Österreich

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Erklärung der Solidaritätsplattform zu den verbalen Attacken in den letzten Tagen

Im Namen der 129 unten angeführten Organisationen, die als gemeinsame Plattform am Freitag, den 4. Juni die Wiener Demonstration in Solidarität mit der Gaza Freiheitsflotille veranstaltet haben, wollen wir hiermit unser Bedauern und  unsere Verwunderung über die verbalen Attacken gegen uns zum Ausdruck bringen.

Wir weisen den Versuch, den politischen Konflikt in Israel/Palästina religiös aufzuladen und in einen Konflikt zwischen Jüdinnen und Juden versus Musliminnen und Muslimen umzuwandeln, entschieden zurück. Die beharrliche Gleichsetzung bzw. Vermengung von Israels Militär- und Besatzungspolitik mit dem Judentum nehmen wir ebenfalls mit Erstaunen zur Kenntnis. Wir interpretieren dieses unzulässigeVorgehen als Versuch jegliche Kritik an den Gewalttaten des israelischen Militärs zu unterbinden.

Wir verurteilen die Diffamierung der zigtausenden Menschen, die mit uns gemeinsam am 4. Juni in Wien demonstriert haben. Wir sind deklarierte Feinde des Antisemitismus, wie zu Anfang der Demonstration vom Podium aus erklärt worden ist. Unsere Haltung gegen den antijüdischen Rassismus wurde im Großteil der Redebeiträge immer wieder dargelegt, wie auch von allen MedienvertreterInnen beobachtet werden konnte. Das antisemitische Plakat mit der Aufschrift "Hitler wach auf" wurde nicht auf unserer Demonstration entfaltet, um in die Kamera gehalten zu werden. Dieses Plakat empört uns ebenso wie alle anderen AntifaschistInnen und wir fordern Polizei und Staatsanwaltschaft auf, diese Person ausfindig zu machen und sie wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz vor Gericht zu stellen. Auf unserer Demonstration kam es zu keinen derartigen Zwischenfällen, der OrdnerInnendienst hat ebenfalls darauf Bedacht gelegt.

Wir verwehren uns dagegen, daß hier auf unappetitliche Weise vom tatsächlichen Verbrechen abzulenken versucht wird - nämlich an der Belagerung Gazas und dem Akt der Piraterie in internationalen Gewässern, der in der Ermordung von mehreren Aktivisten mündete. Wir stehen selbstverständlich nach wie vor  uneingeschränkt hinter unserer gemeinsamen Erklärung vom 2. Juni 2010 und fordern weiterhin die lückenlose Aufklärung der Geschehnisse durch eine internationale Kommission. Wir wissen uns damit im Einklang mit den Vereinten Nationen.

Wir ersuchen Bundeskanzler Faymann bei seinem in Kürze bevorstehenden Israel-Besuch ebenfalls das mörderische Vorgehen im Mittelmeer zu verurteilen und darauf zu drängen, daß die unrechtmäßige Aushungerung Gazas alsbald ein Ende finden werde. Wir bitten den Bundeskanzler auch darum bei seinem Israel-Besuch die VertreterInnen der PalästinenserInnen sowie der israelischen AraberInnen zu treffen.

Wir betonen hiermit zudem noch einmal, daß wir eine bunte, vielfältige und solidarische Plattform bilden, die mit Extremismus nichts zu schaffen hat. Wir werden uns weder von AntisemitInnen instrumentalisieren noch uns von LobbyistInnen der aktuellen israelischen Regierung einschüchtern lassen. In diesem Zusammenhang verurteilen wir auch den Versuch den demokratisch gewählten Abgeordneten des Wiener Landtages Omar Al Rawi mundtot zu machen.

Wien, 18.06.2010

Rückfragehinweis

Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at 0664-521 50 80

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

  1. Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
  2. Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
  3. Islamische Föderation Wien IFW
  4. Union Islamischer Kulturzentren
  5. ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
  6. IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für die   schiitischen Vereine
  7. Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
  8. Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
  9. Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
  10. Frauen in Schwarz (Wien)
  11. Wiener Friedensbewegung
  12. WONDER
  13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
  14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
  15. UETD Union of European Turkish Democrats
  16. Türkische Föderation in Österreich
  17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
  18. Österreichisch-Arabische Union
  19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
  20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
  21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
  22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
  23. Liga Kultur
  24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
  25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
  26. Ägäisches Kulturzentrum
  27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
  28. Ägyptischer Klub
  29. Ahwazische Kommunikation
  30. Al’Ahli Fanklub
  31. ALIF
  32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
  33. Arabische Organisation für Menschenrechte
  34. Arabischer Kulturverein
  35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
  36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
  37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
  38. AustroArab News
  39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
  40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
  41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
  42. Bündnis Mosaik
  43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
  44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
  45. Dar Al Arqam Moschee
  46. Dewa
  47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
  48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
  49. Gaza muss leben
  50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
  51. Hania Verein für Frauen und Kinder
  52. Help Austria
  53. IHH Austria
  54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
  55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
  56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
  57. Irakhilfswerk
  58. Irakische Gemeinde in Österreich
  59. Islamische Jugendorganisation in Wien
  60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
  61. Islamische Sozialhilfe in Krems
  62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
  63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
  64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
  65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
  66. Islamisches Institut Österreich
  67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
  68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
  69.  JUWA Jugend Föderation Österreich
  70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
  71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
  72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
  73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
  74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
  75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
  76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
  77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
  78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
  79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
  80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
  81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
  82. Kulturverein Al-Andalus
  83. Kuturverein Kanafani
  84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
  85. Linkswende
  86. Menschenfreunde International
  87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
  88.  Moschee Ahl ul beit Salzburg
  89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
  90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
  91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
  92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
  93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
  94. Muslemische Emigranten in Liesing
  95.  Muslimischer Akademikerbund
  96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
  97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
  98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
  99. Nigerian Islamic forum
  100. Nordafrika Liga
  101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
  102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
  103. Österreichisch-Arabische Union
  104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
  105. Österreichische Islamische Föderation
  106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
  107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
  108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
  109. Palästina Forum
  110. Perspektive
  111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
  112. RAMADAN Internetmedium, Wien
  113. SAMDER
  114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
  115. Sudanesischer Kulturverein
  116. Syrische Gemeinde in Österreich
  117. The colourful world of children
  118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
  119. Union albanischer Muslime in Österreich
  120. Verband der Ägypter in Österreich
  121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
  122. Verein der Erleuchtung
  123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
  124. Verein für Arabische Frauen
  125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
  126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
  127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
  128.  Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
  129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

Leserbrief: Arroganz des "Fachmanns"

Original Titel: Die Arroganz des selbsternannten "Experten"

Straches Serben, die SPÖ und der Islam, Gastkommentar von Thomas Schmidinger, 10.6. Thomas Schmidinger behauptet in seinem Kommentar, dass er live meine Ansprache bei der Demonstration gehört und dass ich den Märtyrerkult gehuldigt habe, weil ich angeblich die palästinensischen Opfer erwähnt habe, deren Kampf weitergeführt werden sollte.

Dies ist eindeutig unwahr. Herr Schmidinger hat anscheinend meine Rede nicht wirklich gehört, sondern bediente sich der APA-Meldung, die von Internetmedien sofort übernommen worden ist. Es ist jedoch seiner Aufmerksamkeit entgangen, dass diese Meldung einen Fehler aufwies und die APA diesen Fehler umgehend korrigierte. Denn ich habe nicht von den bisher umgekommenen palästinensischen Opfern des Nahost-Konfliktes gesprochen, sondern von den neun toten Friedensaktivisten. Interessant sind die Methoden der letzten Tage, die gegen meine Person angewandt werden. Ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss - eingebracht von allen Parteien - wird zum Anlass genommen, mit Unwahrheiten, Unterstellungen und Diffamierungen zu arbeiten. Hier wird anscheinend der Versuch unternommen, jemanden einzuschüchtern bzw. mundtot zu machen, anstatt sich mit dem Inhalt der Sache politisch auseinanderzusetzen.

Schmidinger möchte zwar Migranten in der Politik haben, aber es dürfen aus seiner Sicht nicht die falschen sein. Dass die von ihm angesprochene Politikerin Alev Korun von den Grünen sich einem internen Wahlverfahren stellen musste, spielt für ihn ebenso wenig eine Rolle wie die von mir erreichten Vorzugsstimmen bei den Wahlen, als ich immer der Drittplazierte war. Anscheinend liegen nicht nur die Parteien falsch, die uns aufgestellt haben, sondern auch die Wählerinnen und Wähler, die falsch gewählt haben. Ein seltsames Demokratieverständnis eines Politikwissenschaftlers. Thomas Schmidinger bezeichnete sich einst selbst als "Philozionisten". Deswegen verwundert es mich nicht, dass er in die gleiche Kerbe schlägt wie viele seiner Zeitgenossen der letzten Tage.

Hier werden Strache, die Serben und andere erwähnt, um zum Eigentlichen zu gelangen: mich wegen meiner Einstellung zum Nahost-Konflikt zu attackieren und gleichzeitig auch die Islamische Glaubensgemeinschaft zu denunzieren. Ein Strickmuster, das er bereits auch in der Auseinandersetzung während des Irak-Krieges bedient hat. Persönliche Animositäten und politische Gegnerschaft enden bei Schmidinger stets in persönlicher Diffamierung. Viel mehr verwundert mich, dass Qualitätsmedien wie "Die Presse" dieses Spiel eines Pseudo-Wissenschaftlers nicht durchschauen und ihm ein Forum bieten, um seine persönliche Agenda zu verbreiten.

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi Abgeordneter zum Wr. Landtag und Gemeinderat der Stadt Wien

Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Solidaritätsplattform zur Erstürmung des Hilfsschiffs Rachel Corrie

PRESSEMITTEILUNG

Zu der Erstürmung des Hilfsschiffs Rachel Corrie möchte ich im Namen unserer Solidaritätsplattform von 129 Organisationen auf drei wichtige Faktoren hinweisen:

1) Der Name des Schiffes ist nicht zufällig gewählt.

Rachel Ailene Corrie (* 10. April 1979 in Olympia, Washington; ? 16. März 2003 in Rafah) war eine Aktivistin der International Solidarity Movement (ISM), die von einem Bulldozer der israelischen Streitkräfte (IDF) überrollt und getötet wurde. Sie hatte versucht die Zerstörung von Häusern von palästinensischen Flüchtlingen in Gaza zu verhindern und ist seither einewichtige Symbolfigur des gewaltlosen Widerstands und verdient gerade in diesen Momenten höchster Anerkennung.

2) Die Handlung der israelischen Armee ist in unseren Augen nichts weniger als staatlich organisierte Piraterie.

3) Die Tatsache, dass eineinhalb Jahre nach der Zerstörung von Gaza, nicht einmal Baumaterial nach Gaza geliefert werden darf, ist Zeugnis der Brutalität und Herzlosigkeit der israelischen Politik. Offenbar ist das Ziel der Blockade des Gazastreifens, das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza ins Unerträgliche zu steigern, womit jegliche Hoffnung auf einen gerechten Frieden zerstört wird.

Tarafa Baghajati, Wien 5. Juni 2010

Petition an Bundeskanzler Werner Faymann

Übergeben am 4.6.2010 aus Anlass der Demonstration gegen den israelischen Angriff auf die Solidaritätsflotte „Free Gaza“

Die Organisatoren der Demonstration, 128 Organisationen der Zivilgesellschaft aus den unterschiedlichsten politischen und religiösen Bereichen, verurteilen die israelische Militäraktion gegen die Schiffe von „Free Gaza“, bei der mindestens neun Menschen getötet und Dutzende schwer verletzt worden sind, auf das Schärfste und wenden sich aus tiefer Besorgnis über die weitere Entwicklung in Gaza bzw. im gesamten Nahen Osten mit den folgenden Forderungen an Bundeskanzler Werner Faymann:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

  1. Wir ersuchen Sie eindringlich, von dem in den nächsten Wochen geplanten Besuch in Israel Abstand zu nehmen.
  2. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen unserer Bitte nicht entsprechen, dann erwarten wir zumindest von Ihnen eine unmissverständliche Verurteilung der israelischen Militäraktion während Ihres Besuches sowie auch die klare Aufforderung an die Israelische Regierung, die nunmehr seit einigen Jahren andauernde fast vollständige Abriegelung des Gazastreifens ohne weitere Verzögerung aufzuheben. Des weiteren ersuchen wir Sie auch, während Ihres Besuches in Israel unbedingt auch mit VertreterInnen der israelischen Araber, welche ja ca. 10% der Abgeordneten der Knesseth stellen, das Gespräch zu suchen.
  3. Angesichts der von Israel ausgelösten weiteren Verschärfung der Spannungen in der gesamten Region erwarten wir auch, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Bundesheer und der Israelischen Armee beendet wird.
  4. Wir erwarten auch, dass Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten in der EU sowie in den Vereinten Nationen für eine sofortige unabhängige internationale Untersuchung der israelischen Militäraktion einsetzen. In diesem Zusammenhang  verlangen wir auch eine klare Weisung an den österreichischen Vertreter im Sicherheitsrat, diese Frage auf jeden Fall kurzfristig auf die Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen und sich dort unbedingt für die Einrichtung einer derartigen Untersuchungskommission auszusprechen.
  5. Schließlich erwarten wir von der Österreichischen Bundesregierung im Rahmen ihrer eigenen bilateralen Möglichkeiten sowie vor allem auch im Rahmen der EU die bereits bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Verhängung von Sanktionen gegen Israel zu nutzen. Kurzfristig fordern wir eine Sistierung des Kooperationsübereinkommens zwischen der EU und Israel.

Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben. In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Wien, 4.6.2010

Für Rückfragen:

Tarafa Baghajati,
baghajati [at] aon.at

Erklärung zum Israelischen Angriff auf Solidariätsflotte im Mittelmeer

Erklärung der unterzeichnenden Organisationen

Siehe Unterzeichnerliste unten

Am  Freitag, 4. Juni 2010 fand zwischen 15.00 und 18.00 Uhr eine Großdemonstration mit ca. 12.000 TeilnehmerInnen in Wien statt. Die Route führte nach dem Treffpunkt vor der Oper über den Ring zum Ballhausplatz, wo
eine Abschlusskundgebung gehalten wurde. Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben.

In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Auf das Schärfste verurteilen wir das blutige Vorgehen der israelischen Marine und Armee gegen die Hilfsflotte für Gaza. Diese  völkerrechtswidrige exzessive Gewaltanwendung in internationalem Gewässer kostete wahrscheinlich das Leben von mindestens zehn FriedenaktivistInnen. Einmal mehr ignoriert die israelische Regierung Mindeststandards des Völkerrechts – wie schon im Libanon Krieg 2006 und Gaza Krieg 2008/2009. Wenn ständig sanktionslos internationale Abkommen gebrochen werden, dann meint die israelische Regierung wohl, sie stünde über dem Völkerrecht und könne sich alles erlauben.

Dieser Angriff darf daher nicht allein als eine Angelegenheit des Nahen Ostens gesehen werden. Mit dieser Aktion nimmt Israel die Internationalisierung des Konflikts scheinbar bewusst in Kauf. Der Angriff ist nicht nur als Angriff auf die PalästinenserInnen zu verstehen, sondern betrifft vor allem Europa. Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan Maguire, der bekannte schwedische Autor Henning Mankell, die beiden deutschen Parlamentarierinnen Inge Höger und Annette Groth, sowie Abgeordnete aus Norwegen, Schweden, Bulgarien, Irland und viele weitere EuropäerInnen wurden hier zur Zielscheibe dieser aggressiven und menschenverachtenden Politik. Entlarvend ist die Verhängung einer Nachrichtenzensur, wodurch bis jetzt keine Aufklärung über die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten und deren Identität gegeben ist. Auch die Kommunikationssperre in Bezug auf die widerrechtlich verschleppten hunderten AktivistInnen, deren Schiffe mit Gewalt nach Israel gebracht wurden, fällt in dieses Bild der propagandistischen Unterdrückung für die israelische Regierung  unangenehmer Tatsachen. Die verschleppten Menschen sollen umgehend freigelassen werden. Es bedarf internationalen Drucks, um eine rasche und lückenlose Aufklärung, möglichst durch unabhängige internationale Organe, zu gewährleisten.

Wir fordern die Österreichische Bundesregierung und die Europäische Union auf, eine eindeutige Verurteilung des Gewaltakts auszusprechen und die militärische Kooperation des Bundesheeres mit Israel mit sofortiger Wirkung einzustellen. Kritische Worte reichen offensichtlich nicht aus, um die israelische Regierung zur Einhaltung internationaler Standards zu bringen. Wer beharrlich UNO-Resolutionen ignoriert und stattdessen immer neue Gewaltakte setzt, wird auch jetzt nicht auf die Sprache der Diplomatie reagieren, sondern nur auf politische, spürbare Konsequenzen. Sanktionen gegen Israel sehen wir als angezeigten Weg, diese Gewaltpolitik in die Schranken zu weisen.

Den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger ersuchen wir eine Weisung an den österreichischen UN-Botschafter Thomas Mayr-Harting zu erteilen, die Frage von internationalen Sanktionen gegen Israel auf die
Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen. Diese Sanktionen sollten solange in Kraft bleiben, bis Israel die völkerrechtswidrige Abriegelung des Gazastreifens aufhebt.

An den Herrn Bundeskanzler Werner Faymann appellieren wir, seine für den 23.und 24.  Juni  2010 geplante Reise nach Israel aus Protest abzusagen.

Den Hinterbliebenen und den Familien der Opfer gilt unser Mitgefühl.

Die Verantwortlichen für dieses Massaker im Mittelmeer müssen angeklagt und vor ein internationales Gericht gestellt werden.

Wien, 04.06.2010

Rückfragehinweis (auch für Ergänzungen in der Unterzeichnerliste):
Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

1.   Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
2.   Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
3.   Islamische Föderation Wien IFW
4.   Union Islamischer Kulturzentren
5.   ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
6.   IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für dieschiitischen Vereine
7.   Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
8.   Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
9.   Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
10. Frauen in Schwarz (Wien)
11. Wiener Friedensbewegung
12. WONDER
13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
15. UETD Union of European Turkish Democrats
16. Türkische Föderation in Österreich
17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
18. Österreichisch-Arabische Union
19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
23. Liga Kultur
24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
26. Ägäisches Kulturzentrum
27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
28. Ägyptischer Klub
29. Ahwazische Kommunikation
30. Al’Ahli Fanklub
31. ALIF
32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
33. Arabische Organisation für Menschenrechte
34. Arabischer Kulturverein
35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
38. AustroArab News
39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
42. Bündnis Mosaik
43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
45. Dar Al Arqam Moschee
46. Dewa
47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
49. Gaza muss leben
50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
51. Hania Verein für Frauen und Kinder
52. Help Austria
53. IHH Austria
54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
57. Irakhilfswerk
58. Irakische Gemeinde in Österreich
59. Islamische Jugendorganisation in Wien
60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
61. Islamische Sozialhilfe in Krems
62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
66. Islamisches Institut Österreich
67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
69. JUWA Jugend Föderation Österreich
70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
82. Kulturverein Al-Andalus
83. Kuturverein Kanafani
84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
85. Linkswende
86. Menschenfreunde International
87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
88. Moschee Ahl ul beit Salzburg
89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
94. Muslemische Emigranten in Liesing
95. Muslimischer Akademikerbund
96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
99. Nigerian Islamic forum
100. Nordafrika Liga
101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
103. Österreichisch-Arabische Union
104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
105. Österreichische Islamische Föderation
106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
109. Palästina Forum
110. Perspektive
111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
112. RAMADAN Internetmedium, Wien
113. SAMDER
114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
115. Sudanesischer Kulturverein
116. Syrische Gemeinde in Österreich
117. The colourful world of children
118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
119. Union albanischer Muslime in Österreich
120. Verband der Ägypter in Österreich
121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
122. Verein der Erleuchtung
123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
124. Verein für Arabische Frauen
125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
128. Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

Ehrung für Anas Schakfeh - IGGiÖ-Präsident als "Role Model"

Wien (OTS) - Landeshauptmann Dr. Michael Häupl überreichte am Freitag dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. An der Ehrung nahmen neben politischen VertreterInnen des Landes Wien auch zahlreiche BotschafterInnen und hochrangige Repräsentanten von diversen Glaubensgemeinschaften teil. Die Laudatio hielt Dr. Thomas Oliva, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung in Ruhe, der besonders würdigte, dass Schakfeh immer das Prinzip Integration durch Partizipation hochgehalten und gelebt habe.****

Häupl betonte in seiner Begrüßung, dass sich die Stadt Wien bereits über lange Zeit durch eine besondere Form des Zusammenlebens der verschiedenen Religionen ausgezeichnet habe. Die spezielle Qualität und Wertehaltung in einer Gesellschaft mache dabei die gemeinsame Verurteilung des Terrors aus. Er dankte Schakfeh dafür, dass er sich immer schon für das friedliche Miteinander stark gemacht habe. Schakfeh drückte seinen Dank an die Stadt Wien für diese hohe Auszeichnung aus, vor allem dankte er Bürgermeister Häupl persönlich für die gute und verständnisvolle  Kooperation mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft und führte als Beispiel die Errichtung des Islamischen Friedhofs an. Er habe in Wien seinen Lebensweg gefunden und sei davon überzeugt, dass nur im Dialog etwas verändert werden könne.

Lebenslauf Anas Schakfeh

Anas Schakfeh wurde 1943 in Syrien geboren. Er studierte in Österreich und war Mitbegründer, Generalsekretär und Vorsitzender der Muslimischen Studentenunion Wien. Seit dem Jahr 2000 ist Schakfeh Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, vorher bereits geschäftsführender Präsident. In dieser Funktion setzt sich Schakfeh stets für den konstruktiven Dialog zwischen den Religionen ein. 2003 initiierte er in Graz die erste europäische Imam-Konferenz, und auch die Gleichberechtigung der Frau in der muslimischen Gesellschaft ist ihm ein Anliegen.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) du


IGGiÖ-Präsident als "Role Model": Schakfeh in Wien ausgezeichnet

Gebürtiger Syrer seit 1999 oberster Vertreter der heimischen Muslime

Wien (APA) - Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Anas Schakfeh, ist am Freitag mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet worden. Der 67-jährige gebürtige Syrer steht seit 1999 an der Spitze der Vereinigung. Laudator Thomas Oliva lobte den IG-Chef dafür, dass er ein konfliktfreies Miteinander in Wien ermögliche - und betonte: "Sie sind ein Role Model."

Auch Bürgermeister Michael Häupl (S) bedankte sich bei Schakfeh. Dieser seit mitverantwortlich dafür, dass die Kooperation der Religionsgemeinschaften in Wien so gut funktioniere: "Dazu, Herr Präsident, haben sie unendlich viel beigetragen."

Thomas Oliva, ehemaliger Chef der Wiener Industriellenvereinigung und Vorsitzender der Wiener Zuwanderungskommission, verwies auf die Bedeutung von Integration, die durch Partizipation - nicht durch Assimilation - geschehen solle. Eigene Werte müssten nicht aufgegeben werden. "Das hat nichts mit der Errichtung von Parallelgesellschaften zu tun", versicherte Oliva.

Werde Integration als Partizipation, also als Teilnahme verstanden, dann gehöre dazu auch Toleranz. Lediglich gegen Intoleranz müssen man intolerant sein. Oliva erinnerte auch an wichtige "Wegkreuzungen" im Leben des IGGiÖ-Präsidenten - unter anderem an die Imame-Konferenz 2005 in Graz - und auf die Verdienste des Geehrten im Bereich Bildung.

"In Wien zu leben ist nicht nur schön, es ist ein Privileg", versicherte Schakfeh. Und es sei ein besonderer Tag, da er eine Wiener Ehrung erhalte. Er habe in seiner Tätigkeit als Präsident der Glaubensgemeinschaft "natürlich viele Höhen und Tiefen" erlebt, aber er sei dankbar, dass ihm Einiges gelungen sei: "Denn die letzten zehn Jahre waren gekennzeichnet von der Realisierung wichtiger Infrastrukturprojekte."

So sei es etwa möglich gewesen, einen Friedhof für die Muslime zu errichten, erinnerte Schakfeh. Auch konfessionelle Schulen seien gebaut worden. Der IG-Präsident bedankte sich bei Häupl für die Unterstützung dieser Projekte.

Anas Schakfeh ist als Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft oberster Vertreter der österreichischen Muslime. Er arbeitete als Dolmetscher, Religionslehrer und Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht. Seit 1980 ist er österreichischer Staatsbürger. Seit Herbst 1999 steht er an der Spitze der Glaubensgemeinschaft.

Schakfeh wurde am 6. März 1943 in Hama in Syrien geboren. Nach der Reifeprüfung in Damaskus besuchte er das theologische Seminar in seiner Geburtsstadt. 1965 kam er nach Österreich. Er studierte vorerst Medizin und Arabistik und stieg später auf die Dolmetsch-Ausbildung um. Von 1977 bis 1984 war er in diesem Bereich tätig. 1984 wechselte er als Religionslehrer an eine Wiener AHS, im September 1998 wurde er Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht.

Bereits 1987 wurde er zum Vorsitzenden der Religionsgemeinde Wien, Niederösterreich und Burgenland gewählt. 1997 wurde Schakfeh geschäftsführender Präsident der Glaubensgemeinschaft, deren Führung er nach dem Tod seines Vorgängers Ahmad Abdelrahimsai 1999 auch offiziell übernahm. 2007 gab er seinen Rückzug bekannt, ein Nachfolger an der Spitze der Glaubensgemeinschaft wurde aber noch nicht gekürt.

Falter-Bericht über "Ex-Muslime": "Ich habe abgeschworen!"

Sie wurden terrorisiert oder geächtet. Österreichs Ex-Muslime wollen nun den Abfall vom Glauben enttabuisieren

Sibel Beyoglu müsste vielleicht nicht um ihr Leben fürchten, würde sie ihre Geschichte unter ihrem echten Namen erzählen. Sie müsste sich aber ein neues suchen. Nach außen ist Beyoglu Ehefrau, Mutter und Muslima. Nur ihr Mann und ihre Eltern kennen ihr Geheimnis: Sibel Beyoglu glaubt nicht an Allah. Die Atheistin glaubt nicht daran, dass etwa Frauen weniger wert sind als Männer, dass sie sich verschleiern müssen und nur in den Himmel kommen, wenn sie den Islam praktizieren – und ihre Ehemänner das auch gutheißen. Deshalb hat sie dem Islam, wie sie ihn kennengelernt hat, in ihrer Jugend abgeschworen und erzieht auch ihre beiden Kinder atheistisch. Dazu gehört, dass sie außerhalb der Familie unter keinen Umständen darüber sprechen dürfen.

Beyoglu lebt nicht in Saudi-Arabien oder in Afghanistan, sondern in einem Dorf mitten in der österreichischen Provinz. „Als Ausländer wirst du ausgegrenzt und hast oft nur mehr deine Community“, sagt die Tochter türkischer Einwandererkinder. „Wenn die dich verstößt, bist du ganz isoliert.“

Die verschwiegene Abkehr

Cahit Kaya nennt solche wie Sibel Beyoglu „Ex-Muslime“: muslimisch sozialisierte Menschen, die ihren Glauben nicht praktizieren oder ihm abgeschworen haben. 516.000 Muslime leben laut einer aktuellen Studie des Integrationsfonds mittlerweile in Österreich. Umfassende Untersuchungen über ihre Religiosität existieren nicht. Glaubt man der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die für sich die Vertretung aller Muslime beansprucht, sind sie gläubig bis sehr gläubig. Glaubt man Cahit Kaya, dann sind sie in ihrer Mehrheit Ex-Muslime. So wie er selbst.

„Sie trauen es sich bloß nicht zu sagen. Deshalb will ich in Zukunft in ihrem Namen sprechen“, sagt Kaya, 30, an einem trüben Jännertag im Wiener Café Korb in Vorarlberger Dialekt. Seit fünf Monaten arbeitet er zu diesem Zeitpunkt schon am mühsamen Aufbau des Zentralrats der Ex-Muslime Österreich. Mühsam deshalb, weil es zwar leicht sei, Sympathisanten zu finden, wie er sagt, doch nur wenige, die sich auch öffentlich dazu bekennen.

Die Ex-Muslime wollen künftig an vorderster Front in der heimischen Islamdebatte mitstreiten. Sie nennen sich laizistisch, humanistisch und freidenkend. Vordergründig geht es ihnen um die Enttabuisierung der Apostasie, des Abfalls vom Glauben (siehe Randspalte), den sie als ein in Österreich ebenso verbreitetes wie verschwiegenes Problem sehen. Mit ihren provokanten und polarisierenden Positionen könnten sie aber die Islamkritik selbst enttabuisieren. Denn erstmals kommt sie hierzulande nicht mehr von rechts, sondern von – ehemaligen – Muslimen selbst.

„Ich bin ein Insider und kenne die Alltagsprobleme in der Parallelgesellschaft. Auch die Öffentlichkeit soll sie kennenlernen“, sagt Kaya. Der junge Mann mit den langen Haaren hat weder Theologie studiert noch war er jemals ein frommer Muslim. Er hat die Bücher der Islamkritiker Henryk M. Broder, Necla Kelek und Ayaan Hirsi Ali gelesen und mit der antiiranischen Initiative „Stop the Bomb“ gegen das Gottesregime demonstriert.

Sein Unbehagen am Islam geht aber auf persönliche Erlebnisse mit engstirnigen Muslimen zurück. Kaya, der im Osten der Türkei geboren wurde und in Vorarlberg aufwuchs, erzählt davon, wie er von türkischen Mitschülern beschimpft wurde, wenn er eine Leberkäsesemmel aß, und vom „Psychoterror“, wenn er in einer Vorarlberger Fabrik, deren Arbeiterschaft zu 90 Prozent aus Türken bestand, bei Firmenfesten Bier trank. „Mit keiner der hunderten Diskussionen mit gläubigen Muslimen konnte ich etwas bewirken“, sagt Kaya, „sie wirken indoktriniert und werden schnell aggressiv.“ Von den beiden Möglichkeiten, in die innere Emigration zu gehen oder Muslime und ihre Gemeinschaft zu meiden, entschied er sich für die zweitere. Er zog nach Wien, begann Politik zu studieren und suchte lange nach Gleichgesinnten, ehe er vergangenes Jahr von Mina Ahadi hörte.

Als Strafe kann der Tod drohen

Die 53-jährige gebürtige Iranerin gründete vor drei Jahren in Deutschland den ersten Zentralrat der Ex-Muslime, dessen Ableger mittlerweile in England, in der Schweiz und in Skandinavien aktiv sind (siehe Randspalte). Als Studentin hatte Ahadi im Iran zunächst gegen das Regime des Schahs und dann gegen das der Mullahs gekämpft. Nachdem ihr Mann und fünf Bekannte von zuhause verschleppt und hingerichtet worden waren, floh sie nach Europa. Denn der Hausbesuch hatte ihr gegolten.

„Ich kenne den Islam, und für mich bedeutet er Tod und Schmerz“, lautet eine Losung der Kommunistin, deren Zentralrat in Europa ein Schleier- und Minarettverbot fordert und Islamorganisationen wegen Unrepräsentativität und Politisierung kritisiert. Ihr Hauptanliegen aber ist die Apostasie.

Zwei Jahre ist es her, dass ein Fall aus Afghanistan in Europa für Empörung sorgte. Der zum Christentum konvertierte Muslim Abdul Rahman, der viele Jahre in Deutschland gelebt hatte, wurde damals in Afghanistan wegen Apostasie angeklagt und mit der Todesstrafe bedroht. Erst nach erheblichem internationalem Druck wurde der Prozess wegen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt.

Der Asylwerber Majid Chavari hat eine ähnliche Geschichte zu erzählen, bloß, dass sie nicht für so viel Aufsehen sorgt, weil sie im Iran nicht Ausnahme, sondern Regel ist. Er sitzt im Wiener Café Schottenring und erzählt davon, wie er als Waise bei seinem strenggläubigen Bruder aufwuchs und den Koran Sure für Sure auswendig lernen musste. Islamkritische Fragen, die während seiner Jugend auftauchten, wurden mit öffentlichen Schlägen beantwortet. In einem geheimen Bibelkreis lernte er einen anderen Gott kennen, wie er sagt, „einen Gott, der von Liebe spricht und nicht vom Kampf“.

Als der Bibelkreis aufflog, wurde nach ihm gefahndet, seine Wohnung observiert. Auf Apostasie steht im Iran die Todesstrafe. Deshalb floh Chavari nach Europa. Seit bald sieben Jahren lebt er in Österreich, wo er sich politisch gegen das Regime engagiert, und hofft auf Asyl. „Im Iran erwartet mich der Tod“, sagt er. Weil er nichts mehr zu verlieren hat, ist er einer der wenigen Apostaten, die ihre Geschichte öffentlich erzählen. Nicht die Todesstrafe droht ihnen in Österreich, oft aber der soziale Tod.

Friederike Dostal, die in der Erzdiözese Wien für Erwachsenentaufen zuständig ist, kennt die Geschichten hinter dem Tabu. Vorsichtig geschätzt konvertieren jährlich etwa 150 Menschen in Österreich vom Islam zum Christentum. „Oft verheimlichen Täuflinge ihren Konversionsprozess oder gehen damit zumindest nicht hausieren“, sagt Dostal und erzählt Anekdoten aus ihrem Arbeitsalltag. So entschied sich etwa eine junge Jordanierin kurz vor der Zeremonie gegen ihre Taufe, nachdem ihre Familie in Jordanien deshalb bedroht worden war. Ein anderer junger Konvertit, so Dostal, habe den Satz zu hören bekommen: „Wären wir nicht in Österreich, würdest du mit dem Leben bezahlen.“

Tarafa Baghajati hingegen spricht von einem „virtuellen Problem“. Baghajatis Frau Amina ist als Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGIÖ) bekannt, der engagierte Muslim selbst ist einer der wichtigsten Fädenzieher im Hintergrund. Im Gespräch, das in der Bibliothek der Islamischen Religionspädagogischen Akademie stattfindet, plädiert er für eine freie Wahl: „Kein Zwang in der Religion, heißt es im Koran“, sagt Baghajati, ein freundlicher Herr, der gerne aus dem Koran zitiert und mit wirksamer Theatralik Gleichnisse schildert.

Eine neue Art der Islamkritik

„In Ländern, wo Apostasie rechtlich geahndet wird, liegt das „Missverständnis darin, dass zwischen dem persönlichen Religionswechseln und einem im militärischen Sinne deklarierten Hochverrat nicht unterschieden wird“, sagt Baghajati, der sich nicht als Anwalt von Gottesstaaten, sondern als kultureller Übersetzer sieht. „Unter Muslimen ist Religion eine im Herzen verankerte Sache. Man kehrt nicht nur Gott den Rücken, sondern der gesamten Familie und Gesellschaft.“

Man muss das nicht gutheißen, sagt Baghajati zwischen den Zeilen, nur verstehen muss man es, denn es sei nun einmal so. Von den sozialen, psychischen und menschlichen Krisen, von denen Cahit Kaya, Sibel Beyoglu und Friederike Dostal sprechen, sei der Glaubensgemeinschaft nichts bekannt, versichert Baghajati. Nur 21 Muslime wären 2009 ausgetreten.

„Wenn einer seine Religion wechseln will, soll er das tun. Aber er soll seine Probleme dann auch selber lösen“, sagt Baghajati. Den Zentralrat der Ex-Muslime bezeichnet er als „irrelevant“, der Name sei „falsch gewählt“. Schließlich könne jemand, der nie Muslim war, auch nicht vom Glauben abfallen.

Die Vertreter der Glaubensgemeinschaft befinden sich nun in einer neuen Situation. Bislang kam Islamkritik vor allem von rechts. Aussagen, wie jene der FPÖ-Politikerin Susanne Winter, die den Propheten Mohammed als Kinderschänder bezeichnet hat, waren unschwer als das zu entlarven, was sie sind: rassistische Verhetzung. Doch mit den Ex-Muslimen rund um Cahit Kaya melden sich jene zu Wort, die die sogenannten Parallelgesellschaften kennen, weil sie darin groß geworden sind. Cahit Kaya etwa stimmt mit Winters Aussage sprachlich nicht überein, inhaltlich hingegen schon. Noch reagieren die Glaubensvertreter einfach mit Nichtbeachtung.

Letztlich wirft das Engagement der Ex-Muslime aber eine wichtige Frage auf: Werden sie ihr Ziel erreichen und einen innerislamischen Diskurs in Gang setzen, oder werden sie bloß die Fronten zwischen Islamvertretern und Islamkritikern verhärten?

In einem Onlineinterview spricht Kaya von der Notwendigkeit einer aufklärerischen Bewegung innerhalb des Islam, er geißelt Zwangsheirat, Ehrenmorde, Steinigungen und Genitalverstümmelungen. Tarafa Baghajati würde Kaya zweifellos in vielen der Punkte zustimmen. Doch die jubelnden Kommentare unter dem Interview lassen erahnen, wer auf diese Kritik gewartet hat. Vom Islam als „Geisteskrankheit“ ist dort die Rede, davon, dass sie „heilbar“ und Österreich ein „Kolonisationsgebiet“ sei.

Als die Pressekonferenz des Zentralrats am vergangenen Freitag beginnt, wird umgehend klar, warum weder Muslime noch Islamvertreter dabei sind, um mit den neuen Kritikern zu diskutieren: Sie wären hier nicht erwünscht, die Ex-Muslime ziehen nicht in den Dialog, sondern in den Kampf. 60 Interessierte tummeln sich im Republikanischen Klub im ersten Bezirk, der bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Vor allem Atheisten, Frauenaktivistinnen und Linke sind gekommen, die jede Wortmeldung von Mina Ahadi und Cahit Kaya am Podium mit Kopfnicken und Applaus kommentieren.

Ahadi erzählt zunächst die bedrückende Geschichte ihrer Verfolgung, die auch in Deutschland kein Ende genommen hat. Nach der Gründung des dortigen Zentralrats stand sie wegen zahlreicher Morddrohungen sechs Monate lang unter Polizeischutz. Auch in Österreich erwarte sie Gewalt gegen die Initiative, sagt sie. Als sie dann von ihrem Kampf gegen europäische Islamverbände spricht, schreit sie beinahe, so empört ist sie.

Moscheen würden das Gegenteil von Integration betreiben, Islamverbände die Demokratie ablehnen und die „Islamlobby“ Islamophobie bloß als Schutzbehauptung instrumentalisieren, heißt es auf dem Podium. Gläubige Muslime werden als radikal und fanatisch dargestellt, sich selber bezeichnen die Kritiker als „normale Menschen“. Wer vor Verallgemeinerung und Islamophobie warnt, ist multikulti.

Für sie ist der Islam gefährlich

Ahadi deutet nicht etwa zwischen den Zeilen an, dass jemand als normaler Mensch in eine Moschee hineingeht und als Terrorsympathisant herauskommt. Sie sagt das ganz genau so und erntet dafür tosenden Applaus; von Menschen, die ihrer Angst endlich Luft machen wollen dürfen, ohne als rassistisch und islamophob abgestempelt zu werden, die endlich sagen wollen dürfen, dass der Islam politisch und gefährlich, dass er frauenfeindlich, ja menschenfeindlich ist und sie hier deshalb weder Minarette noch Kopftücher sehen wollen. Mina Ahadi erteilt ihnen diese Erlaubnis, denn sie ist eine von „denen“ und doch eine von „ihnen“.

„Die Gefahr besteht darin, dass sie, anstatt Teil der Lösung zu werden, Teil des Problems bleiben und auf muslimischer Seite keine selbstkritischen Debatten auslösen, sondern nur Abwehrreaktionen hervorrufen.“ Diesen Satz schrieb die Süddeutsche Zeitung einmal über die holländische Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali und ihre Mitstreiter. Er könnte sich aber ebenso gut auf den neuen Zentralrat beziehen. Denn wie dessen Exponenten da so im Republikanischen Club sitzen und gegen den Islam rasen, erwecken sie nicht den Eindruck, als würden sie für die 95 Prozent der heimischen Muslime sprechen, die keine Moschee besuchen, sondern für jene 30 Prozent Österreicher, die laut Umfragen nicht neben Muslimen leben wollen.


Nun auch die Übersetzung auf Englisch, Achtung (IMÖ-Anmerkung): Aus dem web übernommen, nicht autorisiert und von uns nicht genau auf Übereinstimmung geprüft:

"I renounced!"

They were terrorized or despised. Austria’s ex-Muslims want to remove the condemnation of leaving the faith.

Perhaps Sibel Beyoglu would have to fear for her life if she told her story under her real name. But she would have to seek a new life. To the outside world Beyoglu is a wife, mother, and Muslim woman. Only her husband and her parents know her secret: Sibel Beyoglu doesn’t believe in Allah. Being an atheist, she doesn’t believe that women are less worthy than men, that they have to hide under a veil and that the can only enter heaven if they practice Islam actively — and also if their husbands approve. That is why she renounced Islam, as she had learned it, when she was young, and she raises her children as atheists. Under no circumstances are they allowed to talk about this outside the family.— translator] and about the "psychological terrorism" by workers of a company in Vorarlberg with 90% Turkish workers whenever he drank beer at company get-togethers. "I was able to accomplish nothing talking with hundreds of faithful Muslims,", Kaya said, "they seem indoctrinated and become aggressive quickly."

Beyoglu does not live in Saudi Arabia or in Afghanistan, but in a village in the middle of the Austrian countryside. "As a foreigner you are segregated, and often there is only your community." said the daughter of Turkish Immigrants. " If they throw you out you are isolated completely."

Silent renunciation

Cahit Kaya calls people like Sibel Beyoglu "Ex-Muslims": people socialized as Muslims, but who don’t practice their faith or have renounced it. Meanwhile 516,000 Muslims are living in Austria, according to a recent study by the integration fund. There is no broad research regarding their religiousness. If we believe the Islamic community, which claims to represent all Muslims, they are all either faithful or very faithful. According to Cahit Kaya the majority consists of Ex-Muslims. Like himself.

"They don’t have the confidence to admit it. Therefore I will speak in their names in the future," the 30-year-old Kaya said in his Vorarlberg dialect, sitting in the Cafe Korb in Vienna on a cloudy day in January. For five months he has been working on the painstaking organization of a Central Council for Ex-Muslims in Austria.

Painstaking, because although it is easy to find sympathizers, as he says, only few admit this in public.

In the future, the Ex-Muslims want to join in the struggle in the first line of domestic debate about Islam. They call themselves laicist, humanistic and freethinkers. Ostensibly they are concerned with removing the censure of apostasy, of leaving the faith, which in their opinion is a widespread but undiscussed problem in Austria. With their provocative and polarizing positions, they could remove the taboo from criticism of Islam itself. For the first time this no longer comes from the political Right, but from former Muslims themselves.

"I am an insider and I know the everyday problems within a parallel society. But the public should get to know them as well," Kaya said.

The young long-haired man neither studied theology nor has he ever been a faithful Muslim. He read books written by the Islam critics-Henry M.

Broder, Necla Kelek, and Ayaan Hirsi Ali and he demonstrated against the theocratic regime with the anti-Iranian initiative "Stop the bomb".

His discomfort with Islam is grounded on personal experiences with narrow-minded Muslims. Kaya was born in Eastern Turkey and grew up in Vorarlberg, and he tells us how he was insulted by his Turkish classmates whenever he ate Leberkäsesemmel [liver loaf = type of meat loaf popular in Austria

Between the possibilities of joining the "inner emigration" or avoiding Muslims and their society company, he decided to chose the latter. He moved to Vienna, started to study politics and kept looking for like-minded people, until last year he heard of Mina Ahadi.

Death Can be a Punishment

Three years ago the 53-year-old native of Iran founded the first Central Council of Ex-Muslims in Germany, whose offshoots are now active in England, Switzerland and Scandinavia (see column). As a student in Iran Ahadi had initially opposed the regime of the Shah and then fought against the mullahs. After her husband and five friends had been kidnapped from home and put to death, she fled to Europe. That home visit had been directed at her.

"I know Islam, and for me it means death and pain" is a slogan of this Communist, whose Central Council of Europe calls for a ban on veils and minarets and criticizes Islamic organizations for not representing the majority and for politicization. Their main concern, however, is apostasy.

Two years ago, a case from Afghanistan caused outrage in Europe. Abdul Rahman, a Muslim convert to Christianity, who had lived many years in Germany, was indicted in Afghanistan for apostasy and threatened with the death penalty. It was only after considerable international pressure that the trial was terminated by reason of insanity.

The asylum-seeker Majid Chavarie has a similar story, except that it does not attract so much attention, because it is the rule rather than the exception in Iran. He sits in the Viennese Café Schottenring and tells of how he grew up as an orphan with his devout brother and had to memorize the Koran sura by sura. During his youth, critical questions about Islam were met with public beatings. In a secret Bible study, he became acquainted with another god, as he says, "a God who speaks of love and not of battle."

When the Bible study group was uncovered, he was hunted and his house was under surveillance. Apostasy in Iran is punished by death. Therefore Chavarie fled to Europe. For nearly seven years he has lived in Austria, where he is politically active against the (Iranian) regime, and is hoping for asylum here. "In Iran the death penalty awaits me" he says. Because he has nothing left to lose, he is one of the few apostates to tell his story publicly. They do not face the death penalty in Austria, but often a social death.

Friederike Dostal, who is responsible for baptizing adults in the archdiocese of Vienna knows the stories behind the taboo. By conservative estimate, about 150 people a year convert from Islam to Christianity in Austria. "Often baptized candidates conceal their conversion process or at least don’t spread the news," says Dostal and tells anecdotes of her everyday work. For instance, a young Jordanian woman shortly before her ceremony decided against her baptism, after her family in Jordan was threatened. Another young convert, according to Dostal, had to hear the sentence: "If we were not in Austria, you would pay with your life."

Tarafa Baghajati, on the other hand, speaks of a "virtual problem".

Baghajati’s wife Amina is known as the spokesperson of the Islamic Religious Community (IGGIÖ); he himself, as a committed Muslim is one of the most important string-pullers in the background. In the conversation taking place in the library of the Academy of Islamic Religious Pedagogy, he pleads for free choice: "No compulsion is the word in the Koran," says Baghajati, a friendly man who likes to quote from the Koran to demonstrate parables with effective theatricality.

A new kind of criticizing Islam

"In countries where apostasy is punishable by law, the misunderstanding consists of making no distinction between the person changing his religion and high treason declared in a military sense,"

says Baghajati who does not see himself as the advocate of theocratic states, but as a cultural interpreter. "Among Muslims, religion is enshrined in the heart. You not only turn your back on God, but on your entire family and society. "

One does not have to approve of that, Baghajati says between the lines, but must understand it, because that is the way it is. The social, psychological, and human crises of which Cahit Kaya, Sibel Beyoglu, and Friederike Dostal speak are not known to the faith community, Baghajati assures. Only 21 Muslims left the faith in 2009.

"If someone wants to change his religion, he should do that. But he should then solve his problems on his own," Baghajati said. He refers to the Central Council of Ex-Muslims as "irrelevant"; the name was "a false choice". Finally, someone who has never been a Muslim could not also fall from the faith.

The representatives of the faith community are now in a new situation.

So far, criticism of Islam came mainly from the Right. Statements like that of FPÖ politician Susanne Winter, who has called the Prophet Muhammad a child molester, were not difficult to debunk as what they

are: racist incitement. But of the ex-Muslims of Cahit Kaya, those who know the so-called parallel society, because they grew up in it, step forward to comment. Cahit Kaya does not agree with the language of Winter’s remark, but with its content. Religious representatives still pay no attention.

Ultimately, the involvement of ex-Muslims, raises an important

question: Will they reach their target and launch an inner-Islamic discourse, or will they just harden the battle lines between Islamic representatives and critics of Islam?

In an online interview Kaya speaks of the need for an enlightenment movement within Islam. He condemns forced marriages, honor killings, stoning, and genital mutilation. Tarafa Baghajati would undoubtedly agree with Kaya on many of these points. However, the jubilant comments below the interview hint at who has been waiting for this criticism.

There is talk of Islam as a "mental illness" and that it is "curable", and that Austria is a "territory of colonization."

When the press conference of the Central Council started last Friday, it was immediately clear why neither Muslims nor Islamic representatives were present to discuss with the new critics: they were not welcome here. The ex-Muslims are not looking for dialogue, but a fight. Sixty interested people gathered in the Republican Club in the first district, which was packed to the rafters. Above all, atheists, feminists and leftists came and commented on every remark made from the podium by Mina Ahadi and Cahit Kaya, with nods and applause.

Ahadi first tells the depressing story of her persecution, which did not stop even in Germany. After the founding of the Central Council she was under police protection for six months because of numerous death threats. In Austria too, she expects violence against the initiative, she says. When she speaks of her struggle against European Islamic organizations, she almost shouts, she is so outraged.

Mosques would advance the opposite of integration, Islamic groups would reject democracy, and the "Islamic lobby" simply uses Islamophobia as a defensive statement: these are the things that are said on the podium. Devout Muslims are portrayed as radical and fanatic, the critics described as "normal people." Anyone who warns against generalization and Islamophobia is called multi-culti.

Islam is Dangerous for her

It is not that Ahadi implies "between the lines" that someone enters a mosque as a normal person and comes out as a supporter of terror. She says it straight out and earns thunderous applause, from people who want to finally be allowed to express their fear freely without being branded racist and Islamophobic, people who want to finally say that Islam is political and dangerous, is anti-feminine and indeed anti-human, and that they therefore want to see neither minarets nor headscarves. Mina Ahadi grants them this permission, because she is one of "those" and yet one of "these".

"The danger is that, rather than being part of the solution, they remain part of the problem, and do not cause any self-critical debate on the Muslim side, but merely defensive reactions." This sentence appeared one time in Sueddeutsche Zeitung about the Dutch Islam critic Ayaan Hirsi Ali and her companions in the struggle. It could, however, relate equally well to the new Central Council. For, as its exponents are sitting at the Republican Club and raging against Islam, they do not give the impression that they would speak for 95 percent of the local Muslims who do not attend mosques, but rather for those 30 percent of Austrians, who according to surveys, do not want to live next door to Muslims.

Muslime, bitte melden

Die IGGiÖ will einen Überblick über Gläubige und Moscheen in Österreich

Seit Beginn 2010 bittet die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) alle österreichischen Muslime, Moscheen und muslimischen Verbände, sich bei ihr zu registrieren. Anders als im Christentum gibt es im Islam keine Taufe - daher fehlt der IGGiÖ bisher der Überblick über mögliche Mitglieder.

Als die Gemeinschaft 1979 gegründet wurde, lebten in Österreich 4000 bis 5000 Muslime. Heute sind es 400.000 bis 500.000, schätzt Amina Baghajati von der IGGiÖ: etwa sechs Prozent der Bevölkerung. Die letzte offizielle Erhebung war die Volkszählung im Jahr 2001. Damals lebten 340.000 Muslime im Land: rund vier Prozent der Bevölkerung.

Langfristiges Ziel der IGGiÖ ist es, dass Eltern ihre Kinder gleich nach der Geburt als Muslime registrieren - so selbstverständlich, wie sie sie am Standesamt melden. Gründe dafür gibt es viele: Ein Adressverzeichnis erleichtert Zusendungen und Vernetzung. Der Bedarf für muslimische Seelsorge oder Bildungseinrichtungen kann erhoben werden. Es erleichtert die Ausstellung eines Bescheides über die muslimische Religionszugehörigkeit für den Religionsunterricht oder einen Platz auf dem islamischen Friedhof. Schließlich sollen so die Wahlberechtigten für die lokalen Vertretungen bestimmt werden, die wiederum den Schurarat wählen, eine Art "Parlament" der österreichischen Muslime. Noch 2010 sollen diese Wahlen durchgeführt werden.

Einfach wird die Registrierung nicht. In Österreich darf es laut dem Islamgesetz aus dem Jahr 1912 nur eine staatlich anerkannte Vertretung der Muslime geben: "Wer sagt: ,Ich bin Muslim', wird von der IGGiÖ vertreten - so wie es nur eine katholische Religion gibt", erklärt Nikolaus Pelinka, Sprecher des Unterrichtsministeriums, das für Kultusangelegenheiten zuständig ist. Doch allein in Wien gibt es aber etwa 100 Gebetsräume und Vereine verschiedenster islamischer Strömungen - und vor allem türkisch-religiöse Gruppen wollen von der IGGiÖ nicht vertreten werden. Die Religionsgemeinschaft der Aleviten (60.000 Mitglieder) hat sich sogar vor dem Verfassungsgerichtshof beschwert und fordert eine Aufhebung des Islamgesetzes.

Stärker als religiöse Unterschiede präge die Muslime aber ihre unterschiedliche Herkunft, meint Baghajati. Die meisten Muslime in Österreich stammen aus der Türkei oder Bosnien, andere kommen aus dem Iran oder Saudi-Arabien.

Den Abnabelungsprozess von der Herkunftsgesellschaft will die IGGiÖ erleichtern. Langfristig soll eine eigene Identität entstehen, muslimisch und österreichisch gleichzeitig. Dann, so Baghajati, werde eine Registrierung keine Zählung mehr, sondern ein "spannender Transformationsprozess" sein.

(tob, DER STANDARD - Printausgabe, 26. Februar 2010)

Islamische Seelsorge im Gefängnis wird vereinheitlicht

Derzeit befinden sich rund 1300 Muslime in Österreichs Gefängnissen. Ihre Seelsorger brauchen Matura, gute Deutsch- und Rechtskenntnisse. Künftig soll in allen Gefängnissen muslimische Seelsorge möglich sein.

Die islamische Seelsorge in Gefängnissen wird österreichweit vereinheitlicht. Diese Woche haben Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP) und Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet, hieß es am Freitag in einer Aussendung. Diese enthält unter anderem Mindeststandards für die islamischen Seelsorger, wie Cornelia Leitner, Referentin im Kabinett der Ministerin, erklärte.

Mit rund 1300 Insassen sind Muslime laut Justizministerium derzeit die zweitgrößte Glaubensgruppe in den Strafvollzugsanstalten. Bisher, so Leitner, habe es in Bezug auf die ehrenamtliche religiöse Betreuung lediglich lokale und regionale Kooperationen gegeben, regelmäßige Besuche von muslimischen Seelsorgern seien nur in zehn Gefängnissen angeboten worden. Mit der neuen Vereinbarung werde die Betreuung nun österreichweit vereinheitlicht. Ziel sei es, in allen Anstalten, wo Bedarf besteht, ein entsprechendes Angebot bereitzustellen.

Festgelegt wurden aber auch Mindeststandards für die Seelsorger und Voraussetzungen für die Gefangenenbetreuung, betonte Leitner. Dazu gehörten beispielsweise Maturareife, gute Deutschkenntnisse, um die Gottesdienste auf Deutsch halten zu können, oder Einschulungen über die Grundsätze des Strafvollzugs. Dies sei notwendig, um Glaubensausübung und Sicherheit optimal verbinden zu können, erklärte Leitner.

Bandion-Ortner hob in der Aussendung die große Bedeutung der seelsorgerischen Betreuung auf dem Weg zur Resozialisierung hervor. Auch Schakfeh zeigte sich erfreut, dass ein wichtiger Schritt zur weiteren Institutionalisierung der muslimischen Seelsorge getan worden sei.

"Burka-Diskussionen": ORF Beiträge

Über ein "Burka-Verbot" wurde am 23. Dezember in Österreich heftig diskutiert, nachdem sich Frauenministerin Heinisch-Hosek ein solches "vorstellen" konnte.

Hier Links zu der Berichterstattung der Zeit im Bild Sendungen im ORF, die online angeschaut werden können.

ZiB 1 mit einem Statement von Omar al Rawi
http://tvthek.orf.at/programs/145302-Zeit-im-Bild--OeGS-/episodes/1054439-Zeit-im-Bild--OeGS-

ZiB 2 mit Statements von Omar al Rawi und Amina Baghajati, sowie einem Live Interview mit der Frauenministerin
http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZiB-2/episodes/1051177-ZIB-2

ZiB24 mit einem Live Studiogespräch mit Carla Amina Baghajati
http://tvthek.orf.at/programs/1225-ZiB-24/episodes/1053427-ZIB-24

In der jeweiligen Hintergrundberichterstattung tritt von muslimischer Seite auch Frau Nesli Avci auf. Sie ist bekannt für ihr muslimisches Modegeschäft am Brunnenmarkt, in dem es keine Burka zu kaufen gibt....

hier noch ein link

http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZiB-2/episodes/1051177-ZIB-2

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