiner Rede anlässlich des Iftar-Mahls bei Bundeskanzler Faymann auf den Punkt: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Seit Wochen liegt der ausverhandelte Entwurf beim  Kultusamt. Die Öffentlichkeit wie auch wir befinden, dass Neuwahlen längst fällig sind – wir wollen durch Inkrafttreten der neuen Verfassung endlich in die Wahlen gehen.“

 

Notwendig wurde eine Verfassungsreform durch verschiedene Faktoren. Die alte Version entspricht noch den Verhältnissen vor etwa dreißig Jahren, als die Muslime in Österreich gerade einmal eine Gemeinschaft einiger tausend bildeten. Heute haben sie mit ca. 5% der Gesamtbevölkerung zahlenmäßig bereits die Evangelischen überholt. Dies erfordert neue Strukturen. Gleichzeitig sollte die IGGiÖ noch näher zu den Muslimen rücken und jenen Prozess unterstützen, der Muslimen nicht nur rechtliche Anerkennung, sondern auch gesellschaftliche Akzeptanz als Teil Österreichs bringt.

 

Was sind nun die Eckpfeiler der neuen Verfassung?

 

Eine Präambel unterstreicht jene Linie der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die ihr auch international viel Respekt eingebracht hat. Die Kompatibilität sich als Muslim zu verstehen und im österreichischen demokratischen, pluralistischen Gemeinwesen zu partizipieren wird hier ebenso betont wie der Dialoggedanke „für eine konstruktive Kooperation zum Wohl der österreichischen Gesellschaft“.

 

Die Mitgliedschaft wird genauer ausgeführt. Wie es dem Selbstverständnis des Islam entspricht, bilden auch weiterhin alle Menschen muslimischen Glaubens, die in Österreich leben, in all ihrer Vielfalt der ethnischen Herkunft und muslimischen Rechtsschulen  sunnitischer und  schiitischer Prägung  die Islamische Glaubensgemeinschaft. Da es im Islam kein der Taufe vergleichbares Zeremoniell gibt, sind Registerbücher kein automatischer Mechanismus der Mitgliedererfassung. Einspielen soll sich allerdings die Gewohnheit, dass nach der Geburt muslimische Kinder gemeldet werden und Erwachsene sich persönlich einschreiben. Mehr Basisnähe ist das Ziel.

 

Daher wurde die Zahl der Religionsgemeinden erhöht. Nun hängen nicht wie zuvor mehrere Bundesländer in einem Sprengel zusammen, sondern bildet jedes Bundesland einen eigenen.  Die Ausschüsse der einzelnen Religionsgemeinden werden nicht mehr direkt gewählt, wobei oft nur eine einzige Liste zur Auswahl stand, die bereits im Vorfeld durch Absprachen zwischen den Vereinen aufgestellt worden war. Jetzt soll das neue Gremium der Gemeindeversammlung einen viel breiteren Spiegel des aktiven muslimischen Lebens ergeben. Die Gemeindeversammlung wird dadurch gebildet, dass in einem Sprengel je 50 wahlberechtigte Mitglieder (jährliche Kultusumlage entrichtet, über 14 Jahre alt) eines muslimischen Vereines oder Fachverbandes einen Delegierten oder eine Delegierte in diese durch Wahl entsenden. Nicht vereinsmäßig gebundene Muslime können als „Unabhängige“ nach gleichem Modus wählen und gewählt werden. Wahllokale sind nicht mehr an nur einem einzigen Ort im Sprengel eingerichtet, sondern befinden sich in diversen Räumlichkeiten der Vereine. Bei einer hoffentlich hohen Wahlbeteiligung kann die Gemeindeversammlung sehr groß werden. Aus ihr gehen dann durch Wahl innerhalb des Gremiums die Ausschüsse der Religionsgemeinden hervor, die aus 11 Personen bestehen, wobei die Gemeindeversammlung auch Kandidaten von außerhalb ihres Gremiums bei entsprechender Unterstützung benennen kann. Die Ausschüsse sind das geschäftsführende Organ jeder Religionsgemeinde. Jeder Ausschuss entsendet vier Vertreter in den Schurarat, das Haupt- und Zentralgremium der IGGiÖ, das vornehmlich die legislativen Angelegenheiten zu regeln hat. In diesem Wort steckt der arabische Begriff „Schura“, Titel einer Koransure und das Prinzip gegenseitiger Beratung, das den Demokratiegedanken im Islam widerspiegelt. Der Schurarat soll mindestens 36, aber nicht mehr als 61 Mitglieder aufweisen. Die Zahl der noch zu entsendenden Personen wird gemäß dem Verhältnis der Stärke der einzelnen Gemeindeversammlungen aus diesen durch Wahl innerhalb dieses Gremiums bestimmt. Das höchste geschäftsführende Organ für die gesamte Islamische Glaubensgemeinschaft ist der Oberste Rat mit 15 Mitgliedern, die dem Schurarat angehören müssen und von diesem gewählt werden. Auch der Vorsitzende des Obersten Rates, der zugleich der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist und dessen Stellvertreter werden direkt vom Schurarat gewählt, die anderen Funktionen innerhalb des Obersten Rates bestimmt.

 

Somit wird bereits an dieser Stelle deutlich, dass sich Spekulationen um den künftigen Präsidenten der IGGiÖ fast erübrigen, da ein langes etappenweises Wahlverfahren zu erwarten ist. Sichtbar wird auch, wie die einzelnen Gremien miteinander verzahnt sind, wobei ein genauerer Blick in die genaue Definition der Aufgabenbereiche dies noch klarer zeigen würde. Wert gelegt wurde auf eine Repräsentation des breiten Spektrums der Muslime durch Bestimmungen zur ethnischen und sprachlichen Herkunft, wobei jedes Gremium maximal 50% Mitglieder des gleichen ethnischen Hintergrunds aufweisen darf. Ein eigenes Thema ist der Zugang für Frauen, sind doch die Vereine von der Führung her sehr männlich dominiert. Immerhin konnte man sich beim Ausverhandeln der Verfassung darauf einigen, dass die Funktionen im Obersten Rat geschlechtsneutral beschrieben werden – eine hoffentlich bewusstseinsbildende Maßnahme, wie auch die Tatsache, dass „Frauen und Jugend“ ausdrücklich im Schurarat vertreten sein müssen.

Ein weiteres wichtiges Gremium im Sinne eines lebendigen innermuslimischen Diskurses ist der Beirat mit seiner beratenden Funktion, in dem Vereinsvorsitzende und verdiente Persönlichkeiten sitzen. Die  Verfassung geht auch auf die Aufgaben der muslimischen SeelsorgerInnen ein. Ganz neu wurde der Imamerat geschaffen, dem der vom Schurarat gewählte Mufti als höchste theologische Autorität und die neun ersten Imame der einzelnen Religionsgemeinden angehören. Außerdem können weitere Personen hierzu berufen werden. Dies soll auch den internen Diskurs um eine authentische und zugleich zeitgemäße Interpretation der religiösen Quellen fördern. Als letzte Gremien seien das Schiedsgericht und die Rechnungsprüfer genannt.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft brennt jetzt geradezu auf den Startschuss durch das Kultusamt, die umfangreichen Maßnahmen für den reibungslosen Ablauf der Wahlen einzuleiten. Administrativ wird ein großes Datenaufkommen zu bewältigen sein. Dabei sei nicht nur an die individuellen Registrierungen und die durch die Vereine abgegebenen Listen gedacht. Die Moscheevereine  können sich laut neuer Verfassung zertifizieren lassen. Damit bekennen sie sich zur Linie und Verfassung der IGGiÖ und unterstehen deren Aufsicht. Somit wird ein Plus an Transparenz erreicht, aber auch die Vernetzung und Zusammenarbeit und der Aufbau von Vertrauen nach außen gefördert.

Carla Amina Baghajati, September 2009

Dieser Artikel erschien zuerst in der Wochenzeitschrift DIE FURCHE.

 

 

Gedanken zum Fastenmonat Ramadan: Lesen und Hören

Gedanken für den Tag
10. 09. 2007, 6.57 Uhr - 7.00 Uhr
im Programm Österreich 1

"Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan"

von Tarafa Baghajati, Mitbegründerder Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Vizepräsident des Europäischen Netzwerkes gegen Rassismus

“Oh ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es den Menschen vor euch  vorgeschrieben war; Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig!“ (Koran 2:183)

Mit diesem Vers wurde die vierte Säule des islamischen Glaubens verkündet. Dabei faszinieren mich zwei Aspekte an diesem kurzen Vers: Zuerst wie direkt auf frühere Religionen Bezug genommen wird, mehr noch diese Anerkennung finden und zweitens die Definition von Sinn und Zweck des Fastens als Erreichen der „Taqwa“. Diese Taqwa wird in fast allen Koranübersetzungen als Gottesfurcht wiedergegeben, was zu verkürzt ist.

Taqwa ist auch Streben nach Gerechtigkeit. Und gerade im Fasten sind das Verinnerlichen des Wertes von sozialer Gerechtigkeit neben der Selbstbeherrschung die wesentlichen Aspekte. Soziale Gerechtigkeit nicht nur im Sinne der für alle zu ermöglichenden Befriedigung unmittelbarer Bedürfnisse – Essen und Trinken - sondern im Sinne einer gleich berechtigten Teilhabe und Chancengleichheit im gesellschaftlichen Leben.

Ich werde öfters gefragt: Was kann man Musliminnen und Muslimen zum Ramadanbeginn wünschen? „Alles Gute“, „Schönes Fasten“, „Gesegnete Zeit“ sind Wünsche, die Ihre muslimischen Bekannten, Nachbarn und Freunde sicherlich freuen würden! Eine Ramadanbegegnung zu einem gemeinsamen Iftar, einem „Fastenbrechenessen“, könnte im Sinne eines schönen Miteinanders unvergesslich bleiben.


Gedanken für den Tag
11. 09. 2007, 6.57 Uhr - 7.00 Uhr
im Programm Österreich 1

"Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan"

von Tarafa Baghajati, Mitbegründerder Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Vizepräsident des Europäischen Netzwerkes gegen Rassismus
 

„… Wer von euch im Ramadan zugegen ist, soll während seines Verlaufs fasten. Wer jedoch krank oder auf einer Reise ist, der faste andere Tage. Allah wünscht es euch leicht, und nicht schwer zu machen …“
(Koran 2:185)

Dieses Prinzip der Erleichterung ist ein Schlüssel, das Wesen des Islam zu erkennen. Im Koran wird es an verschiedener Stelle zehn Mal betont. Je verkrampfter die Diskussion um den Islam, desto mehr scheint es in Vergessenheit zu geraten. Dabei wäre gerade in der Debatte um Extremismus und Gewalt dieses sich Beziehen auf einen Gott, der dem Menschen nicht mehr abverlangt, als es dem Menschsein entspricht, wichtig. Leichtigkeit und Menschlichkeit gehen Hand in Hand und bieten Fanatismus keinen Raum.

Im Zeichen des  11. September an welchem tausende Unschuldige ihr Leben lassen mussten, und danach erfolgten so genannten Krieg gegen den Terror mit dazu gehörigem unbeschreiblichen Leid von Millionen von Menschen vor allem im Irak ist eine spirituelle Rückbesinnung im Sinne eines gemäßigten Weges notwendig. Auch jene überwältigende Mehrheit der Muslime, die friedliebend unter einem verzerrten Image ihrer Religion leidet, kann in der Besinnung auf ein stärkendes: „Gott will es dem Menschen leicht machen“  Kraft und Anregung finden. Die Leichtigkeit zu suchen ist ja nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln, noch mit gedankenlosem Mitläufertum. Vielmehr ist Differenzierung gefragt. Eine Herausforderung, bei der Simplifizierung und schwarz-weiß Malerei nichts verloren haben, das Streben nach dem ebenfalls koranischen Prinzip eines „Weges der Mitte“ aber Orientierung bietet.


Gedanken für den Tag
12. 09. 2007, 6.57 Uhr - 7.00 Uhr
im Programm Österreich 1

"Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan"

von Tarafa Baghajati, Mitbegründerder Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Vizepräsident des Europäischen Netzwerkes gegen Rassismus

„… und wenn dich meine Diener nach mir fragen, so bin ich nahe. Ich antworte dem Ruf des Rufenden, sobald er mich ruft  …“ (Koran 2:186)

Selbst wenn wir die Erfahrung machen, Gott - „Allah“ mit unseren Sinnen nicht begreifen zu können, so bleibt er nah. Die Gottessuche im Gebet ist viel weniger an einen formalen Ablauf gebunden, als vielmehr an die Tiefe des Vorgebrachten. ER hört die Gedanken und unterstützt die Hilfesuchenden. Der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, sagte: „Zwischen dem Ruf des Unterdrückten und Gott gibt es keinen trennenden Schleier.“

Das Leben mit Gott mag im turbulenten Alltag kaum möglich erscheinen. Zu begreifen, dass Gott, der Allgegenwärtige, doch anwesend ist, erfordert eine spirituelle Bindung. Diese Bindung ist aber nicht nur den theologisch geschulten vorbehalten. Das Gefühl des Vertrauens und der Geborgenheit und nicht der Gehalt des theoretischen Wissens spielt hier eine bedeutende Rolle. Und wie kann ich es begreifen, ob ich Gott fühle und lebe? Die islamische Mystik und Spiritualität versucht hier eine Antwort zu geben: Es geht nicht darum Gott theoretisch zu suchen, sondern ihn mit eigener Erfahrung, geistlich wie körperlich zu erleben. Dies braucht nicht unbedingt einen mystischen Trancezustand, sondern ein möglichst kontinuierliches Gefühl der unendlichen Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Lassen wir Maulana Dschelaladdin RUMI die Gedanken für den Tag schließen:

Die Feder eilt im Schreiben, kaum zu halten
Kommt sie zur Liebe, muss sie gleich zerspalten.
Wie ich die Liebe auch erklären will -
Komm ich zur Liebe, schweig' ich schamvoll still.
Erklärung mag erleuchten noch so sehr,
Doch Liebe ohne Zungen leuchtet mehr!

Maulana Dschelaladdin RUMI (1207-1273)

Ramadan: Grußwort der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Die besten Segenswünsche für einen erfüllten Ramadan!

Ramadan gilt im muslimischen, am Mondkalender orientierten Jahreskreis als „Sultan der Monate“. Und tatsächlich bietet die besondere Stimmung dieses Monats einen Ansporn, hier Maßstäbe für  eine sinnerfüllte und damit von Zufriedenheit und innerem Ausgleich geprägte Lebensführung zu setzen. So sollte der Ramadan zum Motor für das das ganze Jahr werden.

Muslimische Gläubige beschäftigen  sich über das Fasten und das Studium der religiösen Quellen besonders intensiv und sehr persönlich  mit ihrem Glauben. Fasten heißt im Islam, sich während des Tages von Essen und Trinken zu enthalten. Ausgenommen davon sind Kinder und alle Menschen, die körperlich nicht dazu in der Lage sind.  Gleichzeitig tritt der soziale Gedanke als Verantwortung für ein Miteinander in den Vordergrund, in dem kein Mensch im Abseits stehen soll – weder durch Armut, noch durch Einsamkeit – Faktoren, die oft miteinander verknüpft sind. So kann der Ramadan auch ein praktisches Beispiel dafür sein, wie sich im Islam sehr individuelle Wege persönlicher Entwicklung mit Gemeinschaftssinn verbinden. Individuum und Gesellschaft sollen in Balance zueinander stehen.

Tugenden wie Geduld, Mitgefühl und Empathie mit Bedürftigen, tätige Hilfe und guter Umgang mit Familie, Nachbarn, Freunden, Kollegen und allgemein Mitmenschen werden im Ramadan besonders trainiert. Innere Reinigung bedeutet so auch eine Chance zur Bereinigung vielleicht schwelender Konflikte oder der Erneuerung  guter Kontakte.

In diesem Sinne sollte der Ramadan in seiner Gutes stiftenden Eigenschaft nicht nur von den Muslimen wahrgenommen werden. Wir hoffen, dass der Ramadan auch Wege zu einer besseren Verständigung zwischen Menschen verschiedenen Glaubens oder Weltanschauung öffnen kann. So wünschen wir allen Muslimen, dass sie über den persönlichen Gewinn hinaus auch viele Beiträge für ein von Menschlichkeit geprägtes soziales Miteinander setzen können.

Wien, am 21. August 2009
 
Anas Schakfeh,
Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Ramadan beginnt: Muslime fasten ein Mondmonat lang

Für mehr als eine Milliarde Muslime in aller Welt beginnt weltweit unterschiedlich um den 22. August herum der Fastenmonat Ramadan. Der offizielle Beginn des neunten islamischen Monats hängt von der Sichtung der Mondsichel ab. Ein Mondmonat lang haben die Gläubigen tagsüber abstinent zu sein. Neben dem Essen und Trinken betrifft diese religiöse Pflicht auch das Rauchen und den Geschlechtsverkehr.

Nach Sonnenuntergang wird oft in Verbindung mit religiösen Übungen mit der Familie gespeist und gefeiert. Hinter dem Fasten steht laut Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der islamischen Gemeinde Wien, der "soziale Gedanke, am eigenen Leib zu spüren, wie es großen Teilen der Bevölkerung geht".

Für den gläubigen Muslim ist das Fasten im Ramadan einer der fünf Grundpfeiler des Islam ("Hingabe an Gott"). Die anderen vier sind das Glaubensbekenntnis, fünf tägliche Gebete, die Armensteuer (Almosen) und die Pilgerfahrt nach Mekka. Für Frauen ist das Fasten während der Menstruation und im Wochenbett verboten. Sie sollten ebenso wie Kranke und Reisende das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Kinder sind überhaupt ausgenommen.

Die letzten zehn Nächte des Fastenmonats gelten als besonders heilig. Nach islamischer Überlieferung hat Allah um 610 in einer Nacht im Ramadan seinem Propheten Mohammed das erste Mal den Koran durch den Erzengel Gabriel offenbart. In Erinnerung daran heißt diese "Nacht der Bestimmung" oder "Nacht der Allmacht" (Leilat al-Qadr), nach der auch die 97. Sure (Kapitel) des Koran benannt ist.

Texten für die Wochenzeitung DIE FURCHE von Carla Amina Baghajati

Monatlich schreibt Carla Amina Baghajati eine Kolumne für die Wochenzeitung „Die Furche“. Hier eine Zusammenstellung der Texte von Dez. 07 bis Aug. 08

FURCHE- Kolumne im Dezember 2007

Muslimisches soziales Engagement als Schlüssel zur Integration

Religionen und ihre Verantwortung für den Frieden – ein oft zwiespältig empfundenes Thema. Die wortreichen theologischen Ausführungen zum Friedensauftrag können das Unbehagen nicht überdecken, wenn angesichts einer gar nicht so friedlichen Welt nur der knappe Hinweis auf „Missbrauch“ der Religionen erfolgt. Anpacken statt Herumreden ist gefragt.

Im interreligiösen Dialog hat sich längst die praktische Zusammenarbeit als unersetzlich neben tiefsinnigen Diskursen erwiesen, auch als Weg die viel besprochene Basis direkter zu erreichen. Umso mehr ist zu begrüßen, dass anlässlich des heurigen Jahrestages des ökumenischen Sozialwortes eine bewusste Öffnung zum Judentum und Islam stattfand und beide Religionen bei einer Feier am 15. November eingeladen wurden, sich hier einzubringen.

Glauben ins soziale Handeln zu übersetzen ist mehr als eine Frage der Glaubwürdigkeit nach außen, sondern zuerst eine der kritischen Selbstreflexion. Im Koran heißt es in 2:177, dass wahre Frömmigkeit nicht darin bestehe, sich im Gebet nach Osten oder Westen zu richten – leere Rituale sind unerwünscht. Es folgt eine Aufzählung von Glaubensartikeln mit der Mahnung zu spenden, zu helfen, zu beten und die sozial-religiöse Pflichtabgabe Zakat zu geben, Wort zu halten und geduldig zu sein.

Für Muslime ist die auf Ehrenamtlichkeit basierende Tätigkeit eine große Herausforderung. Zwar feiert die Seelsorge im AKH oder in Gefängnissen stille Erfolge. Aber eine stärkere Institutionalisierung wird angestrebt, wie sie im Bildungsbereich mit der Islamischen Fachschule für soziale Bildung stattgefunden hat. Soziales Engagement ist direkt mit Integration verknüpft. Wollen Muslime als Teil der Gesellschaft betrachtet werden, ist ihr aktiver Part unerlässlich.


FURCHE- Kolumne im Jänner 08

Guter Vorsatz – gute Tat

Zum Jahreswechsel treffen die Mekkapilger wieder in Österreich ein. Der muslimische Mondkalender lässt das Opferfest derzeit in den Winter fallen, fast parallel zu den christlichen Weihnachten - ideal die Ferien für die Hadsch zu nutzen. Schlagzeilenfrei:  Nach tragischen Todesfällen im Massengedränge hat man in Saudi Arabien die Infrastruktur weiter verbessert. Umgeben von Betonpisten und riesigen Bauten mag für ein romantisches Zurückversetzen in die Zeiten der Propheten kaum noch Raum sein – der Sicherheit ist jedoch gedient. Und der spiritus loci wird spätestens beim Tawwaf um die Kaaba wach, bei der Umkreisung des nach dem Islam ersten, von Abraham errichteten Hauses für den Einen Gott.

Keine Toten – kein Nachrichtenwert? Dabei könnte die Hadsch von den Riten im Gedenken an den Propheten Abraham bis zu deren tieferer Bedeutung als Schule für soziales Verhalten und Friedenserziehung ein wichtiges Licht auf den Islam werfen.

Die frischen Hadschis dürfen sich wie neugeboren fühlen. Nach dem Islam hat Gott ihnen eine Art „Neustart“ gegeben, vorausgesetzt man ist mit dem Leben vor der Pilgerfahrt im Reinen, vor allem im Zwischenmenschlichen. Theologisch verlangt die angestrebte Vergebung Gottes die vorherige Verzeihung eines von einer schlechten Tat Betroffenen, bzw. die Wiedergutmachung. Gute Vorsätze begleiten die Pilger – und halten wie lange dem Alltag stand? Tröstlich, vielleicht auch in Bezug auf die jetzt getroffenen Neujahrsziele: Schon der ehrlich gefasste Vorsatz zum Guten wird als gute Tat gewertet. Motivation zum positiven Denken spirituell wie rational: Positive Veränderungen erfordern eine Haltung der (selbst)vertrauenden Zuversicht, auch im Wissen um eigene Unzulänglichkeiten. Keine Resignation – zupackende Hoffnung.


FURCHE- Kolumne im Februar 08

Was ist Scharia?

Mit Vehemenz wurde die Überlegung des anglikanischen Oberhaupts Rowan Williams, Teile der Scharia im englischen Rechtssystem zu berücksichtigen, zurückgewiesen. Aber von was reden wir da? – Scharfmacher, die gerne vor der „Islamisierung Europas“ warnen, setzen darauf, dass Assoziationen zu einem archaischen starren Kodex Ängste wach halten.

Dagegen ist die Scharia etwas höchst Dynamisches. Der „Weg zum Wasser“ (wörtlich) beschreibt jenes nie abzuschließende Beantworten von Fragen der religiösen Praxis, wie sie durch Wechsel von Zeit, Ort und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entstehen. Basis dazu sind der Koran als Wort Gottes, das damit eine Konstante darstellt – nicht aber die Exegese, die inzwischen Bibliotheken füllt. Zweite Quelle ist die Sunna, vorbildhafte Handlungsweisen des Propheten Muhammad. Geschmeidigkeit zeigt die Scharia durch Prinzipien wie „Was nicht verboten ist, ist erlaubt“ oder „Religion als Erleichterung“. Lebensgefahr als Notsituation könnte Verbote (Schweinefleisch) vorübergehend aufheben.

Die Scharia beschäftigt sich in erster Linie mit gottesdienstlichen Handlungen. Darum zeugt die Forderung nach „Abschaffung“ von Ignoranz. Wirklich fruchtbar könnte dagegen eine Analyse sein, wie auch im säkularen Staat ein „Diözesengericht“ seinen Platz hat und kanonisches Recht parallel für die Muslime zu handhaben wäre. Nachdenken statt Populismus. Die Flexibilität (und doch nicht Beliebigkeit) der Scharia ermöglicht Muslimen in Österreich dank ihres Anerkennungsstatus eigenständige und zugleich authentische Entwicklung. „Islam in seiner Kernbotschaft, in seiner Aufgeschlossenheit den Wissenschaften gegenüber und seinem Bildungsgebot enthält den ständigen Aufklärungsaspekt.“ (Imamekonferenz 2003)


FURCHE- Kolumne im April 08

Chancengleichheit für Musliminnen

Der vierte Geburtstag des österreichischen Antidiskriminierungsgesetzes nähert sich. Demnach genießen muslimische Frauen unter dem Titel „keine religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ Schutz. Auch wenn in der Praxis die Stelle für Kopftuchträgerinnen dann „leider schon vergeben“ ist – Gesetze wirken Bewusstsein bildend. Bewerberinnen unterschiedlicher Religion Chancengleichheit zu verweigern ist ein Unrecht.

In der Praxis trauen sich viele Frauen gar nicht, Diskriminierungserfahrungen anzuzeigen. Zu resignierend werden die Aussichten in einem Verfahren betrachtet, das im Zuge öffentlicher Aufmerksamkeit das Opfer womöglich noch zur Täterin („Fundamentalistin“…) macht. Selbst wenn sie Recht bekäme – würde das nicht zusätzlich Hass heraufbeschwören? Populisten leisten derzeit ganze Arbeit aus muslimischer Sichtbarkeit Angstszenarien zu bauen.

Normalität – das wünschen sich gerade die jungen MuslimInnen. Das braucht Signale. Staatssekretärin Marek schuf den MiA Award, eine Auszeichnung für Frauen mit Migrationshintergrund. Auch Frauen mit Kopftuch wurden vor den Vorhang gebeten.

Anders Bundesminister Hahn. Als Gast eines Migrantenvereins bekannte er auf  die Frage nach muslimischen Bundesbediensteten: „Ich habe mit dem Kopftuch kein Problem.“ Parallel wurde jene Zeitung gedruckt, in der er dann für ein Verbot des Kopftuchs im öffentlichen Dienst eintrat.

Putzfrau ja, berufstätige Akademikerin nein? Also ja nicht am Bild der unterdrückten, ungebildeten Frau rütteln? Eigentlich hatte sich der Diskurs mit dem Schlüsselwort „Selbstbestimmungsrecht“ eine gute Richtung weg von jeglicher Ideologisierung gegeben. Eine neue Generation steht in den Startlöchern, um den Beweis anzutreten, wie ein Leben als Muslimin mit dem hier Dazugehören zu verbinden ist. Und ihre Chancengleichheit?


FURCHE- Kolumne im Mai 08

Muslime in China

Uiguren, Muslime aus China, hat man bei der vergangenen Hadsch vermisst. Der chinesischen Regierung schien es wohl zu heikel, kurz vor Olympia Schlagzeilen über die Unterdrückung der Uiguren zu produzieren, die anlässlich der  Pilgerfahrt etwas „ausplaudern“ könnten.

Nachzulesen ist die dramatische Situation des ca. 8 Mio. zählenden Turkvolkes im Bericht „Vernichtende Schläge: Religiöse Repression der Uiguren in Xinjiang“ von Human Rights Watch. Er enthüllt die komplexe politische Strategie in Xinjiang, die sich gegen die religiöse Freiheit und gegen die Vereinigungs-, Versammlungs- und Redefreiheit wendet. Seit Ölfunden in der Provinz steht der Wunsch nach Entfaltung der eigenen Identität erst Recht im Ruch des „Separatismus“, was mit Terror gleichgesetzt wird. Brad Adams von HRW: „Der weltweite Krieg gegen den Terrorismus lieferte Peking einen fadenscheinigen Grund, härter denn je in Xinjiang durchzugreifen.“

Geht diese Rechnung auf? Trotz (oder wegen) des Augenmerks auf die Menschenrechtssituation in China, vor allem beim Thema Tibet – wer weiß schon im Westen von den Umerziehungsprogrammen für missliebige Uiguren, den Arbeitslagern, willkürlichen Verhaftungen ohne faires Verfahren, vollstreckten Todesstrafen? Dass Imame jährlich bei „Reflexionstreffen“ beweisen müssen, wie konform ihre Lehren mit der marxistischen Ideologie sind? Eine Art gleichgeschalteten Staatsislams in Verleugnung der uigurischen Kultur implementiert werden soll? HRW spricht von einem mehrstufigen Unterdrückungssystem, das mit nächtlichen Kontrollen bis in die Familien hineinreicht.

Einige Empfehlungen von HRW: Uigurische Asylwerber keinesfalls nach China rückzuführen, China drängen, die selbst eingegangenen UN-Menschenrechtsverpflichtungen einzuhalten.


FURCHE- Kolumne im Juni 08

Abdullah Karl Hammerschmidt – Gründer des Roten Halbmondes

Gab die erste Platzbenennung in Wien nach einem Muslim – der Muhammad Asad Platz – wohl den Anstoß nach weiteren Spuren muslimischer Österreicher zu suchen? Jedenfalls stieß Galib Stanfel auf Abdullah Karl E. Hammerschmidt, den Gründer des Roten Halbmondes, und wurde zur treibenden Kraft, dass just zum 140. Jahrestag am 11. Juni eine Gedenkveranstaltung in Kooperation von Islamischer Glaubensgemeinschaft, Rotem Kreuz, türkischer Botschaft und dem humanitären Verein Carima stattfinden konnte. Der Geehrte hätte wohl seine Freude an einer derartigen Vernetzung gehabt.

Dass Muslime sich zunehmend im doppelten Wortsinn in Österreich verorten, verstärkt den Trend weg vom Klischee des „Gastarbeiters“. Gleichzeitig rückt die Suche nach muslimischen Spuren in der österreichischen Geschichte ins Interesse. Wo bieten sich historische Integrationsfiguren im Sinne einer muslimisch-österreichischen Identität an?

Karl Eduard Hammerschmidt verschlug es nach seinem Engagement in der Revolution von 1848 ins Osmanische Reich. Als Arzt hatte er bereits wegweisende Forschung im Bereich der Äthernarkose betrieben und arbeitete sowohl in diesem medizinischen, als im naturwissenschaftlichen Bereich weiter. Er konvertierte zum Islam und nahm den zusätzlichen Vornamen „Abdullah“ an. 1868 gründete er die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes im islamischen Raum, den Roten Halbmond. Schließlich gelang auch die Versöhnung mit der alten Heimat und er starb hoch dekoriert mit Orden der Donaumonarchie. Der Türkei war sein Andenken vor vierzig Jahren die Herausgabe einer eigenen Briefmarke wert. In Wien wird die Islamische Fachschule für Soziale Bildung künftig zusätzlich seinen Namen führen.


FURCHE- Kolumne im Juli 08

Eine Kernfrage der Menschenrechte

Babygeschrei in der U-Bahn. Peinlich berührte Gesichter bei nicht enden wollendem forderndem Gebrüll. Kann diese Mutter nicht endlich den Säugling beruhigen? Babyweinen scheint einen emotionalen Hilfsreflex auszulösen, so wie da das Recht auf Unterstützung lauthals eingefordert wird. „Neun tote verdurstete Kleinkinder“ - Wer als Ablenkung einen Blick in die Zeitung wirft, dem wird der Bericht über die Flüchtlingstragödie vor der Küste Spaniens akustisch untermalt. Wirft viel größere Fragen auf. Wie lange haben diese Kinder vorher um Wasser geschrieen? Wie haben sich die Mütter gefühlt, beim Sterben zusehen zu müssen?

Und: Wie unbeteiligt sind wir hier in der „Festung Europa“? Wenn den überlebenden Flüchtlingen angesichts der dramatischen Umstände das Bleiberecht zugesprochen wird, kann das nicht vergessen machen, wie viele andere bereits ertrunken sind oder nach ähnlichen Erfahrungen wieder zurückgeschickt werden. So hat das eher den Charakter einer Geste, die das schlechte Gewissen beruhigen soll, Menschlichkeit signalisiert, wo eigentlich hartherzig nur die eigenen Interessen verteidigt werden.

„War denn die Erde Gottes nicht weit genug, dass ihr auf ihr hättet auswandern können?“ heißt es in der vierten Sure des Korans im Zusammenhang mit Menschen, die unter inhumanen Lebensbedingungen leben. Ist es nicht nachvollziehbar, dass wo Krieg, Hunger und Unterdrückung das Leben bedrohen, die Flucht angetreten wird? Auch wenn wir im Westen gerne und viel über Menschenrechte reden: Genau jene Kernfrage eines Rechtes sich selbst einen menschenwürdigen Ort wählen zu können, die die reichen Länder herausfordern würde, ist dabei ausgespart.


FURCHE- Kolumne im August 08

Verdacht auf „Kulturdelikte“

„Kulturdelikte“ – kein Wahlkampf in Österreich ohne das Ausländerthema. So entstehen derartige Wortungeheuer. Nicht von der FPÖ, sondern von der ÖVP, der neuen Innenministerin Fekter, die gleich kategorisiert: Ehrenmorde, weibliche Genitalverstümmelung (FGM) und Zwangsheirat.

Zunächst erfreulich, dass Religion aus dem Spiel gelassen wird. Der inzwischen in den Diskurs gewanderte Begriff „schädliche Traditionen“ hat wohl geholfen, Differenzierung einzufordern. Andererseits: Längst ist ein Code entstanden, der genau diese drei Gewalttaten eindeutig und zu Unrecht so gut wie ausschließlich mit dem Islam assoziiert. Diesen nutzt Fekter, ähnlich wie bei den „Moscheebauverhinderungsgesetzen“ (auch mit ÖVP-Handschrift), die ohne „Islam“ oder gar „Moschee“ auskommen. Bei einem einzigen Ehrenmord in Österreich steht ihre Wortschöpfung in Unrelation zur Realität. Die ÖVP hatte nachhaltiges muslimisches Engagement gegen FGM unterstützt – man frage etwa die Damen Rauch-Kallat und Ferrero Waldner. Gegen häusliche Gewalt, zu der Zwangsheirat gehört, wäre ein eigener Aufenthaltstitel für Frauen entscheidend, der sie unabhängig vom Mann macht. Wollte die Innenministerin tatsächlich Chancengleichheit und Gewaltabbau, könnte sie hier leicht initiativ werden, anstatt populistische Augenauswischerei zu betreiben.

Sündenbockpolitik provoziert schließlich auch die Retourkutsche. Soll von pauschal der „Kulturdelikte“ Verdächtigten jetzt eine Debatte über „österreichische Kulturdelikte“ losgetreten werden - „Gewaltverbrechen nach Trunkenheit“, „Eifersuchtsmorde“ etc?  Wir brauchen doch wirklich keinen „Kulturkampf“, der Probleme, die als Gewaltphänomene zu behandeln sind, auf andere abwälzen will, sondern ein gemeinsames Eintreten für Frauenrechte.

Fatwa aus Agypten: Frauen als Standesbeamte

Frauen können Eheverträge für das Brautpaar niederschreiben

Der Großmufti aus Ägypten Scheich Ali Gumaa hat in einer Fatwa dargelegt, dass der bisher auf Männer begrenzte Beruf eines "Maathun" von Frauen ausgeübt werden darf. Der Beruf umfasst das "Schließen von Eheverträgen". Aufgrund der Niederschrift dieser Verträge werden diese gerichtlich (zivilrechtlich) anerkannt. Diese Fatwa könnte ein Durchbruch in frauenrechtlichen Angelegenheiten bedeuten, da das Thema bereits vor einigen Jahren diskutiert wurde, allerdings noch ohne Ergebnis. Der Großmufti Scheich Ali Gumaa ist jedenfalls dafür ekannt sich für Frauenrechte einzusetzen, so zum Beispiel beim vielfach tabuisierten Thema FGM , der weiblichen Genitalverstümmelung, als deren entschiedener Gegner er auftritt.

Der theologische Beweis wurde von einem bekannten Großmufti aus der hanefitischen Rechtschule erbracht, jener Schule, der die meisten MuslimInnen in Österreich (de facto alle Türken und Bosnier) angehören. Beispiele aus der Sunna und ein wichtiges Zitat aus dem Koran wurden seitens des Großmufti in der Beweisführung vorgebracht. Eine schlüssige und allgemein nachvollziehbare Darlegung aus den Quellen ist bedeutsam, um der Fatwa Gewicht zu verleihen.

Die Fatwa wurde erlassen, nachdem die Rechtsabsolventin Amal Afifi sich für eine entsprechende Stelle bewarb und zuerst nicht aufgenommen wurde. Unterstützung bekam der Mufti von diversen anderen Gelehrten. Kritik kam jedoch von einem Professor der Azhar Universität namens Dr. Abdulfattah Idris, der aber nur unter Bezug auf die Tradition argumentierte und die theologische Gegenargumentation schuldig blieb.

Für Österreich ist das Thema nicht von Bedeutung, da der Beruf als solcher nicht ausgeübt wird. Allerdings ist die Signalwirkung einer solchen Fatwa nicht zu unterschätzen. Hier wird doch ein wichtiges Zeichen für Chancengleichheit von Frauen gesetzt.

Nachzulesen ist die Meldung in den oben genannten Homepages der ägyptischen Zeitung "Al Masri Alyaum/ Ägypten heute"). Link zur arabischen Quelle:

http://www.moheet.com/show_news.aspx?nid=84527&pg=1

http://www.moheet.com/show_news.aspx?nid=80879&pg=1

Tarafa Baghajati
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at

Leserbrief zur Berichterstattung in der Wiener Zeitung: Beitrag von Stefan Beig vom 02.11.2007.

Im Artikel von Stefan Beig in der Wiener Zeitung zur Koranrezitation in VIC habe ich es außerordentlich schade gefunden, dass ausschließlich negative Aspekte zu lesen waren. 

Ich denke, dass die Leser ein Recht darauf haben von einem sachlichen Journalismus ein umfassendes Bild über die Veranstaltung zu bekommen. Drei Aspekte sind hier erwähnenswert:

a) Das junge Mädchen Sumaya aus Ägypten mit ihrer außergewöhnlich schönen Stimme. Es ist ein Tabubruch was hier passiert - dass eine Frau in diesen "leider" Männerbereich nicht nur eindringt, sondern diesen die Show stiehlt.

b) Dass eine türkische Organisation ein Koranfest veranstaltet und es nur einen einzigen türkischen Beitrag gibt. Das ist schon eine indirekte Botschaft mit einer Absage an erstarrten Nationalismus, die bei aller Kritik als positives Zeichen aufgefasst werden kann/soll.

c) Die letzte Szene zwischen dem Altmeister und dem Koranrezitator und der Rezitatorin. So konnte man begreifen, wie die Feinheiten dieser Kunst erarbeitet werden und woraus sie bestehen.

Wirklich nichts gegen kritischen Journalismus, aber ein Minimum an Fairness soll Platz haben.

Tarafa Baghajati, Wien 05.11.2007

Europäische Militärseelsorge zwischen Christentum, Islam und Säkularisierung aus der Sicht der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Muslime in der österreichischen Geschichte

Vor ca. 1000 Jahre haben sich muslimische Kaufleute in heutigen Burgenland bzw. Ungarn niedergelassen. Es war geschichtlich die erste Kontaktaufnahme durch Handelsbeziehung zwischen Österreich und der islamischen Welt.  Der Handel florierte sogar während der zweimaligen Belagerung Österreich 1529 und 1683. Macht- und Okkupationsstreben der damaligen Großmächte leben in der Erinnerung als religiös motivierte Kriege fort, obwohl einzelne christliche Länder auch mit den muslimischen Osmanen kooperierten. Eine Ursache für, bis heute, verwurzelte Ressentiments. In den Kriegszeiten, fand durch den Warenaustausch auch ein kultureller Austausch statt, dessen Erbe längst in Österreich aufgegangen ist. 1718 wurde das passarowitzer Friedensabkommen unterzeichnet, worin für alle türkischen Untertanen die Handelsfreiheit auf dem Gebiet der Monarchie garantiert wurde. 1737 rief Karls VI., dass im Falle der Eroberung Bosniens Schutz und Garantie auf den Besitz der Bevölkerung nur im Falle des Übertritts zum Christentum gibt. 1847 wurde die Akademie der Wissenschaften mit dem Orientalist Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall als erstem Präsident gegründet, Österreich war in engen diplomatischen Beziehungen zur „Hohen Pforte“ in Istanbul, dadurch gab es ein ideales Klima für wissenschaftliche respektvolle Beschäftigung mit dem Orient.

1878 ermächtigte der Berliner Kongress die Donaumonarchie Bosnien Herzegowina zu okkupieren. Durch die staatsrechtliche Annexion von Bosnien Herzegowina 1908 gehörten 600.000 Muslime zur KuK Monarchie.

Ein formulierungsknappes Islamgesetz 1912, der den Anerkennungsstatus, die Garantie der freien und öffentlichen Religionsausübung und der inneren Autonomie in der Regelung der religiösen Angelegenheiten der Muslime der hanefitischen Rechtsschule wurde im Reichsgesetzblatt mit der Nummer 159 verabschiedet. Auf der Basis dieses Gesetzes und mit der Annahme der Statuten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich 1979 durch das Zuständige Kultusministerium wurde die Staatliche Anerkennung einer islamischen Religionsgesellschaft in der Republik Österreich ausgesprochen und somit wurde die Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) die offizielle Vertretung der Muslime mit einem Status „Körperschaft des Öffentlichen Rechtes“.

1989 wurde die Anerkennung von der hanefitischen auf alle sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen (dem Selbstverständnis des Islam entsprechend) durch den Obersten Gerichtshof erstreckt. Heute leben ca. 400.000 Tausend Muslime unterschiedlicher Ethnien und  kulturellen Hintergründen in Österreich.

Muslime in der Armee

Schon im Jahr 1878 seit der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina waren viele Muslime  in der KuK Armee. Imame haben als Seelsorger in der Armee gedient. Im Jahre 1914 zwei Jahre nach dem Islamgesetz gab sogar den ersten Militärmufti (vergleichbar mit einem katholischen Militärbischof oder evangelischen Militärsuperintendent).

Bosnische Muslime bekamen die höchsten Auszeichnungen für Tapferkeit und Loyalität und stellten die Leibgarde des Kaisers. Nach dem ersten Weltkrieg verlieren sich die Spuren der Muslime in der Österreichischen Armee.

In der Gegenwart und nach Informationen des österreichischen Ministeriums für Landesverteidigung aus dem Jahr 2005 betrug die Anzahl der praktizierenden Muslime in Bundesheer 1044. Diese Zahl ist steigend. Ursache dafür ist den Anstieg der Anzahl die in Österreich liebende Muslime in den 90-er des 20-ten Jahrhundert und auch im vermehrten willen zur gesetzlichen Integration nämlich die Einbürgerung zu sehen. Heute sind es ca. 40 Prozent des Gardebataillons Muslime. Dies zeigt auch die Integrationswilligkeit junger Muslime in Bundesheer. Der erste islamische Gebetsraum des Bundesheeres in der Republik Österreich wurde am 20. 02. 2004, in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne eröffnet. Die feierliche Übergabe des Gebetsraums fand nach der Angelobung von Rekruten in der Kaserne statt, bei der erstmals seit 90 Jahren neben einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen auch ein Imam das Wort ergriff.

Islamische Militärseelsorge in Österreich

Soldaten sind während des Militärdienstes besonderen Herausforderungen ausgesetzt und können in zunächst ungewohnte speziellen und möglicherweise stressvollestressvollen Lebenssituationen geratenkommen, sodass sie eine besondere seelsorgerische Betreuung benötigen. Diese seelsorgerische Betreuung möchte die IGGiÖ ihren Mitgliedern in Bundesheer anbieten.

Die Gleichbehandlung aller anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften ist zwar in der Verfassung verankert, jedoch existiert im Text des Islamgesetzes keine Passage mit entsprechender Formulierung zur Gewährung einer islamischen Militärseelsorge für die muslimischen Armeeangehörigen. Trotz eines Gutachtens seitens des Experten Uni. Prof. Dr. Richard Potz mit dem Schlusssatz lautend:

„Dass das Islamgesetz keine Regelung für Militärseelsorge enthält, lässt sich auch aus der mangelnden Verfasstheit der Glaubensgemeinschaft im Jahre 1912 erklären. Solange nicht durch eine Novellierung des Islamgesetzes eine dem Paritätsprinzip entsprechende Regelung erfolgt, wäre die Einrichtung einer islamischen Militärseelsorge durch die zuständige Verwaltungsbehörde ein durchaus gangbarer Weg“gestaltete sich die Verhandlung der IGGiÖ zur Etablierung einer beamteten islamischen Militärseelsorge mit dem BMLV als schwierig, stattdessen hat man sich auf zwei Imame in Ost- bzw. in Westösterreich, die eine islamische Militärseelsorge auf der Basis von freien Werkverträgen versuchen zu starten. Diese Einigung kann aus der Sicht IGGiÖ nur vorübergehend sein.

Über der genannten seelsorgerischen Betreuung als Angebot an den muslimischen Armeeangehörigen wird die Islamische Seelsorge hinaus ein Lebenskunde- Unterricht in regelmäßigen Abständen anbieten. Weiters wird es ein Angebot islamischer rituellen gottesdienstlicher Handlungen wie z.B. die wöchentlichen Freitagsgebete, die in Gemeinschaft verrichtet werden, Trauung, Beerdigungen, besondere Gebete zu besonderen Anlässen, Ansprachen bei besonderen militärischen Feiern, wie Gebete zum islamischen Fastenbrechenfest- und Opferfest und in der speziellen Fastenzeit des Ramadan geben.

Die muslimischen Militärseelsorger werden vom Leitungsorgan der IGGiÖ bestellt, bzw. abberufen. Dies dies geschieht im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Landesverteidigung. Die muslimischen Militärseelsorger werden auf der Basis der Europäischen Imamekonferenzen vom Jahr 2003 und 2006 aber auch die österreichische Imamekonferenz 2005.

Die Erklärungen der Europäischen Imamekonferenzen:

Gemeinsam mit dem österreichischen Außenministerium, Land Steiermark, der Stadt Wien der Stadt Graz, Islamische Glaubensgemeinschaft in Bosnien und der Europäischen Islamischen Konferenz hat die IGGiÖ im Jahr 2003 in Graz und im Jahr 2006 in Wien zwei Imamekonferenzen veranstaltet, wo ca. 200 Imame aus 45 Europäischen Ländern zusammentrafen. Hier eine Auswahl von Themen, die in den Schlusserklärungen vorkamen:

Muslime teilen mit den anderen Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen gemeinsame Normen und Werte. Die Stellung der verwandten monotheistischen Religionen wird dabei besonders hervorgehoben.

Der  Islam ist durch historische und kulturelle Verflechtungen untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden. Sich dessen verstärkt zu besinnen und den konstruktiven Dialog miteinander auszubauen und zu vertiefen, ist eine Bereicherung und vielversprechende Notwendigkei.

Damit der Pluralismus zur Bewahrung von sozialem Frieden und sozialer Gerechtigkeit beiträgt und die Menschen einander näher bringt, dient der Koranvers 49/13 der Orientierung, in dem es heißt: „Oh ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig.“

  • Die europäischen Muslime sind sich ihrer religiösen Identität als Muslime und ihrer gesellschaftlichen Identität als Europäer gleichermaßen bewusst. Die Einbürgerung stellt keinen Widerspruch in theologischer Hinsicht dar.
  • Die islamische Botschaft ist auf Mäßigung gebaut. Daraus resultiert die klare Absage an jegliche Form von Fanatismus, Extremismus und Fatalismus.
  • Die mittelalterliche Einteilung in eine Welt der Gegensätze von „Dar als Islam“ = Haus des Islam und „Dar al harb“ = Haus des Krieges ist abzulehnen.
  • Menschenrechte sind ein zentraler Bestandteil des Islam. Die Würde des Menschen als eines von Gott aus der gleichen Substanz geschaffenen Wesens zu bewahren und aktiv für Menschenrechte einzutreten, ist ein selbstverständlicher Auftrag jedes Muslim und jeder Muslime.
  • Die Muslime müssen ihre Loyalität der Verfassung und dem Gesetz gegenüber auch in deren säkularer Struktur kundgeben.
  • Partizipation auf allen Gebieten ist so ein zutiefst islamischer Grundsatz, der das harmonische und von gegenseitiger Bereicherung getragene Zusammenleben in einer immer pluralistischeren Welt fördert.
  • Sprachenerwerb soll forciert werden. Nur wer die Sprache des Landes, in dem er lebt, beherrscht, kann sich als echter Teil dieses Landes begreifen.
  • Mann und Frau sind im Islam gleichwertige Partner, die gegenseitige Verantwortung tragen und gleich an Menschenwürde sind. Das Recht auf Lernen und Lehre, das Recht auf Arbeit, finanzielle Unabhängigkeit, aktives und passives Wahlrecht, Teilhabe im gesellschaftlichen Diskurs sind  Pfeiler, die den Status absichern sollen. Chancengleichheit und mündige und freie Orientierung soll Frauen ermöglicht werden. Diese grundsätzlichen Aussagen der vorausgegangenen Konferenzen sollen im Folgenden weiter vertieft werden. Denn Frauenanliegen sind von gesamtgesellschaftlichem Interesse.
  • Daher soll jede Form von Verletzung von Frauenrechten kritisiert und bekämpft werden.  Zwangsehe, FGM, Ehrenmorde und familiäre Gewalt haben keine Grundlage im Islam.
  • Die Errichtung von Moscheebauten, die Einrichtung von islamischen  Friedhöfen, das Recht auf Teilnahme im Berufsleben für Frauen mit islamischer Bekleidung und das Recht zum Schächten sind unbedingte Erfordernisse für die muslimische Gemeinschaft. Der Ausbau der Infrastruktur befestigt den sozialen Frieden und schafft Transparenz.
  • Von Seiten der Muslime ist die Ausbildung und Heranbildung der Jugend vordringlich. Hier hat sich das Mittel des in den Schulalltag integrierten Islamunterrichts bewährt. Islamunterricht trägt dazu bei, Differenzen zwischen Tradition und islamischer Lehre aufzuzeigen und zu überwinden. Er fördert die innermuslimische Integration durch die lebendige Vielfalt der teilnehmenden SchülerInnen und schafft somit Identität als Muslime und Europäer. Qualitätvolle, institutionalisierte islamische Bildung ist ein Garant für die Vermeidung von Engstirnigkeit, Fanatismus und Fatalismus. Dazu  gehört die Gründung von Fakultäten zur Ausbildung auf dem europäischen Boden beheimateter islamischer Rechtsgelehrten.

Dipl.-Ing. Mouddar Khouja
persönlicher Referent des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Imame-Konferenz 2006 - Workshop am 08.04.2006

Diskussionsgrundlage und verabschiedetes Papier des Workshops: INTEGRATION

WorkshopsteilnehmerInnen:

Namhafte Persönlichkeiten aus:

Albanien,
Bosnien,
Dänemark,
Deutschland,
England,
Frankreich,
Mazedonien,
Österreich

Konzeptionspapier: Omar Al-Rawi,
Integrationsbeauftragter der islamischen Glaubensgemeinschaft

Workshopleitung: Mirsad MAHMUTOVIC,
Bosnien, Cheef of the Office for Bosnian Diaspora of BiH

Berichterstattung: Tarafa Baghajati, Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Integration:

Dieser Begriff ist einer der meist zitierten und strapaziertesten Begriffe der letzten Jahre geworden. Angesichts eine steigender Anzahl von Zuwanderer in Europa und die damit auch sichtbar werdende Vielfalt wurde sukzessive der Begriff Gastarbeiter durch Migrant ersetzt.

Integration ist keine Einbahnstrasse. den die Mehrheitsgesellschaft muss eine Integration der Migranten wollen und zulassen, und die Zuwanderer müssen diese Integration auch wollen und zulassen. Die größte Schwierigkeit ist aber was man darunter versteht. Nicht wenige sprechen von Integration und meinen dabei Assimilation und dass ist genau das Gegenteil jenes Verständnis das Minderheiten Favorisieren. Assimilation erzeugt aus Angst „unterzugehen“ Abkapselung, und Ghettostierung.

Wir bekennen uns ausdrücklich zu einer Integration in unseren Europäischen Gesellschaften ohne dabei auf unsere Religion, Kultur, oder der Diversen Sprachlichen Vielfalt zu verzichten. Wir wollen nicht untergehen sondern aufgehen in dieser Gesellschaft. Eine sichtbare Ergänzung und Bereicherung. Ein Aktiver und kein Passiver teil. Keinesfalls verstehen wir die Integration als Assimilation sondern eben als Partizipation. Wir wollen Partizipieren auf allen Ebenen, Politisch, Gesellschaftlich, Kulturell, Wirtschaftlich und auf den Gebieten der Wissenschaft. Nur so können wir uns Aktiv und bereichend einbringen und auch gestalterisch auch unsere Vorstellungen und Forderungen einbringen und im Dialog und Diskurs die Sorgen und Forderungen der anderen verarbeiten.

Der wichtigste Schlüssel dazu ist die Erlernung und Beherrschung der Sprachen der neuen Heimatländer. Denn die Sprache ist das Wichtigste Kommunikationsinstrument und öffnet die Möglichkeit sich auf allen anderen vorher erwähnten übrigen Felder der Partizipation erfolgreich weiterzukommen.

Die neue Europäische Heimat soll auch der Mittelpunk unseren Daseins bilden . Unsere Orientierung soll sich danach richten. Es muss möglich sein ein Europäer und ein Muslim zu sein. Der Islam und die Muslime dürfen kein Fremdkörper in Europa sein.

Von der Mehrheitsgesellschaft erwarten wir ein ehrliches Bekenntnis zur Diversität und Vielfalt. Jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus muss bekämpft werden. Durch Positive Diskriminierung und Quoten soll die berufliche Partizipation gestärkt werden und gleichzeitig eine „sterile“ Gesellschaft vermieden werden.

Strengere Einbürgerungsgesetze Zuwanderung sowie Familienzusammenführung sind aus der Sicht der Integration Kontraproduktiv und sollten nicht in diesen Richtung fortgesetzt werden. Eher Anreize und „Benefits“ sollten den Migranten in form von rascheren Einbürgerungen bzw. unbeschränkten Zugang am Arbeitsmarkt bei erfolgreiche Integration geboten werden.

Auch die Beteiligung am Politischenprozess und die Demokratie soll in Form von Gewährung des Wahlrechtes an kommunale ebene soll das Interesse zum Gestalten erwecken und das erlernen der Spielregeln der Demokratie forcieren.

Der Negativ besetzte Begriff der Parallelgesellschaft sollte nicht mit „Comunity“ Bildung verwechselt werden. Parallelgesellschaft ist dann problematisch wenn es keine Querverbindungen, Vernetzungen und Dialog miteinander gibt. Die größte Gefahr besteht darin das man von einem Gesellschaftlichen Konsens ausgeht ohne diesen Konsens miteinander je Kommuniziert zu haben

Investitionen in der Bildung, Qualifikationen aber auch Erleichterungen bei der Nostrifikation von im Ausland erworbenen Fähigkeiten sollen die Berufliche Integration erleichtern und Fördern.

Kontakt und Anfragen an:

Dipl.- Ing. Omar Al Rawi
Integrationsbeauftragter der islamischen Glaubensgemeinschaft
Wiener Landtagsabgeordneter und
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
0043-650-3831942  al-rawi [at] gmx.at

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