Khouja Mouddar

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Stellungnahme der IMÖ zum Entwurf zur Novellierung des Islamgeetzes

Österreich genießt im Ausland den Ruf ein Modelland im Umgang mit dem Islam zu sein, was sich vor allem auf die Tatsache gründet, dass seit 1912 ein eigenes Islamgesetz die Muslime gesetzlich anerkennt. Auf Basis dieser Inklusion konnte sich vor allem seit dem Bestehen der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich 1979 ein Zusammenleben entwickeln, das auch in Zeiten, da die weltpolitische Lage (9/11, so genannte Karikaturenkrise 2006) von Spannungen und Krisen gekennzeichnet war, für Österreich den sozialen und religiösen Frieden wahren half. Eine Art institutionalisierter Dialog zwischen dem Staat, anderen anerkannten Religionsgesellschaften und der Zivilgesellschaft setzte nicht nur wichtige Impulse für ein gesamtgesellschaftliches „Wir-Gefühl“. Auch international konnte und kann Österreich mit diesem substantiellen Dialog, der viele Früchte getragen hat, punkten.

Für die Muslime wurde das staatliche Hineingenommen Werden zur Grundlage für die Ausprägung eines Identitätsgefühls, bei dem es zunehmend selbstverständlich wurde, sich zugleich als Muslim/in und Österreicher/in zu verstehen. Anerkennung ist immer ein beidseitiger Prozess. Denn eine rechtliche Absicherung bringt automatisch mit sich, dass sich eine emotionale Verbundenheit und Bereitschaft für den Rechtsstaat, von dem diese ausgegangen ist, einzustehen bei jenen einstellt, die solcher Weise als Minderheit den Grundsatz der Gleichstellung erfahren können. Muslime in Österreich sind inzwischen zu mehr als der Hälfte österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Mit der Novellierung des Gesetzes verbanden sie große Hoffnungen, dass parallel wie etwa zum Protestantengesetz eine bessere Definition verschiedener Bereiche des religiösen Lebens wie z.B.  die Seelsorge in Krankenanstalten oder die Einrichtung eines Lehrstuhls für islamische Theologie erfolgen würde. Damit versprach man sich auch in der Öffentlichkeit einen weiteren wichtigen Schritt zu gehen, um die rechtliche Anerkennung auch zu breiterer gesellschaftlicher Akzeptanz zu führen. Denn je stärker sich ein spezifisches Profil für die Muslime in Österreich entwickeln kann, desto mehr lässt sich die Gefahr bannen, dass Muslime hierzulande doch wieder vor der Folie von negativen Ereignissen im Ausland gesehen werden, die sie in ein Rechtfertigungseck treiben. Schlimmer noch sind in der öffentlichen Debatte auch immer wieder Forderungen nach „Reziprozität“ aufgetaucht. Musliminnen und Muslime in Österreich sollen aber nicht in Geiselhaft für Verfehlungen und Missstände genommen werden, mit denen sie nichts zu tun haben und auf die sie auch keinen Einfluss nehmen könnten.

Vor diesem Hintergrund ist sehr zu bedauern, dass die Präsentation des Begutachtungsentwurfs ausgerechnet in eine Zeit fällt, da begreiflicher Weise angesichts des terroristischen Wütens extremistischer Gruppen Ängste wach werden und alte Vorurteile und Klischees gegen Muslime aufbrechen. Ein Gesetz, das den alten und bewährten Geist der Anerkennung fortschreibt, wäre hier auch ein Mittel den Kurs Österreichs zu bestätigen, Muslime durch Inklusion an den österreichischen Rechtsstaat zu binden. Dies hat bisher so ausgezeichnet gewirkt, dass sich die breite Öffentlichkeit dessen vielleicht gar nicht so bewusst ist – Erfolgsgeschichten werden schnell für selbstverständlich genommen und schreiben erst dann Schlagzeilen, wenn das Ausland anerkennend das „Modelland Österreich im Umgang mit dem Islam“ lobt. Daher droht auch nicht ausreichend bewusst zu sein, wie viel auf dem Spiel steht, wenn die Novellierung angesichts der aktuellen Begleitumstände auch nur in den Geruch von „Anlassgesetzgebung“ gerät.

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen lehnt daher all jene Passagen im Entwurf, die Misstrauen ausdrücken deutlich ab:

- Die besondere Betonung des Vorrangs staatlichen Rechts. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die sich aus dem allgemeinen Gesetzesrahmen in Österreich ergibt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat sich dieses Bekenntnis in die eigene Verfassung geschrieben. Es hier – anders als bei den Texten der anderen anerkannten Religionsgesellschaften zu unterstreichen, transportiert eine eindeutige Botschaft an die Muslime, sie seien potentiell zu wenig loyal gegenüber dem Staat und bräuchten hier eine Maßregelung, sowie an die Mehrheitsbevölkerung, dass der Staat die Muslime unter spezieller Beobachtung halte.

- Ganz ähnlich in §4 Abs. 3: „Es muss eine positive Grundeinstellung gegenüber Gesellschaft und Staat bestehen.“

- Im Anschluss daran in §5 ähnlich schwammige Formulierungen, was die Gründe betrifft, die den Bundeskanzler ermächtigen, die Rechtspersönlichkeit zu versagen oder zu entziehen. Hier liegt zudem ein Eingriff in die inneren Angelegenheiten vor.

- Dem Verweis auf die nicht statthafte Verwendung des Wortes “Ungläubige” in den Erläuterungen. Das reproduziert den derzeitigen islamkritischen bis islamfeindlichen Diskurs, während Muslime selbst in ihrer Lehre davon ausgehen, dass alle Menschen gleichermaßen von Gott mit Würde begabt wurden (Koran 17:70). Von vorherein anzunehmen, dass Muslime tendenziell diskriminierend gegenüber Andersgläubigen agierten, ist nicht nur sachlich zurückzuweisen, sondern dahinter steht auch eine mangelnde Aufmerksamkeit, sich von Seiten des Staates nicht in die inneren Angelegenheit einer Religionsgesellschaft einzumischen. Denn hier wird sogar eigenmächtig eine – noch dazu falsche! – Interpretation der religiösen Quellen vorgenommen.

An dieser Stelle zeigt sich sehr deutlich, dass gegen Muslime ein Vorverdacht besteht, der dann auch dazu verführen kann, den Gleichheitsgrundsatz zu vernachlässigen. Umso bedenklicher wäre es, wenn diese im Gesetzesentwurf deutlich zu Tage tretenden Verletzungen politisch auch noch damit gerechtfertigt würden, dass Muslime eben „anders“ seien und darum auch „anders“ behandelt werden müssten. Dies würde Pauschalverdächtigungen in den Status berechtigter Bedenken erheben und könnte im schlimmsten Fall das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit an dieser Stelle verletzen.

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen meldet daher ernste Bedenken und große Sorge bei allen Stellen im Entwurf an, wo der Gleichheitsgrundsatz aufgehoben scheint. Dies tritt bei folgenden Punkten besonders hervor:

- § 6, Abs. 2: Bei der Thematisierung der Finanzierung aus dem Ausland. Hier scheint der Gesetzgeber willens, diese möglichst völlig auszuschließen, bzw. nur über Stiftungen zu ermöglichen. Wenn damit die Entwicklung einer österreichisch-muslimischen Identität gefördert werden soll, indem Finanzflüsse aus dem Ausland gekappt werden, so steckt ein Denkfehler darin. Denn es ist nicht richtig, dass finanzielle Unterstützung automatisch auch inhaltliche Einflussnahme bedeuten muss. Muslime in Österreich haben über Jahre hinlänglich bewiesen, dass sie unter dem Dach der Islamischen Glaubensgemeinschaft bestrebt sind autonom zu agieren. Auch in öffentlichen Stellungnahmen wurde die Linie vertreten, dass Einflussnahme aus dem Ausland auf die IGGÖ unerwünscht ist – so wie sich die IGGÖ nicht in die internen Angelegenheiten ausländischer Staaten einmischt. Als praktisches Beispiel seien finanzielle Zuwendungen aus dem Ausland bei der Errichtung des islamischen Friedhofs genannt. Ohne diese hätte dieser nicht errichtet werden können. Selbstverständlich war dies aber eine Spende, die keinerlei Verpflichtung seitens der IGGÖ gegenüber den Spendern mit sich brachte.

- Beim Versuch ausländische Imame aus dem Land draußen zu halten. Natürlich favorisieren auch wir, dass sich ein Prozess entwickelt, der religiöse Multiplikatoren im Inland ausbildet. Die Strukturen dazu sollen ja auch geschaffen werden. Doch darf das nicht zu einer Diskreditierung der Leistungen von derzeit tätigen, im Ausland ausgebildeten Personen führen, bzw. ihnen die Arbeitsgrundlage entzogen werden. Andere Religionsgesellschaften beziehen ihr Personal auch ganz selbstverständlich aus dem Ausland, wenn dies erforderlich ist.

- Die Verwaltung der Mittel, ihre Aufbringung und Rechnungslegung muss als eine innere Angelegenheit betrachtet werden.

- Bei der Mitsprachemöglichkeit der IGGÖ in Bezug auf die Bestellung des Lehrpersonals an der Universität. Hier sind im Vergleich die Regelungen anderer Religionsgesetze (etwas bei den Protestanten) klarer. Beispielsweise müsste es eine Grundvoraussetzung sein, dass ein Lehrstuhlinhaber auch Mitglied der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist.

- Während Priester, Pfarrer und Rabbiner sich auf ein Schweigegebot berufen können, ist dies für Imame nicht vorgesehen. §11, Abs.2. Die fachliche Eignung der Seelsorger ist eine innere Angelegenheit der IGGÖ. Laien dürfen von der Seelsorge nicht automatisch ausgeschlossen werden.

Auch unabhängige Experten haben inzwischen schwerwiegende Bedenken gegen den Entwurf geäußert. Vieles sei nicht ausgereift. Dieser Meinung schließen wir uns an, denn abgesehen von den bereits geäußerten Bedenken werfen die verpflichtende Umwandlung von Vereinen zu Kultusgemeinden und die Behandlung der kleineren Vereine viele Fragen auf.

Dabei wäre schließlich auch ein prinzipielles Erfordernis zu berücksichtigen, mit dem sich spätere Probleme vermeiden ließen: Es braucht unbedingt eine eigenes Gesetz für die Islamische Glaubensgemeinschaft und für die Aleviten. So wie es auch kein „Christengesetz“ gibt, können dermaßen unterschiedliche Religionen nicht in ein Gesetz gepresst werden. Daher sollen unbedingt zwei Gesetze verabschiedet werden: Für Muslime und für Aleviten.

Daher steht zu hoffen, dass die involvierten Personen, Entscheidungs- und Verantwortungsträger, in einer so zukunftsweisenden Angelegenheit sich die nötige Zeit geben, um grundlegend den Entwurf zu überarbeiten.

Wien, 04. November 2014

Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati, Obmann

Dipl.- Ing. Mouddar Khouja, Generalsekretär

IMÖ: Trauer um Ableben von Paul Schulmeister

Aussendung der Initiative muslimischer Österreicher-innen

Die Nachricht vom Ableben unseres langjährigen Freundes Paul Schulmeister hat uns unmittelbar vor dem Opferfest mit großer Trauer erfüllt. Sein erklärtes Anliegen war der Aufbau von Vertrauen zwischen Menschen verschiedener Religionen. Mit seiner Menschlichkeit erfüllte er diesen selbstgewählten Auftrag mit inspirierendem Geist, der zum Impulsgeber für den interreligiösen Dialog wurde. Als erfahrener  politischer Analyst hatte ihn die mögliche Tragweite der Karikaturenkrise 2006 bestürzt und zum Handeln angeregt. So ist seiner Initiative die Gründung der Plattform Christen und Muslime zu verdanken, für die er sich bis zuletzt mit großem Engagement einsetzte. Anlässlich unserer letzten Begegnung bei einem interreligiösen Iftar-Mahl im Bundeskanzleramt wurden gemeinsame Pläne für die Zukunft besprochen.  Wir als Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen und Mitgründer der Plattform Christen und Muslime werden die Arbeit in seinem Geiste und in seinem Andenken weiterführen.  Unser  herzliches Beileid gilt seiner Familie, seinem Freundeskreis und den christlichen Mitgliedern der Plattform Christen und Muslime.

Für die IMÖ Initiative muslimischer Österreicher-innen

Carla Amina Baghajati, Omar AL-Rawi, Mouddar Khouja und Tarafa Baghajati.

Aktuelle Wirtschaftskrise aus muslimischer Sicht

Muslime werden häufig  mit Terror, Frauenunterdrückung und Rückständigkeit in Verbindung gebracht. Das Wort von der "Bereicherung" durch Multikulturalität wird eher belächelt oder als Gutmenschelei abgetan. Dabei hätten Muslime zur derzeitigen Wirtschaftskrise sehr konstruktiv einiges zu vermelden.

Folgende sechs Prinzipien der islamischen Wirtschaftsethik stehen im Vordergrund:

  1. Wirtschaftliche Freiheit nur im Rahmen von ethischen Grundsätzen: Keine Intransparenz in den Eigentümerstrukturen, .keine Monopole, keine Spekulation. Dies soll auch für Banken und Großunternehmer gelten.
  2. Verkaufe nie das, was du nicht besitzt, denn Optionsgeschäfte (Put- und Call Options) werden fast immer zum Zwecke der Spekulation angewandt. 
  3. Zinsverbot; Geld soll kein Geld produziert. Sondern mit Gütern und Dienstleitungen soll Geld gemacht werden.
  4. Fairness bei Partnerschaften; Partnerschaft zwischen Geld und Inhabern von Know How bzw. materiellen Sachgütern ist auf dem Prinzip der fairen Risikoteilung zu gestalten.
  5. Selbstverantwortung: Kein Verkauf von Schulden an Dritte oder Umschuldung.
  6. Nachhaltigkeitsprinzip: Auch wenn der Mensch der rechtliche Besitzer sein kann, ist er damit angehalten keine Ressourcen zu verschwenden sondern maßvoll zu nutzen.

Weiters soll der Staat keine Privatisierungen in den Bereichen des Daseins vornehmen, also bei den natürlichen Ressourcen wie dem Wasser. Eine Regierung darf nicht wie ein Unternehmensmanagement mit der Maxime agieren: Maximierung des "sharholder value".

Homo homini lupus,  "Der Mensch ist des Menschen Wolf". Diese Aussage von Plautus bzw. Hobbes, gibt  die Verhaltensmuster der heutigen Finanzwirtschaft in einem Ausmaß wieder, wie man das bisher nicht geglaubt hatte, oder nicht wahrhaben wollte.

Im täglichen Takt hören wir von Bankpleiten. Die Aktienbörsen melden weltweit starke Verluste.  Auch die Aktien von Unternehmen, der produzierenden Industrie  und nicht nur von Banken bzw. der sonstigen Finanzwirtschaft sind in den Abwärtsstrudel geraten. Die verantwortlichen Manager geraten unter starken Druck und werden schnell und leise ausgewechselt.  Nach den USA  schnüren auch die führenden EU-Politiker Notfallpakete. Für ungeheure Geldsummen werden  Haftungen für Banken übernommen. Damit werden einige Kreditinstitute gerade noch vor der drohenden Pleite aufgefangen. In Europa werden Garantien für Spareinlagen vom Staat übernommen.

Zum Krisenhergang wissen wir, dass der amerikanische Leitzins, der seit 2004 in die Höhe getrieben wird, was die Belastung der Kredit- Rückzahlung und Services erhöht hat und dass der Gier einiger Kreditgeber, die Immobilien höher geschätzt haben als sie wert sind dazu geführt hat, dass Kredite die unglaubliche Summe von 1,3 Billionen USD in der ersten Hälfte 2007 erreicht haben, Viele Kreditnehmer wollten ihre Kredite nicht mehr zahlen, sie hatten ja wenig zu verlieren, denn sie bekamen Kredite ohne das selbstgeleistete, in Europa bei üblichen 20-30 %- tigen, Eigenkapital.

Auf der anderen Seite hat man Aktien, die durch Immobilien- Schuldenverkauf bzw. Umschuldung, geschaffen, die auf dem Weltmarkt gebracht worden. Diese waren nicht viel Wert, Weiters sind mehr Kreditrückzahlungen ausgesetzt worden, was zum 70%-tigen Verlust von US-amerikanischen Immobilienaktien geführt hat.

Viele haben in der Vergangenheit von der Überlegenheit der freien Marktwirtschaft gesprochen und noch mehr Wirtschaftsexperten haben die Selbstregulierungskraft des freien Marktes gepredigt. Wir erleben jedoch, dass die gleichen Experten heute auf Instrumente der Planwirtschaft zurückgreifen und Geldspritzen von Regierungen fordern. Diese können zwar zur temporären Beruhigung der Aktienkurse beitragen, aber das Vertrauen in dieses Wirtschafs-- und Finanzsystem schwindet massiv.

In letzter Zeit setzen einige Banken auf Scharia konforme Anlagen und Bankwesen, wie z.B. Die BNP Paribas mit dem islamischen Fonds. Eine solche Anlage wäre vielleicht auch für Menschen nichtmuslimischen Glaubens sinnvoll, denn neben dem Verbot von Glückspiel, Alkohol, Tabak, Waffen, Pornographie, Biotechnologieunternehmen bezogen auf menschliche und tierische Gentechnik werden auch Bankaktien und Unternehmen mit mehr als 33% Verschulden nicht gehandelt.

Menschen aller Religionen sollen gemeinsam für mehr Gerechtigkeit eintreten. Dazu bietet die islamische Wirtschaftsethik einen sehr interessanten Denkansatz zum friedlichen und sozial wärmeren Miteinander, verantwortungsvoll für heutige und künftige Generationen.

DI. Mouddar Khouja

Geschäftführer Baraka GmbH / islamischer Fondsvertrieb
Mitbegründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Europäische Militärseelsorge zwischen Christentum, Islam und Säkularisierung aus der Sicht der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Muslime in der österreichischen Geschichte

Vor ca. 1000 Jahre haben sich muslimische Kaufleute in heutigen Burgenland bzw. Ungarn niedergelassen. Es war geschichtlich die erste Kontaktaufnahme durch Handelsbeziehung zwischen Österreich und der islamischen Welt.  Der Handel florierte sogar während der zweimaligen Belagerung Österreich 1529 und 1683. Macht- und Okkupationsstreben der damaligen Großmächte leben in der Erinnerung als religiös motivierte Kriege fort, obwohl einzelne christliche Länder auch mit den muslimischen Osmanen kooperierten. Eine Ursache für, bis heute, verwurzelte Ressentiments. In den Kriegszeiten, fand durch den Warenaustausch auch ein kultureller Austausch statt, dessen Erbe längst in Österreich aufgegangen ist. 1718 wurde das passarowitzer Friedensabkommen unterzeichnet, worin für alle türkischen Untertanen die Handelsfreiheit auf dem Gebiet der Monarchie garantiert wurde. 1737 rief Karls VI., dass im Falle der Eroberung Bosniens Schutz und Garantie auf den Besitz der Bevölkerung nur im Falle des Übertritts zum Christentum gibt. 1847 wurde die Akademie der Wissenschaften mit dem Orientalist Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall als erstem Präsident gegründet, Österreich war in engen diplomatischen Beziehungen zur „Hohen Pforte“ in Istanbul, dadurch gab es ein ideales Klima für wissenschaftliche respektvolle Beschäftigung mit dem Orient.

1878 ermächtigte der Berliner Kongress die Donaumonarchie Bosnien Herzegowina zu okkupieren. Durch die staatsrechtliche Annexion von Bosnien Herzegowina 1908 gehörten 600.000 Muslime zur KuK Monarchie.

Ein formulierungsknappes Islamgesetz 1912, der den Anerkennungsstatus, die Garantie der freien und öffentlichen Religionsausübung und der inneren Autonomie in der Regelung der religiösen Angelegenheiten der Muslime der hanefitischen Rechtsschule wurde im Reichsgesetzblatt mit der Nummer 159 verabschiedet. Auf der Basis dieses Gesetzes und mit der Annahme der Statuten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich 1979 durch das Zuständige Kultusministerium wurde die Staatliche Anerkennung einer islamischen Religionsgesellschaft in der Republik Österreich ausgesprochen und somit wurde die Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) die offizielle Vertretung der Muslime mit einem Status „Körperschaft des Öffentlichen Rechtes“.

1989 wurde die Anerkennung von der hanefitischen auf alle sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen (dem Selbstverständnis des Islam entsprechend) durch den Obersten Gerichtshof erstreckt. Heute leben ca. 400.000 Tausend Muslime unterschiedlicher Ethnien und  kulturellen Hintergründen in Österreich.

Muslime in der Armee

Schon im Jahr 1878 seit der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina waren viele Muslime  in der KuK Armee. Imame haben als Seelsorger in der Armee gedient. Im Jahre 1914 zwei Jahre nach dem Islamgesetz gab sogar den ersten Militärmufti (vergleichbar mit einem katholischen Militärbischof oder evangelischen Militärsuperintendent).

Bosnische Muslime bekamen die höchsten Auszeichnungen für Tapferkeit und Loyalität und stellten die Leibgarde des Kaisers. Nach dem ersten Weltkrieg verlieren sich die Spuren der Muslime in der Österreichischen Armee.

In der Gegenwart und nach Informationen des österreichischen Ministeriums für Landesverteidigung aus dem Jahr 2005 betrug die Anzahl der praktizierenden Muslime in Bundesheer 1044. Diese Zahl ist steigend. Ursache dafür ist den Anstieg der Anzahl die in Österreich liebende Muslime in den 90-er des 20-ten Jahrhundert und auch im vermehrten willen zur gesetzlichen Integration nämlich die Einbürgerung zu sehen. Heute sind es ca. 40 Prozent des Gardebataillons Muslime. Dies zeigt auch die Integrationswilligkeit junger Muslime in Bundesheer. Der erste islamische Gebetsraum des Bundesheeres in der Republik Österreich wurde am 20. 02. 2004, in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne eröffnet. Die feierliche Übergabe des Gebetsraums fand nach der Angelobung von Rekruten in der Kaserne statt, bei der erstmals seit 90 Jahren neben einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen auch ein Imam das Wort ergriff.

Islamische Militärseelsorge in Österreich

Soldaten sind während des Militärdienstes besonderen Herausforderungen ausgesetzt und können in zunächst ungewohnte speziellen und möglicherweise stressvollestressvollen Lebenssituationen geratenkommen, sodass sie eine besondere seelsorgerische Betreuung benötigen. Diese seelsorgerische Betreuung möchte die IGGiÖ ihren Mitgliedern in Bundesheer anbieten.

Die Gleichbehandlung aller anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften ist zwar in der Verfassung verankert, jedoch existiert im Text des Islamgesetzes keine Passage mit entsprechender Formulierung zur Gewährung einer islamischen Militärseelsorge für die muslimischen Armeeangehörigen. Trotz eines Gutachtens seitens des Experten Uni. Prof. Dr. Richard Potz mit dem Schlusssatz lautend:

„Dass das Islamgesetz keine Regelung für Militärseelsorge enthält, lässt sich auch aus der mangelnden Verfasstheit der Glaubensgemeinschaft im Jahre 1912 erklären. Solange nicht durch eine Novellierung des Islamgesetzes eine dem Paritätsprinzip entsprechende Regelung erfolgt, wäre die Einrichtung einer islamischen Militärseelsorge durch die zuständige Verwaltungsbehörde ein durchaus gangbarer Weg“gestaltete sich die Verhandlung der IGGiÖ zur Etablierung einer beamteten islamischen Militärseelsorge mit dem BMLV als schwierig, stattdessen hat man sich auf zwei Imame in Ost- bzw. in Westösterreich, die eine islamische Militärseelsorge auf der Basis von freien Werkverträgen versuchen zu starten. Diese Einigung kann aus der Sicht IGGiÖ nur vorübergehend sein.

Über der genannten seelsorgerischen Betreuung als Angebot an den muslimischen Armeeangehörigen wird die Islamische Seelsorge hinaus ein Lebenskunde- Unterricht in regelmäßigen Abständen anbieten. Weiters wird es ein Angebot islamischer rituellen gottesdienstlicher Handlungen wie z.B. die wöchentlichen Freitagsgebete, die in Gemeinschaft verrichtet werden, Trauung, Beerdigungen, besondere Gebete zu besonderen Anlässen, Ansprachen bei besonderen militärischen Feiern, wie Gebete zum islamischen Fastenbrechenfest- und Opferfest und in der speziellen Fastenzeit des Ramadan geben.

Die muslimischen Militärseelsorger werden vom Leitungsorgan der IGGiÖ bestellt, bzw. abberufen. Dies dies geschieht im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Landesverteidigung. Die muslimischen Militärseelsorger werden auf der Basis der Europäischen Imamekonferenzen vom Jahr 2003 und 2006 aber auch die österreichische Imamekonferenz 2005.

Die Erklärungen der Europäischen Imamekonferenzen:

Gemeinsam mit dem österreichischen Außenministerium, Land Steiermark, der Stadt Wien der Stadt Graz, Islamische Glaubensgemeinschaft in Bosnien und der Europäischen Islamischen Konferenz hat die IGGiÖ im Jahr 2003 in Graz und im Jahr 2006 in Wien zwei Imamekonferenzen veranstaltet, wo ca. 200 Imame aus 45 Europäischen Ländern zusammentrafen. Hier eine Auswahl von Themen, die in den Schlusserklärungen vorkamen:

Muslime teilen mit den anderen Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen gemeinsame Normen und Werte. Die Stellung der verwandten monotheistischen Religionen wird dabei besonders hervorgehoben.

Der  Islam ist durch historische und kulturelle Verflechtungen untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden. Sich dessen verstärkt zu besinnen und den konstruktiven Dialog miteinander auszubauen und zu vertiefen, ist eine Bereicherung und vielversprechende Notwendigkei.

Damit der Pluralismus zur Bewahrung von sozialem Frieden und sozialer Gerechtigkeit beiträgt und die Menschen einander näher bringt, dient der Koranvers 49/13 der Orientierung, in dem es heißt: „Oh ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig.“

  • Die europäischen Muslime sind sich ihrer religiösen Identität als Muslime und ihrer gesellschaftlichen Identität als Europäer gleichermaßen bewusst. Die Einbürgerung stellt keinen Widerspruch in theologischer Hinsicht dar.
  • Die islamische Botschaft ist auf Mäßigung gebaut. Daraus resultiert die klare Absage an jegliche Form von Fanatismus, Extremismus und Fatalismus.
  • Die mittelalterliche Einteilung in eine Welt der Gegensätze von „Dar als Islam“ = Haus des Islam und „Dar al harb“ = Haus des Krieges ist abzulehnen.
  • Menschenrechte sind ein zentraler Bestandteil des Islam. Die Würde des Menschen als eines von Gott aus der gleichen Substanz geschaffenen Wesens zu bewahren und aktiv für Menschenrechte einzutreten, ist ein selbstverständlicher Auftrag jedes Muslim und jeder Muslime.
  • Die Muslime müssen ihre Loyalität der Verfassung und dem Gesetz gegenüber auch in deren säkularer Struktur kundgeben.
  • Partizipation auf allen Gebieten ist so ein zutiefst islamischer Grundsatz, der das harmonische und von gegenseitiger Bereicherung getragene Zusammenleben in einer immer pluralistischeren Welt fördert.
  • Sprachenerwerb soll forciert werden. Nur wer die Sprache des Landes, in dem er lebt, beherrscht, kann sich als echter Teil dieses Landes begreifen.
  • Mann und Frau sind im Islam gleichwertige Partner, die gegenseitige Verantwortung tragen und gleich an Menschenwürde sind. Das Recht auf Lernen und Lehre, das Recht auf Arbeit, finanzielle Unabhängigkeit, aktives und passives Wahlrecht, Teilhabe im gesellschaftlichen Diskurs sind  Pfeiler, die den Status absichern sollen. Chancengleichheit und mündige und freie Orientierung soll Frauen ermöglicht werden. Diese grundsätzlichen Aussagen der vorausgegangenen Konferenzen sollen im Folgenden weiter vertieft werden. Denn Frauenanliegen sind von gesamtgesellschaftlichem Interesse.
  • Daher soll jede Form von Verletzung von Frauenrechten kritisiert und bekämpft werden.  Zwangsehe, FGM, Ehrenmorde und familiäre Gewalt haben keine Grundlage im Islam.
  • Die Errichtung von Moscheebauten, die Einrichtung von islamischen  Friedhöfen, das Recht auf Teilnahme im Berufsleben für Frauen mit islamischer Bekleidung und das Recht zum Schächten sind unbedingte Erfordernisse für die muslimische Gemeinschaft. Der Ausbau der Infrastruktur befestigt den sozialen Frieden und schafft Transparenz.
  • Von Seiten der Muslime ist die Ausbildung und Heranbildung der Jugend vordringlich. Hier hat sich das Mittel des in den Schulalltag integrierten Islamunterrichts bewährt. Islamunterricht trägt dazu bei, Differenzen zwischen Tradition und islamischer Lehre aufzuzeigen und zu überwinden. Er fördert die innermuslimische Integration durch die lebendige Vielfalt der teilnehmenden SchülerInnen und schafft somit Identität als Muslime und Europäer. Qualitätvolle, institutionalisierte islamische Bildung ist ein Garant für die Vermeidung von Engstirnigkeit, Fanatismus und Fatalismus. Dazu  gehört die Gründung von Fakultäten zur Ausbildung auf dem europäischen Boden beheimateter islamischer Rechtsgelehrten.

Dipl.-Ing. Mouddar Khouja
persönlicher Referent des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

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