Totenbestattung

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Was es mit islamischen Begräbnissen auf sich hat

Was es mit islamischen Begräbnissen auf sich hat

Nach den Attentaten in Deutschland und Frankreich wurden unter Muslimen Stimmen laut, den Mördern ein islamisches Begräbnis zu verweigern. Diese Entscheidung erntete auch Kritik.

Der Osnabrücker Religionssoziologe und Islamexperte Rauf Ceylan wendet sich in der jüngsten ZEIT-Beilage „Christ & Welt“ gegen das Vorhaben von Moscheegemeinden, den Attentätern von Würzburg und Ansbach in Deutschland sowie im französischen Rouen eine islamische Bestattung zu verweigern. Mohamed Abu El Qomsan, Bayern-Beauftragter des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) hatte sich dafür ausgesprochen, dass Attentätern sowohl ein Begräbnis auf einem islamischen Friedhof als auch eine islamische Zeremonie verweigert werden sollte. Laut Ceylan entspricht das auch der Mehrheitsmeinung unter Muslimen.

„Schwerste Sanktion des Islams“

Allerdings trifft diese „schwerste Sanktion des Islams“ laut Ceylan vor allem die Hinterbliebenen. „Familien sollten nicht mitbestraft werden. Sie sind schon bestraft genug“, sagt er. Die Moscheen hätten nur diese Möglichkeit, um die geforderte Distanzierung vom Terror zum Ausdruck zu bringen. Islamische Theologen und Seelsorger sollten aber ihre Position überdenken, so der Wissenschaftler, der als Sohn kurdischer Migranten in Duisburg geboren wurde.

Grabstein am islamischen Friedhof im Zentralfriedhof

APA/Herbert Pfarrhofer

Grabstein auf dem islamischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs

Wendet sich jemand vom Islam ab, ist die nichtislamische Bestattung logische Folge. Islamistische Attentäter hingegen würden sich dezidiert als Muslime verstehen. Ihre Schuld vergrößere sich zwar dadurch, dass sie sich für ihre Verbrechen auf Gott berufen, aber „auch schlechte Muslime bleiben Muslime“, so Ceylan.

Imam: Nicht in IS-Duktus fallen

Tarafa Baghajati, Imam und Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen gibt im Gespräch mit religion.ORF.at Ceylan insofern Recht, als auch er sagt, dass niemand jemand anderem absprechen könne, Muslim zu sein. Zudem müsse die islamische Community darauf achten, nicht in den Duktus der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu geraten, die stets in „gläubig“ und „ungläubig“ unterteile. Der IS rechtfertigt seine Taten scheinbar theologisch durch den Kampf gegen Ungläubige.

Die Position des ZMD sei aber vollkommen richtig, so Baghajati. Denn als offizielle Vertretung der Muslime könne man islamistische Attentäter nicht durch ein muslimisches Begräbnis würdigen. Er wendet sich aber gegen ein generelles Verbot und würde es der Familie überlassen, eine islamische Zeremonie abzuhalten. Denn dazu braucht es im Islam keinen Geistlichen, auch nahe Verwandte können die Gebete leiten.

Tarafa Baghajati

ORF/Marcus Marschalek: Tarafa Baghajati

Eine neue Dimension nach dem Tod

Grundsätzlich beginne mit dem Eintritt des Todes eine neue Dimension, in der die Beziehung zu den Menschen abbreche und nur die zu Gott übrigbleibe. „War jemand ein guter Mensch, ist er vor Gott gut, wenn er schlecht war, schlecht. Punkt“, sagt Baghajati. Wie jemand zu Tode kommt oder begraben wird, sei letztlich irrelevant, so Baghajati. Für die Gemeinschaft allerdings sei es von großer Bedeutung, wie und ob jemand begraben werde. Denn wie die Seele die Zeit zwischen dem Tod und dem Tag des jüngsten Gerichts verbringe, wisse niemand, daher werde für sie gebetet, so der Imam.

Im Islam wird die ordnungsgemäße Beerdigung Verstorbener als wichtig erachtet, da die Toten nach muslimischer Auffassung zu Allah zurückkehren. Bereits die sterbende Person wird mit Gebeten auf ihrem Weg begleitet. Nach dem Eintritt des Todes wird der Leichnam von Glaubensangehörigen rituell gewaschen. Männer werden von einem Mann, Frauen von einer Frau dreimal mit heißem Wasser und Seife gewaschen.

Danach wird die Person eingekleidet beziehungsweise in Tücher gehüllt. Darauf erfolgt die rasche Bestattung. Der Tote liegt dabei auf der rechten Seite und blickt Richtung Mekka. Muslimische Friedhöfe sind so angelegt, dass die Gebetsrichtung eingehalten werden kann. Die einzig gültige Art der Bestattung im Islam ist die Erdbestattung - möglichst ohne Sarg.

Islamische Gräber am islamischen Friedhof in Wien 23.

IGGiÖ: Der islamische Friedhof im 23. Bezirk in Wien

Rasche Beisetzung am Ort des Todes

Der Islam empfiehlt die Beisetzung innerhalb von 24 Stunden am Ort des Todes. Seit einigen Jahren gibt es in Österreich eigene islamische Friedhöfe und muslimische Abteilungen innerhalb anderer Friedhöfe. Hierzulande sind mindestens 48 Stunden Wartezeit vor der Beerdigung, sowie ein Sarg vorgeschrieben. Hier wird häufig auf naturbelassene Weichholzsärge zurückgegriffen.

Ließen sich lange Zeit Muslime in ihre Heimatländer oder die ihrer Eltern überführen und dort begraben, steigen die Bestattungen an den Orten, wo ein Großteil der Lebenszeit verbracht wurde. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) sind die islamischen Friedhöfe deshalb auch ein Zeichen der Integration.

Die Ächtung Verstorbener hat übrigens eine lange Tradition. In der Antike wurden Namen und Bildnisse verhasster Personen aus Schriften und Darstellungen entfernt, um deren Andenken zu zerstören. Auch im Römischen Reich wurde die „Damnatio memoriae“ (lateinisch für „Verdammung des Andenkens“) praktiziert.

Nina Goldmann, religion.ORF.at

Mekka-Blick im Wiener Grab

Früher wurden verstorbene Muslime häufig in Linienflugzeugen in ihre alte Heimat geflogen

  • Erste Beisetzung auf dem islamischen Friedhof in Wien.
  • Bestattung in Österreich im Trend.

Wien. Das Flugzeug hebt ab – aufgeregte Passagiere schwätzen, schauen aus dem Fenster oder freuen sich auf die Bordküche. Ohne zu wissen, dass eine Leiche mit an Bord ist: Ein verstorbener Muslime auf seiner letzten Reise von Österreich zurück in die ursprüngliche Heimat.

"Jährlich organisieren wir etwa 200 solcher Rückflüge", erklärt ein Sprecher der türkisch-islamischen Union "Atib". Für diese gibt es weder eigene Flugzeuge, noch finden sie zu speziellen Zeiten statt. Vielmehr gelangen die Verstorbenen auf üblichen Linienflügen an ihr Ziel.

Der Trend der Muslime in Österreich geht laut Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der islamischen Glaubensgemeinschaft (IG) in Wien, jedoch eindeutig in die Richtung, hier begraben zu werden – eine Gemeinsamkeit von Muslimen und Katholiken sei nämlich das regelmäßige Besuchen des Grabes durch Familienangehörige.

Bestattung in Tüchern

Daher begrüßte die IG die Eröffnung des islamischen Friedhofs im Süden Wiens Anfang Oktober, auf dem diese Woche der erste tote Muslime bestattet wird. "Bis zu 4000 Tote sollen hier ihre Ruhe finden", meint der Integrationsbeauftragte der IG, Omar Al-Rawi. "In ganz Österreich gibt es keinen Friedhof dieser Art", ergänzt Baghajati, "alle Gräber bis jetzt waren Behelfslösungen und dennoch sehr begehrt."

So hat etwa der Friedhof St. Martin in Linz bereits vor 20 Jahren einige Parzellen auf einem abgegrenzten Areal für die Beerdigung verstorbener Muslime zur Verfügung gestellt. Laut dem Linzer Bestatter Mohammed Merah ist heute nur mehr wenig Platz vorhanden, weshalb er einen eigenen, größeren Friedhof für Muslime fordert. Auch Graz und Altach in Vorarlberg diskutieren schon seit längerem über die Errichtung eines solchen.

Die begehrte islamische Bestattung in Österreich hat laut Baghajati auch finanzielle Gründe: Ein Leichentransport in die ursprüngliche Heimat koste mehrere tausend Euro. Ein Großteil der Muslime gehöre einem Verein – wie etwa "Atib" – an, der solche Rückflüge organisiert und finanziert: Die Gesamtsumme aller Transporte eines Jahres wird regelmäßig unter den Mitgliedern aufgeteilt.

"Die Kosten für einen Transport beinhalten die Mitreise einer Begleitperson, den Leichenwagen zum Flughafen und den Sarg für die Reise", erklärt "Atib". Auf letzteren wird bei der islamischen Bestattung üblicherweise verzichtet – der Verstorbene wird in Tücher eingewickelt begraben, "aber in Österreich gelten eben andere Regelungen", meint der Sprecher.

Auch mit der Tradition, den Leichnam innerhalb von 48 Stunden nach seinem Tod zu begraben, muss manchmal gebrochen werden. "Falls eine kriminelle Handlung hinter dem Tod vermutet wird oder ein Verkehrsunfall dahinter steckt, können die Untersuchungen länger dauern", sagt der Sprecher. Ist der Muslime aber eines natürlichen Todes gestorben und die Sterbeurkunde wird schnell genug ausgestellt, könne das Begräbnis mitunter noch am Sterbetag erfolgen.

Rituelle Totenwaschung

"Das ist der Idealfall der islamischen Bestattung", erklärt Baghajati. Zu den Ritualen zähle außerdem, den Verstorbenen mit Blick auf die für Muslime heiligste Stadt Mekka in Saudi-Arabien in sein Grab zu legen. Ganz anders als im Katholizismus wird auf Blumenschmuck und Kerzen jedoch verzichtet. "Wir sehen es eher als Ehre, Geld zu spenden und nicht für Grabbeigaben auszugeben", meint die Medienreferentin.

Tradition hat auch die Totenwaschung, wofür auf dem islamischen Friedhof in Wien extra Flachbauten neben der hohen Aufbahrungshalle errichtet worden sind. Außerdem können nach islamischem Glauben Gräber kein zweites Mal benutzt werden – wodurch sich laut "Atib" für die etwa 200.000 Muslime in Österreich ein Platzproblem auf dem Wiener Friedhof ergeben könnte.

Der erste, auf dem islamischen Friedhof in Wien bestattete Muslime wird laut Baghajati – nach österreichischer Vorschrift – in einem Sarg liegen. Das sei zwar ein Verstoß gegen das islamische Ritual, aber dennoch kein wesentlicher, "denn im Tod sind wir alle gleich."

Printausgabe vom Mittwoch, 29. Oktober 2008

Islamischer Friedhof eröffnet am 3. Oktober

20 Jahre dauerte es, bis die Pläne zum islamischen Friedhof in die Tat umgesetzt wurden.

Bestattung nach österreichischem Ritus - Bauprojekt mit langer Entstehungsgeschichte - 3,4 Hektar große Grabstätte mit Gittertor Richtung Mekka

Der erste islamische Friedhof Österreichs, im Süden Wiens gelegen, wird am 3. Oktober, kurz nach Ende des Fastenmonats Ramadan, eröffnet. Bis zu 4.000 Tote sollen hier ihre letzte Ruhe finden, so Omar Al-Rawi, SPÖ-Gemeinderat und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IG).

Dies hinge allerdings davon ab, wie eng man die Gräber lege. In jedem Falle werden die Toten nach österreichischer Vorschrift im Sarg bestattet - anders als nach islamischem Ritus üblich, der eine Beerdigung im Leintuch vorsieht. Das Gesicht wird dabei gegen Mekka gedreht. Der Blick in Himmelsrichtung des islamischen Wallfahrtsortes ist dabei offen: In der hohen Mauer wurde hier ein Gittertor eingelassen. Ansonsten hat man auf den Sichtschutz für die Anrainer mittels Wand und Bäumen Wert gelegt.

Die 3,4 Hektar große Gräberstätte samt Einfriedung stellte die Gemeinde zur Verfügung, wobei das Areal mit dem Aushub des nahen Liesingbaches aufgeschüttet wurde, um eine Verunreinigung des Grundwassers zu vermeiden. Die IG zeichnete hingegen für die Bauten verantwortlich.

Hohe Aufbahrungshalle

Dominiert wird der Komplex von einer hohen Aufbahrungshalle, in deren Innerem kalligraphische Schriftzeichen und ein gigantischer Kronleuchter Eleganz ausstrahlen. Deutlich minimalistischer sind die Flachbauten daneben gestaltet. Bereits seit November 2007 finden hier die rituellen Totenwaschungen statt. Auch ein Kühlhaus für die Leichen ist vorhanden.

Direkt daneben findet sich eine kleine Dienstwohnung. Diese wird einem Hausmeister zur Verfügung gestellt, der permanent am Gelände wohnen soll, nicht zuletzt um dessen Sicherheit zu gewährleisten. Von Videoüberwachung oder Polizeischutz habe man bewusst abgesehen, unterstrich Al-Rawi. Man wolle ein offener Ort bleiben.

Der IG-Beauftragte zeigt sich zuversichtlich, eine große Mehrheit der künftigen islamischen Toten Wiens am Areal zu versammeln. Derzeit hätten viele ältere Muslime noch Versicherungen zur Rückführung ihres Leichnams in die alte Heimat, was sich mit nachfolgenden Generationen aber ändere. Die genauen Modalitäten einer Bestattung, also etwa Kosten, ob das Grab in Pacht oder Eigentum übergehe oder ob es einheitliche Grabsteine geben wird, seien derzeit aber noch offen, so Al-Rawi.

Lange Geschichte

Doch diese Unklarheiten scheinen unbedeutend angesichts der langen Geschichte des Projekts: Fast 20 Jahre dauerte es, bis die Gespräche zwischen IG und Stadt 2001 in konkrete Pläne mündeten, wobei die Eröffnung für Herbst 2003 in Aussicht gestellt wurde. Dann verzögerten archäologische Grabungen, die Insolvenz der Baufirma und Geldprobleme den Fortschritt, bis es 2006 auch noch zu einem Brandanschlag auf den Rohbau kam, dessen Wände später überdies mit 53 Kreuzen beschmiert wurde.

Immerhin die Finanzierungsprobleme wurden durch Großspenden des OPEC-Fonds und Katars und Katars behoben. Deren Vertreter werden dementsprechend bei der Eröffnung am 3. Oktober anwesend sein, die mit einem großen Festakt begangen wird. Mit diesem Termin ist es Wien doch noch gelungen, der Konkurrenz aus Vorarlberg zuvorkommen. Dort entsteht in Altach eine Begräbnisstätte mit 300 Plätzen, deren Eröffnung für 2009 anvisiert ist. (APA)

Nur ein Hauch von Leben

Enquete im Alten Rathaus in St. Pölten am 1.6.2005: Das traurige Ereignis der Geburt eines toten Kindes

DIE Sicht des ISLAM

Islamisches Menschenbild

Grundlage: Koran und „Sunna“ (Überlieferung der Aussagen und Verhaltensweisen des Propheten  Muhammad).

Mensch hat den höchsten Rang unter den Geschöpfen = Statthalter Gottes auf Erden (khalifa), aber auch Diener (’abd).

Persönliches Verhältnis zu Gott – persönliche Verantwortung (keine „Erbsünde“), keine vermittelnden Instanzen (keine Priester, keine Hierarchie). Auch Prophet Muhammad kein Erlöser oder Vermittler sondern nur Überbringer der göttlichen Botschaft

Krankheits- und Leidesverständnis von Muslimen

Körper und Gesundheit = Leihgabe (amana), anvertrautes Gut. Verantwortung des Menschen: Maßnahmen zur Gesunderhaltung bzw. zum Gesundwerden zu treffen, Heilung kommt von Gott.

Erdenleben ist eine von mehreren Stufen des Seins:

Ort der Prüfungen und der Bewährung. Viele Aspekte, Krankheit zu deuten:

  1. eine von vielfältigen Prüfungsformen
  2. Geduldprobe – (nichts ist umsonst, alles kompensiert; Barmherzigkeit Gottes)
  3. Sündenvergebung, Reinigung, Entwicklung
  4. Mahnung, Erinnerung (an den Tod und Gott)
  5. Gegensätze machen Wert erkennbar (Finsternis-Licht, Wärme-Kälte, Gesundheit-...)
  6. Vertiefung des Verhältnisses Mensch – Gott
  7. Besonderer spiritueller Rang bei Tod durch bestimmte Krankheiten oder Vorfälle z.B. Krankheiten im Bauch, Ertrinken, Tod im Wochenbett) – „Glaubenszeugen“

Fazit: Krankheit wird wie Gesundheit als Gnade verstanden und nicht als Strafe oder Ausdruck göttlichen Zorns gedeutet.

Zugang zum Thema Tod  - Grundsätzliches

Nicht Vernichtung, Auflösung des Seins, sondern Übergang in einen anderen Seinszustand. Wesentliche Existenz: Jenseits, da von Dauer. Reise der Seele durch verschiedene Stadien des Seins. Tod also Notwendigkeit, Entlassung aus Pflichten und Beschwernissen des Diesseits. Islamische Trauerzeit ist sehr kurz (3 Tage), jedoch regional verschiedene (nichtislamische) Sitten

Sterbebegleitung: Im Allgemeinen durch Angehörige, in der Migration gewinnt „Seelsorge“ an Stellenwert. Gründung des Islamischen Besuchs- und Sozialdienstes in Wien 2001.

Dem Sterbenden (möglichst mit dem Gesicht Richtung Mekka/südost zugewendet) wird das islamische Glaubensbekenntnis zugeflüstert und Koran vorgelesen. Nach dem Tod werden Augen geschlossen, Kiefer hochgebunden, Gelenke leicht gebogen. Leichnam sollte stets mit Tuch bedeckt sein (auch in Prosektur). Nach ritueller Waschung und Einkleidung in weiße Tücher durch gleichgeschlechtliche Muslime erfolgt Bestattung und Totengebet, gegebenenfalls Überstellung in Herkunftsland (manchmal Sterbeversicherungen).

Besonderheiten im Falle des frühkindlichen Todes bzw. der Fehl- oder Totgeburt

Kindersegen für MuslimInnen wichtig, Mutterschaft hat traditionell hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Kinder sind nicht Eigentum der Eltern; jedenfalls aber unschuldig und kommen ins Paradies. Sie können für die Eltern intervenieren und es gibt ein Wiedersehen. Der Glaube an die Vorherbestimmung (nicht zu verwechseln mit Fatalismus) und an die Unabänderlichkeit der Lebensspanne gibt Trost.

Wichtig zu Aufarbeitung für die Eltern: Begräbnis nach islamischem Ritus, jedenfalls Erdbestattung. Kremierung oder Entsorgung mit menschlichen Abfällen ist große Belastung für die Eltern.

Regelung in Wien: Embryos über 500 g – eigenes Gräberfeld am Wr. Zentralfriedhof (35B). Unter 500 g – Kremierung und 4 x im Jahr Bestattung in Sammelsarg mit Zeremonie. Für MuslimInnen nicht wirklich zufriedenstellende Lösung: Status des Embryos hängt nicht von Geburtsgewicht sondern von Alter der Schwangerschaft ab (Beseelung). Spätestens am 120. Tag (verschiedene Rechtmeinungen) ist Embryo Persönlichkeit und bekommt normales Begräbnis. Häufig Überführung in Herkunftsländer, da kostengünstiger.

In NÖ meist Überführung, auch Begräbnis auf christlichem Friedhof möglich, Einhaltung gewisser Voraussetzungen für islamisches Begräbnis wünschenswert. Begräbnis in Wien für Mütter mit Wohnsitz in anderem Bundesland kosten ca. das Doppelte.

Ein paar Tipps

  • keine Taufe bzw. Nottaufe (keine Erbsünde, kein Eintritt in die Religion)
  • Hände geben, Augenkontakt zwischen verschiedenen Geschlechtern  - bei manchen MuslimInnen nicht üblich, gilt auch für andere Berührungen – bitte nicht als persönliche Zurückweisung werten!
  • Besucherzahlen: Krankenbesuch ist religiöse und moralische Verpflichtung, aber auch Höflichkeit und Rücksichtnahme sind religiöse Gebot
  • Nicht alle Probleme können dem Islam als Religion angelastet werden: vielfach Bildungs-, Schicht- und Sozialprobleme; regionale Traditionen
  • Projektionen: Bei Kontakt mit dem Fremden neigt der Mensch dazu, eigene Gedanken und Vorstellung zu projizieren – kann zu Missverständnissen führen
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