Österreich

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Link zum ORF/Großdemonstration in Wien für Gaza

85 Organisationen und Vereine hatten mit einer gemeinsamen Erklärung zur dramatischen Situation in Gaza eine Demonstration und Kundgebung für Freitag, den 2. Jänner vorbereitet. Nach Polizeiangaben über 5000 Menschen (laut ORF 6000), laut Veranstaltern 8000 bis 10.000 Personen, gingen trotz der eisigen Kälte in Wien auf die Straße, um in einem friedlichen Marsch, der von der Oper über den Ring und den Graben zum Stephansplatz führte, ihre Betroffenheit angesichts der vielen Opfer der israelischen Militärangriffe auszudrücken. Reden in deutscher, türkischer und arabischer Sprache riefen zu einem sofortigen Ende der Militärangriffe und des Massakers in Gaza auf.

Im ORF erschien ein Bericht, der unter diesem Link abzurufen ist:

http://ondemand.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day=2009-01-02&offset=00:04:37

Hier der Text der Erklärung und die Unterzeichnerliste:

Die unterzeichnenden Organisationen und Vereine verurteilen auf das schärfste das mörderische Vorgehen der israelischen Armee gegen die wehrlose Bevölkerung von Gaza. Vor den Augen der Welt werden Zivilisten kaltblütig bombardiert – Zivilisten, die seit über 18 Monaten durch die Abriegelung von Gaza förmlich ausgehungert worden waren und deren katastrophale humanitäre Situation eines Aufschreis der Weltöffentlichkeit bedurft hätte. Bis Ende 2008, d.h. in nur vier Tagen nach den ersten Angriffen ist eine Opferbilanz von mehr als 400 Toten und 2000 Verwundeten und Schwerverletzten zu beklagen. Hinter jedem dieser Opfer steht ein menschliches Schicksal und trauernde verzweifelte Angehörige. Zahlreiche Frauen und Kinder sind unter den Getöteten.

Ungezählt sind die Verletzten, die in den besonders von der israelischen Blockade betroffenen Spitälern kaum die erforderliche medizinische Hilfe finden können. Auch das Töten von Beamten und Polizisten ist ein Kriegsverbrechen, auch wenn sie Uniformierte sind. Diese sind keine bewaffneten Kämpfer, sondern Angehörige des Verwaltungsapparats.

Wir fordern die Weltgemeinschaft auf, allen voran die arabischen Staaten, die EU, die UNO sowie den neuen US Präsidenten Barak Obama, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um dieses Blutbad umgehend zu beenden. Das Gedenkjahr 2008 ist eben zu Ende, und solche Kriegsverbrechen dürfen nicht schweigend zur Kenntnis genommen werden. Der sich ankündigende israelische Wahlkampf darf nicht über die Leichen der Palästinenser geführt werden. Der Krieg gegen den Libanon 2006 hat gezeigt, dass militärische Großoffensiven in keiner Weise einem Friedensprozess förderlich sind. Österreich als Mitglied des Weltsicherheitsrates kommt hier eine besondere Rolle zu. Wir fordern die österreichische Regierung auf diese Verantwortung zu übernehmen. Die bisherige „nicht bindende Erklärung“ ist in keiner Weise ausreichend. Das Töten von hunderten Menschen ist ein Massaker gegen die Bevölkerung in Gaza und muss daher eindeutig verurteilt werden.

Wir rufen gleichfalls die europäische und die österreichische Zivilgesellschaft und die Politik auf, ihre Solidarität mit der leidenden palästinensischen Bevölkerung deutlich auszudrücken. Wir appellieren an die Medien eine sachliche Berichterstattung zu führen. Die schrecklichen Bilder, die in diversen internationalen Sendern ausgestrahlt werden, sind aus journalistischer Informationspflicht zu zeigen. Die vorbildliche Initiative „Licht ins Dunkel“ bitten wir mit einem Teil der gesamelten Spenden den Spitälern in Gaza zu helfen.

Schließlich appellieren wir an die palästinensischen Organisationen, den Versöhnungsprozess voranzutreiben und zu vertiefen, um die Einheit des palästinensischen Volkes zu bestärken.

1. Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
2. Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
3. Islamische Föderation Wien IFW
4. ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
5. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
6. Dachverband der Bosniaken in Österreich
7. Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für die schiitischen Vereine
8. UETD Union of European Turkish Democrats
9. Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
10. Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
11. Frauen in Schwarz (Wien)
12. Muslimische Jugend Österreich MJÖ
13. Österreichisch-Arabische Union
14. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
15. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
16. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
17. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
18. Liga Kultur
19. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
20. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
21. Ägyptische Gemeinde in Österreich
22. Ägyptischer Klub
23. Al’Ahli Fanklub
24. Arabischer Kulturverein
25. Balkanclub
26. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
27. Bildungs- Beratungs- und Kulturzentrum für Migranten
28. Bildungs Förderung (MEKTEB)
29. Bündnis Mosaik
30. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
31. Center for Social and Political Studies
32. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
33. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
34. Eurostudent
35. Forum Muslimischer Frauen Österreich
36. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
37. Im Glashaus -Kunst&Kulturpräsentation
38. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
39. Irakhilfswerk
40. Irakische Gemeinde in Österreich
41. Islamic Supreme Council of Iraq, Vienna Office
42. Islamische Institut Österreich
43. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“
44. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
45. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
46. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
47. JUWA Jugend Föderation Österreich
48. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
49. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
50. Kulturverein Al-Andalus
51. Kuturverein Kanafani
52. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
53. Linkswende
54. Menschenfreunde International
55. Moschee Ahl ul beit Salzburg
56. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
57. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
58. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
59. Muslimischer Akademikerbund
60. Muslimischer Lehrerverein
61. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
62. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
63. Österreichische Islamische Föderation
64. Österreichisch-Türkischer Kulturverein für Freundschaft und Solidarität von Sizir u. Umgebung
65. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
66. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
67. Palästina Forum
68. Palästinensische Gemeinde in Österreich
69. Plattform Islam
70. RAMADAN Internetmedium, Wien
71. SIGN KULTUR und JUGEND Verein
72. SOLMIT Solidarisches Miteinender
73. The colourful world of children
74. TULPE Verein für interkulturelle Orientierung
75. Union albanischer Muslime in Österreich
76. Verband der Ägypter in Österreich
77. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
78. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
79. Verein für Arabische Frauen
80. Verein für Executives Training von WirtschaftsstudentInnen Aktivitäten-FETA
81. Verein Palästinensische Frauen in Europa
82. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
83. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
84. Voneinander Lernen
85. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

Nationalratspräsidentin Prammer überreicht Demokratiepreis 2008

Lupac-Stiftung zeichnet Volksschule und muslimische Initiative aus

Nationalratspräsidentin Prammer überreicht Demokratiepreis 2008 Lupac-Stiftung zeichnet Volksschule und muslimische Initiative aus

Wien (PK) – Nationalratspräsidentin Barbara Prammer überreichte heute im Rahmen eines Festakts im Parlament den Demokratiepreis 2008. Mit dem von der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie gestifteten Preis wurden eine Wiener Ganztagsvolksschule und die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ausgezeichnet. Sie teilen sich das Preisgeld in der Höhe von 15.000 €.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hielt bei der Preisverleihung fest, das Kuratorium der Lupac-Stiftung sei mit großer Überzeugung dem Vorschlag der Jury gefolgt. Unter anderem hob sie das Engagement der beiden Preisträger für eine Stärkung des demokratischen Bewusstseins und für Toleranz hervor. Die Demokratie sei ein sehr filigranes Gebilde, meinte Prammer, das eine aktive Zivilgesellschaft brauche, um nachhaltig abgesichert zu werden. Es sei notwendig, einen Kontrapunkt zum zunehmenden politischen Desinteresse zu setzen, die Volksschule Europaschule in der Brigittenau und die Initiative muslimischer Österreicherinnen und Österreicher agierten hier vorbildhaft. In diesem Zusammenhang verwies Prammer auch auf die Notwendigkeit, politische Bildung zu forcieren, wobei sie die Schule und die Politik gleichermaßen gefordert sieht.

Bernhard Perchinig von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften machte darauf aufmerksam, dass 15 Prozent der in Österreich lebenden Menschen nicht in Österreich geboren seien und in den österreichischen Haushalten mehr als 50 Sprachen gesprochen würden. Die soziokulturelle und sprachliche Vielfalt in Österreich ist damit seiner Meinung nach durchaus mit traditionellen Einwanderungsländern wie den USA und Kanada vergleichbar. Hinter den Zahlen stecke eine große Integrationsleistung, unterstrich Perchinig, sowohl seitens der Zugewanderten als auch seitens der einheimischen Bevölkerung.

Eine positive Grundhaltung gegenüber kultureller Vielfalt und ein wertschätzender Umgang mit Verschiedenheit habe sich allerdings erst in den 1980-er Jahren entwickelt, gab Perchinig zu bedenken. Zudem hinke die Integration im Bereich der politischen Teilhabe nach wie vor hinten nach. Politische Parteien und Institutionen öffneten sich nur langsam für ZuwanderInnen. Gleichzeitig ist laut Perchinig die Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe wieder im Zunehmen begriffen. Diese negative Entwicklung könne den Weg Österreichs zu einer offenen Gesellschaft aber nur erschweren und nicht unbegehbar machen, zeigte er sich zuversichtlich. Die beiden Preisträger sind für ihn, wie er sagte, gute Beispiele dafür, wie man mit Vielfalt produktiv umgehen könne.

Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, begründete die Auswahl der Volksschule Europaschule durch die Jury. Unter den zahlreichen Einreichungen habe es eine Reihe spannender, interessanter und innovativer Bewerbungen gegeben, skizzierte er, die Ganztagsvolksschule sei jedoch nicht zuletzt durch ihr ungewöhnliches Leitbild besonders hervorgestochen. Die Schule schätze etwa kulturelle Vielfalt, wolle zur Weltoffenheit erziehen und unterstütze eigenverantwortliche, demokratische Projektarbeit. Darüber hinaus hob Rathkolb die angebotenen Sprachkurse für Mütter mit Migrationshintergrund und die Wahl von Schülerräten hervor. In jeder Klasse wird jeweils ein Mädchen und ein Bursche gewählt und diese dann in Entscheidungen der Schule eingebunden.

Zweiter Preisträger ist die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen. Die Initiative besteht seit nunmehr bald zehn Jahren und hat sich, wie die zweite Laudatorin, VfGH-Vizepräsidentin Brigitte Bierlein erklärte, unter anderem eine stärkere Beteiligung von Muslimen am politischen und öffentlichen Leben nach dem Motto "Integration durch Partizipation" zum Ziel gesetzt. Gleichzeitig fungiere sie unter dem Leitgedanken "Nicht über Muslime reden, sondern mit ihnen" als Mittlerin zwischen Religionen und Kulturen. Die Initiative mache deutlich, sagte Bierlein, dass es möglich sei, die Identität als Muslim/in mit dem Bewusstsein der Zugehörigkeit zu Österreich und zu Europa zu verbinden. Als konkrete Projekte der Initiative führte die VfGH-Vizepräsidentin u.a. den Tag der offenen Moschee, Fortbildungsveranstaltungen für die Exekutive, die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie Schulprojekte an.

Der Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung wurde heuer zum dritten Mal verliehen. Eine Jury unter dem Vorsitz des Politikwissenschafter Manfried Welan wählte die Preisträger aus insgesamt 70 Bewerbungen aus.

Eingerichtet ist die nach ihrer Geldgeberin Margaretha Lupac benannte Stiftung beim Parlament. Ihr Ziel ist es, den Gedanken der Demokratie und des Parlamentarismus zu fördern und das Prinzip der Toleranz im Diskurs über Fragen der Politik, der Kunst und der gesellschaftlichen Entwicklungen zu festigen. Im kommenden Jahr wird die Stiftung wieder einen Wissenschaftspreis ausschreiben.

Der heutige Festakt im Parlament wurde durch das Nexus-Quartett musikalisch umrahmt. (Schluss)

Österreichs Muslime verurteilen Terror Mumbai

Islamische Glaubensgemeinschaft: "Gewalttaten aufs Schärfste verurteilt"  

Wien - Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich hat sich gegen die Terrorwelle in Mumbai ausgesprochen. "Die terroristischen Gewalttaten in Mumbai werden von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich aufs Schärfste verurteilt", heißt es in einer Aussendung der Religionsgemeinschaft am Freitag.

"Während sich Hunderttausende Muslime spirituell auf die Pilgerfahrt nach Mekka vorbereiten und dabei ihre persönliche Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben reflektieren, erschüttern die grausamen  Gewalttaten - sich zu Unrecht auf den Islam berufender Terroristen - die Weltöffentlichkeit", ist weiter zu lesen.

Der Einsatz von Terror und Gewalt sei ein "Irrweg, der außer menschlichem Leid Unschuldiger nur neuerliche Aggression und damit einen Teufelskreis der Gewalt mit sich bringt".       

"Menschenverachtend"

Wer zum Erreichen bestimmter Ziele Opfer in der Zivilbevölkerung, Tod und  Zerstörung in Kauf nehme, agiere "menschenverachtend". "Keine religiöse Legitimierung findet sich in den Quellen des Islam für das, was sich derzeit im früheren Bombay abspielt.

"Die Wichtigkeit des Betonens gemeinsamer Werte und damit die Zurückweisung von Terror sei gerade in einer immer pluralistischer erscheinenden Welt von Bedeutung, heißt es seitens der Religionsgemeinschaft. Für Muslime könne die Konzentration darauf, dass Frieden mit individuellem Handeln verbunden ist, ein "Ansporn" sein, sich auf diesem Weg einzusetzen.

 

Demokratiepreis 2008: Laudatio Fr. Dr. Brigitte Bierlein im Parlament

Laudatio von Fr. Dr. Brigitte Bierlein, Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes anlässlich der Preisverleihung im Parlament am 13. November 2008

Sehr geehrte Frau Präsidentin, Herr Präsident, geschätzte Festgäste!

Es ist mir eine Freude, zum zweiten Preisträger, dem Verein Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen, zu sprechen. Ihre fünf Mitgründer sind anwesend, stellvertretend darf ich den Obmann, Herrn Dipl. Ing. Baghajati, nennen.

"Nicht über Muslime reden, sondern mit ihnen", ist ein wesent­liches Motto der Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Impulse in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Bereichen zu geben und Brücken zu bauen.

Die Initiative wurde iJ 1999 zur Förderung der Integration von Muslimen und der Korrektur des oft verzerrten Bildes des Islams in der Öffentlichkeit gegründet. In den fast 10 Jahren ihres Bestehens hat die Initiative einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz und zur "Integration durch Partizipation" geleistet. Dies ist auch deshalb besonders bedeutend, weil die Arbeit der Initiative durch die tragischen Ereignisse des 11.9.2001 in den USA, die auch in Teilen Europas zu einer verstärkt negativen Haltung gegenüber Angehörigen des Islams geführt hat, nicht gerade erleichtert wurde.

Durch Vernetzung innerhalb der Zivilgesellschaft, u.a. durch Beteiligung am Europäischen Netzwerk gegen Rassismus, durch gezielte Projektarbeit und offenen Dialog lebt die IMÖ Demokratie als eigenständigen Wert vor. Dieser Wert erschöpft sich nach dem Verständnis der Initiative nicht in der Wahrnehmung des Stimmrechts bei Wahlen; vielmehr wird die Teilhabe an der gesellschaftlichen Verantwortung für ein respektvolles Miteinander über Religionen und Kulturen hinweg gefördert und damit ein Zuwachs an Akzeptanz im sozialen Umfeld von Österreicherinnen und Österreichern mit muslimischem Hintergrund erreicht.

Hervorzuheben sind die innovative Medienarbeit der Organisation, frauenspezifische, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördernde Projekte, der Tag der Offenen Moschee und Schulprojekte mit Dialogveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrerinnen und Lehrer sowie Fortbildungsveranstaltungen für die Exekutive. Besonders freut mich, dass bereits ein neues Projekt gemeinsam mit der anderen Preisträgerin, der Ganztags­volksschule Europaschule, initiiert wurde; ein schönes Zeichen für die Nachhaltigkeit der Lupac-Stiftung.

In der Tat ist die Förderung des Wissens über die Möglichkeiten der Partizipation an den demokratischen Einrichtungen in Österreich ein wesentlicher Schlüssel zur Integration.

Die IMÖ hat mit ihren ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern erfolgreich den Beweis angetreten, dass die Identität als Muslim/ als Muslimin und die Zugehörigkeit zu Österreich und zu Europa - entgegen weit verbreiteter anderer Meinungen - kompatibel ist. Frauen und Männer arbeiten in der Initiative völlig gleichbe­rechtigt zusammen; die Öffentlichkeitsarbeit und die Vertretung nach außen erfolgt in der IMÖ unter der Ägide einer Frau - ein in muslimischen Organisationen wohl singulärer Ansatz! Ein Grund für den Erfolg der IMÖ liegt im Vertrauen der Basis; die Initiative ist für alle Muslime da, unabhängig von der ethnischen Herkunft oder rechtsschulischen Zugehörigkeit.

Erwähnung verdient auch die Nominierung der IMÖ im Österreichkonvent zur Abgabe einer muslimischen Stellungnahme.

Die IMÖ nimmt ihre Rolle als Mittlerin zwischen Religionen und Kulturen aktiv wahr. Sie hat bei den Imame-Konferenzen in den vergangenen Jahren in Graz und in Wien, die von der Islamischen Glaubensgemeinschaft gemeinsam mit dem österreichischen Außenministerium veranstaltet wurden, entscheidend mitgewirkt. Veranstaltungen der IMÖ im interreligiösen Bereich, gemeinsam mit jüdischen und buddhistischen Organisationen, bieten ein gutes Beispiel dafür, dass das Eintreten gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sowie für ein respektvolles Miteinander ein wichtiges Anliegen aller Religionen ist.

Europa, einst klassischer Auswanderungskontinent, ist längst zu einem Einwanderungskontinent geworden. Österreich gehört mit einem Anteil von fast 15% im Ausland geborener Bevölkerung - Dr. Perchinig hat darüber in seiner Festansprache schon referiert - weltweit zu den relativ großen Einwanderungsländern.

Ein beachtlicher Teil der MigrantInnen sind Muslime und Musliminnen oder stammen aus Ländern mit islamischer Tradition. Islamische Vielfalt wurde in den letzten Jahrzehnten nach Europa gebracht, der Islam ist auch in Österreich zu einer festen Größe geworden. Inzwischen leben drei Generationen von MigrantInnen hier; der "Gastarbeiterstatus" sollte überwunden sein, Zuwanderer sind zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen, sozialen und politischen Lebens geworden.

Die liberalen Verfassungen Europas eröffnen breite Freiräume für individuelle Lebensgestaltung. Zu den unverzichtbaren Grundlagen zählen die Achtung der Menschenwürde, das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip, Gewaltenteilung, Mehrheitsentscheidung und Minderheitenschutz sowie die Grundrechte, wie Gleichberechtigung der Geschlechter, Meinungs-, Glaubens- und Bekenntnisfreiheit und der Schutz des Privat- und Familienlebens.

Integrationspolitik ist nicht Politik für Migranten, sondern Politik für das gesamte Gemeinwesen; Integration ist ein zweiseitiger Prozess, der Leistungen von Zuwanderern ebenso verlangt wie von der Aufnahmegesellschaft; nicht nur die Eingliederung in eine bestehende Ordnung, sondern auch das "Hineinlassen" ist erforderlich.

Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten sind wesentliche Voraus­setzungen für das Gelingen von Integration. Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat in Österreich seit 1912 - also bald 100 Jahre -  gesetzlich anerkannten Status, somit günstige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Integrationsprozess. Die Arbeit der Initiative in Österreich, einem säkularen pluralistisch-demokratisch begründeten und gerade nicht sekularistischen politischen System, gibt gestaltende Kraft.

Es ist daher in der Tat vereinbar, Muslime, gleichzeitig aber Österreicher und Europäer zu sein. Die Vermittlung dieser Überzeugung ist von großer Bedeutung, um die Jugend auf beiden Seiten - mit und ohne muslimischen Hintergrund - gegen Radikalisierungsversuche zu immunisieren. Der demokratische Rechtsstaat ist nicht als bloßes Konzept, sondern nur in gelebter Praxis zukunftsfähig.

Die IMÖ hat mit ihren Beiträgen demokratiepolitische Partizipation vorgelebt, die Rechte von Frauen gestärkt, offene Kommunikation mit der österreichischen und europäischen Gesellschaft gepflogen, ein positives Bild von Muslimen und Musliminnen gezeichnet und die Jugend in ihre Projekte miteinbezogen; sie hat damit Vorbildwirkung zur Unterstützung eines erfolgreichen Integrationsprozesses, zum friedlichen Miteinander verschiedener Kulturen entfaltet.

"Heimat sind die Menschen, die wir verstehen und die uns verstehen", hat Max Frisch gesagt. In diesem Sinne hat die IMÖ viele einem Stück Heimat in der Demokratie Österreich und in einem starken Europa näher gebracht; dafür gebührt ihr der heute verliehene Preis. Herzlichen Glückwunsch!

Dr. Brigitte Bierlein

 

"Entspannter Umgang" mit dem Kreuz

"Zu schwach" für religiöse Symbole in Kindergarten und Klassenzimmer? derStandard.at fragte Religionsvertreterinnen, Pädagoginnen und Schüler nach ihrer Meinung

Kreuz oder nicht Kreuz: Linzer PolitikerInnen streiten derzeit über das Kruzifix an Kindergärten. Eigentlich gesetzlich im Kinderbetreuungsgesetz geregelt, hält es die SPÖ nicht für notwendig, das religiöse Symbol an den Wänden anzubringen. Das stößt der ÖVP bitter auf.

Mögliche Provokation

Pflicht ist das Kreuz in Oberösterreichs Kindergärten nur, wenn die Mehrheit der Kinder einem christlichen Glaubensbekenntnis angehören. Dieselbe Regelung findet sich im niederösterreichischen Kindergartengesetz.. In Tirol, Burgenland und Salzburg müssen unabhängig von der Religionsmehrheit Kruzifixe aufgehängt werden. Die Länder Vorarlberg Steiermark, Kärnten und Wien machen über religiöse Symbole im Kindergarten keine Angabe.

Für Heidemarie Lex-Nalis von der Plattform Educare, einer Vertretung von KindergartenpädagogInnen ist das der richtige Weg: "Eine gesetzliche Festlegung ist nicht mehr zeitgemäß", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at. Trotzdem findet sie, dass das Kreuz zur österreichischen Kultur gehört und deshalb in Bildungseinrichtungen auch gerechtfertigt ist. "Wenn aber die Mehrheit der Kinder einer nicht-christlichen Religion angehören, dann muss man schon fragen, ob das noch angebracht ist", so Lex-Nalis. Da könnte das Kreuz an der Wand sogar "eine Provokation von andersgläubigen Eltern und Kindern" sein.

Vielfalt sichtbar machen

Carla Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sieht das jedoch gelassen: "Die katholische Prägung hierzulande ist eine Tatsache. Damit haben auch muslimische Eltern kein Problem". Sie ist für einen entspannten Umgang mit dem Thema. Es gehe ihr darum, die Vielfalt in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen, und das Kreuz an der Wand trage auch dazu bei.

Und wie kann der islamische Glaube in den Kindergärten sichtbar gemacht werden? „Im Islam gibt es im Vergleich zum Christentum kaum religiöse Symbole. Aber als Zeichen könnte man zum Beispiel einen Koranverb in Kalligrafie an der Wand anbringen", schlägt Baghajati vor. Für sie sei das jedoch kein Muss, aber "eine schöne Geste".

Privatsache Religion

Die AuslöserInnen der Diskussion um die Kruzifixe sind für Elisabeth Maurer, Fachinspektorin für Religion des Wiener Stadtschulrats, nicht Angehörige "anderer" Religionen, sondern jene, die gar keinen religiösen Glauben haben: "Da frage ich mich: sind die zu schwach dafür?"

Für sie hat das Kreuz einen unumstrittenen Fixplatz im Klassenzimmer - und auch im Kindergarten. In ihrer Zeit als Religionslehrerin waren religiöse Symbole in der Schule zwar hin und wieder ein Thema, aber: "Es stört die LehrerInnen kaum, und auch nicht die SchülerInnen oder Eltern."

Das sieht Klaus Baumgartner, Vorsitzender der Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) ganz anders: "Für SchülerInnen ohne christlichem Glaubensbekenntnis ist es unangenehm, wenn ihnen ein religiöses Symbol vor Augen gehalten wird", meint er gegenüber derStandard.at. Religion sei Privatsache und habe deshalb an Schulen nichts zu suchen.

Matthias Hansy, Bundesobmann der Schülerunion, versteht zwar die Diskussion, hat gegen das Kruzifix in der Klasse aber "nichts einzuwenden, weil es ja österreichische Kultur ist".

(lis,derStandard.at, 3.11.2008)

Islamische Verbände in Österreich sorgen sich um Christen im Nordirak

Muslimische Gruppen sehen religiöse Vielfalt gefährdet

Wien (APA) - Mehr als ein Dutzend islamischer Verbände in Österreich haben am Montag die jüngsten Verfolgungen und gewalttätigen Übergriffe gegen Christen im Nordirak verurteilt. In letzter Zeit häuften sich Berichte zu Übergriffen gegen die christliche Bevölkerung in der Region rund um die nordirakische Metropole Mossul (Mosul). Die Verbände sehen es laut einer Aussendung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) als ihre "religiöse Pflicht" an, "diese Entwicklung aufs Schärfste zu verurteilen", und rufen zu Toleranz und Respekt auf. Die irakische Regierung solle zudem "endlich für die Sicherheit der Bevölkerung" sorgen.

"Die christliche Minderheit war immer schon ein Zeichen der ethnischen und religiösen Vielfalt des Irak", heißt es in der Aussendung. Sie habe ihre Kultur so pflegen können, dass sie etwa "bis heute die aramäische Sprache, die Sprache Jesu, beherrscht und verwendet". Es gebe eine lange Tradition gegenseitigen Respekts zwischen Muslimen und Christen in der Region.

Nach Auffassung der unterzeichnenden Verbände "war und ist die Pflicht der Muslime", Toleranz und Respekt gegenüber der religiösen Minderheit zu leben und das Recht auf Religionsausübung zu gewährleisten. Aufgrund der bisherigen friedlichen Koexistenz der verschiedenen Religionen im Norden des Golfstaates hoffen die islamischen Verbände in Österreich, dass "die muslimische Mehrheitsbevölkerung in Mosul ihren Beitrag leistet und gegen die Gewalt ein klares Wort spricht".

Kritik wird in der Aussendung an den USA laut. Die Spannungen seien "eine direkte Folge der US-Invasion im Irak". Der jüngst erfolgte US-Angriff auf Syrien sowie Rufe nach einen militärischen Angriff auf den Iran gäben zusätzlichen Grund zur Sorge.

(Schluss) fpr/rok/mp

Mekka-Blick im Wiener Grab

Früher wurden verstorbene Muslime häufig in Linienflugzeugen in ihre alte Heimat geflogen

  • Erste Beisetzung auf dem islamischen Friedhof in Wien.
  • Bestattung in Österreich im Trend.

Wien. Das Flugzeug hebt ab – aufgeregte Passagiere schwätzen, schauen aus dem Fenster oder freuen sich auf die Bordküche. Ohne zu wissen, dass eine Leiche mit an Bord ist: Ein verstorbener Muslime auf seiner letzten Reise von Österreich zurück in die ursprüngliche Heimat.

"Jährlich organisieren wir etwa 200 solcher Rückflüge", erklärt ein Sprecher der türkisch-islamischen Union "Atib". Für diese gibt es weder eigene Flugzeuge, noch finden sie zu speziellen Zeiten statt. Vielmehr gelangen die Verstorbenen auf üblichen Linienflügen an ihr Ziel.

Der Trend der Muslime in Österreich geht laut Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der islamischen Glaubensgemeinschaft (IG) in Wien, jedoch eindeutig in die Richtung, hier begraben zu werden – eine Gemeinsamkeit von Muslimen und Katholiken sei nämlich das regelmäßige Besuchen des Grabes durch Familienangehörige.

Bestattung in Tüchern

Daher begrüßte die IG die Eröffnung des islamischen Friedhofs im Süden Wiens Anfang Oktober, auf dem diese Woche der erste tote Muslime bestattet wird. "Bis zu 4000 Tote sollen hier ihre Ruhe finden", meint der Integrationsbeauftragte der IG, Omar Al-Rawi. "In ganz Österreich gibt es keinen Friedhof dieser Art", ergänzt Baghajati, "alle Gräber bis jetzt waren Behelfslösungen und dennoch sehr begehrt."

So hat etwa der Friedhof St. Martin in Linz bereits vor 20 Jahren einige Parzellen auf einem abgegrenzten Areal für die Beerdigung verstorbener Muslime zur Verfügung gestellt. Laut dem Linzer Bestatter Mohammed Merah ist heute nur mehr wenig Platz vorhanden, weshalb er einen eigenen, größeren Friedhof für Muslime fordert. Auch Graz und Altach in Vorarlberg diskutieren schon seit längerem über die Errichtung eines solchen.

Die begehrte islamische Bestattung in Österreich hat laut Baghajati auch finanzielle Gründe: Ein Leichentransport in die ursprüngliche Heimat koste mehrere tausend Euro. Ein Großteil der Muslime gehöre einem Verein – wie etwa "Atib" – an, der solche Rückflüge organisiert und finanziert: Die Gesamtsumme aller Transporte eines Jahres wird regelmäßig unter den Mitgliedern aufgeteilt.

"Die Kosten für einen Transport beinhalten die Mitreise einer Begleitperson, den Leichenwagen zum Flughafen und den Sarg für die Reise", erklärt "Atib". Auf letzteren wird bei der islamischen Bestattung üblicherweise verzichtet – der Verstorbene wird in Tücher eingewickelt begraben, "aber in Österreich gelten eben andere Regelungen", meint der Sprecher.

Auch mit der Tradition, den Leichnam innerhalb von 48 Stunden nach seinem Tod zu begraben, muss manchmal gebrochen werden. "Falls eine kriminelle Handlung hinter dem Tod vermutet wird oder ein Verkehrsunfall dahinter steckt, können die Untersuchungen länger dauern", sagt der Sprecher. Ist der Muslime aber eines natürlichen Todes gestorben und die Sterbeurkunde wird schnell genug ausgestellt, könne das Begräbnis mitunter noch am Sterbetag erfolgen.

Rituelle Totenwaschung

"Das ist der Idealfall der islamischen Bestattung", erklärt Baghajati. Zu den Ritualen zähle außerdem, den Verstorbenen mit Blick auf die für Muslime heiligste Stadt Mekka in Saudi-Arabien in sein Grab zu legen. Ganz anders als im Katholizismus wird auf Blumenschmuck und Kerzen jedoch verzichtet. "Wir sehen es eher als Ehre, Geld zu spenden und nicht für Grabbeigaben auszugeben", meint die Medienreferentin.

Tradition hat auch die Totenwaschung, wofür auf dem islamischen Friedhof in Wien extra Flachbauten neben der hohen Aufbahrungshalle errichtet worden sind. Außerdem können nach islamischem Glauben Gräber kein zweites Mal benutzt werden – wodurch sich laut "Atib" für die etwa 200.000 Muslime in Österreich ein Platzproblem auf dem Wiener Friedhof ergeben könnte.

Der erste, auf dem islamischen Friedhof in Wien bestattete Muslime wird laut Baghajati – nach österreichischer Vorschrift – in einem Sarg liegen. Das sei zwar ein Verstoß gegen das islamische Ritual, aber dennoch kein wesentlicher, "denn im Tod sind wir alle gleich."

Printausgabe vom Mittwoch, 29. Oktober 2008

Jörg Haider - ein Freund der Moslems? Leserbrief Baghajati in der Wienerzeitung

Zum Artikel von Arian Faal, 14. Oktober 2008:

Es wäre für eine ausführliche Berichterstattung wichtig, die Meinung der österreichischen Muslime zu hören oder zumindest zu erwähnen. Leider kann die Feststellung "Ein Freund der Moslems" auch unter Anführungszeichen nicht bestätigt werden. Es ist natürlich jetzt der falsche Zeitpunkt, dies zu thematisieren, es bleibt aber trotz Anteilnahme und Mitgefühl am tragischen Tod Jörg Haiders ein Faktum, dass unter seiner Führung Islamfeindlichkeit salonfähig gemacht wurde.

Unter seiner Führung wurden die ersten Gesetze gegen Moscheebauten erlassen. Die Aussage "Österreich den Österreichern" im letzten BZÖ-Wahlkampf impliziert nicht gerade eine Anerkennung der muslimischen Bürger Österreichs beziehungsweise anderer Minderheiten.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich in Österreich irgendwann eine Partei ähnlich wie die FDP in Deutschland etabliert und mit liberalen Ansätzen den rechten Ansätzen von FPÖ/BZÖ Konkurrenz macht, anders als Heide Schmidt, die FPÖ/BZÖ offenbar keinerlei Stimmen gekostet hat. Das BZÖ hätte meines Erachtens im Moment die besten Chancen, sich in dieser Richtung zu entwickeln, ob die jetzigen Protagonisten den Mut dazu aufbringen, bleibt aber zweifelhaft.

DI Tarafa Baghajati 1140 Wien

Persönliche Fehde oder repräsentatives Handbuch?

Thomas Schmidinger will mit seinem neuen Handbuch einen "fundierten Überblick über die Strömungen und Vernetzungen des politischen Islam" geben.

In Zeiten wie diesen ist ein Buch, das einen "differenzierten Blick" auf "den Islam" und "die MuslimInnen" verspricht, notwendiger denn je. Neben all dem Medienwirbel über die terroristische Gefahr des Islam seit 9/11, Madrid und London und den islamfeindlichen Werbeslogans nicht nur rechter Parteien in Österreich, erhofft der Mensch sich ein Werk, das wirklich zu Differenziertheit und mehr Klarheit über die MuslimInnen in Österreich beiträgt.

Dem Werk ist zugutezuhalten, dass es durchaus versucht, in Anknüpfung an wissenschaftliche Diskurse zu Begriffen wie "politischer Islam", "Islamismus", etc. die Vielschichtigkeit dieser im Alltagsverständnis oft sehr undifferenziert verwendeten Wörter aufzuzeigen. Das "Handbuch" erscheint teilweise wie eine inhaltlich und literarisch nicht nahtlos ineinander übergehende Zusammenstellung von Abhandlung junger StudentInnen.

Wissenschaftlich oder journalistisch?

Auch einseitige – aber durchaus klar formulierte – Positionierungen zu Fragen der Säkularität und des Säkularismus zeigen den ideologischen Gehalt des Werkes. Der Versuch, das Buch als äußerst objektiv zu präsentieren, wird mit der Argumentation unterstützt, dass ohnehin die Mehrheit der mitwirkenden AutorInnen dem islamischen Kulturkreis entstammen.

Etwas verwunderlich erscheint der Mix aus wissenschaftlichem Anspruch und der Speisung von Informationen aus dem Aufdeckungsjournalismus. So entnehmen die AutorInnen ihre Informationen über verschiedene islamische Organisationen von Personen, die selbst in einem Konkurrenzkampf zu den beschriebenen islamischen Organisationen stehen.

Nach der Auflistung verschiedener Verdächtigungen, wird die wissenschaftliche Haltbarkeit dieser Informationen angezweifelt, womit sich die Frage stellt: Wozu all dies? Das Buch - ist zu befürchten - wird in erster Linie islamfeindlich agierenden Persönlichkeiten wie FunktionärInnen der FPÖ, zur Argumentation ihrer ausgrenzenden Politik dienen, als dass es Aufklärung mit sich bringt.

Einseitiger und ideologischer Schreibstil

Das Handbuch bedient sich – entgegen der selbst verschriebenen Intention – islamfeindlichen Stereotypen, die im parteipolitischen Gezanke oft gegen MuslimInnen erhoben werden, wie auch Begriffen wie "Parallelstrukturen in Europa" (anstatt des FPÖ-Jargon Parallelgesellschaft). Das Buch versucht auch internationale Verbindungen einzubeziehen, um das Geschehen des politischen Islam in Österreich nachvollziehbar zu machen, tendiert aber zu einer sehr einseitigen Interpretation, die im wissenschaftlichen Diskurs zu diesen Thematiken nicht dem Mainstream entspricht (siehe etwa Beiträge von Kroissenbrunner oder Feichtinger und Wentker).

Auch die Betrachtung der jüdisch-islamischen Beziehungen wird trotz Verweise auf Schriftsteller wie Bernard Lewis sehr selektiv rezipiert. Ebenso Geschichten über MuslimInnen in der NS-Zeit. So wird über den Mufti von Palästina ausgiebig berichtet, die Aktivitäten des Islamischen Kulturbundes und dessen Anti-Nazi-Aktivitäten nur in einem Satz erwähnt.

Der Verdacht, dass hier bestimmte Interessen und auch Ideologien bei den AutorInnen mitspielen, zeigt sich etwa in der Anmerkung Larises, wonach das Konzept des Postsäkularismus (Jürgen Habermas) "als eine weitere Maske heuchlerischer Toleranz" zu deuten sei.

Trotzdem ist es ein erster Versuch, die muslimischen Verbände etwas mehr in die Öffentlichkeit zu rücken und sichtbarer zu machen. Es scheint jedoch fraglich, ob ein solcher Beitrag ein geeigneter Beitrag dazu ist. Das "Handbuch" sollte unter dem Strich, als ein wenig mehr als die Fortsetzung einer persönlichen Fehde zwischen Herrn Schmidinger und seinen Lieblingen Al-Rawi und Tarafa Baghajati zu werten sein, die uns diese AkteurInnen bisher in den österreichischen Tageszeitungen boten.

Schmidinger, Thomas/Larise, Dunja: Zwischen Gottesstaat und Demokratie – Handbuch des politischen Islam. Deuticke Verlag. 2008

 

 

Ins Islamismus-Eck gestellt

Ein Handbuch verspricht eine differenzierte Auseinandersetzung mit der muslimischen Community in Österreich. Leider hält es das Versprechen nicht.

Die 'theoretischen Grundlagen' sind gedankliche Verrenkungen, die die Generalaussage stützen sollen: Praktizierende Muslime dürfen nicht politisch denken und handeln.

"Multikulti ist tot", ließ die Wiener Integrationsstadträtin Frauenberger (SPÖ) jüngst verkünden. Die ÖVP schickt die Minister Hahn und Fekter in den Kulturkampf und führt einen islamophoben Wahlkampf, indem die Muslime gar nicht mehr explizit angesprochen werden. Die Zuschreibungen zum Thema Islam sind derart mächtig, dass ohnehin jeder weiß, wer da mit "rückschrittlicher Kultur", "Ehrenmorde" und "Klitorisverstümmelungen" gemeint ist. Die FPÖ hängt dem rechten Phantasma "Eurabien" an und halluziniert von einer Verschwörung, die die Islamisierung Europas zum Ziel hat.

Selbst die Liberale Heide Schmidt plädiert für eine Bekehrung kopftuchtragender Frauen. Von Links bis Rechts wird um eine monokulturelle Politik geworben. Dieser europaweit populär gewordene "Kulturfundamentalismus" (Liz Fekete) sieht die Aufklärung als abgeschlossenen heiligen Prozess an, in dessen Namen der Andere in Form des Islam von der gesellschaftlichen Partizipation ausgeschlossen werden soll.

Ein nüchternes Buch zur muslimischen Community in Österreich käme in einer solchen aufgeheizten Stimmung genau richtig. Will man dem Deuticke-Verlag Glauben schenken, dann handelt es sich bei Zwischen Gottesstaat und Demokratie um genau die differenzierte Auseinandersetzung, die so dringend notwendig wäre. Doch leider hält der Verlag sein Versprechen nicht. Stattdessen werden genau die "Vorurteile und Halbwahrheiten" lanciert, die es vorgibt zu bekämpfen. Die von Mitherausgeber Thomas Schmidinger kritisierte, angeblich "homogenisierte Wahrnehmung des Islam in Österreich" wird durch die Auffassung der Autoren vervollständigt, dass praktisch alle religiösen muslimischen Vereine, Organisationen und Verbände des Landes antidemokratisch seien. Die gewählte Sprachregelung "politischer Islam" ist - wie die Autoren den Begriff verstehen - bloß ein Euphemismus für den bösen Ismus. Die Beteuerung, mit dem antiislamischen Ressentiment der extremen Rechten nichts zu tun zu haben, wirkt hohl, angesichts der Auffassung der Autoren, dass die islamischen Vereine allesamt eben die Islamisierung anstreben, vor der die Rechte warnt.

Das Handbuch des politischen Islam (Untertitel) zählt im Stile des Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus im knapp 200 Seiten starken zweiten Abschnitt sämtliche religiösen islamischen Vereine auf und stellt sie ins Islamismus-Eck. Ausnahme sind nur staatlich gelenkte Verbände, wie etwa die vom türkischen Religionsministerium geführte ATIB, denn diese seien nicht als politisch zu qualifizieren! Dabei finden sich kaum neue Informationen, es wurden meist in Medien veröffentlichte Daten so zusammengetragen, dass sie die Islamismus-These untermauern könnten. Die Logik bleibt oft auf der Strecke: Tariq Ramadan ist verwandt mit Vertretern der Muslimbruderschaft und fordert eine Wiederbelebung des Idschtihad, der zeitgemäßen Interpretation des Koran. Auch Tarafa Baghajati tritt ein für eine solche Exegese, ergo ist die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen", der Baghajati angehört, Teil der Muslimbruderschaft. Im ersten Teil werden "theoretische Grundlagen" erläutert.

Tatsächlich sind es allerhand gedankliche Verrenkungen, die die Generalaussage stützen sollen: Praktizierende Muslime dürfen nicht politisch denken und handeln. Dabei wird eine Diskrepanz zwischen religiösen und nichtreligiösen Muslimen behauptet, die so nicht stimmt. Wie bei allen Religionen wenden sich auch rein weltlich orientierte Muslime bei bestimmten Anlässen an ihre Orthodoxie (Bestattungen, Hochzeiten, ...). Säkularismus definieren die Autoren nicht als Akzeptanz einer Trennung von Staat und Religion, zu der sich die allermeisten dargestellten Organisationen bekennen - schließlich profitieren gerade religiöse Minderheiten vom Säkularismus -, sondern als persönliche Haltung, die Entscheidungen allein auf rein weltliche Überzeugungen gründet.

Damit aber greifen sie einen entscheidenden Wert der Aufklärung an, die sie an anderer Stelle zum universellen Gradmesser erklärt haben. Denn die überlässt es dem Einzelnen, womit er seine persönlichen Entscheidungen begründet. Der "politische Islam" sei nicht Teil der Moderne, weil er die "Menschenrechte, Vernunftprinzip, Volkssouveränität, Rechtsstaatlichkeit, Idee des ,freien' Individuums" etc. ablehne. Ob das zutrifft, bleibe dahingestellt. Führt man aber den Gedanken weiter, gehören Erscheinungen wie der Faschismus auch nicht zur Moderne. Folgerichtig können die Autoren dem Begriff "Islamofaschismus" einiges abgewinnen. Der staatlich anerkannten Interessenvertretung der Muslime gilt der dritte Teil, wobei sich die Auseinandersetzung mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) wie ein roter Faden durch das Werk zieht. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass das ganze Buch eigentlich auf die IGGiÖ abzielt und der Rest nur dazu dient, die Anschuldigungen zu untermauern und in den "richtigen" Kontext zu setzen.

Das Buch erhebt den Anspruch, eine journalistische Arbeit zu sein und umgibt sich zugleich mit dem Nimbus der Wissenschaftlichkeit. Tatsächlich ist Zwischen Gottesstaat und Demokratie bloß eine weitere ideologische Stellungnahme zum Thema Islam.

Thomas Schmidinger / Dunja Larise (Hg.), "Zwischen Gottesstaat und Demokratie". € 19,90 / 330 Seiten. Deuticke, Wien 2008

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