Österreich

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Tarafa Baghajati

Dipl. Ing Omar Al-Rawi

 

Landtagsabgeordneter und Gemeinderat sowie Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen.

Steckbrief

Name: DI Omar Al Rawi

Geboren: 8. Mai 1961 in Bagdad

Verheiratet seit 1988,  4 Kinder

Sprachen: Deutsch, Englisch, Arabisch

In Österreich: seit 1978, 1988 Österreichische Stattsbürgerschaft .

Studium: ab Wintersemester 1978 an der Technischen Universität Wien (Bauingenieurwesen) in Österreich,      erfolgreicher Abschluss 1990

Lebenslauf

1978-1990

Politische Aktivität im Rahmen der Hochschülerschaft

1990-1991

Zivildienst beim Arbeitersamariterbund Österreich, gewählter Sprecher der Zivildiener

1991-1992

Tätigkeit in der Bauindustrie

1992-1996

Betriebsrat bei der Hofman & Maculan AG. Vorsitzender während des schwierigen Jahres 1996 (Insolvenz), große Anstrengungen zur Rettung des Unternehmens und der Arbeitsplätze durch politisches Lobbying, Koordination mit der AK und Suche nach einem Investor im  arabischen Raum. Erfolgreicher Abschluss eines Projektes in Zusammenarbeit mit dem AMS. Rettung von über 1500 Arbeitsplätzen durch Übernahme der Firma durch die ERA-Bau.

1997-1999

Betriebsratsvorsitzender bei der ERA-Bau AG in Wien, Einführung der Gleitzeit, Erreichen weitreichender sozialer Leistungen durch den Betriebsrat .

September 1999

Integrationsbeauftragter der Islamischenglaubensgemeinschaft.

November 1999

Mitinitiator der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, aktive Teilnahme, bzw. Organisation von verschiedenen Projekten: „Tag der offenen Tür“ im Islamischen Zentrum, Symposium „Islam und Europa“, Straßenfeste als Ort ungezwungener Begegnung, Teilnehmer beim Forum „Runder Tisch - Innenministerium“ und in der Arbeitsgruppe der AK, Mitglied der Delegation der Islamischen Glaubensgemeinschaft bei den drei Weisen, Podiumsdiskussionen rund ums Thema Islam, Migration, Fremdenfeindlichkeit, und Integration. Auftritte in Talk Shows, Medienarbeit – Gastkommentare und Kontakte, aktive Unterstützung beim Integrationskreis Florisdorf und im Personenkommitee der Initiative „Land der Menschen“. Interreligiosedialog, Auftritte in der Wichtigsten Sendungen des ORF, ZIB 1, 2 und 3 sowie der Sendungen “Betrifft“ zum Thema “Integrationsvertrag“ und “Report“ zum Thema “11. September“.

Oktober 2000

Betriebsrat bei der STRABAG Bau AG.

März 2001

Kandidat für den Wiener Gemeinderat, und mit 2558 Vorzugsstimmen das dritt beste Ergebnis in Wien Hinter Bürgermeister Häupl und Patrik-Pable eingefahren.

Die Wichtigsten Botschaften meines Wahlkampfes:

„Meine Mutter ist Österreicherin, mein Vater Iraker. Die Schule besuchte ich in Bagdad, studiert habe ich in Wien. Ich bin es gewohnt, Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu schlagen und unterschiedliche Menschen zusammenzubringen. Als Betriebsrat habe ich mich für die Rechte der ArbeitnehmerInnen eingesetzt.

Bei Integrationsprojekten habe ich gezeigt:

Wir Migranten brauchen uns nicht blindlings „anzupassen“!

Wir gestalten unsere Heimat Österreich aktiv mit!

Wir als Betroffene haben Ideen, wie ein Miteinander in einer offenen Gesellschaft funktioniert!

Omar Al-Rawi tritt an für

  • Gleiche Rechte für alle Menschen – hier geborene und zugewanderte, am Arbeitsplatz, im gesellschaftlichen Umfeld, im Wohnungsbereich

  • Stärkung der Frauen in der Gesellschaft, vor allem Frauen die unter mehrfacher Diskriminierung als Schwarzafrikanerin, Muslimin leiden

  • Förderung der Mehrsprachigkeit

  • Verbesserung eines speziellen sozialen Netzes für Minderheiten

  • Einrichtung eines islamischen Friedhofes

  • Schaffung eines Antidiskriminierungsgesetzes

Daher bitte ich Sie/Dich um eine Vorzugsstimme.

Eine VORZUGSSTIMME für OMAR AL-RAWI ist eine

  • Stimme für gegenseitiges Verständnis und Respekt

  • Stimme für Minderheiten in der Gesellschaft

  • Stimme für den interkulturellen und interreligiösen Dialog

Juli 2002

Einzug in den Wiener Landtag und Gemeinderat.

Seit 2009

Vorsitzender des Unvereinbarkeitsausschusses im Wiener Gemeinderat.

Weitere Informationen

"Musliminnen am Wort" - Deklaration muslimischer Frauen

Musliminnen am Wort:

Gegen jede Verbotspolitik auf unseren Köpfen!

Für unser Selbstbestimmungsrecht!

Und die volle Teilhabe an einer pluralen Gesellschaft!

Österreich war über viele Jahrzehnte auf der Basis des Islamgesetzes von 1912 bzw. der IGGÖ seit 1979 ein Vorbild für eine erfolgreiche Politik im Umgang mit der muslimischen Bevölkerung. Dieser bewährte Stil droht dem gegen­wärtigen politischen Diskurs zum Opfer zu fallen. Diese Abkehr vom bewährten Kurs ist ein demokratiepolitisch falsches Signal.

Mit dieser Deklaration von Musliminnen aus allen Teilen der Bevölkerung melden wir uns zu Wort, um vor den negativen gesamtgesell­schaft­li­chen Folgen für das Zusammenleben in Österreich und dem Verlust von Ansehen in Europa und international zu warnen.

Den Beginn der Menschenrechtserklärung von 1948 stellen wir unserer Deklaration voran:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Geschwisterlichkeit begegnen.“

Aufgrund der Analyse des derzeitigen Diskurses halten wir fest:

  • Unsere Köpfe sind keine Werbefläche! Schluss mit Projektio­nen islamfeindlicher Tendenzen auf das Kopftuch!
  • Was das Kopftuch für eine Frau ausdrückt, bestimmt die Trägerin selbst!
  • Muslimische Identität soll für Frauen nicht auf das Kopftuch­tragen zugespitzt bzw. beschränkt werden!

Wir wenden uns gegen in Umlauf befindliche Narrative und definieren uns selbst:

  • Wir muslimische Schülerinnen und Studentinnen sind Zukunfts­trägerinnen!
  • Wir muslimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen fördern den sozialen Zusammenhalt!
  • Wir muslimische Mütter rücken das Kindeswohl in den Mittel­punkt!
  • Wir Lehrerinnen und Moscheepädagoginnen stärken Mädchen in ihrer Persönlichkeit!

Wir fordern von der Politik:

  • Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen:
    • Keine Verbotspolitik auf unseren Köpfen!
    • Kein Eingriff in die Religionsfreiheit!
    • Keine Diskriminierung durch eine Lex Islamica mit expliziten Verboten für Musliminnen!
    • „Schutzverständnis“ darf weder zu Bevormundung, noch zu Entmündigung führen!
       
  • Respekt vor dem Kindeswohl:
    • Anerkennung der Erziehungsarbeit muslimischer Eltern und Kooperation mit ihnen statt pauschaler Verunglimpfung!
    • Fokus auf den gesamtgesellschaftlichen Handlungsbedarf im Sinne des Kindeswohls (Herausforderungen wie etwa Gewalt in der Familie, Verwahrlosung, Sucht oder Scheidungswaisen) und die daraus folgende politische Verantwortung in der Bereitstel­lung dringend notwendiger Ressourcen für Hilfsangebote!
    • Chancengleichheit für Kinder und Schutz vor abwertendem oder gar übergriffigem Verhalten ihnen gegenüber; Beachtung der Kinderrechte (Kinderrechtskonvention von 1992, bes. Art. 14)!
       
  • Übernahme von politischer Verantwortung für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt:
    • Entgegenwirken bei Feindbilddenken und Polarisierung!
    • Schutz vor jeglicher Diskriminierung!
    • Ausschöpfung der bestehenden Rechtslage im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes!
       
  • Frauenpolitik, die Musliminnen auf gleicher Augenhöhe einbezieht:
    • Mit uns reden, statt über uns!
    • Anerkennung der persönlichen Entscheidung, das Kopftuch zu tragen oder nicht zu tragen!
    • Schluss mit negativen Zuschreibungen und Unterstellungen, um letztlich Diskriminierung zu rechtfertigen!
       
  • Integration von Musliminnen in den Arbeitsmarkt:
    • Fokus auf die Qualifikation von Frauen und nicht auf das Kopf­tuch oder den fremdländisch klingenden Namen!
    • Vorbildwirkung des Staates als Arbeitgeber in der Umsetzung der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie (in Österreich ab 1. Juli 2004 implementiert)!
    • Empowerment im Bildungsbereich muss den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt – gerade bei höheren Bildungsabschlüssen –  mit­einschließen!

Wir fordern innerhalb der muslimischen Community:

  • Verwirklichung der Beschlüsse der Imamekonferenzen  von 2003, 2006 und 2010:
    • Mehr Teilhabe und Mitsprache von Frauen in der Organisation und Führung muslimischer Vereine und Institutionen!
    • Die Rolle der Frauen als Bildungsträgerinnen stärken und diese in den innermuslimischen Diskurs vermehrt einbeziehen!
    • Die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie!
    • Aktives Eintreten gegen Benachteiligung von Frauen und bei Gewalt gegen Frauen!
       
  • Stärkung von Männern, die sich für Frauenrechte einsetzen!
     
  • Keine Ablenkung von den aktuellen vielfältigen politischen Herausforderungen und dem entsprechenden Handlungsbe­darf durch das Kopftuchthema!
     
  • Frauen allein kommunizieren über das Tragen des Kopf­tuchs!

Erläuternde Bemerkungen
 

  1. Analyse

    Die oben genannten Forderungen entspringen einer Analyse des derzeitigen Diskurses:

  • Es wird mehr über uns muslimische Frauen als mit uns geredet.
     
  • Wir haben es satt, als Opfer hingestellt und bemitleidet zu werden. Egal ob wir Kopftuch tragen oder nicht erleben wir im derzeitigen gesellschaftlichen Klima Druck. Wir sehen uns als selbstständige Akteurinnen und verwahren uns gegen selbsternannte „Befreier“ und „Beschützer“. Besonders zynisch empfinden wir es, wenn man uns, sobald wir Diskriminierungserfahrungen öffentlich machen, auch noch unterstellt, uns in der „Opferrolle verstecken zu wollen“.
     
  • Die immer wiederkehrenden Kopftuchdebatten lenken von den eigentlichen gesell­schaft­li­chen Problemen ab und werden somit politisch instrumentalisiert. Polarisierung droht.
     
  • Aus frauenpolitischer Sicht warnen wir eindringlich davor, dass durch die Fokussie­rung auf das Kopftuch unterstellt wird, nur bei „den anderen, den Muslimen“ würden patriarchale Zustände vorherrschen. Jedoch sind gesamtgesellschaftlich Verbesserun­gen auf dem Weg zu allgemeiner Chancengleichheit und Geschlechter­gerechtigkeit immer noch notwendig, wie auch das Frauenvolksbegehren zeigt.
     
  • Verbotspolitik steht im Widerspruch zum Prinzip der Mündigkeit und der Emanzipa­tion von Frauen. Es ist auffällig, dass die Forderung eines Kopftuchverbotes in der Politik am lautesten von Männern erhoben wird. Die angebliche „Befreiung“ der Frauen mündet im Falle von Kleidervorschriften wieder in der Bevormundung. Somit unterscheidet sich jemand, der zum Kopftuch zwingen will, nicht von jemandem, der es verbieten will. Bei der Entscheidung steht Selbstbestimmung im Vordergrund und diese ist zu respektieren.
     
  • Musliminnen werden einerseits als „Integrationsmotor“ beschrieben (z.B. Studie von Zulehner, 2013) mit der Betonung, dass sie als role models traditionelle patriarchale Rollenbilder aufbrechen. Genau das leben wir auch. Andererseits schafft die Verbots­politik Sanktionen, die sich pauschal gegen alle muslimischen Frauen richten.
     
  • In Zeiten brüchiger eigener Identitäten haben manche politischen Gruppen leichtes Spiel, ihr Selbstbild über die Abgrenzung von anderen scheinbar zu festigen und zunehmende Risse in der Gesamtgesellschaft zu überdecken. Das Kopftuch scheint sich dazu in seiner öffentlichen Sichtbarkeit als Projektionsfläche gut anzubieten.
     
  • Eine angeblich bedrohliche Andersartigkeit der Kopftuchträgerinnnen wird konstru­iert. Das verstellt den Blick darauf, dass sich eine Kopftuchträgerin in ihren Anliegen nicht von anderen Frauen unterscheiden muss: Etwa in ihrem Streben nach einer geschlechtergerechten Gesellschaft, in der die volle Chancengleichheit von Männern und Frauen gewahrt ist.
     
  1. Forderungen

Diese konstruierte „bedrohliche Andersartigkeit“ bedarf der Dekonstruktion!

Ob wir nun Kopftuch tragen oder nicht, lehnen wir grundsätzlich islamfeindliche Projektionen auf dieses Kleidungsstück ab. Die Sichtbarkeit des Kopftuchs ist gegeben. Aber wir wehren uns entschieden dagegen, dass auf unseren Köpfen Politik betrieben und gesellschaftlicher Zwiespalt geschürt wird. Wir lassen uns nicht zur Litfaßsäule von Botschaften machen, die wir ablehnen. Wir fordern:

Unsere Köpfe sind keine Werbefläche – Schluss mit Projektionen auf das Kopftuch!

  • Die muslimische Identität soll sich für Frauen nicht auf das Kopftuch­tragen zuspitzen!
    Viele muslimische Frauen tragen kein Kopftuch. Wir Musliminnen lassen uns nicht gegenei­nander ausspielen oder gar spalten, sondern sind solidarisch miteinander.  Ob eine Frau ein Kopftuch trägt oder nicht, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, ob sie eine „gute Musli­min“ ist. Genauso wenig erlaubt es eine Schlussfolgerung, ob sie „konservativ“ oder „liberal“ ist. Eine Deutungshoheit über die Religiosität einer Frau kommt keinem Menschen zu. Auch hier sind die Gründe sehr individuell. Eine Rechtfertigung für das Nicht-Kopftuchtragen entfällt!
     
  • Was das Kopftuch für sie ausdrückt, bestimmt die Trägerin selbst!
    Die Definitionshoheit über das Kopftuch liegt bei der Trägerin selbst. So vielfältig die Arten des Kopftuchtragens sind, so unterschiedlich können auch die Motivationsgründe und die individuellen Sinnzuschreibungen sein.

    Gemeinsam ist Frauen, die sich für diese Kopfbedeckung entschieden haben, der religiös-spirituelle Zugang in ihrer Lebensgestaltung. Darüber hinaus haben sie viele individuelle Gründe. Eine Rechtfertigung für das Kopftuchtragen entfällt!
     

  • Schluss mit der Zuschreibung, das Kopftuch sei „fremd“!
    Der Islam ist seit 1912 eine in Österreich anerkannte Religion. Österreich ist Heimat - für Musliminnen mit Staatsbürgerschaft, viele von ihnen bereits hier geboren und aufgewachsen, wie für jene, die hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben.
     
  • Schluss mit der Verdächtigung, das Kopftuch sei ein „Zeichen der Abgrenzung“!
    Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft und treten – sei es im Berufsleben oder im Alltag – für das Allgemeinwohl ein. Wie sich eine Frau kleidet, ist allein ihre Entscheidung. Unabhängig von ihrem Kleidungsstil verdient sie die gleiche Achtung und den gleichen Zugang zu Ressourcen. Wir stehen für den sozialen Zusammenhalt. Frauensolidarität mit dem gemein­samen Ziel der Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen und alle benachteiligten Gruppen ist uns ein entschiedenes Anliegen.
     
  • Schluss mit der Unterstellung, das Kopftuch sei ein „politisches Symbol“ oder gar ein Zeichen des „politischen Islam“
    Wir haben untereinander vielfältige politische Anschauungen. Von einem Kopftuch kann man noch lange nicht auf die politische Orientierung der Trägerin schließen. Unsere politische Teilhabe – etwa in Ausübung des Wahlrechtes – bezieht sich vor allem auf die Zukunft unse­res Lebensmittelpunktes Österreich. Wir stehen auf dem Boden des demokratischen säkularen Rechtsstaates. In der österreichischen Ausprägung eines Kooperationsmodells zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaf­ten sehen wir die Religionsfreiheit und die persönliche Freiheit jeder einzelnen Person gewahrt. Wir sehen uns als Verteidigerinnen dieses Modells und sind uns darin mit vielen Frauen anderer Religionsgemeinschaften einig.
     
  • Schluss mit der Behauptung, das Kopftuch sei das „Symbol der Unterdrückung“!
    Als Musliminnen treten wir selbstbewusst für unsere Rechte ein. In unserem Islamverständnis sind Frauen und Männer mit der gleichen Verantwortlichkeit ausgestattet. Patriarchale Bevormundung egal welcher Couleur lehnen wir ab.
     
  • Schluss mit der Sexualisierung des Kopftuchs!
    Wir sind überzeugt, dass Männer sich allen Frauen gegenüber respektvoll zu verhalten haben, unabhängig von ihrem Kleidungsstil. Es ist eine unzulässige Umkehr des Verhältnisses Täter - Opfer will man Frauen, gegen die Männer übergriffig werden, aufgrund ihres Kleidungsstils die Schuld für den männlichen Übergriff zuschieben. Frauen sind Subjekte und keine Objekte!
     
  • Schluss mit der pauschalen Abwertung der religiösen Kopfbedeckung!
    Durch das Bündel an ideologischen Zuschreibungen wird das Kopftuch als Kleidungsstück „verdächtig“ gemacht und damit zugleich die Trägerin selbst. Sie wird dann beschuldigt, die mit dem Kopftuch verbundenen negativen Assoziationen bewusst mitzutragen oder sich dafür missbrauchen zu lassen. Dies wiederum führt dazu, Diskriminierung gegen Kopftuchträgerin­nen zu rechtfertigen, angeblich um die „eigenen Werte“ zu verteidigen. Dadurch entstehen Gräben, wo keine sein müssten. Es geht auch nicht, von außen das muslimische Kopftuch an sich als „diskriminierend“ hinstellen zu wollen, um damit Verbotsforderungen einen liberalen Anstrich zu geben.
     
  1. Das eigene Rollenverständnis

    Selbstverständnis und Außensicht klaffen in der Wahrnehmung muslimischer Frauen dras­tisch auseinander. Daher ist es uns ein Anliegen, zentrale Aspekte unseres sozialen Rollenver­ständnisses selbst zu erklären:

  • Wir muslimische Schülerinnen und Studentinnen sind Zukunftsträgerinnen!
    Entsprechend unseren Interessen besuchen wir verschiedenste Schulen und Universitäten, um in der Gesellschaft und im Berufsleben unseren gleichberechtigten Platz einzunehmen:
     
    • Mit allen unseren Potenzialen gestalten wir Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft mit.
    • Wir sind vollständig integriert, partizipieren auf allen Ebenen der Gesellschaft und erwarten uns Chancengleichheit. Als vollwertiger Teil der Gesellschaft wollen wir als solcher wahrgenommen werden.
    • Wir erleben uns selbst als Brückenbauerinnen in vielfältiger Hinsicht, denn wir bringen entsprechende Kompetenzen mit. Als eine davon ist unsere Mehrsprachigkeit ein Gewinn für die Gesellschaft.
       
  • Wir muslimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen fördern den sozialen Zusammenhalt!
    Wir sehen uns als wichtige Akteurinnen nicht nur für die Prosperität Österreichs, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt:
     
    • Denn wir leben am Arbeitsplatz jene Diversität, die Österreich immer geprägt hat und zunehmend prägt. Dabei
      wird deutlich, dass in dieser Diversität eine Stärke für den Betrieb liegt, und dass in einem guten Team alle auf gleicher Augenhöhe kooperieren.
    • Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es oft sehr schwierig ist, einen Arbeitsplatz zu finden. Dabei haben es Trägerinnen eines muslimisch klingenden Namens nicht leicht, für Kopftuchträgerinnen ist es noch weitaus schwieriger.
    • Haben wir erst einmal die Gelegenheit erhalten zu arbeiten, wird schnell klar, wo unsere Stärken liegen, u.a.: in unserer vielfältigen Kulturerfahrung, die es uns leicht macht, auf andere Menschen zuzugehen; wir sehen keinen Widerspruch zwischen Glauben und Karriere, keinen Widerspruch zwischen Leistung und Weiblichkeit, keine Grenzen zwischen Spiritua­lität und z.B. einer Managementfunktion.
    • Wir erleben die gleichen Herausforderungen wie andere berufstätige Frauen, vor allem wenn sie Familie haben: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Frage der Kinderbetreuung. Gleichzeitig wollen wir als Vorbilder innerhalb der eigenen Com­munity wirken und dies nutzen, um einen positiven gesellschaftlichen Wandel in Richtung voller Geschlechtergerechtigkeit mitzutragen.
       
  • Wir muslimische Mütter rücken das Kindeswohl in den Mittelpunkt!
    Als Mütter – ob mit oder ohne Kopftuch – ist uns bei unserer Erziehung folgendes wichtig:
    ​​​​​​​
    • Liebe und Zuneigung - gegenüber Buben oder Mädchen - sind Basis unserer Eltern­schaft.
    • Unsere Töchter und Söhne sollen sich zu selbstbestimmten Frauen und Männern entwickeln können, die mit Optimismus und Tatendrang durchs Leben gehen und dabei ihr Glück und ihre Erfül­lung finden.
    • Unsere Töchter und Söhne erziehen wir zu selbstbestimmten Persönlichkeiten, welche die Gleich­wer­tigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter leben.
    • Wir zeigen unseren Kindern, dass gute Charaktereigenschaften wie Fähigkeit zu Empathie, Mut, Geduld, Hilfsbereitschaft und Fleiß allgemeine menschliche Tugenden sind und nicht geschlechtsspezifisch zu definieren sind.
    • Wir geben unseren Kindern notwendige Freiräume für ihre spirituellen und individuel­len Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstfindung.
    • Wir sind gegen jede Art von Zwang. Unser verfassungsmäßig garantiertes Erziehungs­recht legen wir so aus, unsere Kinder darin zu unterstützen, mit zunehmender Reife eigene mündige Entscheidungen treffen zu können und diese dann auch vor sich und anderen zu vertreten. Damit liegt die Entscheidung über das Kopftuchtragen bei den Mädchen selbst.
    • Wir sehen die UN-Kinderrechtskonvention (1992) mit ihren wesentlichen Prinzipien als für unser erzieherisches Handeln verbindlich an. Diese Prinzipien können wir auch aus unserem religiösen Verständnis ableiten: Das Recht auf Gleichbehandlung, der Vorrang des Kindeswohls, das Recht auf Leben und Entwicklung und nicht zuletzt die Achtung vor der Meinung des Kindes.
    • In unserer Werteerziehung zeigen wir die Vereinbarkeit einer Identität als muslimisch und zugleich österreichisch-europäisch auf.
       
  • Wir Lehrerinnen und Moscheepädagoginnen stärken Mädchen in ihrer Persönlichkeit!
    ​​​​​​​Als Lehrerinnen an österreichischen Schulen oder Theologinnen und Moscheepädagoginnen (Muallimat) vermitteln wir folgende Prinzipien:
     
    • Das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit ist aus den muslimischen Quellen abzulei­ten.
    • Wir laden ein, über bestehende Widersprüche zwischen Religion und Tradition zu reflektieren.
    • Wir zeigen auf, wie schädliche Traditionen (harmful traditions) auch aus einer islami­schen Argumentation heraus überwunden werden können.
    • Auch wir diskutieren männliche und weibliche Rollenbilder und wie sich diese gesellschaft­lich in Richtung Geschlechtergerechtigkeit verändern können. Gleichzeitig machen wir jungen Menschen Mut, ihre eigene Rolle und ihren eigenen Weg in der Gesell­schaft zu suchen und zu finden.
    • Wir geben jungen Menschen eine spirituelle Verankerung, indem wir Selbstvertrauen in eine Verbindung mit Gottvertrauen stellen.
    • Wir zeigen auf, dass die Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten mit unserem Islam vereinbar sind, ja aufgrund kundiger Auslegung dessen Geist entsprechen.

Die Deklaration wurde mit der Initiative „Musliminnen am Wort“ im Mai 2018 unter der Projektleitung von Carla Amina Baghajati und Zeynep Elibol ins Leben gerufen. Zum Zeitpunkt der öffentlichen Präsentation am 12. März 2019 hatte sie bereits tausende Unterzeichnerinnen.

Rückfragehinweis:

baghajati [at] derislam.at

zeynep.elibol [at] derislam.at

Karfreitag soll Feiertag bleiben

Vollste Solidarität mit der evangelischen Kirche und mit allen Protestanten in Österreich.

Wieder einmal wird über die Köpfe von Minderheiten entschieden. Wie soll bitte jemand um 10:00 Uhr einen Gottesdienst besuchen, wenn sie/er bis 14:00 Uhr arbeiten muss? Wie sollen Familien so einen wichtigen Tag verbringen und ein Feiertagsgefühl haben, wenn die Eltern bis 14:00 Uhr arbeiten müssen? Die neue Regelung strotzt vor Überheblichkeit gegenüber einer Minderheit. Viel ehrlicher wäre ein Tausch mit einem katholischen Feiertag für alle zu machen, und noch besser ein zusätzlicher Urlaubstag (flexibel) für alle. Auch weitere andere Lösungen könnten überlegt und mit der evangelischen Kirche erörtert werden. Muslimische Arbeitnehmer haben sich für ihre evangelischen Kollegen gefreut und nie sich deswegen benachteiligt gefühlt. Kein Zeichen für eine solidarische Gesellschaft und ein weiterer türkis-blauer Schritt gegen den sozialen Zusammenhalt im Land. Als Muslime erklären wir uns solidarisch mit unseren evangelischen Geschwistern.

Tarafa Baghajati
Obmann der Initiative Muslimischer Österreicher/innen - IMÖ

Interview mit Tarafa Baghajati: halal & haram im Islam

Tarafa Baghajati

Das Biber:

INFOKASTEN – was ist halal und was ist haram?

Beantwortet von Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

1. Ist Sex vor der Ehe im Islam erlaubt?

Tarafa Baghajati: Sex ist islamisch gesehen eine wunderbare Sache, zu der aber eine harmonische partnerschaftliche Verantwortung gehört und das ist die Ehe, wobei der Begriff Ehe im islamischen Konzept nicht 1:1 aus der christlichen Tradition zu übernehmen wäre.

2.  Viele muslimische Jugendliche interpretieren die Religion für sich neu, zB sagen sie, dass Sex in einer langjährigen Beziehung okay ist, da das eine Vorstufe der Ehe ist. Ist das erlaubt oder verwerflich? 

Die islamische Ehe hat einige Grundpfeiler:  a) Das gegenseitige Gelöbnis zweier erwachsener Personen, die sich in Liebe und Treue partnerschaftlich verbinden b) Das Bekenntnis vor Zeugen zu dieser Partnerschaft vor einer Vertrauensperson (in der Regel ein Imam) c) Die Bekanntmachung dieses Ereignisses d) Die Verpflichtung gemeinsam Verantwortung zu tragen, falls Kinder aus dieser Beziehung erwachsen. Natürlich ist es besser, diese Vereinbarungen zeremoniell in einem Ehevertrag schriftlich festzuhalten und auch die Familien beizuziehen, vor allem zum Schutz der Frauen vor Missbrauch und deren sozialer Absicherung. In diesem Sinne leben Personen, die die oben angeführten Bedingungen erfüllen, bereits islamisch-theologisch gesehen vor Gott und der Gesellschaft nicht in Sünde.

3. Gibt es irgendwelche „Richtlinien“ an denen sich dies Betroffenen hierbei orientieren können, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie richtig handeln?

Das ist je nach kulturellem Hintergrund und Tradition verschieden. Bei manchen islamischen Gesellschaften ist es üblich, die in der vorigen Antwort angeführten Bedingungen privat noch vor einer staatlichen Registrierung durchzuführen. Die zwei Partner sind in einer Phase der "Vorstufe zur Ehe".  Außer dem sexuellen Akt an sich sind Küssen und Umarmungen möglich, auch gemeinsam Ausgehen bis hin zu einem gemeinsamen Urlaub. Wenn alles gut läuft, dann feiert man die offizielle Hochzeit und nimmt die staatliche Registrierung vor. Erst danach leben beide richtig zusammen und teilen Tisch und Bett. Bei manchen Muslimen ist diese "Vorstufe" aber verpönt. Dort wird darauf bestanden, gleich eine juristisch und staatlich besiegelte Ehe einzugehen. In Österreich findet man beides. Es gibt auch manche erwachsenen älteren und finanziell unabhängige Leute, die sich islamisch trauen lassen und auf das Standesamt verzichten. Diese wären theologisch Eheleute, aber juristisch vor dem Staat Lebensgefährten. Für mich ist das wichtigste jeglichen Missbrauch im Vorhinein auszuschließen.

3. Ist Alkohol trinken erlaubt?

Nein. Was in größeren Mengen betrunken macht, ist auch in kleineren Mengen zu vermeiden.

4. Ist Marihuana erlaubt?

Haram - "Verboten" hat mehrere Stufen. Haschisch (Marihuana) muss unbedingt vermieden werden, fällt aber nicht in die gleiche Kategorie wie Alkohol und harte Drogen. Faustregel: Generell ist von allen Mitteln, die zu einer Beeinträchtigung des geistigen Vermögens führen und die gesundheitsschädigend sind (also auch Ectasy-Tabletten und ähnliches) aus
islamischer Sicht Abstand zu halten.

5. Ist Glücksspiel erlaubt?

Dort wo Geld im Spiel ist, nein. Das ist absolut haram. An sich wird Geld-und Zeitverschwendung islamisch gesehen als Fehlverhalten eingestuft. Außerdem kann Glücksspiel auch süchtig machen.

7. Was passiert, dem Glauben nach, wenn sie diese Sünden begehen? Im Christentum gibt es ja die Beichte, wie sieht das im Islam aus?

Im Islam ist die Beichte ausschließlich zwischen dem/der Einzelnen und Gott.
Eine ehrliche Reue bringt eine Vergebung der Sünden, wenn damit die Absicht verbunden ist diese Verfehlung nicht wieder zu begehen. Aber Achtung: Sünden gegenüber Menschen sind erst mit den Menschen auszumachen. Bei Verleumdungen, Beleidigungen, Betrug etc. muss erst die Wiedergutmachung und die Verzeihung der Beschädigten kommen. Erst danach kann ein Muslim auch von Allah Vergebung erwarten.

Tarafa Baghajati: „Der IGGÖ-Präsident muss unabhängig sein“

Tarafa Baghajati

Die Vertretung der österreichischen Muslime steht vor einem umfassenden Reformprozess.

In der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) stehen die Zeichen auf Neuanfang. Nachdem der Schurarat Neuwahlen beschloss und nach 2,5 Jahren Amtszeit das vorzeitige Ende der Ära von Präsident Ibrahim Olgun einläutete, soll nun ein Reformprozess stattfinden. Im Gespräch mit dem KURIER erklärt Tarafa Baghajati, Imam und Obmann der Initiative Muslimischer Österreicher (IMÖ), vor welchen Herausforderungen der künftige Präsident steht.

Wer auch immer am 8. Dezember zu Olguns Nachfolger gewählt wird, müsse die Bedeutung der Glaubensgemeinschaft erhöhen – bzw. wieder herstellen. „Die IGGÖ muss wieder ein Faktor im Diskurs um Islam und Muslime werden“, meint Baghajati. „Zurzeit sind wir nur mehr Zuschauer.“ So sei die offizielle Vertretung der Muslime in Österreich etwa vor der 15a-Vereinbarung zum Kopftuchverbot im Kindergarten von der Bundesregierung nicht einmal zu Gesprächen eingeladen worden. Olgun sei in der aktuellen politischen Situation „zum Teil überfordert“ gewesen.

Wer immer ihm nachfolgt, habe drei Voraussetzungen zu erfüllen, sagt Baghajati: „Es muss indiskutable Bedingung sein, dass der Präsident und alle Funktionäre an Schlüsselstellen nicht nur kompetent, sondern auch unabhängig sind. Und dass sie strikt die Politik des Verbandes, aus dem sie kommen, von jener der IGGÖ trennen.“ Unabhängigkeit bedeute, dass Entscheidungsträger „ausschließlich im Dienst der österreichischen Muslime stehen und keinen Einfluss aus dem Ausland zulassen“. Die ethnische Zugehörigkeit sei den allgemeinen Bedürfnissen unterzuordnen.

Emanzipation

Dieses Amtsverständnis war bisher nicht klar festgelegt, im Zuge des Reformprozesses gebe es aber Bestrebungen in diese Richtung. „In unserem eigenen Interesse“, wie Baghajati betont. Um für alle Muslime gleichermaßen glaubwürdig zu sein, empfiehlt er dem künftigen Präsidenten, aus dessen Verband austreten.

Es ist durchaus möglich, dass das die der Milli-Görüs-Bewegung nahestehende Islamische Föderation betreffen wird. Denn obwohl bis dato niemand für Olguns Nachfolge kandidiert hat, werden dem Vorsitzenden des Schurarats, Ümit Vural, gute Chancen nachgesagt. Er selbst will das nicht kommentieren.

Vurals Zugehörigkeit zur Islamischen Föderation könnte zwar eine Steilvorlage für externe Kritiker sein. Dass die IGGÖ Schaden nehmen könnte, glaubt Baghajati aber nicht. Mit seiner Emanzipation vom Heimat-Verein würde der künftige Präsident beweisen, dass er kein Befehlsempfänger sei.

Davon abgesehen stellt der IGGÖ-Experte aber klar: „Wir wählen unsere Vertreter nicht auf Bestellung der österreichischen Politik oder der Medien. Das ist unsere interne Angelegenheit.“ Vural, der Reformbereitschaft mitbringe und sich punkto Krisenmanagement ausgezeichnet habe, habe seine volle Unterstützung. Andere ernst zu nehmende Namen hätten sich nicht herauskristallisiert.

Teamarbeit

Geht es nach den Reformwilligen in der IGGÖ könnte sich auch die Arbeitsweise des Präsidenten ändern. „Die Zeiten, in denen einer als alleiniger ‚Führer‘ handelt, müssen vorbei sein“, meint Baghajati. Der nächste Präsident sei gut beraten, sich ein unabhängiges Team der besten Köpfe zusammenzustellen, dass die Themenbereiche Bildung, Integration, Frauen, humanitäre Einsätze und Medien abdeckt.

Und noch mehr sei nicht in Stein gemeißelt, erklärt der IMÖ-Obmann. Etwa könne die IGGÖ „nicht ewig einen Mufti (einen islamischen Rechtsgelehrten; Anm.) beschäftigen, der nicht Deutsch kann“.

Baghajati plädiert weiters für ein freiwilliges Bekenntnis dazu, dass keine Ethnie mehr als 50 Prozent in einem IGGÖ-Gremium hat (Zurzeit sind zirka 60 Prozent des Schurarats türkischstämmig.) und für eine Mindestfrauenquote von 20 und später 30 Prozent. Zudem sollten Muslime, die keinem Verband angehören, die Möglichkeit zur Mitarbeit in der IGGÖ bekommen.

(kurier.at) | Stand: ‎15‎.‎11‎.‎2018, 6:00 | Autor: Bernhard Ichner

https://kurier.at/chronik/wien/neuwahlen-der-iggoe-praesident-muss-unabhaengig-sein/400324362

IGGÖ zu Kopftuch in Schulen: „Haben bewährte Praxis“

Kindern das Kopftuchtragen zu untersagen ist für die Schulamtsleiterin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Carla Amina Baghajati, keine Lösung. Muslime hätten eine „bewährte Praxis“, mit solchen Fällen umzugehen, sagte sie gegenüber religion.ORF.at.

Die Regierung will ein Verbot durchsetzen. Am Mittwoch soll der Gesetzesvorschlag der Regierungsparteien für ein Kopftuchverbot in Volksschulen im Unterrichtsausschuss behandelt werden. Der Text besagt, dass "das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist“, Kindern bis zum Alter von zehn Jahren untersagt werden soll.

Begründet wird das geplante Verbot im Initiativantrag von ÖVP und FPÖ mit „der sozialen Integration von Kindern gemäß den lokalen Gebräuchen und Sitten, der Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundwerte und Bildungsziele der Bundesverfassung sowie der Gleichstellung von Mann und Frau“. Auch wird darin argumentiert, dass die „Rechte des Kindes im Vordergrund stehen“ müssen.

„Bewährte Praxis“

Für Baghajati ist dies eine für Musliminnen und Muslime verletzende Argumentation: „Es tut einfach weh, wenn ein Gesetz vermittelt, es müssen die eigenen Kinder vor den Eltern geschützt werden“, sagte sie am Dienstag im Gespräch mit religion.ORF.at. Ein Verbot hält sie für den falschen Weg auf Kinder zu reagieren, die mit einem Kopftuch in die Schule kommen.

Es gebe in der muslimischen Gemeinde eine „bewährte Praxis“, wie bei Fällen von freiwilligem wie auch erzwungenem Kopftuchtragen umgegangen wird. Die IGGÖ argumentierte bereits bei dem Kopftuchverbot für Kindergartenkinder damit, dass es sich um einen Eingriff des „zur religiös-weltanschaulichen Neutralität“ verpflichteten Staates in innere Angelenheiten einer Religionsgemeinschaft handle.

Kopfttuchtragende „nicht zur Heldin machen“

Innermuslimisch würde jedenfalls schon lange ein bisher wenig beachteter Diskurs zwischen Müttern stattfinden, erklärte Baghajati gegenüber religion.ORF.at. Muslimische Frauen setzen sich intensiv damit auseinander und tauschen sich darüber aus, wie Eltern damit umgehen sollen, wenn das Kind etwa schon mit acht Jahren ein Kopftuch tragen will, sagte Baghajati. Empfohlen werde mittlerweile, dem Mädchen zu sagen: „Wir haben dich lieb, ob du ein Kopftuch trägst oder nicht. Wenn du es ausprobieren möchtest, dann ja. Wenn du dich nicht wohl fühlst, dann nimm es wieder runter.“

Früher habe man von Müttern noch öfter gehört: „Je früher desto besser“, damit sich das Kind an das Kopftuch gewöhne, erklärte Baghajati. „Das hat man reflektiert“. Entscheidend sei es, das Kind beim „Mündigwerden“ zu unterstützen und „wenn ein Mädchen ein Kopftuch trägt, sie nicht zu einer Heldin zu machen.“ In den vergangenen 20 Jahren habe sich diesbezüglich sehr viel weiterentwickelt. Bestätigt sieht sich Baghajati dadurch, dass es sich bei kopftuchtragenden Volksschulmädchen um „ein absolutes Randphänomen“ handelt. „Die Regierung spricht hier nie von Zahlen“.

Sendungshinweis

Mehr zum Thmea Kopftuchverbot hören Sie in der Sendung „Praxis - Religion und Gesellschaft“, 16.1.2019; 16.05 Uhr, Ö1.

Einem Mädchen, das für das Kopftuch aus islamischer Sicht eigentlich noch nicht reif ist, einfach Nein zu sagen, hält Baghajati allerdings nicht für sinnvoll. Sie verweist auf das Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, das es zu achten gelte.

Dialog bei Druck durch Eltern

Musliminnen, die selbst ein Kopftuch tragen, berichten mitunter, ihre jungen Töchter würden es den Müttern gleichtun und freiwillig ihr Haar bedecken wollen. An der Skepsis vieler Nicht-Muslime ändert das nichts. Auch Expertinnen und Experten, die der Ansicht sind ein Kopftuchverbot sei der falsche Zugang, um diesem Phänomen zu begegnen, gehen oftmals automatisch davon aus, dass auf die Kinder zumindest Druck, wenn nicht sogar Zwang, ausgeübt wird.

Dass es Eltern gibt, die Mädchen das Kopftuch verordnen, bestreitet die IGGÖ-Schulamtsleiterin nicht. So sei es aber bisher üblich, den wahren Beweggrund der Mädchen herauszufinden - gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Schule sowie den islamischen Religionslehrern und schließlich auch im Gespräch mit den Eltern. In Kooperation mit dem Schulamt der IGGÖ habe man Eltern bereits überzeugen können, „dass es nicht in Ordnung ist, das Mädchen zu zwingen“.

„Egal, was du ausdrücken willst“

Auf die Vermittlungstätigkeit der IGGÖ dürfte die Regierung allerdings nicht setzen wollen. Nachdem sie im vergangenen Jahr ein Kopftuchverbot in Kindergärten eingeführt hat, ist nun die Volksschule an der Reihe. Ein Kopftuchverbot befreie die Kinder vor potenziellem Zwang, sagen Befürworter des Gesetzes. Ein Verbot verletzte das Selbstbestimmungsrecht junger Mädchen, sagen Kritikerinnen und Kritiker.

Für Baghajati ist das Verbot jedenfalls auch frauenpolitisch bedenklich. Denn in der Begründung im Gesetzesantrag heißt es: „Der Begriff weltanschaulich und religiös geprägter Bekleidung stellt darauf ab, wie eine Bekleidung von einem objektiven Betrachter gesehen wird. Es kommt dabei nicht auf die persönliche Absicht des Trägers an. Entscheidend ist, wie diese von Dritten rezipiert wird.“ Den Trägerinnen, also muslimischen Frauen richte man damit aus, „was du selbst ausdrücken willst, ist völlig egal. Es zählt, was der andere sehen möchte.“ Der Betrachter der Frau entscheidet. Ein Blick auf Frauen, so Baghajati, den man eigentlich überwunden glaubte.

Clara Akinyosoye, religion.ORF.at

https://religion.orf.at/stories/2958832/

Kathbild/Franz Josef Rupprecht: Carla Amina Baghajati

Tag der offenen Moschee

Tag der offenen Moschee

Abendland: Von der emotionalen Aufladung zu einem politischen Schlagwort

„Abendland“ ist weniger inhaltlich definiert, als emotional zum identitätsstiftenden Kitt, mitunter Kampfbegriff aufgeladen worden. Somit verwundert die Wiederverwendung in einer Zeit, da man EU- weit um ein gemeinsames Selbstverständnis ringt, kaum. Der FPÖ mit Islamfeindlichkeit als politischem Programm passt „Abendland“ als Projektionsfläche ins Konzept. In Verbindung mit dem Wiener „Anti-Islamisierung“- Slogan baut sich eine aggressive Stimmung gegen alles Muslimische auf. Das Suggerieren eines Bedrohungsszenario soll die moralische Rechtfertigung für Diskriminierung liefern.

So sehr ist „Abendland“ als Chiffre etabliert, dass zunächst nicht auffiel, wie mit „in Christenhand“ dezidiert auch Juden und generell Andersgläubige abgelehnt werden. Während in diesen Tagen der Ruf „Nie wieder!“ an die Verbrechen der Nazizeit erinnert, treffen wir hier auf eine Rhetorik, die bewusst Menschen gegeneinander ausspielt.

Daher war die klare Zurückweisung solcher Hetze durch die christlichen Kirchen von größter Bedeutung. Daran müsste sich ein breiter Diskurs anschließen, inwieweit eine verkürzte Wahrnehmung rund um das Thema „Islam“ aggressiver Propaganda den Boden bereitet. Wenn zu diversen Anlässen an das „jüdisch –christliche Erbe Europas“ erinnert wird, blendet dies das muslimische Element zu Unrecht aus und vergibt einen Anknüpfungspunkt in der Integrationsdebatte. Der Begriff „Leitkultur“ weckt Reminiszenzen an koloniales Überlegenheitsgehabe. Panikmache vor „Islamismus“ kulminiert neuerdings in der Verdächtigung, jedes gesellschaftspolitische Engagement religiöser Muslime in Europa diene eigentlich der Unterwanderung. Doch Ängste müssen ernst genommen werden.

Darum ist bedauerlich, dass der bisherige Verlauf der Wertedebatte kaum auf das Herausstreichen von Gemeinsamkeiten angelegt war. Es gilt der Versuchung zu widerstehen, aus menschlichem Fehlverhalten Einzelner mit ein paar aus dem Zusammenhang gerissenen religiösen Zitaten als pseudowissenschaftlicher Legitimation die Nichtexistenz zentraler Werte im Islam zu konstruieren. Anstatt angesichts sozialer Herausforderungen ein „Hand in Hand“ zu propagieren, würde man sich so wieder nur in Abgrenzungsfantasien verrennen

Je ne auch vorhandene geistige Tradition, die Abendland und Morgenland in ihrer Verflochtenheit aufzeigt und in anerkennendem Respekt auf Kulturleistungen eingeht, verdient Beachtung. Österreichische Namen wie Joseph von Hammer Purgstall stehen dafür ebenso wie Johann Wolfgang von Goethes viel zu wenig bekannte Beschäftigung mit dem Islam. Er sei abschließend zitiert: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“

Carla Amina Baghajati;

Wahlumfrage Nationalratswahlen 2017: IMÖ Fragenkatalog an die Spitzenkandidaten der kandidierenden Parteien

Von den rund 700.000 Musliminnen und Muslimen in Österreich sind sehr viele österreichische Staatsbürger /innen. Sie bilden damit eine bedeutende Wählergruppe und verfolgen den Wahlkampf mit großem Interesse. Denn ähnlich wie bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2016 geht es um eine Richtungsentscheidung, von der sich Musliminnen und Muslime besonders betroffen fühlen.

Im Wahlkampf ist das Thema Islam sehr präsent. Viele Musliminnen und Muslime haben aber bisher den Eindruck, dass in den Debatten über die Terrorgefahr, Islamismus und Flüchtlinge komplexe Thematiken zu wenig differenziert behandelt werden. Pauschalierende  Zuschreibungen über „den Islam“ und „die Muslime“ sind die Folge.  Populistisch zu Feindbildern überzeichnet verstärken sie Ängste und Ressentiments und gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Viele Musliminnen und Muslime haben bisher den Eindruck, dass vor allem über sie und nicht mit ihnen geredet wird. Damit wird die Chance auf eine Versachlichung der Debatte vertan. Viele Fragen bleiben offen.

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen hat in diesem Kontext zentrale Fragen gesammelt, um sie den Spitzenkandidatinnen und – kandidaten der verschiedenen Parteien vorzulegen und die Antworten zu veröffentlichen. Auf diese Weise wollen wir einen Beitrag zu einer fundierten Wahlentscheidung und zu einer Verbesserung der politischen Auseinandersetzung leisten. Die Islamische Glaubensgemeinschaft begrüßt und  unterstützt diese zivilgesellschaftliche Aktion. Nach  ihrem Motto „Integration durch Partizipation“ setzt sich die IGGÖ immer für die politische Teilhabe innerhalb des demokratischen Rechtsstaates ein und ruft zur Wahlbeteiligung auf.

Wir ersuchen, die folgenden Fragen zu beantworten und Musliminnen und Muslime damit eine wichtige Entscheidungshilfe vor der Stimmabgabe am 15. Oktober zu liefern.

1. Gehört der Islam für Sie zu Österreich?

2. Was verbinden Sie persönlich mit dem Stichwort Islam?

3. Sehen Sie Musliminnen und Muslime als relevante Wählergruppe? Wie gehen Sie auf diese zu?

4. In Österreich ist das Verhältnis zwischen dem Staat und den gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften von einem säkularen Kooperationsmodell bestimmt, das lange national und international als vorbildhaft verstanden wurde. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und die Einbindung der Religionsgemeinschaften in das öffentliche und staatliche Leben. Wie bewerten Sie dieses Modell und welche Rolle spielt Religion – auch in Zukunft – für Sie in der Gesellschaft?

5. Welche Werte würden Sie als gemeinsame Werte des Islams und der historisch vom Christentum geprägten österreichischen Mehrheitsgesellschaft bezeichnen?

6. Mit dem Islamgesetz 2015 wurde ein Rahmen für die Institutionalisierung und Professionalisierung  der islamischen Seelsorge in Krankenanstalten und Gefängnissen geschaffen. Diese Aufgabe wurde bisher ehrenamtlich erledigt. Aus der Erfahrung aller Religionsgemeinschaften wissen wir um die große Bedeutung von professioneller und verlässlicher Seelsorge in diesen Bereichen. Wie stehen Sie dazu, dass es gerade für die Personalkosten auch staatliche Unterstützung geben soll?

7. Das Islamgesetz unterscheidet sich in zahlreichen Punkten von den Gesetzen, die die Beziehungen des Staates zu den anderen anerkannten Religionsgemeinschaften regeln. Sehen Sie darin eine Benachteiligung? Wenn nein, warum nicht?

8. Fragen im Zusammenhang mit dem Islam werden heute oft mit Sicherheitspolitik verbunden. Wie stehen Sie dazu? Wie gelingt es, gemeinsam gegen Radikalisierung, Menschen- und Demokratiefeindlichkeit vorzugehen?

9. Eine neue Generation hier geborener und gut ausgebildeter Musliminnen sucht ihren Platz in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt. Viele von ihnen haben sich dafür entschieden, ein Kopftuch zu tragen. Das macht es häufig  schwer, einen Job zu finden. Was sagen Sie dazu? Und was halten Sie im Besonderen von Kopftuchverboten im öffentlichen Dienst?

10. Musliminnen und Muslime nehmen vielfach wahr, dass  mit Integration immer mehr Assimilationsforderungen verbunden sind. Wie gehen wir mit Vielfalt um? Wie stärken wir unseren sozialen Zusammenhalt in einer pluralistischen Gesellschaft?

Über Ihre sehr geschätzte Rückmeldung würden wir uns sehr freuen und sehen Ihren Antworten mit größtem Interesse entgegen.

Beste Grüße,

Tarafa Baghajati,
Obmann der IMÖ, Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
baghajati [at] aon.at

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