Ibrahim Adnan

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Geplante "Charmeoffensive"

Reaktionen: "Man kann das nicht totschweigen"

Die Grazer FP-Spitzenkandidatin sorgt mit ihren Attacken gegen den Islam für Empörung

Der palästinensische Scheich Adnan Ibrahim hat seine Predigt für das Freitagsgebet in der Leopoldstädter Schura-Moschee schon fast im Kopf. Der Imam, dessen Gotteshaus jede Woche vor allem arabische Gläubige aufsuchen, hat für seine Diplomarbeit nämlich das wahre Alter der Gattin des islamischen Propheten Mohammed mittels komplizierter Zeitrechnungen erforscht, wie Omar al Rawi, Integrationsbeauftragter der muslimischen Gemeinschaft Österreichs versichert: „Aischa war bei ihrer Verehelichung mindestens zwanzig Jahre alt – diese Erkenntnis kann Adnan Ibrahim mit religiösen wie historischen Quellen belegen.“ Und noch etwas will der Scheich am Freitag seinen muslimischen Mitbrüdern mit auf den Weg geben: „Dass das Verheiraten von Kindern im Islam absolut nichtig und inakzeptabel ist.“

Seit die Grazer FP-Spitzenkandidatin Susanne Winter beim blauen Neujahrstreffen am Sonntag den Begründer des Islam als „Kinderschänder“ verunglimpfte, weil sich dieser ein sechsjähriges Mädchen zur Frau genommen habe, sind Österreichs Muslime höchst beunruhigt. Auch die Staatsanwaltschaft wurde aktiv und prüft den Verdacht der Verhetzung. Jetzt muss Winter zu ihren Aussagen Stellung nehmen. Sollte es zu einer Anklageerhebung und Verurteilung kommen, drohen bis zu zwei Jahren Haft.

Besorgte Muslime

In der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist man alarmiert: Obwohl die Glaubensgemeinschaft zuerst noch die Grazer Gemeinderatswahl am Sonntag abwarten wollte, um auf Winters Islam-Attacken angemessen zu reagieren, treten Vertreter und Vereine nun doch schon Dienstagabend zusammen, um über die jüngsten politischen Entgleisungen zu beraten. Präsident Anas Schakfeh will die „zornigen“ Muslime beruhigen, um Ausschreitungen und Krawalle zu verhindern. Er erhalte laufend Anrufe und E-Mails von besorgten Muslimen, versuche auf sie einzuwirken, könne allerdings mögliche Auseinandersetzungen nicht ausschließen, sagt er. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft steht jedenfalls fest: „Man kann diese ungeheuerlichen Dinge nicht einfach totschweigen“, erklärt Sprecherin Carla Amina Baghajati. „Wir brauchen zu den Aussagen eine vernünftige, konstruktive Diskussion.“

Auf letzteres hofft auch Imam Mouhanad Khorchide. Er will beim Freitagsgebet in seiner Wiener Gemeinde „deeskalierend wirken“. Man dürfe der FPÖ „nicht den Gefallen machen, sich aufzuregen“. Klar sei, dass die Freiheitlichen „mit dem Feuer spielen“. Für Khorchide ist das alles vor allem nur eines: Kalkül und Inszenierung. „Die Frau Winter hat eine Woche zuvor wahrscheinlich gar nicht gewusst, was sie da sagen wird. Die FPÖ hat da abgetestet, wie weit sie gehen kann.“ Früher seien es die Ausländer, dann die Muslime gewesen, jetzt gebe es aber eine „extreme Steigerung: Nun wird der Prophet direkt beleidigt.“

Für den Politikwissenschafter Peter Filzmaier ist das „strategische Kalkül“ der FPÖ aber längst aufgegangen. Schließlich habe es sich um eine Veranstaltung der lokal fünftstärksten Partei gehandelt, und trotzdem habe diese es zur bundesweiten Top-Meldung geschafft. Einen Rücktritt Winters wäre daher „unlogisch“.

Geplante „Charmeoffensive“

Der Sprecher der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, Tarafa Baghajati, sieht die Latte für islamfeindliche Aussagen dank ÖVP-Politikern wie dem niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, der Minarette als „artfremd“ bezeichnet hat, sozusagen hochgelegt: „Da muss die FPÖ jetzt natürlich noch eines draufsetzen.“ Baghajati will die Aussagen Winters nicht überbewerten, sieht jedoch die Gefahr, dass damit für Österreich eine „Rufschädigung“ entsteht. Er erwartet sich daher vom Bundespräsidenten abwärts „ganz klare Aussagen, dass diese Herabwürdigungen in keinster Weise eine österreichische Meinung“ ist. Baghajati regt eine „Charmeoffensive“ an, im Zuge derer die Moscheen vor allem Nichtmuslimen für Debatten über strittige Fragen den Islam betreffend offenstehen sollen.

Im Grazer Rathaus kam der Interreligiöse Beirat der Stadt am Montag zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisierten die Religionsvertreter die „Pauschaldiffamierungen und Generalbeschuldigungen“ Winters. Der Vorsitzende des Grazer Menschenrechtsbeirates, Völkerrechtler Wolfgang Benedek, der den Wahlkampf monatelang analysierte und mit einem Ampelsystem bewertete, fordert Winter zum Rücktritt auf und sieht „einen Schaden und eine ernste Gefährdung“ für Graz: „Wie ernst die Lage ist, sehen Sie, wenn Sie türkische Zeitungen lesen, die bereits davon berichten.“

Der Präsident der ägyptischen Gemeinde, Soleiman Ali, der für die SPÖ bei den Gemeinderatswahlen kandidiert, erstattete zudem Anzeige gegen Winter wegen Herabwürdigung von Religionsgemeinschaften (§188 Strafgesetzbuch) und Verhetzung (§283). Was die Verhetzung anlangt, rechnet Robert Kert, Strafrechtsexperte an der Universität Wien, nicht mit einer Verurteilung.

Seit Montag gibt es aber nun auch in Winters eigenen Reihen einen Islamverteidiger: Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer forderte eine differenzierte Sichtweise: „Den Islam als solchen als Übel anzusehen halte ich nicht wirklich für angebracht.“

Selbst die Noch-Klubobfrau der FPÖ im Grazer Gemeinderat, Margit Uray-Frick, ist empört über ihre Parteikollegin. Sie steht kurz vor dem Parteiaustritt. "Das ist nicht mehr meine Partei", sagte Uray-Frick. "Mir stellt's die Gänsehaut auf. Jetzt ist Schluss mit lustig."

(cms, kmo, nw, pm/DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2008/APA)

Plumpe Unwahrheiten

Replik auf "Islamophobie oder Kritik am politischen Islam", von Thomas Schmidinger, 23. Jänner.

Wer mit plumpen Unwahrheiten politisch operiert, muss sich den Vor wurf "Veschwörungstheoretiker" gefallen lassen.

Sprechen wir Klartext: Thomas Schmidinger hat überhaupt kein Problem mit dem politischen Islam. Seine besten Kontakte zu der von ihm selbst als politische islamistische Bewegung bezeichneten SCIRI (Supreme Council for the Islamic Revolution in Irak) zeigen dies. Auch seine Versuche, sich der Dawaa-Partei anzubiedern, sind der beste Beweis. Sein Problem mit der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ist die konsequente Antikriegshaltung im Irak und die Solidarität mit den unter Besatzung lebenden Palästinensern, aber dazu kommen wir später.

Thomas Schmidinger wirft dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Scheich Adnan Ibrahim, Carla Amina Baghajati, Mouddar Khouja, Omar Al-Rawi und dem Autor dieser Zeilen vor, Anhänger der Muslimbruderschaft zu sein. Diese Aussage ist unwahr und rufschädigend. Viel mehr ist die volle Unabhängigkeit dieser Personen von jeglichem Einfluss einer islamischen politischen Bewegung oder einer arabischen oder islamischen Regierung gerade das Markenzeichen einer erfolgreichen Arbeit unter dem Titel "Integration durch Partizipation" in Österreich. Wer mich und meine Arbeit in Österreich kennt, weiß, dass ich innermuslimisch gerade für meine offene Kritik an politischen islamischen Bewegungen, allen voran der Muslimbruderschaft, bekannt bin. Dass wir hier Herrn Schmidinger eine Verschwörungsfantasie vorwerfen, ist wirklich eher eine Untertreibung, steckt doch dahinter offensichtlich das Verlangen, uns bewusst zu schaden.

Herr Schmidinger will jetzt mit den Antideutschen nichts mehr zu tun haben. Dass er in diesem Dunstkreis enge Kontakte pflegt und mit diesen Leuten politisch verknüpft ist, kann jeder, der halbwegs mit der linken Szene, dem Austrian Social Forum, NGOs des Antirassimus und freien Journalisten vertraut ist, bestätigen. Auch seine Organisation Wadi und sein Chef Thomas von der Osten-Sacken, seine Vorstandskollegin Mary Kreutzer und sein Kollege in Deutschland Thomas Uwer sind klare Träger einer antideutschen Gesinnung. Von der Osten-Sacken tritt sehr oft mit den Antideutschen zusammen auf, ja auch mit der als rassistisch geltenden Organisation Bahamas in Deutschland.

Beleidigt zu spielen ist im politischen Diskurs die schlechteste Lösung. Schaut man den von Thomas Schmidinger und der Wadi-Führung unterzeichneten Text der Philozionisten an, dann erkennt man zwar Ironie, aber auch Hass und Rassismus gegenüber den Palästinensern. Die Namen und Beiträge der anderen Unterzeichner sind leicht im Internet zu finden und in besagte Strömung einzuordnen. Ein kleiner Auszug spricht für sich: "(. . .) Wir Philozionisten haben uns der Erinnerung verschrieben, wir meinen es zwar gut und simplifizieren doch. Ja, wir instrumentalisieren die Shoah. Wir sind unvernünftige Ignoranten und Feinde differenzierten aufklärerischen Denkens. Wir hegen Allmachtsfantasien und spielen Sharons Regierungssprecher. Mal sind wir verständnislos, dann biedern wir uns wieder an einen Staat an, der Staatsterrorismus nationalistische Politik und Apartheid betreibt . . ." Wenn Thomas Schmidinger und die Wadi-Führung sich von diesem Text und der daraus sprechenden Geisteshaltung distanzieren, dann wären wir die ersten, die diesen Schritt begrüßen und anerkennen würden.

Abschließend ist festzuhalten, dass von Thomas Schmidinger bis dato kein einziger Kritikpunkt an der konkreten Arbeit der IMÖ (Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen) geäußert wurde. Mag sein, dass ihm unsere bloße Präsenz in den verschiedenen Plattformen und Medien ein Dorn im Auge ist. Als glühender Anhänger des Irak-Kriegs ließ er keine Gelegenheit aus, jeder Demonstration dagegen die moralische Berechtigung abzusprechen.

Schmidinger wäre gut beraten, seinen politischen Fehler zu analysieren. Während sogar Herr Bush höchstpersönlich von Fehlern spricht, ist es lächerlich, dass eine kleine österreichische NGO noch immer jubelnd von "Befreiung" schwadroniert.

Tarafa Baghajati ist Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Vizepräsident von ENAR (European Network against Racism).

Stellungnahme der IGGiÖ zum Vorwurf "Hassprediger" gegen Scheich Adnan Ibrahim

Befremden löst eine anonyme Anzeige gegen den Imam der Schuramoschee Scheich Adnan Ibrahim bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft aus. Denn dieser Gelehrte genießt inzwischen weit über Österreich hinaus einen ausgezeichneten Ruf wegen seiner aufgeklärten und liberalen Haltung, mit der er die Herausforderung aufgreift,  Muslime bei der Entwicklung eines eigenständigen und zugleich authentischen Profils in Europa theologisch zu begleiten.

Beachtung fanden bisher unter anderem folgende Aktivitäten und Stellungnahmen:

  • Maßgebliche Beteiligung bei der ersten österreichischen Imamekonferenz im April 2005 mit einem klaren Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten und einer Absage an Fanatismus und Gewalt
  • Fatwa gegen Terrorismus (aus Anlass der Anschläge in London)
  • Forderung nach Einhaltung von Frauenrechten
  • Eintreten für Religions- und Meinungsfreiheit (Anlassfälle Theo van Gogh, Abdu Rahman)
  • Kampf gegen FGM, zuletzt bei Al Azhar Konferenz in Kairo
  • Kritische Auseinandersetzung auch mit der politischen Geschichte in der muslimischen Welt

Daher möchten wir eindringlich darauf hinweisen, wie verfehlt die leichtfertige Verwendung einer Vokabel wie „Hassprediger“ ist, wird mit einer solchen ernsten Beschuldigung doch wiederum eine scheinbare Berechtigung für eine generelle Abwehrhaltung geliefert: Wer angeblich hasst, den darf man hassen.  Es sollte zudem eine Selbstverständlichkeit sein, bei dermaßen schwerwiegenden Vorwürfen die Stellungnahme des Betroffenen einzuholen.

Scheich Adnan Ibrahim selbst gab gegenüber der Islamischen Glaubensgemeinschaft an, eine Anzeige wegen Rufschädigung gegen Unbekannt einbringen zu wollen.

Im Folgenden eine kleine Linkliste als Überblick und für weitere Recherche. Als Interviewpartner war Scheich Adnan vom hauseigenen Magazin des Innenministeriums genauso gefragt wie in einer großen ORF Dokumentation und österreichischen Printmedien, gab ein viel übernommenes Interview für Reuters und für eine der großen dänischen Tageszeitungen, Berlinske.

www.bmi.gv.at/oeffentlsicherheit/2006/03_04/Islam_in_Oesterreich.pdf
http://wien.orf.at/stories/47203/
http://www.kathpress.at/content/site/home/database/6017.html
http://www.politikforum.de/forum/showthread.php?t=111658&pp=15
http://religion.orf.at/projekt03/news/0611/ne061127_fgm_fr.htm
www.stopfgm.net/dox/0506_MuslimInnen%20aktiv%20gegen%20FGM.pdf
http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=119
http://www.document.no/2006/06/osterriksk_imam_fordommer_terr.html
http://www.kult-co-tirol.at/text/anal_m94.htm
http://www.wwrn.org/article.php?idd=21150&sec=33&con=47
http://www.amp.ghazali.net/html/austrian_muslims.html
http://www.schule.at/index.php?url=events&&url=events&archiv=1&modul=&bundesland=W&time=archiv<

Freiheit im Islam: Einladung: Wichtige Veranstaltung am 01. Dezember 2006

Freiheit im Islam: Einladung: Wichtige Veranstaltung am 01. Dezember 2006

Was tun gegen Extremismus?

Auch wenn Muslime Pauschalverdächtigungen zu Recht ablehnen, genügt es nicht, Anschläge im Nachhinein zu verurteilen

Ob an der intensiven Diskussion der vergangenen Tage über radikale Muslime in Österreich der Anschlag in London, der Verfassungsschutzbericht oder das Sommerloch schuld sind, ist nicht wirklich von Bedeutung, denn eine Befassung mit der Thematik ist längst überfällig. Denn so sehr wir als Muslime es ablehnen, in eine Art Pauschalverdächtigung zu geraten, müssen wir auch einsehen, dass es einfach nicht genügt, sich immer nur im Nachhinein von solchen Anschlägen zu distanzieren und sie zu verurteilen. Wir haben auch eine Bringschuld gegenüber der Gesellschaft und aktiv und präventiv unseren Beitrag zu leisten.

Die meist gestellte Frage war, was tun wir dagegen? Ich möchte ein paar Gedanken skizzieren, mit denen ich mich sowohl an die Fragesteller als auch an meine Glaubensgeschwister wende, um einen Leitfaden zu entwickeln.

Es gibt Radikale und Extremisten in allen Religionen und politischen Weltanschauungen, aber eben auch bei Muslimen. Dies zu erkennen und zu gestehen ist keine Diffamierung des Islams und der Muslime. Im Gegenteil, dies ist eine Chance, uns von der Geiselhaft einer Minderheit zu befreien. Zu wissen, dass es seit den Anfängen des Islams solche Radikale gegeben hat, ist wichtig. Sowohl der dritte als auch der vierte rechtgeleitete Kalif wurden von den "Khawaridj" ermordet. Der Prophet hat laut Überlieferung selber vor dem Irrweg dieser Richtung gewarnt. Nur wer seine Geschichte verarbeitet, kann auch seine Zukunft bewältigen:

Kein Dualismus:

Unsere Abscheu vor Mord, Terror, Gewalt und Ungerechtigkeit muss universal und für jeden gelten. Ein klares Islamverständnis ohne Konfusion gehört her. Wenn wir Krieg, Besatzung und Verletzung des Völkerrechtes anprangern, dürfen wir nicht über die mangelnde Demokratie, die Diktatur und Menschenrechtsverletzungen in muslimischen Gesellschaften hinwegschauen. Das eigene Gewissen fortlaufend zu prüfen ist wichtig. Wer sich heimlich über so ein Attentat freut oder damit sympathisiert, muss wissen, dass er ein Partner dieses Verbrechens ist.  

Wir und die Muslime in der Welt:

Die Imame-Konferenz widmete schon ein Kapitel diesem Thema, wo festgehalten wurde, dass uns die Situation der Muslime in der Welt nicht gleichgültig sei. Hier werden wir unseren Beitrag leisten als Brückenbauer, aber auch Ungerechtigkeiten gegenüber muslimischen Gesellschaften aufzeigen. Unsere Aufgabe ist es, medial durch Veröffentlichungen, Demonstrationen, aber auch demokratische Beteiligung an politischen Prozessen zu versuchen, die Dinge zum Besseren zu wenden. Auch durch die finanzielle Hilfestellung für Waisenkinderprogramme oder Frauenprojekte ein bisschen die Not zu lindern.

Wir werden Unrecht und Verbrechen nicht mit Unrecht und Verbrechen unsererseits begegnen. Mit unserem Stimmverhalten bei Wahlen werden wir die Kräfte stärken, die für Frieden und soziale Gerechtigkeit sind. Wir werden Europa als ein Friedens- und Sozialprojekt sehen und uns aktiv einbringen und mitgestalten. Europa sollte für uns nicht bloß ein gemeinsamer Markt und Wirtschaftsklub sein, aber auch kein rein abendländischer Verein. Denn zu Europa gehört dank Andalusien auch ein Stück islamische Geschichte.

Wir und die Sicherheitsbehörden:

Eine Kooperation ist wichtig, aber auch ein Dialog und eine Arbeitsteilung. Unsere Aufgabe muss lauten, vordergründig Radikalismus und nicht Radikale zu bekämpfen, Ursachen und nicht Symptome. Nachhaltige Ergebnisse können erreicht werden, wenn wir am Ende des Weges das bessere Angebot machen und die besseren Ideen und den attraktiveren Weg bieten.

Den Extremisten zu entzaubern und sein Gedankengut auszutrocknen muss gelingen. Wir werden sicher keine Videoüberwachung installieren oder biometrische Erkennungsmerkmale erfassen. Wir werden auch nicht ein Haufen von Informanten, Denunzianten oder V-Männern werden. Wir dürfen auch nicht wegschauen und nicht verharmlosen. Jede Aussage oder Ansicht sollte ernst genommen und durch Diskussion und durch Handeln verarbeitet werden. Wo aber Gefahr in Verzug ist, müssen die Sicherheitsbehörden sofort informiert werden, und dies wurde auch durch die "Fatwa" von Scheich Adnan Ibrahim unterstrichen.

Den Nährboden für Radikalismus zu beseitigen ist unser alle Aufgabe. Mit neuen Gesetzen sollen zwei Dinge beachtet werden:

1.) Dort, wo Einschränkungen von Bürger- und Grundrechten drohen, muss mit allergrößter Sensibilität umgegangen werden.

2.) Keine reine "Lex Muslime" schaffen. Jeder, der verhetzt und zu Gewalt aufruft, sollte im Rahmen des Rechtsstaates zur Verantwortung gezogen werden.

Ob durch Hass und Aufstachelung Bomben inmitten von Zivilsten hochgehen oder Asylantenheime brennen, muss uns gleich schockieren. Und diese Form von Unmenschlichkeit muss gemeinsam beseitigt werden, nach dem Motto "Wehret den Anfängen".

Plattform "Christen und Muslime" in der Schura-Moschee

Muslime luden Initiatoren der „Plattform Christen und Muslime“ zum Freitaggebet in ihre Moschee

Nußbaumer: Christen und Muslime haben als Geschwister eine unzerstörbare Nähe – Pawlowsky: Sorge vor kommendem Wahlkampf – Schulmeister: Brandstifter dürfen keine Chance erhalten!

Mehr als 500 Muslime waren zum traditionellen Freitagsgebet in der Wiener Shura-Moschee (2,. Bezirk an der Lasallestraße) versammelt, als Scheich Adnan Ibrahim die drei christlichen Gäste vorstellte: Prof. Heinz Nußbaumer, Dr. Peter Pawlowsky und Dr. Paul Schulmeister – die Initiatoren der „Plattform Christen und Muslime“. 

Begrüßung durch Scheich Adnan Ibrahim

Er stellte die drei Gäste als „Weise“ in Österreich vor und dankte ihnen für ihr Engagement. Dabei unterstrich er, dass die Initiative zur Gründung der Plattform von christlicher Seite ausgegangen war, ohne dass man dabei auf einen persönlichen Vorteil bedacht gewesen wäre oder dies in irgendeiner Weise „nötig gehabt hätte“. Im Vordergrund ständen das gute Zusammenleben und der gegenseitige Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Religion. Insbesondere nach der von vielen als Rückschlag empfundenen Stimmung nach dem so genannten Karikaturenstreit sei dies zu fördern.

Scheich Adnan betonte auch, dass Christen den Muslimen besonders nahe stünden. Im Koran werde dies in Beziehung zur Bescheidenheit gesetzt, die als charakteristisch für die Christen gelten könne.

Persönliche Vorstellung der Plattform und der drei Gäste von Tarafa Baghajati

Tarafa Baghajati von der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen rief kurz Eckpunkte aus der Biographie der Gäste ins Gedächtnis, um ihre herausragende Rolle auch für den gesellschaftspolitischen und religiösen Diskurs zu würdigen. Er bemerkte, dass das Zustandekommen der Plattform auch das Ergebnis des langjährigen intensiven interreligiösen Dialogs sei. Sich zu kennen und so ein Verhältnis des Vertrauens aufzubauen, mache ein gemeinsames Eintreten erst möglich.

Zusammenfassende Übersetzung der Rede Scheich Adnans durch Omar Al Rawi

Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft schloss mit der Bemerkung, dass es an sich absolut unüblich sei in einer Moschee oder einem muslimischen Gebetsraum zu klatschen – dies aber heute gebrochen wurde, weil die Anwesenden einfach zeigen wollte, wie sehr sie die Worte der Gäste und das Anliegen der Plattform schätzten.


Hier der veröffentlichte Beitrag in der KAP www.kathpress.at mit einigen weiteren Detailinformationen:

"Christen und Muslime haben einen gemeinsamen Vater"

Muslime luden Initiatoren der "Plattform Christen und Muslime" zum Freitagsgebet in Leopoldstädter Moschee – Nußbaumer: Ob Religionen trennen oder zusammenführen, obliegt der Verantwortung jedes einzelnen - Pawlowsky äußert Sorge vor kommendem Wahlkampf - Schulmeister: Brandstiftern keine Chance geben

http://www.kathpress.at/content/site/home/database/6017.html?SWS=3e63fdf5d58

Wien, 18.6.06 (KAP) "Christen und Muslime haben einen gemeinsamen Vater": Das betonte der katholische Publizist Prof. Heinz Nußbaumer vor rund 500 Muslimen in der Shura-Moschee in Wien-Leopoldstadt, wo er und zwei weitere Initiatoren der "Plattform Christen und Muslime" - Peter Pawlowsky und Paul Schulmeister – Gäste beim Freitagsgebet waren. Wer Gott in die Mitte seines Lebens stelle, könne seinen Glauben gar nicht als trennend und spaltend empfinden, betonte Nußbaumer. Unter Christen und Muslime gebe es wie unter Geschwistern zwar Differenzen und auch Streit, "aber immer auch eine unzerstörbare Nähe", so Nußbaumer.

Leider wüssten Christen und Muslime zu wenig vom Glauben des jeweils anderen. Eine Mehrheit habe die Pflicht, sich um die Gedankenwelt der Minderheiten zu kümmern. Aber auch der Rückzug einer Minderheit in die Isolation wäre kein Beitrag zum Miteinander. Kardinal Franz König habe immer gesagt, dass man nur von festen Fundamenten aus Brücken zueinander bauen kann, betonte der Publizist: "Wir würden also nichts dadurch gewinnen, sollten wir in der Treue zu unserer eigenen Religion schwankend werden".

Immer wieder würden gläubige Menschen gefragt, "ob die Religion die tiefere Ursache für so viel Argwohn und Gegnerschaft in der Welt ist oder ob sie die Rettung aus all dem sein könnte, was uns trennt". Nußbaumer wörtlich: "Ich meine, es gibt darauf nur eine ehrliche Antwort: Beides ist möglich. Wir selbst sind es, die darüber entscheiden. Gott hat uns Menschen in die Freiheit entlassen. Aber auch in die Verantwortung. Wir gestalten heute, was morgen Geschichte sein wird".

Er selbst habe von Muslimen viel gelernt, so Nußbaumer weiter. Auf seinen vielen Reisen durch die islamische Welt habe er eine "ganz andere islamische Wirklichkeit" erlebt als jene, die ihm in den westlichen Medien gegenüber trete. Nußbaumer schloss seine Ausführungen mit einem Gebet aus dem ersten gemeinsamen Gebetbuch von Juden, Christen und Muslime in Deutschland.

"Gastgeber" Scheich Adnan Ibrahim stellte die drei christlichen Gäste in der Shura-Moschee als "Weise" in Österreich vor und dankte ihnen für ihr Engagement. Dabei würdigte er, dass die Initiative zur Gründung der "Plattform" von christlicher Seite ausgegangen war. Im Vordergrund stünden das gute Zusammenleben und der gegenseitige Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Religion.

Der frühere Leiter der ORF-TV-Abteilung Religion, Peter Pawlowsky, erinnerte daran, dass mit dem Engagement für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen auch "eine österreichische Tradition verteidigt" werde: "Muslime haben bei uns seit einem Jahrhundert Heimatrecht". Um die politische Anerkennung der Religionsgemeinschaften beneide das Ausland Österreich. Gerade in den letzten Monaten hätten sich jedoch "gegenseitige Vorwürfe, Unterstellungen und Verunglimpfungen" gehäuft. "Und es ist zu befürchten, dass sich das im Wahlkampf noch steigert und zuspitzt", sagte der Publizist. Wählerstimmen durch das Schüren von Angst und Vorurteilen zu fangen, sei "zwar leider eine verbreitete Strategie, hat aber mit einer seriösen Vorstellung von Demokratie nichts zu tun".

In seinem Schlusswort erinnerte Paul Schulmeister von Präsidium der Katholischen Aktion an den Anlass zur Gründung der "Plattform Christen und Muslime", den in Dänemark entstandenen "Karikaturenstreit". In Österreich sollten "Brandstifter" keine Chance erhalten. Christen und Muslime in Österreich müssten sich als Bürger einer gemeinsamen Heimat verstehen. Als Demokraten müssten sie auf der Basis gemeinsamer Grundwerte der Verfassung solidarisch handeln, um Ausländerfeindlichkeit gerade in Wahlkampfzeiten abzuwehren, betonte Schulmeister.

(Informationen: Internet: www.christenundmuslime.at).

Abschluss-Auftritt Cindy Sheehans in Wien:

Berührendes Treffen mit der muslimischen Gemeinde in der Schura Moschee

Kurzbericht der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Trotz Erschöpfung nach der langen und erfolgreichen Demo – siehe http://www.stopbush.at nahm Cindy Sheen gerne den Vorschlag Omar Al Rawis und Ahmad Hameeds (Irakhilfswerk) an, in der Schura-Moschee den über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Imam Scheich Adnan Ibrahim und viele andere MuslimInnen zu treffen. Dies bot sich auch darum an, weil die Schura Moschee am Mittwochabend, ergänzend nach der Demo, zu einer interreligiösen Begegnung mit seiner Eminenz Vater Athala Hana, Archimandrite der Orthodoxen Kirche Jerusalems, eingeladen hatte.

Der Empfang war überaus herzlich. Scheich Adnan Ibrahim berichtete für die Gemeinde die Geschichte von Cindy Sheehan, der amerikanischen Mutter eines im Irak gestorbenen Soldaten im Detail. Voller Bewunderung erzählte er, wie sie zum Symbol der Antikriegsbewegung wurde , ja der Friedensbewegung, nicht nur in den USA.

Tarafa Baghajati (Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen) gab einen kurzen Gesamtüberblick über den Verlauf der Demonstration: „Wien kann stolz auf diesen Tag sein. Die mehr als 20.000 DemonstrantInnen haben gezeigt, dass die Haltung gegen Krieg, Ausbeutung, Besatzung und Unterdrückung und die Solidarität mit den unterdrückten Völkern, allen voran das palästinensische und das irakische Volk, kein Minderheitenprogramm in dieser Stadt ist. Man kann nur hoffen, dass diese solidarische Haltung der Bevölkerung auch ein Echo in der Politik Österreichs und der EU findet"

Cindy Sheehan brachte ihre Freude über diese Stunde zum Ausdruck. Mit Tränen in den Augen ließ sie die Menschen teilhaben an ihrer Geschichte. Das muslimische Publikum konnte die Tränen auch nicht mehr zu unterdrücken. Vater Athala Hana bekundete die Wichtigkeit, das andere Gesicht Amerika zu kennen und äußerte sein Wunsch, Persönlichkeiten wie Cindy bald in Palästina begrüßen zu dürfen. Denn das palästinensische Volk sollte sehen und spüren, nicht allein gelassen zu sein: „Ihr Sohn ist unsere Sohn und wir möchten hiermit unser Beileid bekunden". Alle empfanden die kaum zu beschreibende Stimmung von Spiritualität sehr stark. Mit Rücksicht auf die Müdigkeit von Cindy wurde die Begegnung möglichst kurz gehalten. Doch dauerten der Abschied und die Aufnahmen mit den BesucherInnen der Moschee genauso lange. Die VertreterInnen der MJÖ, Muslimische Jugend Österreichs wie viele andere nutzten die Gelegenheit intensiv, ganz direkt und unverkrampft mit Cindy über alles Mögliche zu sprechen. Ahmed Al Taher, Vorstandmitglied der Schura Moschee versicherte Cindy detailliert alle am Abend nicht anwesenden ca. 1200 regelmäßige MoscheebesucherInnen über dieses Ereignis zu informieren.

„Wir sind alle deine Familie" waren seine Abschiedsworte.

Cindy meinte zum Schluss den Höhepunkt ihres Besuchs in Wien erlebt zu haben. Auf die Anfrage, ob dies der erste Aufenthalt in Wien gewesen sei, sagte sie: „ Ja, aber sicherlich nicht das letzte Mal".

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