Moscheen-Debatte: Ist Populismus ansteckend?

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Donnerstag, 13 September, 2007
Moscheen-Debatte: Ist Populismus ansteckend?

Sobald Persönlichkeiten wie Erwin Pröll problematisches Vokabular wie "artfremd" in Zusammenhang mit Moscheebauten verwenden, ist das ein Anlass, sich damit zu beschäftigen

Wenn Jörg Haider und H.-C. Strache einander einen nervösen Wettkampfstreit in Sachen Islamfeindlichkeit liefern, ist dies zwar unerfreulich, fügt sich aber ins Bild der politischen Karrieren von Vaters und Ziehsohn. Sobald aber angesehene Persönlichkeiten wie der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll auf diesen Zug springen und noch dazu ein äußerst problematisches Vokabular wie "artfremd" in Zusammenhang mit Moscheebauten verwenden, ist das ein Anlass, sich damit zu beschäftigen. Umso mehr, als die anderen politischen Parteien Rot und Grün eher durch Abwesenheit in diesem Diskurs glänzen.

Protest-Demo

Genau zu Beginn des Ramadan, des Fastenmonats der Muslime, wird von den Funktionären der ÖVP Wien-Brigittenau gegen einen islamischen Verein zu einer Protest-Demo mittels offizieller Postaussendung mobilisiert. Früh genug fühlt sich H.-C. Strache berufen und wirbt für den Protestmarsch "gegen die Errichtung einer Moschee in unserem Wohngebiet".

Beide Parteien behaupten, eine "spontane parteienunabhängige Initiative" unterstützen zu wollen. Wie glaubwürdig diese Behauptung wirklich ist, möge jeder für sich entscheiden.
Vordringlich wäre in dieser Situation zu klären, ob sich in diesem Zusammenhang möglicherweise eine neue ÖVP-Parteilinie etabliert.

Es ist jedenfalls unfair gegenüber Muslimen, dass sich VP-Parlamentarier und -Politiker fern der Öffentlichkeit nur zu gern zu Ramadan-Einladungen bei ihnen einfinden und freundlich die gemeinsamen Werte von Christentum und Islam betonen, während andererseits die Parteiführung aus der mittleren Reihe zu Protestmärschen gegen Minderheiten aufruft ...

(Tarafa Baghajati/ DER STANDARD Printausgabe 13.9.2007)

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