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"Streit-Chats: Heinz-Christian Strache und Omar al-Rawi: "Minarett passt kulturell nicht in unser Landschaftsbild"

Strache und al-Rawi zum Minarett-Verbot

livechat Nachlese des Streit-Chats: FP-Chef Heinz-Christian Strache und der Integrationsbeauftragte der islamischen Glaubensgemeinschaft, Omar al-Rawi über Gotteshäuser und Fehlentwicklungen bzw. Ängste bei der Integration.13:00

DiePresse.com.Moderator

Heinz-Christian Strache: Ich begrüße alle User auf das Herzlichste.


13:01 DiePresse.com.Moderator
Omar al-Rawi: Ich schließe mich der Begrüßung an und freue mich auf eine interessante Diskussion.


14:05 argentina
Ist das Minarett-Votum in der Schweiz ein Zeichen dafür, dass die Bürger unzufrieden sind, damit wie die Politik die wachsende Rolle des Islam und das Thema Integration behandelt?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Das ist mit Sicherheit ein Zeichen der Unzufriedenheit in Richtung verantwortliche Regierungspolitiker, die Fehlentwicklungen, was eine durchaus radikale Islamisierung betrifft, nicht ernst nehmen und durchaus auch die Bevölkerungsmeinung in dieser Frage nicht ernst nehmen.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Ich glaube, Minarette machen die tiefgreifende Veränderung unserer Gesellschaft, auch durch Zuwanderung sichtbar. Und diejenigen, die damit ein Problem haben, möchten durch so ein Votum diese Sichtbarkeit nicht wahrhaben. Ich glaube, dass hier Unzufriedenheit, Ängste, aber auch ein Denkzettel an die politische Elite mit einfließen.


14:09 Enzi
Angenommen, in Österreich würde auch abgestimmt werden über ein Minarett-Verbot wie in der Schweiz. Wie glauben Sie, würde eine solche Abstimmung ausgehen?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Da möchte ich nur vorweg Folgendes festhalten. Die FPÖ bekennt sich zur Religionsfreiheit und ein Minarett-Bauverbot hat damit nichts zu tun, ein Minarett passt nur kulturell nicht in unser Landschaftsbild. Eine Abstimmung hier würde ähnlich ausgehen, wie in der Schweiz, wie auch die Puls 4 und ATV-Umfragen mit mehr als 60 Prozent gezeigt haben.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Es hat verschiedene Meinungsumfragen gegeben, wo eine Mehrheit für ein Verbot sind, es gab aber auch eine, die on der APA kolportiert wurde, wo sie negativ ausgehen würde. Ich bin mir hier nicht sicher, wie eine Abstimmung ausgehen würde. Widersprechen möchte ich der Behauptung, dass islamische Architektur nicht auch ein Teil der europäischen ist, wer die Karlskirche oder die Sacherfabrik ansieht, der würde glauben, da steht eine Moschee. Leider ist uns die Synagogen-Architektur durch Verbrennungen etc. verloren gegangen. Wer sich damit beschäftigt, sieht, dass diese eine Mischung zwischen Kirche und Moschee ist. Wäre diese nicht verschwunden, hätten wr heute wohl weniger Animositäten gegen ein orientalisch aussehendes Gebetshaus.


14:20 featurecheck
Denken sie, dass ein Menschenrecht wie die Religionsfreiheit ein geeignetes Thema für eine Volksabstimmung ist? Kann man über Menschenrechte wirklich abstimmen?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Ein Menschenrecht ist sicher kein geeignetes Thema, aber beim Minarett handelt es sich nicht um ein Menschenrecht, genauso wenig wie beim Kopftuchverbot. Und deshalb soll man hier nicht zwei Paar Schuhe miteinander vermischen.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Nicht nur über Menschenrechte soll und darf man nicht abstimmen. Ich bin auch der Meinung, dass es in einer modernen Demokratie bedenklich ist, wenn Mehrheiten über Minderheiten abstimmen, speziell wenn diese Minderheiten politisch unterprivilegiert sind, weil viele von ihnen noch kein Stimmrecht haben. Gleichzeitig glaube ich, dass das Minarett nur als Symbol für die Sichtbarkeit gilt. Nicht einmal ein Prozent der Moscheen in Österreich haben überhaupt ein Minarett. Ich glaube, dass es damit weitergeht, dass man die Errichtung von Gebetshäusern überhaupt in Frage stellen und erschweren möchte und sie in Industriegebieten, Kellerlokalen, etc verbannen möchte.


14:30 DiePresse.com.Moderator
Herr Strache möchte dazu noch etwas sagen

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Jede Religion hat das Recht im Rahmen unserer Religionsfreiheit auf spirituelle Gebetsräume. Die Architektur ist jedoch eine baurechtliche Angelegenheit und es ist notwendig, darauf zu achten, dass wir nicht Parallel- und Gegengesellschaften errichten und das erleben wir, indem in Österreich politisch-kulturelle Vereine wie der türkische Verein Atib zum Beispiel um Moscheebauten ansucht und nicht die IGGiÖ (Islamische Glaubensgemeinschaft). Das wäre so, als würde der ÖAMTC einen Antrag auf Kirchenbau stellen würde. Und wir erleben Genehmigungen, die sich auf Mehrzweckeinrichtungen konzentrieren, mit Restaurant, Lebensmittelgeschäft und ähnlichem, die nicht gerade integrationsfördernd sind und gerade in Ballungszentren zu großen Belastungen für die Wohnbevölkerung führen. Deshalb sollte man diese Probleme ernst nehmen und sich sachlich damit auseinandersetzen.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Ich habe überhaupt kein Problem, über sachliche Auseinandersetzungen zu diskutieren. Wer Sorgen hat wegen Lärm, Parkplätzen, Lichteinfall, wer das thematisiert, das ist kein Problem. Wenn aber dann nicht nur die Anrainer beginnen, zu mobilisieren, sondern eine größere Gruppe, die ausgehend von einer Moschee Islam als Gefahr hochstilisiert, da ist die Grenze der berechtigten Sorge überschritten. Hier kommt das Thema ins Spiel: Mit dem Islam kann ich Ängste schüren und mobilisieren.


14:31 sc1
Herr Strache, die Freiheitlichen wolle Minarette per Bauordnung verbieten und argumentieren das mit der "Erhaltung des Ortsbildcharakters". Aber wenn man Ihnen so zuhört, geht es bei der ganzen Debatte ja um viel mehr als darum, wie so ein Minarett in einem Tiroler Dorf aussieht. Finden Sie ihre eigene Argumentation nicht feige?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Es geht auch um viel mehr, es ist nicht nur das Thema des Minaretts. Es geht auch um Entwicklung eines radikalen Islamismus, um Demokratie, um die Erhaltung christlich-europäisch-abendländischer Werte und um eine Wertedebatte. Und darum, dass sich eine freie Gesellschaft, die das bleiben will, gegen jeden Totalitarismus, auch den, der sich im Tarnmäntelchen der Religion versteckt, wehren können muss. Und Religionsfreiheit bedeutet nicht nur die Freiheit, sich zu einer Religionsgemeinschaft zu bekennen, sondern auch den Schutz des Einzelnen und der Gemeinschaft vor religiösem Fanatismus. Faktum ist, laut Verfassungsschutzbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, dass vor allem unter der zweiten und dritten Einwanderergeneration muslimischer Herkunft es eine zunehmende Affinität für den jihadistischen Salafismus zu erkennen gibt, dass es große Identitätskonflikte gibt, wirtschaftliche, politische und soziale Problemfelder gibt und ein Radikalisierungsprozess stattfindet. Und dieser findet durch Prediger statt, die hier in Moscheen Predigten gegen freiheitlich-demokratische Grundwerte halten. Deshalb muss man all diese Facetten in der Diskussion berücksichtigen.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Herr Strache bedient sich mit dieser Argumentation der Vorstellung, dass der Islam und die Muslime einen monolithischen Block darstellen. Hier werden Verallgemeinerungen, Klischees, das Bedienen von Stereotypen und Vorurteilen in einem Konglomerat vermischt, und das verpackt mit der Minarett-Debatte in einem dahergesagt. Die Argumente gegen den Islam oder die Muslime sind Rationalisierungen im psychoanalytischen Sinn, also grobe Verallgemeinerungen und nicht Argumente, denen mit Gegenargumenten begegnet werden kann. Putzig finde ich seine Sorge um die christliche Kultur, denn die Vordenker der FPÖ waren absolut keine Freunde des Christentums. Wer erinnert sich an den Slogan: "Ohne Jud und ohne Rom bauen wir den germanischen Dom."


14:33 DiePresse.com.Moderator
Herr Strache, wie stehen sie zu den Argumenten von Herrn al-Rawi, dass die Vorreiter der FPÖ keine Freunde des Christentums waren?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Was jetzt zitiert wurde ist der Herr Schönerer, lernen Sie einmal Geschichte. Wir haben eine sehr starke Verankerung in unserem Parteiprogramm. Was Sie sonst noch gesagt haben: Ich habe aus dem Verfassungsschutzbericht zitiert, das sind Ffakten. Und ich meine auch nicht, dass jeder Muslim ein radikaler Islamist ist, ganz im Gegenteil, ich respektiere auch den Islam, aber ich spreche mich gegen den Islamismus aus. Und es ist leider Faktum, dass Moscheen in Österreich verstärkt für Radikalisierungs und Rekrutierunsaktivitäten begünstigende Plattformen bieten. Es ist leider Gottes auch Realität, dass eine zunehmende Christenverfolgung vor allem in islamischen Staaten der Fall ist. Unter den 40 Staaten mit der größten Christenverfolgung sind laut Weltverfolgungsindex 30 islamische Staaten. Mit 90 Prozent stellen die Christen laut Menschenrechtsorganisationen weltweit die größte Gruppe der Verfolgten dar. Und wir erleben leider in vielen Ländern eine große Intoleranz, vor allem gegen Christen, in Ländern, wo es nicht einmal ansatzweise eine Religionsfreiheit gibt. Als Muslim geborene Ägypter, die zum Christentum konvertieren, sind mit der Todesstrafe bedroht, deshalb sind auch viele westlich orientierte Moslems zu uns nach Europa gekommen. Weil sie vor dem politischen Islam geflohen sind. Keine Religion hat politisch geführt zu werden, und es gibt leider auch einen politischen Islam, der den Islam als gesellschafts- und rechtspolitisches Gesetz betrachtet, und wo der Koran über alle anderen Gesetze gestellt wird und darüber müssen wir diskutieren, denn es braucht einen aufgeklärten Islam.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Es gibt über 70 islamische Länder in der Welt, es gibt in manchen islamischen Ländern bezüglich Religionsfreiheit Defizite und es gibt sehr viele andere, wo das nicht der Fall ist. Wo es diese Defizite gibt, verurteile ich das auf das Schärfste, ich bin ein Mitkämpfer mit der christlichen Bevölkerung in diesen Ländern. Was sehr wichtig ist, dass wir als eine aufgeklärte Gesellschaft nicht die Unzulänglichkeiten anderer Gesellschaften bei uns wiederholen dürfen. Der Islam ist eine Religion, und keine politische Bewegung. Es gibt aber natürlich politische Bewegungen, die sich auf den Islam beziehen. Diese könnten demokratisch sein, wie die AKP in der Türkei, die vergleichbar mit den Christdemokraten agiert, es gibt extremistische Bewegungen, vergleichbar mit der extremen christlichen Rechten in der USA und es gibt auch gewaltbereite, die mit Paramilitärs in Lateinamerika vergleichbar sind. Wichtig ist, dass wir nicht außer Acht lassen, dass wir uns hier in Österreich bewegen und den Gleichheitsgrundsatz und die Neutralität des Staates gegenüber allen Weltanschauungen und Konfessionen für alle gelten lassen müssen.


14:40 stefania
Herr al Rawi, ich habe viele moslemische Freunde - auch aus dem Irak -,die mir versichert haben, dass ein Minarett zur Religionsausübung absolut nicht notwendig ist. Warum wollen Sie also darauf bestehen ?

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Ich will überhaupt nicht darauf bestehen, es unbedingt zu bauen und die absolute große Mehrheit der Moscheen in Österreich haben darauf verzichtet. Was mich stört ist, dass eine Abstimmung mir prinzipiell das Recht dafür abspricht. Ich habe Verständnis, dass man architektonische Lösungen finden möge, aber Herr Strache hat auch erwähnt, es soll ein Ort der Spiritualität sein und es gibt Untersuchungen, die belegen, dass diese damit verbunden ist, was man als Kind erlebt hat. Es gibt auch Menschen, die nicht in einer Wotruba-Kirche sondern in einer gotischen oder einer im Rokoko-Stil beten wollen.

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Ich würde mir wünschen, dass ausschließlich die IGGIÖ das Recht haben sollte, um spirituelle Bauten ansuchen zu dürfen und nicht politische Gruppen. Und ich würde mir zweitens wünschen, dass die IGGIÖ von sich aus auf den Bau von Minaretten verzichtet, denn in den letzten drei Jahrzehnten war das auch keine Notwendigkeit.


14:42 bluejay
Was halten Sie beide von folgender Idee. Religionen dürfen in Österreich ihrem prozentualen Verbreitungsgrad entsprechend religiöse Bauten aufstellen.

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Ich halte nichts davon, kurz und bündig.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Religiöse Bauten müssen ja auch finanziell erhalten werden und die werden nur dort entstehen, wo der Bedarf vorhanden ist. Das ist nicht mit Quoten zu regeln.


14:44 Firemage
Meiner recherche nach zufolge stehen in österreich zwei minarette. (Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um vier.) Wo sehen sie die bedrohung? selbst wenn minarette stellvertretend für ein österreichisches problem mit dem islam wären - wird hier nicht an der ursache vorbeidebattiert?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Das Minarett ist nur ein Teil einer Gesamtdiskussion, einer großen Werte- und Kultur- und gesellschaftspolitischen Debatte, die wir zu führen haben. Wenn heute schon die AKP in der Türkei zitiert wurde, das zeigt ja auch der Verfassungsschutzbericht auf. Wie haben über 50 Prozent vorwiegend aus der Türkei kommende muslimische Zuwanderer, wo es massive fehlende Integrationsbereitschaft gibt. Und nicht aus dem Iran oder Irak, das muss man auch festhalten. Und das Minarett ist in den Augen vieler ein Siegessymbol über das Christentum. Und das hat Erdogan, AKP-Chef und Premier der Türkei in einen nicht gerade friedlichen Satz verpackt, wo er sagte, dass Moscheen Kasernen sind, die Kuppeln die Helme sind, das Minarett das Bajonett und die Gläubigen die Soldaten sind. Das ist eine symbolische Darstellung, wie manche den politischen Islam definieren.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Ich bin froh, dass Herr Strache den Sager von Erdogan erwähnt hat. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es sich hier nicht um eine religiöse Quelle handelt, sondern um das Zitieren eines pathetischen türkischen Dichters des vorigen Jahrhunderts. Und in allen Kulturen wird man so einen Pathos auch finden. Was man dazu sagen muss, dass Erdogan aufgrund dieses Gedichtes sein Amt als Bürgermeister verloren hat, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde und mehrere Jahre von der politischen Tätigkeit ausgeschlossen wurde. Und kam geläutert heraus. Ohne dass er diesen Satz nicht widerrufen hätte, hätte er seine politische Arbeit nicht wieder aufnehmen können. Die Minarette sind keine Machtdemonstration sondern eine architektonische Eigenart. Sie sind kulturell und historisch über viele Jahrhunderte gewachsen, den Kirchen abgeschaut und nachgeahmt und haben verschiedene Formen. Das einzige Minarett Wiens steht einen Kilometer Luftlinie vom Donauturm entfernt und wenn man aus der Aussichtsterrasse des Turms schaut, braucht man ein geschultes Auge, um dieses winzige Minarett zu erkennen. Also von Machtdemonstration, Siegessymbol keine Rede. Herr Strache hat eingangs auch zwischen verschiedenen Zuwanderertypen differenziert. Das zeigt dass die Probleme nicht in der Religion, sondern in ökonomische, sozialen, Bildungs-Faktoren zu finden sind. Warum dann nicht aufhören, Menschen über ihre Religion zu definieren.


14:57 DiePresse.com.Moderator
Auch hier will Herr Strache noch einmal reagieren:

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Bei aller friedlichen Darstellung finden die meisten Konflikte dieser Welt vorwiegend in islamischen Ländern statt. Ich habe skandalöse Schulbücher aufgedeckt, vor einigen Jahren, wo im österreichischen Religionsunterricht bei 40.000 muslimischen Schülern diese Bücher verwendet wurden. Und in diesem Religionsbuch auch aufgerufen wurden, den Weltherrschaftsanspruch umzusetzen, bildlich dargestellt als Moslem mit Maschinengewehr und Handgranate. Darüber hinaus den Schülern Dinge gelehrt wurden, die mit der ö Rechtsordnung und Verfassung nicht vereinbar sind. Nämlich Todesstrafe für Homosexuelle und Ehebrecherinnen, das Recht auf Schlagen der Ehefrau und andere skandalöse Beschreibungen, die an ö Schulen nichts verloren haben. Ich habe dieses Schulbuch bereits 2002 aufgedeckt und es wurde erst vor eineinhalb Jahren aus dem Schulverkehr gezogen. Das sind 40.000 Schüler, die sich damit auseinandersetzen mussten.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Das zitierte Buch, als Herr Strache das thematisiert hat, wurde es aus eigener Initiative nicht mehr im Unterricht verwendet und auch die zitierten Passagen wurden nicht gelehrt. Heuer haben Bildungsministerin Schmied und Anas Schakfeh ein Fünf-Punkte-Programm unterschrieben, wo bis Ende 2009 ein neuer Lehrplan mit modernen Qualitätskriterien und Unterrichtszielen in Kraft getreten ist. Die IGGIÖ wird alle Schulbücher und Lehrmaterialien bis zu diesem Datum überprüfen und die Fachinspektoren müssen jedes Semester einen Tätigkeitsbericht an das Ministerium übermitteln. Bei der Gelegenheit wurden die Landesschulräte aufgefordert, die Deutschkenntnisse aller Lehrerinnen und Lehrer zu überprüfen und alle haben sich per Unterschrift zu den demokratischen Grundrechten der ö Verfassung verpflichtet.


14:59 josephine
"Es geht auch um Entwicklung eines radikalen Islamismus": Wäre es nicht sinnvoller, die islamische Glaubensgemeinschaft zu unterstützen und im Einklang mit gut ausgebildeten Imamen die bereits existierende moslemische Gemeinde in unsere Kultur zu integrieren?

ANTWORT VON Heinz-Christian Strache:
Das wollen wir mit gesetzlich definierten Vorgaben und da haben wir klare Forderungspakete, dass Imame in Ö ausgebildet, werden, dass in deutscher Sprache gepredigt werden, Forderungen, die in vielen Punkten wohl auch im Gleichklang mit al-Rawi sind.

ANTWORT VON Omar al-Rawi:
Imame sollen Deutsch können, aber sie müssen nicht unbedingt auf Deutsch predigen, denn die Sprache ist kein Garant für einen nicht-radikalen Inhalt. Und so wie zum Beispiel in orthodoxen Kirchen in anderen Sprachen gepredigt werden kann, soll das auch in Moscheen möglich sein. Wichtig ist, dass unsere Integrationsprobleme und die Sorgen, die wir haben, nicht per Bauordnung zu lösen sind.


15:03 DiePresse.com.Moderator
Heinz-Christian Strache: Im Bereich Integration pflichte ich dem Herrn al-Rawi bei, denn ich stehe für Integration statt Parallelgesellschaft. Danke für die spannenden Fragen, wir hätten hier noch ein breites Feld abzuarbeiten und ich wünsche allen noch einen schönen und erfolgreichen Tag.


15:04 DiePresse.com.Moderator
Omar al-Rawi: Ich bedanke mich auch ganz herzlich für die Fragen. Es tut uns leid, dass nicht mehr Zeit vorhanden war, um auf alle Fragen einzugehen.


15:06 DiePresse.com.Moderator
Wir bedanken uns bei allen Usern für das Mitdiskutieren in diesem Streit-Chat. Bis zum nächsten mal!

 

Architektur: Diskussion über Moscheenbau und Architektur

Ö1 Kulturjournal

Länge: 21:35 min

Was haben Minarette für eine Funktion? Warum gibt es am Balkan so viele leerstehende Moscheen und von wem werden sie gebaut? Ist eine euroislamische Architektur denkbar? Ist sie zeitgemäß und wie könnte sie aussehen?

Diese und andere Fragen hat Sabine Oppolzer gemeinsam mit westlichen und muslimischen Architeten, Bauingenieuren und Architekturkritikern erläutert.

Im Gespräch (siehe Audio) hören Sie:

  • Kai Vöckler, in Berlin lebender Architekturkritiker und Stadtforscher, der viel am Balkan gearbeitet hat;
  • Tarafa Baghajati von der islamischen Glaubensgemeinschaft; er hat als Bauingenieur die Nationalbibliothek in Sarajevo nach dem Krieg wiederaufgebaut und ist daher speziell für Fragen des Denkmalschutzes bei islamischen Bauten zuständig;
  • Hermann Czech, einer der renommiertesten Architekten Österreichs, der gerade an der TU Wien im Rahmen einer Gastprofessur mit seinen Studenten einen Moscheen-Umbau geplant hat;
  • Melih Yerlikaya, in Wien lebender muslimischer Architekt türkischer Abstammung, der gerade damit beauftragt wurde, die Erweiterung des Islamischen Kulturzentrums im 10. und im 20. Bezirk in Wien zu planen.

Tag der Nachbarschaft – Venediger Au - Schura-Moschee

Tag der Nachbarschaft – Venediger Au - Schura-Moschee

Die Geistesriesen "Geschichten vom Dorf"

Es ist wieder einmal gelaufen: auch das 65. Europäische Forum ist Geschichte. „Vertrauen“ hieß sein Motto. Fast ein Schlachtruf in einer Zeit der Krise, in der das Vertrauen Vieler erschüttert oder enttäuscht wurde.

Hat es deshalb so viele Menschen angezogen? Dreieinhalbtausend wieselten während zweier Wochen durch Alpbach, davon 600 Studenten aus 43 Ländern.

Das Dorf boomte. Sorgenfaltig gaben die Weisen aus aller Welt, vom UN-Generalsekretär bis hin zu Nobelpreisträgern, ihre Wortspenden zur internationalen Lage ab. Während die Jungen in Scharen zur Hauptschule zogen, wo die Seminare stattfanden. Lachend, schwätzend, erwartungsvoll.

Und ein Hin und Her war das an den Abenden, - dort ein Konzert, da ein Vortrag, und nachts noch in den Wirtsstuben. Diskussionen, Flirten, Musizieren...

Nun fahren sie ab. Professoren und Bankiers, Botschafter und Manager, Politiker, Organisatoren und Studenten. In Limousinen mit Chauffeuren die einen, mit Taxis zum Flughafen andere, mit dem Postbus zum Bahnhof die Jungen. In einer Landschaft von Laptops und Koffern und Rucksäcken stehen die Stipendiaten beisammen, so fröhlich, so satt vom Gehörten und Erlebten der letzten Wochen, so zuversichtlich, einander wieder zu sehen. Auf bald!

Im nächsten Jahr! In Alpbach?

Nur die knallharte junge Rechtsanwältin, der ich bei einer der Veranstaltungen begegnet bin, lässt sich mit der Abfahrt Zeit. Nun, da die Geistesriesen sich in alle Winde zerstreut haben, wolle sie sich mit dem „Bodensatz“ auseinander setzen; sich fragen, was an Nachhaltigem  für sie geblieben sei. - Und? Schon fündig geworden? - Die Coole wiegt den Kopf. „Die Morgenbetrachtungen“, meint sie, die hätten ihr was gegeben. Diese Morgenbetrachtungen. Täglich um 8.30h im Feuerwehrhaus. Ein halbes Stündchen Innehalten mit Vertretern der großen Weltreligionen unter Schutz und Schirm des Alpbacher Pfarrers. Die Superintendentin der Evangelischen Kirche für Salzburg und Tirol, die dir mit ihren Gedanken das Herz bewegt.

Die Bischöfe Kapellari und Scheuer, die dir den Begriff Vertrauen aus Sicht der Kirche deuten. Der wunderbare Omar Al Rawi, Vertreter des Islam, der die Poesie des Koran vermittelt. Rabbi  Rothschild aus London, der für mehr Liberalität im Judentum eintritt. Der Buddhist Gerhard Weißgrab, der seine Lehre so schlicht begreiflich macht. Man muss nicht studiert haben, um ihnen zu folgen. Das Herz aufmachen und das Hirn, dann nimmt man etwas mit.

Die Rechtsanwältin gehörte zu den wenigen Teilnehmer am Forum, die täglich kamen. In der Mehrzahl waren es Einheimische, die sich zur Morgenstund im Feuerwehrhaus versammelten. Aufmerksam lauschten.

Beim Gehen Gedanken austauschten. Bereichert schienen. All das fiel meiner kritischen Juristin auf. All das gelte auch für sie. Intellekt allein genüge in Zeiten wie diesen offenbar nicht. „Vielleicht“  meinte sie „hat man die eigentlichen Geistesriesen dieses Forums zwischen 8.30h und 9h morgens angetroffen.“
 
Hanna Molden,

"Dorfgeschichte" in der Tiroler Kronenzeitung veröffentlicht

Warum SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi Türkisch und VP-Stadtrat Norbert Walter Kroatisch lernt

Wien-Wahl: Das Buhlen um die Migranten-Communitys

Gerade in Vorwahlzeiten beginnen sich Politiker für die Bevölkerungsgruppen ausländischer Herkunft zu interessieren. Warum SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi Türkisch und VP-Stadtrat Norbert Walter Kroatisch lernt.

Es sind oft kleine, symbolische Gesten – aber oft kommt es eben genau auf die an. Gemeint sind die Versuche von Politikern, Migranten-Communitys in ihrer Sprache anzusprechen. Wenn etwa SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi Türkisch lernt, ist das ein klares Zeichen, in der türkischstämmigen Bevölkerung präsenter sein zu wollen.

Ein schon allein aus wahltaktischer Sicht absolut sinnvolles Unterfangen – allein in Wien leben laut Statistik Austria rund 29.000 potenzielle Wähler mit Geburtsland Türkei, deren in Österreich geborene Kinder noch gar nicht eingerechnet. Insgesamt wird das Potenzial auf 40.000 bis 60.000 Wähler geschätzt. Und nächstes Jahr wird gewählt in der Bundeshauptstadt.

„Es gibt viele Veranstaltungen, bei denen ich wenig bis gar nichts verstehe“, sagt Al-Rawi. Einmal etwa, bei einem Termin mit dem türkischen Verein Atib – „Ich habe mir gedacht, der Dolmetscher merkt sich aber viel.“ Allein, der hatte gedacht, dass der gebürtige Iraker und Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft dem Vortrag folgen könnte. „Irgendwann hat er sich dann vorgebeugt und gemeint, wenn ich irgendetwas nicht verstehe, soll ich es ihm einfach sagen.“

Seit April besucht Al-Rawi deshalb einen Türkischkurs bei der Österreichischen Orient-Gesellschaft, eine Stunde pro Woche. „Ich will so weit kommen, dass ich Small Talk führen kann“, sagt er. Und kontrollieren können, ob Übersetzer seine Worte annähernd richtig wiedergeben. Dass er sich damit an die türkische Community anbiedern und um Stimmen buhlen will, bestreitet er: „Ich bin in der türkischen Community schon ziemlich verankert.“ Was er allerdings nicht bestreitet: „Natürlich bringt das politische Synergien, weil dort mein größtes Wählerpotenzial liegt.“

Keine Reden, aber Small Talk. Ähnlich geht es VP-Stadtrat Norbert Walter: „Sprachen zu lernen hilft dabei, sich in der Welt zu bewegen.“ Und da in Wien eben sehr viel Serbokroatisch gesprochen wird, kam Walter auf die Idee, Kroatisch zu lernen. In einem Sprachinstitut und gemeinsam mit einem Native Speaker trainiert er seit rund einem Jahr. „Man hat einen Mehrnutzen davon“, meint er. Eine Rede auf dem Viktor-Adler-Markt ist zwar noch lange nicht drin, aber ein bisschen Kommunikation ist auf jeden Fall möglich – „mit Händen und Füßen als Hilfe geht es schon“.

Politpräsenz in den Communitys. Dass die Politik die Migranten als Zielgruppe entdeckt, ist üblicherweise vor allem ein Phänomen der Wahlkampfzeit. Mit eigenen Kandidaten aus den Communitys und fremd- bzw. mehrsprachlichem Werbematerial wird vor allem auf Stimmen von türkischstämmigen und Wählern aus Ex-Jugoslawien gesetzt.

Dazu gehört auch die Teilnahme an Veranstaltungen aus den einzelnen Communitys. „Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen“, sagt Sirvan Ekici, türkischstämmige Abgeordnete der Wiener ÖVP. Und so gehört die Teilnahme von Politikern – vor allem rund um Wahlen – zum Pflichtprogramm. Ganz zufällig dürfte es jedenfalls nicht gewesen sein, dass Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel im April, mitten im AK-Wahlkampf, zu einer türkischen Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed in der Stadthalle erschien und dort – mit türkischen Untertiteln versehen – über die Sicherung von Arbeitsplätzen sprach.

Und bei all dem Werben um Stimmen aus ethnischen Communitys spielt Symbolik wieder eine große Rolle – so wie etwa das orthodoxe Gebetsband (Brojanica) von FP-Chef Heinz-Christian Strache, das ihm Sympathien aus dem serbischen Lager bringen sollte. Mit rund 36.000 in Serbien geborenen Österreichern allein in Wien schlummert auch hier ein großes Wählerpotenzial – und dabei sind deren in Österreich wahlberechtigte Kinder noch nicht mit eingerechnet. Dieses Potenzial wird sich nicht nur mit eindeutigen politischen Ansagen für sich gewinnen lassen, sondern auch mit kleinen symbolischen Gesten. Und genau auf die kommt es eben oft an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2009)

Buchempfehlung: Islamophobie in Österreich, John Bunzl/Farid Hafez

Buchempfehlung zu Islamfeindlichkeit in Österreich:

John Bunzl/Farid Hafez (Hrsg.)
Islamophobie in Österreich
224 Seiten
€ 24.90/sfr 42.90
ISBN 978-3-7065-4785-7

„Islamophobie“ ist ein Begriff, der abseits der wissenschaftlichen Debatten mittlerweile auch in der Öffentlichkeit bekannt ist. Der vorliegende interdisziplinäre Sammelband stellt eine fundierte Basis zum
Thema abseits aller emotionalen unreflektierten Debatten dar. Im Zentrum steht das Aufzeigen von verschiedenen Facetten der Repräsentation eines hauptsächlich negativ konstruierten Islambildes in Österreich. Dassoll gleichzeitig nicht heißen, dass es keine positiven Bilder gibt. Jedoch überwiegt die negative Perzeption des Islam.

Die Fallbeispiele reichen vom Kinder- sowie Schulbuch und dem islamophoben Verhalten österreichischer Parteien über die Spezifika der Rechtsprechung rund um Moscheebaukonflikte oder die Verschleierung im Gerichtssaal bis zur Islamophobie in der österreichischen Presse

Mit Beiträgen von:

Chris Allen, Matti Bunzl, Farid Hafez, Gudrun Harrer, Susanne Heine/Marianne Pratl, Jana Kübel, Rüdiger Lohlker, Christa Markom/Heidi Weinhäupl, Richard Potz, Karim Saad, Brigitte Schinkele und Barbara Sonnleitner.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und kann portofrei über die Homepage https://www.studienverlag.at/buecher/4785/islamophobie-in-oesterreich/ bestellt werden

TV: Austria plagued with Islamic controversy

Austrian authorities have prosecuted the leader of the right-leaning Freedom Party of Austria for inciting religious hatred, but some say the move sacrifices people's freedom of speech.

In 2008, Susanne Winter became a hate figure among much of Europe's Muslim community.

She told her fellow members at the right-leaning Freedom Party of Austria that, if the Prophet Mohammed were alive today, he would be considered a child molester. Austria, she warned, faced an "Islamic immigration tsunami".

"Over the past 10 years we've become the third largest party in Austria, so I know people agree with us. 'Mainstream' parties are trapped by political correctness. We don't play on fears, we raise the genuine concerns of normal people," Winter says.

Austria's politicians and its president, however, were swift in their condemnation. A two-year suspended sentence for inciting religious hatred and a  € 24,000 fine followed.

Austria's Muslims feel bolstered by her punishment - a victory in the fight against, what they call, an increasingly dangerous trend spreading across the continent.

"The new cultural racism is Islamophobia. In this sense we are concerned about the situation in Europe, but especially also in our country Austria," Tarafa Baghajati from the Initiative of Muslim Austrians says.

Europe is split over its position on Islam. Supporters of Dutch politician Geert Wilders described Britain's decision to refuse him entry over his anti-Islamic rhetoric as disgusting and cowardly. In Germany, a lack of media coverage of the murder of Marwa el-Sherbini sparked outrage in her native Egypt.

Austria itself is no stranger to the Islamic debate. In recent years, the country's politics have been torn between moderates and nationalists. Right-wing parties have been strengthening their position by playing on fears of mass immigration from Muslim countries. Until his death last year, the controversial and far-right figure Jorg Haider was Austria's most famous MP.

However, Tarafa Baghajati's wife thinks the country still has a much better relationship with Muslims than Germany, for example. Carla, who converted to Islam in 1989, renounced her German citizenship.

"I'm happy for the role we Muslims have in Austria and official

recognition. I really appreciate that we have the basis for an institutional dialogue. And it works out well, especially in the case of crisis as we saw with Susanne Winter," Carla Baghajati says.

Yet others have seen Winter's case not as an attack on Islam, but on freedom of speech. A German alternative news website backed her and, for similar reasons, reprinted the controversial Danish cartoons of the prophet Muhammad, two years ago, saying it was fighting to protect traditional European values.

"If you are a woman, a Jew or a homosexual, you have problems with Islam. We feel that all these archaic ideas are against what we believe are human rights," Dr Christine Dietrich from the "Politically Incorrect" website says.

The Viennese Islamic Centre, built in 1979 on the outskirts of the city, is one of only two mosques in all of Austria that looks identifiably like a mosque, while the rest are housed in ordinary looking buildings. It is surprising, given that for such a small country its 400,000 strong Muslim community makes up almost 5% of the total population.

The likelihood is that figure will continue to grow. Austria, and all of Europe, is at a crossroads in its relationship with Islam. The absence of a visible, architectural symbolism belies deep, and potentially explosive, emotions on both sides.

Plattform "Christen und Muslime" zu Gast im Stift Altenburg

Die im Jahr 2006 von Dr. Paul Schulmeister und Dr. Peter Pawlowsky initiierte Plattform Christen und Muslime besuchte auf Initiative von Botschafter a. D. Dr. Walter Greinert mit rund 20 Teilnehmern am 9. Mai das Benediktinerkloster Stift Altenburg.

Christlich-Muslimischer Dialog ist den Benediktinern von Altenburg eingrundsätzliches Anliegen. Der im Jahr 2006 eröffnete „Garten der Religionen“ zeugt davon ebenso wie die Vienna International Christian-Islamic Summer University, die im Jahr 2008 zum ersten Mal in Altenburg stattfand.

Neben den beiden Initiatoren der Plattform, Dr. Paul Schulmeister und Dr. Peter Pawlowsky, konnte Abt Christian Haidinger OSB als Hausherr des Klosters vor allem Carla Amina Baghajati, die Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und Mitgründerin der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, sowie deren Ehemann Dipl. Ing Tarafa Baghajati, Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Member of ENAR's Advisory Council of Eminent Experts, ENAR - European Network against Racism, herzlich willkommen heißen. Besondere Gäste waren auch Prof. Mag. Dr. Ingeborg Gabriel, Vorständin des Instituts für Sozialethik der Katholischen Fakultät der Universität Wien mit dem international anerkannten Fachmann für Interreligiösen Dialog, Prof. DDDr. Leonard Swidler von der Temple University of Philadelphia USA.

Nach einem Rundgang durch die in Europa einzigartigen Ausgrabungen des Alten Klosters in Verbindung mit herausragender zeitgenössischer Architektur und die einmalige barocke Bibliothek nahmen die Gäste am Mittagsgebet der Mönchsgemeinschaft in der Stiftskirche teil.

Beim gemeinsamen Mittagstisch, zu dem Abt Christian die Gäste in guter benediktinischer Tradition einlud, entwickelten sich erste „interreligiöse“ Gespräche und Begegnungen auch mit den Gastgebern.

Am Nachmittag übernahm P. Michael Hüttl OSB vom Stift Altenburg die Herausforderung, den Muslimischen Gästen nicht nur die Konzilserklärung „Nostra Aetate“, die sich mit der Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen beschäftigt, zu erläutern, sondern auch den im „Garten der Religionen“ dargestellten Islamischen Glaubenszugang aus christlicher Sicht.

Beim gemeinsamen Abschluss im „Salettl“ rezitierten Tarafa Baghajati und Carla Amina Baghajati aus dem Koran und Peter Pawlowsky las aus den Apophthegmata Patrum. 

In Ihren Dankesworten hob Frau Carla Amina Baghajati vor allem die Bedeutung der christlichen Werte für die geschichtliche Entwicklung Österreichs heraus, die auch von den Muslimen anerkannt und geschätzt wird. Diese geschichtliche Bedeutung sei in den Räumen und Ausgrabungen des Klosters Altenburg ebenso eindrucksvoll erlebbar, wie das Bemühen, einander wertschätzend wahr und ernst zu nehmen im „Garten der Religionen“.

Schmierereien: Feindbild Islam an der Wand

Islamfeindliche Parolen sind auf dem Vormarsch.  Muslime klagen über zu wenig Bewusstsein für Hetze gegen Islam. Auch Neonazi-Beschmierungen nehmen derzeit zu.

WIEN. „Einst: Jud - jetzt: Moslembrut“. Dieser Spruch ist - in leichten Variationen - zuletzt häufig als Graffiti an Wänden aufgetaucht. An der KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Februar, im Juni an der Tür eines Linzer Kindergartens und vergangene Woche auf einer Absperrvorrichtung vor dem Wiener Westbahnhof.

Für Karim Saad vom Dokumentationsarchiv Islamophobie ein krasser Fall von Islamfeindlichkeit. Ein Thema, das seiner Ansicht nach nie beim Namen genannt werde. Ständig werde von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gesprochen. In ein ähnliches Horn stößt Tarafa Baghajati, Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen: „Nach den Schmieraktionen in Mauthausen hat keine einzige Partei die Islamfeindlichkeit thematisiert“, meint er.

„Deckmantel Frauenrechte“

Man habe sich - „richtigerweise“ - gegen Antisemitismus ausgesprochen, gleichzeitig auch gegen Fremdenfeindlichkeit. Doch Muslime seien mit keinem Wort erwähnt worden. Eine deutliche Islamfeindlichkeit würde auch unter dem Deckmantel anderer Themen verbreitet - etwa die Kopftuchdebatte unter dem Aspekt der Frauenrechte, so Baghajati.

Polizei und Verfassungsschutz ermitteln in puncto Schmieraktionen in Hinblick auf das Verbotsgesetz und den Verdacht auf Verhetzung. „Das ist ein Offizialdelikt“, sagt Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, „und die Polizei hat dem nachzugehen.“

Im österreichischen Verfassungsschutzbericht wurden diese Delikte bisher allerdings nur unter den Punkten Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit/Rassismus und Antisemitismus ausgewertet, in Zukunft soll die Statistik der Tathandlungen auch um den Punkt „Islamophobie“ erweitert werden.

Ob hetzerische Schmierereien tatsächlich zunehmen, ist empirisch derzeit aber nicht so leicht zu beantworten. Ein systematisches Monitoring gibt es nämlich nicht. Bekannt sind nur die Fälle, die dem Antirassismusverein Zara von aufmerksamen Passanten gemeldet werden. Dort hat man 2008 insgesamt 64Fälle gezählt, den überwiegenden Teil davon in Wien. 2007 waren es noch 251, im Jahr 2006 sogar 793 gewesen.

Bewusstsein gesunken

Den Rückgang führt man bei Zara aber nicht darauf zurück, dass es weniger Fälle gäbe, sondern dass es 2006 zwei Sensibilisierungskampagnen gegeben habe, die in den Jahren darauf nicht weitergeführt wurden. Danach seien Wachsamkeit und Bewusstsein in der Bevölkerung wieder gesunken.

Im aktuellsten Bericht ist der Anteil islamfeindlicher Beschmierungen mit fünf Prozent gering, dazu kommen neun Prozent mit antitürkischen Beschimpfungen. Am häufigsten (52 Prozent) wurden 2008 Schmierereien gemeldet, die unter dem Punkt „Hakenkreuze und Antisemitisches“ zusammengefasst sind. Und die Meldungen von Neonazi-Beschmierungen, heißt es bei Zara, würden derzeit eher zunehmen.

Auf einen Blick Schmieraktion: Im Februar wurde eine Wand der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit einer antisemitisch/islamfeindlichen Parole beschmiert. Ein ähnlicher Spruch fand sich im Juni an einem Linzer Kindergarten und im Juli am Westbahnhof. Österreichs Muslime klagen, dass Islamfeindlichkeit häufig nur als Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus gesehen wird.

„Verzerrte Wahrnehmung? – Religionen in den Medien“

„Verzerrte Wahrnehmung? – Religionen in den Medien“

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